1. Samuel 18

Saul beneidet und hasst David. Jonathan schließt sich an David in Freundschaft an. (V. 9) 2. Saul verfolgt David durch vielerlei Nachstellungen. (18,10 – 27,12) A. Leiden Davids am Königshofe. (18,10 – 19,17) a. Saul versucht David, während dieser vor ihm spielt, mit der Lanze zu durchbohren (V. 12), verspricht ihm heuchlerisch die Ehe mit seiner ältesten Tochter Merob (V. 19) und setzt ihn dann durch die Verheißung der Hand seiner jüngeren Tochter Michol großen Gefahren im Kriege aus.

Und es geschah, als er die Unterredung mit Saul beendet hatte, verband sich die Seele Jonathas innig mit der Seele Davids, und Jonathas gewann ihn lieb wie sein Leben. V. 1-5 hängen mit [1Sam 17,55-58] zusammen. Die innigste Zuneigung besteht zwischen David und Jonathas, wie einst zwischen Jakob und Benjamin [1Mos 44,30] und Sichem und Dina. [1Mos 34,3] - Und Saul nahm ihn an jenem Tage Als er dem Könige zum Harfenspiele vorgeschlagen ward, war er demselben nicht mehr unbekannt. Vielleicht lenkte Jonathas die Berufung auf ihn. Nunmehr durfte David nicht mehr zu seiner Herde zurückkehren; es war ihm Gelegenheit gegeben, sich in den Kämpfen auszuzeichnen und in den Verfolgungen seitens Saul seine Treue gegen Gott zu beweisen. - zu sich und gestattete ihm nicht mehr, in das Haus seines Vaters zurückzukehren. David aber und Jonathas schlossen einen Bund, denn er liebte ihn wie sein Leben. Und Jonathas zog sein Obergewand aus, mit welchem er bekleidet war, und gab es David, dazu seine übrigen Kleider, sogar sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel. Die Kleider werden in der Ordnung genannt, in der David sie anlegte. Da die Waffen das Wertvollste sind, ist ihre Schenkung das Zeichen besonderer Freundschaft. - David nun zog zu allem aus, wozu ihn Saul sandte, und hielt sich klug, so dass Saul ihn über die Kriegsleute setzte; und er war bei dem ganzen Volke beliebt, besonders in den Augen der Diener Sauls. Als nun David von der Tötung des Philisters Der Philister ist Goliath. Zwischen Davids Sieg und der Siegesfeier liegen Wochen. V. 5 enthält eine allgemeine Bemerkung, mit welcher der Erzähler die eine Seite des Verhältnisses, in welches David durch seinen Sieg zu Saul kam, abschließt. Mit V. 6 geht der Verfasser zur Darlegung der anderen Seite dieses Verhältnisses über, die er 14 – 16 ähnlich abschließt wie V. 5, so dass ein Fortschritt des dort Gesagten eingetreten ist. - zurückkehrte, zogen die Frauen aus allen Städten Israels mit Gesang und Reigen dem Könige Saul entgegen, mit Jubelpauken und Zimbeln. Und die Frauen spielten und sangen, diese Worte: Saul hat tausend erschlagen und David zehntausend! Die Siegesfeier durch Frauen war im ganzen Altertum herkömmlich. [2Mos 15,20, Rich 11,34] Hebr.: Sie sangen wechselweise. Tausend: viele. Zehntausend: Noch viel mehr. [Rich 15,15] David kämpfte glücklicher als Saul und war beliebter als der heftige und argwöhnische König. - Da geriet Saul in heftigen Zorn und diese Rede missfiel in seinen Augen und er sprach: David haben sie zehntausend und mir tausend gegeben; was ist ihm noch übrig als allein das Königtum? Längst quälte ihn geheimer Verdacht, jetzt bricht Saul in offene Klagen aus. - Darum sah Saul den David von jenem Tage an und hinfort nicht mit rechten Augen an. Am folgenden Tage Am Tage nach dem feierlichen Einzug. Früher liebte Saul David und übertrug ihm wichtige Angelegenheiten, wie ganz anders jetzt! - aber befiel der böse Geist von Gott Saul, und er tobte in seinem Hause; David aber spielte auf der Harfe, wie an den andern Tagen. Und Saul hielt den Speer in seiner Hand
Saul versucht, David zu töten
und warf ihn in der Absicht, David damit an die Wand zu spießen; aber David wich zum zweiten Male von seinem Angesichte. Hebr.: Und Saul erhob seine Lanze, denkend: Ich will David an die Wand spießen, David aber mied sein Angesicht zweimal. David schrieb die Nachstellungen wohl eher dem Wahnsinne als dem Hasse des Königs zu. - Und Saul fürchtete sich vor David, denn der Herr war mit ihm, während er von ihm selbst gewichen war. Dem wahnsinnigen Hasse folgt die Furcht. - Deshalb entfernte ihn Saul von sich und machte ihn zum Obersten über tausend Mann; und er zog vor den Augen des Volkes aus und ein. Entweder weil er dort beständig weilte, oder weil er auszog und siegreich heimkehrte. Das Volk war David zugetan (V. 16), weil es ihn beständig vor Augen hatte oder wenigstens regelmäßig dann sah, wenn er in Hoffnung eines Sieges auszog oder im Triumphe zurückkehrte. Unter Volk können auch die Kämpfer verstanden sein. Nach V. 5 war