1. Samuel 21

David bei Achimelech in Nobe. (V. 9) Von Nobe flieht David zum Philisterkönig Achis in Geth. Dieser nimmt ihn nicht auf.

Und David machte sich auf und ging von dannen, Jonathas aber begab sich in die Stadt. David aber kam nach Nobe Nobe liegt im Stamme Benjamin, eine Stunde nördlich von Jerusalem. Dort war das heilige Zelt und deshalb auch der Hohepriester. Es wurde von Silo aus [1Sam 14,3] zeitweilig nach Nobe gebracht und bei der Zerstörung dieser Stadt [1Sam 22,19] nach Gabaon. [1Koe 3,4] - zu dem Priester Achimelech. Da erstaunte dieser, dass David kam, und sprach zu ihm: Warum bist du allein und ist niemand bei dir? Er war ein so großer Mann, dass er nicht ohne Gefolge zu erscheinen pflegte. Ob der Hohepriester etwa auch vermutete, dass David floh? So fürchtete er ebenso, bei dem abwesenden Könige Anstoß zu erregen wie den gegenwärtigen David zu erzürnen. - David sprach zu dem Priester Achimelech: Der König hat mir etwas befohlen und gesprochen: Niemand soll etwas von der Sache wissen, derentwegen du von mir gesandt bist, und welche Befehle ich dir gegeben habe; daher habe ich auch die Diener an den und den Ort beschieden. Der Drang der Not erklärt diese Unwahrheiten, aber macht sie nicht entschuldbar. David gesteht auch selbst [1Sam 22,22] seine Schuld der Täuschung ein. Jeder Frage zuvorkommend, erklärt er, dass er seine Diener bereits an einen bestimmten Ort bestellt, was er wohl in der Tat vor dem Zusammentreffen mit Jonathas [1Sam 20,35] getan. - Wenn du nun also etwas zur Hand hast, etwa auch nur fünf Brote, so gib es mir, oder was du sonst findest. Da antwortete der Priester David und sprach zu ihm: Ich habe keine gewöhnlichen Brote zur Hand, sondern nur heiliges Brot; sind die Diener rein, besonders von Frauen? [3Mos 24,9] Das Gesetz der Erbarmung muss dem Zeremonialgesetz vorangehen (vergl. [Mt 12,3-7, Mk 2,25-37]), doch der Hohepriester stellt die Bedingung, welche auch die Priester verpflichtete. [3Mos 22,3] - David aber entgegnete dem Priester und sprach zu ihm: Wenigstens was die Frauen betrifft, so haben wir uns seit gestern und vorgestern, als wir auszogen, enthalten und die Gefäße der Diener waren rein; und ist auch dieser Weg verunreinigt, so wird er doch heut durch die Gefäße geheiligt werden. Gefäße sind der Leib wie [1Thes 4,4]. David sagt, sie hätten das Neumondfest nach Vorschrift gefeiert, seien also rein. Sollte der Weg etwa durch ein Aas [3Mos 11,39] oder durch Heiden unrein gewesen sein, so seien sie doch durch denselben nicht verunreinigt worden, sondern dieser vielmehr durch sie rein geworden. Mit Änderung der Vokalisation eines Wortes kann auch übersetzt werden: Gewiss, Weiber waren uns verwehrt gestern und vorgestern. Als ich auszog, waren alle Knechte heilig. Es ist aber ein tüchtiger Weg, da sind sie umso mehr heut heilig samt den Kleidern. - Hierauf gab ihm der Priester das geheiligte Brot, denn es war daselbst kein anderes Brot außer den Schaubroten, welche von dem Angesichte des Herrn weggenommen waren, damit warme Brote hingelegt wurden. Nun war an jenem Tage ein Mann von den Dienern Sauls daselbst, innen im Zelte des Herrn, sein Name war Doeg, ein Idumäer, der oberste unter den Hirten Sauls. Doeg, seiner Abstammung nach ein Idumäer, der Religion nach Jude, war entweder eines Gelübdes wegen im Vorhofe oder wegen vermuteten Aussatzes [3Mos 13,4], oder es fand seine Aufnahme in die Gemeinschaft Israels eben statt. Hebr.: Er war aus Pflicht vor dem Angesichte des Herrn. Saul, der früher einige Eselinnen suchen gegangen, hatte jetzt eine Schar von Hirten, deren Vorsteher Doeg. [1Sam 22,9] - Und David sprach zu Achimelech: Hast du hier nicht einen Speer oder ein Schwert zur Hand? Denn ich habe mein Schwert und meine Waffen nicht mit mir genommen, weil der Auftrag des Königs drängte. Der Priester sprach: Siehe, hier ist das Schwert des Philisters Goliath, den du im Terebinthen-Tale erschlagen hast, es ist in ein Tuch gewickelt hinter dem Ephod; willst du dies nehmen, so nimm es, Obwohl das Schwert Gott als Gabe dargebracht war, konnte es doch, ebenso wie die Brote, im Falle äußerster Not genommen werden. - denn außer diesem ist kein anderes hier. David sprach: Diesem ist kein anderes gleich, gib es mir! So machte sich David denn auf und floh an diesem Tage vor Saul und kam zu Achis, Achis wird in [Ps 34] Achimelech genannt. Schon waren seit Goliaths Tode Jahre verflossen, darum hoffte David gewiss, des Schutzes Gottes sicher, unerkannt zu bleiben in der feindlichen Vaterstadt Goliaths und dort sicherer zu sein als in der Nähe Sauls. (h. Aug.) - dem Könige von Geth. Da sprachen die Diener des Achis zu ihm, als sie David sahen: Ist das nicht David, der König des Landes? Saul war Davids Taten gegenüber in den Hintergrund getreten. Da David Worte des Neides hörte, nimmt er zu einer List seine Zuflucht und stellt sich wahnsinnig, da Wahnsinnige nach der Anschauung des Morgenlandes unter Gottes besonderem Schutze standen. - Sangen sie ihm nicht in Reigen die Worte: Saul hat tausend geschlagen und David zehntausend? Diese Reden nahm David zu Herzen und fürchtete sich sehr vor Achis, dem Könige von Geth. Daher verstellte er sein Angesicht vor ihnen und fiel hin unter ihren Händen und stieß an die Torflügel und sein Speichel floss auf seinen Bart herab. Vergl. [Ps 33] und [Ps 55]. Da sprach Achis zu seinen Dienern: Ihr habt gesehen, dass der Mann wahnsinnig ist; warum habt ihr ihn zu mir gebracht? Fehlt es uns an Tobsüchtigen, dass ihr diesen herbeigeführt habt, damit er vor mir tobe? Soll dieser in mein Haus kommen?

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