1. Samuel 19

b. Saul versucht seinen Sohn und seine Freunde zu bewegen, David zu töten (V. 7), will David wiederum mit dem Speere durchbohren (V. 10) und zwingt ihn durch den Versuch, ihn durch seine Trabanten ermorden zu lassen, zur Flucht vom Hofe. B. Davids Mühsale und Gefahren auf der Flucht. (19,18 – 27,12) a. David flieht zu Samuel, wo Saul vergeblich sucht, ihn zu ergreifen.

Und Saul redete zu seinem Sohne Jonathas und zu allen seinen Dienern, dass sie David töten sollten. Hebr.: dass David getötet werden müsse. Wurde David König, so musste dies Jonathas am härtesten treffen, urteilte Saul. - Da aber Jonathas, der Sohn Sauls, David sehr liebte, teilte Jonathas es David mit und sprach: Mein Vater Saul sucht dich zu töten, darum sei morgen, Morgen früh. Der König pflegte wohl abends seine Anfälle zu haben. - ich bitte dich, auf deiner Hut und halte dich versteckt und verbirg dich. Ich aber werde mit meinem Vater hinausgehen und mich auf dem Felde neben ihn stellen, wo du immer bist, Sei ganz in der Nähe, damit ich dich schnell finde und nicht durch Abwesenheit Verdacht errege. - und werde zu meinem Vater von dir reden; und was ich immer sehe, werde ich dir mitteilen. Da redete Jonathas von David Gutes zu seinem Vater Saul und sprach zu ihm: Versündige dich nicht, o König! an deinem Diener David, denn er hat sich nicht an dir versündigt, und was er tut, bringt dir großen Nutzen. Er hat sein Leben freiwillig der Gefahr ausgesetzt und den Philister erschlagen und der Herr hat für ganz Israel großes Heil gewirkt. Du hast es gesehen und dich gefreut. Warum willst du dich denn an unschuldigem Blute versündigen, indem du David tötest, der doch ohne Schuld ist? Als Saul dies hörte, ward er durch Jonathas Rede besänftigt und schwor: So wahr der Herr lebt, er soll nicht getötet werden! Da rief Jonathas David und teilte ihm alle diese Worte mit, dann führte Jonathas David zu Saul und er war wieder bei ihm, wie er gestern und ehedem gewesen. Wieder wird er in Sauls Familie aufgenommen, aus der er [1Sam 18,13] verstoßen war, wieder wird ihm das Amt eines Waffenträgers und Psalmisten gegeben (V. 9), ohne dass er das eines Anführers niedergelegt hätte. (V. 8) Dennoch blieb die Unbeständigkeit des Königs sich gleich. - Als aber wiederum der Krieg losbrach, zog David aus und kämpfte gegen die Philister und er brachte ihnen eine große Niederlage bei, so dass sie vor ihm flohen. Der Sieg war größer als die früheren und darum war auch die freudige Erregung und der Beifall größer, als David zurückkehrte. - Doch der böse Geist vom Herrn geriet über Saul, als er in seinem Hause saß und den Speer hielt, Die Lanze ist das Zeichen seiner Würde [1Sam 22,6], ohne welches Saul sich nie zeigte, ähnlich wie die Pharaonen nie ohne Beil und Stab, die Assyrischen Könige ohne Schwert und Bogen. (Vergl. [1Sam 20,33] und [1Sam 26,7].) - David aber spielte die Harfe. Da suchte Saul David mit dem Speere an die Wand zu heften, aber David wich Saul aus und der Speer traf ihn nicht, sondern fuhr in die Wand und David floh und entkam glücklich in dieser Nacht. Die Sept. zieht dies zum Folgenden. - Da sandte Saul seine Trabanten in Davids Haus, um ihn zu bewachen und am Morgen Vielleicht, damit der Anschein eines Gerichtes gewahrt würde. - zu töten. Aber Michol, sein Weib, teilte es David mit und sprach: Wenn du dich diese Nacht nicht rettest, so bist du morgen des Todes.
David entkommt durch ein Fenster