er dem Hofe als Waffenträger beigesellt und wurde nur zu gewissen Gelegenheiten ausgesendet, jetzt ward er über Tausende gesetzt und kam deshalb seltener an den Hof. So glaubte Saul sich sicherer. - Auch auf allen seinen Wegen handelte David klug und der Herr war mit ihm. Als Saul sah, dass er sehr klug war, fing er an ihn zu scheuen. Ganz Israel und Juda aber liebte David, denn er zog vor ihnen her aus und ein. Und Saul sprach zu David: Siehe, ich will dir meine älteste Tochter Merob zur Frau geben, Saul hatte dies dem Besieger Goliaths verheißen. [1Sam 17,25] Jetzt durch die Vorliebe des Volkes für David genötigt, denkt er an die Erfüllung. - nur sei tapfer Mögen die Feinde dich töten! - und kämpfe die Kämpfe des Herrn! Etwas der Frömmigkeit Davids Entsprechendes. Wunderbares Verhalten Sauls! Er vermutet, dass Gott dem David das Reich bestimmt habe und will dennoch Gottes Ratschlüsse vereiteln, indem er David den Philistern preisgibt. - Saul aber dachte bei sich und sprach: Meine Hand soll sich nicht gegen ihn erheben, sondern die Hand der Philister möge über ihn kommen! David sprach zu Saul: Wer bin ich und was ist mein Leben oder das Geschlecht meines Vaters in Israel, dass ich der Schwiegersohn des Königs werden sollte? David weist klug auf seine niedrige Herkunft hin, indem er so entweder die Größe der Ehre anerkennt oder sie, den Sinn des Königs durchschauend, von sich fernhält. - Als nun die Zeit kam, dass Merob, die Tochter Sauls, David gegeben werden sollte, ward sie dem Molathiter Hadriel [2Sam 21,8] Es war dies für David die höchste Beschimpfung. Entweder war der König unbeständig oder er hoffte, David werde schon zuvor in der Schlacht fallen. - zum Weibe gegeben. Michol aber, die andere Tochter Sauls, liebte den David; dies ward Saul berichtet und es gefiel ihm wohl. Und Saul sprach: Ich will sie ihm geben, dass sie ihm zum Fallstrick werde und die Hand der Philister über ihn komme. Darum sprach Saul zu David: Um zwei Dinge Hebr.: Zum zweiten Male. Das erste Mal war, als David Merob heiraten sollte. Saul stellt eine schwierige Bedingung, nach deren Erfüllung er keine Weigerung mehr wagt. (V. 27) - kannst du heut mein Schwiegersohn werden. Und Saul gebot seinen Dienern: Redet mit David insgeheim und saget: Siehe, du gefällst dem Könige und alle seine Diener lieben dich; werde also der Schwiegersohn des Königs. Da redeten die Diener Sauls alle diese Worte vor den Ohren Davids und David sprach: Scheint euch das etwas Geringes, des Königs Schwiegersohn zu sein? Ich aber bin ein armer und geringer Mann. Arm und von geringem Ansehen, deshalb einzig geringfügigen Dingen gewachsen und nur eine kleine Morgengabe darzubringen im Stande. - Und die Diener Sauls berichteten es ihm und sprachen: Solche Worte hat David geredet. Saul aber sprach: Saget so zu David: Der König hat keine andere Brautgabe nötig als einzig hundert Vorhäute von Philistern, Der Beweis für die Tötung ebenso vieler Feinde. Saul wählt eine so hohe Zahl, damit David desto sicherer falle. - damit Rache an den Feinden des Königs genommen werde. Saul aber dachte, David in die Gewalt der Philister zu liefern. Als nun seine Diener David die Worte berichteten, welche Saul gesprochen hatte, gefiel der Vorschlag David, dass er der Schwiegersohn des Königs werden sollte. David konnte sich nicht weigern, er setzt also seine Hoffnung auf Gott. - So machte sich denn David nach etlichen Tagen auf und zog mit den Leuten, die ihm untergeben waren, fort und erschlug zweihundert Philister und brachte ihre Vorhäute und zählte sie dem Könige vor, um sein Schwiegersohn zu werden. Da gab ihm Saul seine Tochter Michol zur Frau. Und Saul sah und erkannte, dass der Herr mit David war. Michol aber, die Tochter Sauls, liebte ihn. Dies bestätigt den König in seinem Verdachte, dass David zu seinem Nachfolger bestimmt sei. Michol bewegt Saul, sein Wort zu halten. Gott ordnet in seiner Güte alles so, dass David unbeschadet der Ehre Sauls König zu werden vermag, Saul darf nur sein Versprechen erfüllen, das er, die Zukunft nicht vorhersehend, gegeben, dem Sieger seine Tochter zu geben. Damit ging denn der zukünftige König in die Familie Sauls über. Als Saul diesen Gnadenerweis betreffs Merob zurückwies, bot ihm Gott eine zweite Gelegenheit. Da begann Saul, sich noch mehr vor David zu fürchten und Saul ward der Feind Davids auf immer. Da nun die Fürsten der Philister auszogen, verhielt sich David vom Anfange ihres Auszuges an klüger als alle Diener Sauls, so dass sein Name hoch gefeiert ward.

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