C. Sauls Tod im Kriege gegen die Philister; Davids Sieg über die Amalekiter. (28,1 – 31,13) a. Die Philister ziehen gegen Saul in den Krieg; David begleitet sie. (V. 3) Saul erhält von Gott keine Antwort und lässt durch eine Wahrsagerin in Endor Samuel beschwören, dessen Erscheinung ihm seinen bevorstehenden Tod und die Niederlage der Israeliten voraussagt.
1Es begab sich aber in jenen Tagen, dass die Philister ihre Heerhaufen sammelten, um sich zum Kriege gegen Israel zu rüsten. Da sprach Achis zu David: Du musst nun wissen, dass du mit mir im Heerlager ausziehen musst, du und deine Leute.Damit David nicht im Philisterlande in Abwesenheit der Verteidiger desselben zurückbleibe. -2 David sprach zu Achis: Nun sollst du erfahren, was dein Diener tun wird. Und Achis sprach zu David: Und ich will dich zum Hüter meines Hauptes machen für alle Zeit.Es ist ein Versprechen für die Zukunft. David würde wohl einerseits nicht gegen Achis gekämpft haben, aber er sagt auch andererseits nicht, was er tun werde. Achis fasst die Worte so, als wolle David gegen Israel kämpfen. Der Herr zieht ihn nur deshalb aus der Verlegenheit, weil er sich durch die Schuld seines Verfolgers Saul hat in heidnisches Land flüchten müssen. -3 Samuel aber war gestorben und ganz Israel hatte ihn betrauert und sie hatten ihn zu Ramatha, in seiner Stadt, begraben. Nun hatte Saul die Zauberer und Wahrsager aus dem Lande entfernt.Es wird alles zusammengefasst, was seit der letzten Expedition der Philister geschehen. Die Austilgung der Zauberer wird erwähnt, damit das Nachfolgende verständlicher sei. Saul fühlte nach Samuels Tod, dass seine letzte Stütze gefallen, deshalb suchte er den nach dem Tode zu gewinnen, den er bei dessen Lebzeiten vernachlässigt. Darum veranstaltet er eine große Trauerfeierlichkeit und erklärt dem Götzendienste im ganzen Lande den Krieg. Seine Aufregung ward jetzt durch das Gerücht gemehrt, David sei im Lager der Philister. Zauberei und Wahrsagerei ist [3Mos 19,31, 3Mos 20,6, 5Mos 18,11] ausdrücklich verboten. -4 Da sammelten sich die Philister und kamen und lagerten sich in Sunam,In Issachar, nicht weit von Gelboe. - aber auch Saul sammelte ganz Israel und kam nach Gelboe.5 Als Saul aber das Lager der Philister sah, geriet er in Furcht und sein Herz erschrak gar sehr.Wegen der starken Rüstungen der Feinde, die nach [2Sam 1,6] besonders mit Wagen und Reitern versehen waren, aus Furcht vor David und dessen Helden [1Chr 12,22] und wohl auch, weil nach Samuels Tode die Israeliten zu seiner Sache kein Vertrauen mehr hatten. -6 Und er befragte den Herrn, aber dieser antwortete ihm nicht weder durch Traumgesichte noch durch Priester noch durch Propheten.Er versucht alle gewöhnlichen und erlaubten Weisen. Schon vorher suchte er göttliche Antworten bis zum Übermaß. [1Sam 14,18.37] Nach der Ermordung der Priester war übrigens nur Abiathar übrig [1Sam 22,20], und dieser blieb mit dem Ephod bei David. [1Sam 23,6] Wenn daher auch Saul etwa einen andern Hohenpriester einsetzte und ein Ephod mit Urim und Thummim fertigen ließ (V. 7 hebr.), war dies doch eine ungesetzliche Maßnahme und Gott antwortete ihm nicht. Saul hätte durch die Verweigerung einer göttlichen Weisung zur Erkenntnis kommen sollen, dass er einer solchen Gnade unwürdig sei und Buße tun müsse. Statt dessen begeht er ein