Dann ließ sie ihn durch das Fenster hinab und so ging er davon und floh und entkam glücklich. Das Heraufziehen und Herablassen von Gegenständen war viel üblicher als das Tragen über Treppen und deshalb war alles dazu Erforderliche in größeren Häusern bereit. Wie später Paulus [Apg 9,25] wurde wohl auch David in einem Korbe heruntergelassen. Zum Andenken daran dichtete David den 58. Psalm. - Michol aber nahm eine Bildsäule, Ein Hausgötze [1Mos 31,19], wenn etwa Michol wegen ihrer Unfruchtbarkeit heimlich einen solchen hatte, oder eine Statue. - legte sie auf das Bett, wickelte ein haariges Ziegenfell um den Kopf derselben und bedeckte sie mit Kleidern. Als nun Saul Häscher sandte, um David zu ergreifen, ward ihnen geantwortet, Nach dem Hebr. antwortete Michol. Die Bildsäule war auf das Bett gelegt, damit etwa Eintretende getäuscht würden, aber Saul wusste, dass Michol David liebte, deshalb traute er nicht. - dass er krank sei. Da sandte Saul abermals die Boten hin mit der Weisung, nach David zu sehen, indem er sprach: Bringet ihn im Bette zu mir her, dass er getötet werde! Als nun die Boten kamen, fand sich die Bildsäule auf dem Bette und das Ziegenfell um ihr Haupt. Da sprach Saul zu Michol: Warum hast du mich so hintergangen und hast meinen Feind entfliehen lassen? Michol antwortete Saul: Weil er zu mir sprach: Lass mich fort, sonst töte ich dich! Nachdem sich David so durch die Flucht gerettet hatte, kam er zu Samuel nach Ramatha und berichtete ihm alles, was ihm Saul getan hatte; alsdann ging er mit Samuel von dannen und sie blieben in Najoth. Es ward aber Saul berichtet und gesagt: Siehe, David ist in Najoth in Ramatha! Da sandte Saul Häscher, um David zu ergreifen. Als diese aber den Chor der weissagenden Propheten Vor Samuels Berufung [1Sam 3,1] war das prophetische Wort in Israel selten. Samuel stiftete wohl die Vereinigungen von Propheten, welche [1Sam 10,5.10] vorkommen. Erst zur Zeit der Propheten Elias und Eliseus treten sie wieder als Prophetensöhne auf, die in Galgala, Bethel und Jericho leben. Sie führten, scheint es, ein gemeinsames Leben. Doch zur Zeit Elias und Eliseus waren sie nur im Zehnstämmereich. Der Verfall des gesetzlichen Heiligtums und des Priestertums weckte unter Samuel das Bedürfnis, unter Elias und Eliseus der gänzliche Mangel an einem Heiligtume Jahves. Wo die Sünde mächtig geworden, zeigte auch der Geist Gottes seine Kraft. - und Samuel an ihrer Spitze sahen, kam der Geist des Herrn auch über sie und auch sie begannen zu weissagen. Als dies Saul berichtet ward, sandte er noch andere Boten, aber auch diese weissagten. Und Saul sandte zum dritten Male Boten, doch auch diese weissagten. Da ward Saul sehr zornig und ging selbst nach Ramatha, und als er bis zur großen Zisterne, die in Socho ist, gekommen war, fragte er und sprach: An welchem Orte sind Samuel und David? Man sagte ihm: Siehe, sie sind in Najoth in Ramatha! Als er von dort nach Najoth in Ramatha ging, kam auch über ihn der Geist des Herrn und er ging weiter, beständig weissagend, bis er nach Najoth in Ramatha kam. Dort zog auch er seine Oberkleider aus Das Oberkleid, welches man wie einen Mantel trug, hinderte die Gebärdensprache, welche mit dem Singen oder feierlichen Beten heiliger Lieder verbunden war. Vergl. [2Sam 6,20]. - und weissagte mit den übrigen vor Samuel und lag unbekleidet Ohne Obergewand. - da den ganzen Tag und die ganze Nacht. Daher entstand auch das Sprichwort: Dies Sprichwort entstand nicht erst jetzt (vergl. [1Sam 10,12]), sondern wurde in Erinnerung gebracht. Einst hatte man sich verwundert, dass ein so unbekannter Mann wie Saul unter die Propheten gekommen, hier erstaunen alle, dass er den Propheten so feindliche und bisweilen den Einflüssen des bösen Feindes unterworfene König von Gottes Hand ergriffen wird. Vom Neid war Saul zum Hasse gekommen, vom Hasse zur Gewalttat, und je mehr seine Abneigung gegen David wuchs, umso mehr nahm die Erkenntnis zu, dass Gott mit David sei und diesem den Thron bestimmte. Jetzt geht sein Grimm so weit, dass er selbst vor Samuels Antlitz und dem Asyl der Propheten keine Scheu kennt. Doch Gott zeigt durch ein Wunder, dass er mit David ist und dass Saul nichts gegen denselben vermag. Wie einst Sauls Regierungsanfang durch eine Ekstase eingeleitet war, so wird seine Verwerfung durch eine solche bestätigt. Ist auch Saul unter den Propheten?

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