1. Timotheus 4

Häretiker sind die, welche falsche Glaubenssätze und besonders eine falsche Askese lehren. (V. 3) Gründe, weshalb diese Askese eine falsche ist. (V. 5) 2. Nicht allein soll Timotheus dies den Gläubigen vorlegen, sondern auch selbst, trotz seines noch nicht vorgerückten Alters, allen in Wort und Tat als Vorbild der Tugend voranleuchten. (V. 12) 3. Deshalb soll er Lesung und Lehre seine Zeit widmen, jener Gnade eingedenk, welche er bei seiner Weihe empfangen, damit er seiner Herde das Heil verschaffen könne.

Der Geist Der Heil. Geist der Prophezeiung. Die Weise, wie der Heil. Geist prophetisch wirkte, war verschieden. Bald verlieh er jemand selbst die Kenntnis der Dinge, welche er ihm zu erkennen geben wollte, wie [1Kor 12,10], bald vermittelte er dieselbe durch dritte Personen [Apg 21,11], bald gab er nur eine Ahnung des Bevorstehenden [Apg 20,22], bald war eine Prophezeiung in klaren und bestimmten Anschauungen und Worten vermittelt. [Apg 21,22] An dieser Stelle ist dem Apostel durch Dritte die Kunde in bestimmter und klarer Rede gegeben. - aber Gegensatz zu [1Tim 3,15]. - sagt ausdrücklich, Unzweideutig. - dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, [1Tim 1,6ff] spricht er von der Gefahr, hier von der Tatsache des Abfalls. - indem sie irreführenden Geistern Lehrern, welchen selbst irrend auch andere in ihre Irrtümer zu verwickeln suchen [Mt 27,63, 2Kor 6,8, 2Joh 1,7], unter dem Vorwande höherer Eingebungen. - und Lehren der bösen Geister Gegensatz zum Heil. Geiste der Wahrheit und Frömmigkeit. - Gehör geben; solche, die mit Heuchelei Lügen reden Nach außen geben sie sich den Anschein frommer Menschen durch Enthaltsamkeit, innerlich aber sind sie entweiht. Ihr Gewissen trägt das unauslöschliche Brandmal ihres bösen Lebens. (Theoph.) - und ein Brandmal in ihrem eigenen Gewissen tragen, Die Missetäter wurden mit einem glühenden Eisen gezeichnet, ein ähnlich unauslöschliches Zeichen ist jenen in das Gewissen eingebrannt. - die da verbieten zu heiraten Sie verbieten die Gemeinschaft zur Erzeugung von Kindern. Hatten jene im Gewissen Gebrandmarkten, wie zu vermuten, vergl. [Tit 1,15ff], sich durch Unzucht entwürdigt, so war, wie es bei allen Dingen zu geschehen pflegt, die man missbraucht und durch deren sündhaften Genuss man sich herabwürdigt, jetzt in ihnen ein Überdruss an dem entstanden, was sie zuvor geliebt, und Vorwürfe des Gewissens erhoben sich. Beide führten sie dahin, nicht den Missbrauch zu bereuen und zu untersagen, sondern die Ehe selbst zu verbieten. Dabei gaben sie sich den falschen Schein von Frömmigkeit. Der Herr selbst war in der Ehelosigkeit vorangegangen, er hatte den Ehestand in seiner ganzen ernsten Bedeutung gezeigt [Mt 10,10], hatte gelehrt, dass die Zwecke des Himmels manchen gänzliche Enthaltung zur Pflicht machen. [Mt 19,12] Von seinen Aposteln waren die meisten ehelos, wer es aber nicht gewesen, hatte dem ehelichen Zusammenleben entsagt. Paulus selbst stelle den jungfräulichen Stand als Bedingung hin, Gott in vorzüglichster Weise zu dienen. [1Kor 7] So konnten jene sich das Ansehen geben, als prägten sie das Vorbild und die Lehre des Herrn am reinsten und vollkommensten aus. Und dennoch waren sie Heuchler, denn die Lehre des Herrn und seiner Apostel enthält keine Spur von Missbilligung der ehelichen Gemeinschaft und bezeichnet in keiner Weise die Enthaltung von der Ehe als etwas an sich Verdienstliches oder gar Gebotenes. Vielmehr gehört die Ehe in die ganze Heilsordnung des Evangeliums und ist also von dieser allen jenen geboten, welche nicht in der Beschaffenheit des Herzens oder in äußeren Verhältnissen entscheidenden Beruf zur Jungfräulichkeit haben. [1Kor 7] - und Speisen zu genießen, Haftete auch nach dem Sündenfalle der natürlichen Geschlechtsverbindung ein Makel an und lastete seitdem auch auf der ganzen Natur ein Fluch, so wird der erstere