Verbrechen, auf dem Todesstrafe stand [3Mos 20,27, 5Mos 18,11, Apg 16,16] und das er selbst verfolgt hatte. -7 Da sprach Saul zu seinen Dienern: Suchet mir ein Weib, das einen Wahrsagegeist hat, so will ich zu ihr hingehen und durch sie fragen. Seine Diener sprachen zu ihm: In EndorIm Norden des Berges Gelboe drei Stunden von dort entfernt. - ist ein Weib, das einen Wahrsagegeist hat.8 Da veränderte er sein Äußeres,Er schämte sich, sein eigenes Gesetz zu übertreten, und musste sich vor den Pfosten der Philister hüten. - zog andere Kleider an und ging mit zwei Männern hin. Und als sie des Nachts zu dem Weibe kamen, sprach er zu ihr: Sage mir die Zukunft voraus durch den Wahrsagegeist und rufe mir herauf, wen ich dir bezeichnen werde!9 Das Weib sprach zu ihm: Siehe, du weißt, was Saul getan und wie er die Zauberer und Wahrsager aus dem Lande ausgerottet hat; warum trachtest du mir also nach dem Leben, dass ich getötet werde?Sie redet vielleicht alle Besucher so an, um sie zum Schwure zu bringen. -10 Da schwur Saul ihr bei dem Herrn und sprach: So wahr der Herr lebt, es soll dir darum nichts Böses geschehen!Saul hofft Samuel zu sehen, nicht eine eitle Erscheinung. -Saul und die Hexe von Endor
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.11 Nun sprach das Weib zu ihm: Wen soll ich dir herauf rufen? Er sprach: Samuel rufe mir herauf!12 Als aber das Weib Samuel sah, schrie sie mit lauter Stimme und sprach zu Saul: Warum hast du mich hintergangen? Du bist ja Saul.13 Der König sprach zu ihr: Fürchte dich nicht! Was hast du gesehen? Das Weib sprach zu Saul:Saul sah nichts und hörte nur die Worte. - Jemanden wie einen GottElohim, eine göttliche Majestät. - sah ich aus der Erde heraufkommen.14 Da sprach er zu ihr: Welches ist seine Gestalt? Sie sprach: Ein alter Mann kommt herauf und er ist in einen Mantel gehüllt.Sie bezeichnet ihn: jener Mantel, nämlich der, welchen Samuel stets getragen und der Saul zum Wahrzeichen geworden. [1Sam 15,27] - Da merkte Saul, dass es Samuel sei, und verneigte sich mit dem Angesichte bis zur Erde und warf sich nieder.15 Samuel aber sprach zu Saul: Warum hast du mich beunruhigt, dass ich heraufgerufen ward? Saul sprach: Ich bin sehr bedrängt; denn die Philister kämpfen gegen mich und Gott hat mich verlassen und hat mich nicht erhören wollen weder durch die Propheten noch durch Traumgesichte; darum ließ ich dich rufen, dass du mir anzeigen mögest, was ich tun soll.16 Samuel sprach: Was fragst du mich, da der Herr dich verlassen und sich deinem Mitwerber zugewendet hat?Das Hebr. kann auch heißen: Und dein Gegner geworden ist. -17 Denn der Herr wird dir tun, wie er durch mich geredet hat, und wird dein Königtum aus deiner Hand reißen und deinem Nächsten, David, geben.18 Weil du der Stimme des Herrn nicht gehorcht und seinen grimmigen Zorn an Amalek nicht vollstreckt hast; darum hat der Herr dir heute getan,Die Vergangenheit des Verbum deutet etwas unwiderruflich Beschlossenes an. - was du leidest.Dein Fall. -19 Und der Herr wird auch Israel mit dir in die Hände der Philister geben; morgen aber werdet ihr, du und deine Söhne, bei mir sein,Im Totenreiche. Samuel will aber nicht die Gleichheit des Glückes andeuten. (Aug. Vergl. [JSir 3,19]) - und zudem wird der Herr das Lager Israels in die Hand der Philister geben.20 Da fiel Saul der Länge nach jäh zur Erde nieder;Über die Natur der Erscheinung sind die Meinungen geteilt. Die einen nehmen an, Samuel selbst sei erschienen, die anderen sehen in dem ganzen Hergange einen Betrug. Das letztere haben mit dem hl. Augustin die meisten Väter angenommen, das erstere mit demselben hl. Augustin (der diese Ansicht später vorzog) die weit überwiegende Mehrzahl der katholischen Theologen und neueren Ausleger verfochten. Für die letztere Meinung spricht besonders dies: Es ziemte sich nicht für Gott, eine Wahrsagerin zu brauchen, um Saul eine ihm von oben gesandte Erscheinung zu vermitteln. Zudem war das, was sie sagt, in Israel bekannt. Morgen bedeutet dann nicht den folgenden Tag, sondern im Allgemeinen die folgende Zeit. (Hier.) Sie sah Sauls Verzweiflung und schloss aus der göttlichen Vorhersagung, dass seine Söhne mit ihm fallen würden. Dem steht [JSir 46,23] nicht entgegen. Denn wie Theodoret sagt, beschrieb sie die Gestalt und Saul schloss aus der Beschreibung, dass es Samuel sei, und glaubte dies. Die Stelle des Ekklesiastikus bringt nämlich keinen neuen Bericht, sondern weist auf das [1Sam 28] Erzählte hin. Wohl nennt der Verfasser hier den, der gesehen ward, Samuel, indes weil jene es so glaubten, wie Abraham die Engel, die ihm erschienen, Männer nennt. Immerhin bleibt alsdann noch die Frage, ob der Teufel bei alledem mittätig war oder die Wahrsagerin nur Gaukelwerk trieb. – Die an erster Stelle erwähnte Meinung hebt hervor, dass die aus diesem Leben Abgeschiedenen, seien sie nun im Fegefeuer oder am Orte der Verdammnis, doch mit Gottes Zulassung handeln können, indes kann dies freilich nicht auf Befehl und nach Belieben des Menschen geschehen, wenn nicht etwa eine Willenseinheit mit dem bösen Geiste da ist. In letzterem Falle kann der Teufel die Neugierde der Menschen durch kein persönliches Eingreifen wahrhaft oder durch Täuschung befriedigen. Vergl. [2Mos 7,11]. An dieser Stelle wird von keiner Beschwörung erzählt und auf eine solche hätte Gott Samuels Erscheinen nicht zugelassen, der sich in Verklärung zeigt (V. 13) und Saul Ehrfurcht einflößt (V. 14), nicht aber Schrecken, wie sonst derartige Erscheinungen, und der mit ihm selbst ohne Vermittlung der Frau spricht. - denn er war über die Worte Samuels in großen Schrecken geraten, auch war er ohne Kraft, denn er hatte jenen ganzen Tag hindurch nichts gegessen.21 Alsbald trat das Weib zu Saul, (denn er war sehr bestürzt) und sprach zu ihm: Siehe, deine Magd hat deiner Stimme gehorcht und ich habe mein Leben in Gefahr gebracht und auf deine Worte gehört, die du zu mir gesprochen hast.22 So höre nun auch du auf die Stimme deiner Magd; ich will dir einen Bissen BrotesIrgend etwas. - vorsetzen, damit du issestDerjenigen, in deren Hause er Speise genossen, kann er nichts Böses antun. und wieder zu Kräften kommest und deines Weges zu ziehen vermögest.23 Er aber weigerte sich und sprach: Ich werde nichts essen. Da drangen seine Diener und das Weib in ihn und er hörte zuletzt auf ihre Stimme und stand von der Erde auf und setzte sich auf das Lager.24 Das Weib aber hatte ein Mastkalb im Hause, dies schlachtete sie eilends und nahm Mehl, knetete es und buk ungesäuertes Brot25 und setzte es Saul und seinen Dienern vor. Als sie nun gegessen hatten, machten sie sich auf und gingen die ganze Nacht hindurch.