doch durch die sakramentalen Gnaden der Ehe weggenommen und der letztere durch Segnungen und Gebete aufgehoben. Auch hier war wohl Schwelgerei eine der tatsächlichen Ursachen des Irrtums. Zudem konnte das A. T. diesem einen gewissen Anhalt bieten, das Fasten des Herrn und die Empfehlung des Fastens, sowie die Übung desselben seitens der jünger zu höheren Zwecken [Apg 13,3] konnten ihnen einen Vorwand gewähren. Doch was die Irrlehrer veranlasste, gewisse Speisen zu meiden, war ihr irrendes Gewissen, während Christus kraft seiner Versenkung in Gott fastete. Die Verführer aßen nicht, weil sie gewisse Speisen für in sich böse hielten, die Apostel fasteten, weil sie sich scheuten, die gute Gabe zur Unzeit oder zum sittlichen Nachteil zu gebrauchen. „Es ist ein Unterschied“, sagt der heil. Augustin, „ob man aus abergläubischer Ursache eine Speise nicht genießt, oder deshalb, weil man sich abtöten will. Diese Lehre stammt von den Propheten und Aposteln, jene ist eine Lüge der bösen Geister.“ Seine letzten Wurzeln hat dieser Irrtum in der Annahme, dass die Materie von Ewigkeit neben Gott als böses Prinzip bestand. Der Apostel widerlegt hier nur den auf die Enthaltung von Speisen bezüglichen Irrtum, da er die christliche Vorstellung von der Ehe bereits [1Tim 2,15] angedeutet hat. - welche doch Gott geschaffen hat, dass sie mit Danksagung genossen werden Die Irrlehre verleugnet Gottes Werk und arbeitet seiner Absicht entgegen, den Genuss der Speise durch dankbare Gesinnung und derselben angemessene Werke zu einem Preise Gottes zu machen. Gott hätte den Menschen nicht in eine die Speise darbietende Welt hineingesetzt, wenn er nicht in der angegebenen Weise daran Anteil haben sollte. - von den Gläubigen und Das ist. - von denen, welche die Wahrheit erkannt haben. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung genossen wird; Nach [1Mos 1,31]. Das Verbot gewisser Speisen im A. T. hatte teils diätetische Gründe. Vor solchen Speisen braucht der Apostel nicht zu warnen, da diese sich von selbst verbieten. Teils hatte das Verbot politisch-religiöse Ursache, insofern es die Gelegenheit zur Vermischung mit den Heiden und zur Annahme ihrer Laster abschneiden sollte. Diese Rücksicht hält der Apostel aufrecht. [1Kor 8,9.10] Soweit der Zweck eine humane Absicht war (die Weckung und Bewahrung der Zartheit der Gesinnung), fiel er im N. T. fort, da dieses Ziel nur für den roheren Zustand des israelitischen Volkes gelten konnte. Die symbolische, typische Bedeutung der Enthaltsamkeit, die Erweckung des Bewusstseins der Notwendigkeit einer Befreiung von aller Unreinigkeit, hatte mit dem Erscheinen Christi und der Stiftung seiner Kirche ihre Bestimmung erfüllt. An sich aber hatte auch Moses keine Speise für unrein erklärt. Die Kirche untersagt an manchen Buß- und Trauertagen gewisse Speisen, weil es zum Heile unserer Seele zuträglich ist, wenn wir uns manchmal etwas Angenehmes versagen, die sinnliche Begierde zähmen und unsern Eigenwillen zum Opfer bringen. - denn es wird geheiligt Der Christ ist heilig und zur Heiligkeit berufen. Dieser Heiligkeit entbehrt die natürlich gute Speise. Hindert der Genuss derselben nun das Streben nach Heiligung? Nein, wenn die Speise durch die Danksagung gleichfalls etwas Gottgeweihtes wird. Aus den Worten des Apostels erhellt die Wichtigkeit des Tischgebetes. Seit dem Sündenfalle lastet auf der Schöpfung ein Fluch. Indem also der Mensch die Speise in sich aufnimmt, nimmt er gleichsam am Fluche, der die Natur betroffen, teil. Geheiligt, d. i. dem Fluche enthoben, wird die Nahrung durch das Tischgebet. Dieses ist im niedrigsten Grade, was im höheren die kirchliche Segnung ist, eine religiöse Weihe der Natur. So erhält die Legende von dem Giftbecher des heil. Johannes eine tiefere Bedeutung. Was der Heiland [Mt 15,11] sagt, steht damit nicht im Widerspruche, da er von einer geistigen Unreinheit redet, während hier von einer Wegnahme einer gewissen Makel die Rede ist. - durch das Wort Gottes und das Gebet. Das Gebet war meist aus dem geschriebenen Worte Gottes entnommen. - Wenn du dies den Brüdern darlegst, so wirst du ein guter Diener Christi Stellt Timotheus die Brüder vor den Verirrungen sicher, so leistet er Christus selbst einen Dienst. - Jesu sein, dich nährend mit den Worten des Glaubens und der guten Lehre, Wie der Körper stets Nahrung zu sich nimmt, so muss die Seele durch die Glaubenslehre der Kirche genährt werden. - welcher du gefolgt bist. Mit albernen Griech.: Profanen, nicht heiligen. - und altweibischen Fabeln dagegen befasse dich nicht; übe dich vielmehr in der Frömmigkeit. So dass du dazu tüchtig wirst. - Denn die leibliche Übung Der Kämpfer. (Theod.) - ist zu wenigem nütze; die Frömmigkeit aber ist zu allem nützlich, da sie die Verheißung dieses und des zukünftigen Lebens hat. Während die körperliche Übung nur für das körperliche Leben Nutzen bringt, umfasst die geistige Übung zur Frömmigkeit das zeitliche wie das jenseitige Leben; sie hat die Verheißung glücklichen Lebens. Das höchste der Erdengüter ist der Friede. - Zuverlässig ist das Wort, und aller Annahme würdig. Damit wird das Vorhergehende abgeschlossen, anders als [1Tim 1,15]. - Denn dafür Mit Rücksicht auf den hohen Wert dieses Wortes. - mühen wir Paulus und andere christliche Lehrer. - uns und leiden wir Schmach, weil wir unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott setzen, Wir hoffen, dass Gott uns nicht allein die gegenwärtigen Güter, sondern auch die zukünftigen gewähren wird, und so ertragen wir mit Gleichmut Mühe und Leiden. - welcher der Erretter aller Menschen ist, vorzüglich der Gläubigen. Derjenigen, welche mit der Gnade Gottes mitwirken, der übrigen, so viel an ihm liegt. - Dies Das von [1Tim 3,16] bis hierher Gesagte. - schreibe vor und lehre! Schreibe vor, was zu tun ist, lehre, was zu glauben. - Niemand missachte deine Jugend, Hüte dich, so zu wandeln, dass jemand Grund hätte, deine Jugend (Timotheus war wohl etwa 33 – 37 Jahre alt) gering zu achten. Seine Taten sollen gleichsam sein Alter vergessen machen. - vielmehr sei ein Vorbild für die Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Reinheit. Wort und Wandel offenbaren die im Innern verborgene Gesinnung. Liebe und Glauben sind die Grundpfeiler alles wahrhaft christlichen Lebens. Durch die Keuschheit empfängt das Leben des Vorstehers der christlichen Gemeinde eine höhere Weihe. Timotheus soll durch sein ganzes Leben predigen. - Bis ich komme, Vergl. Kap. 3 V. 14. - halte an mit Lesen, Der heiligen Schrift in der Versammlung der Christen. - Ermahnen, Lehren. Vernachlässige nicht die Gnadengabe, die in dir ist, Die Gnade ist allgemein ein Beweis der liebenden Gesinnung Gottes gegen die Menschen, ein Gnadengeschenk [Roem 11,29], das durch Christus erworben und vermittelt ist. [Roem 5,15.16, Roem 6,23] In besonderer Weise ist sie die durch den Heil. Geist in den Menschen gelegte Fähigkeit christlicher Erkenntnis und Wirksamkeit, sowohl im allgemeinen [1Kor 1,7, 1Kor 12,4], wie in bestimmter Richtung und Form [1Kor 12,8-10], für einzelne Bedürfnisse und Verhältnisse. [1Kor 12,9] Zu den letztern gehört der Beruf eines Lehrers und Vorstehers der Gläubigen, und die hierzu erteilte besondere Vollmacht, Erleuchtung und Kraft, ist also eine Gnadengabe. [Roem 12,7.8, 1Kor 12,28.30] - welche dir durch Weissagung Vergl. [1Tim 1,18]. - mit Handauflegung der Priester verliehen ward. Die Bischöfe ordinierten, die Priester assistierten. Die Handauflegung war bereits bei den Juden Symbol der Anerkennung, wie der Mitteilung. So legte der Opfernde dem Opfertiere die Hände auf, um es als seine Gabe Gott darzustellen [2Mos 29,10-15.19], und die Söhne Israel legten ihre Hände auf die Leviten, um diese als Opfer an Gott, als Gottgeweihte anzuerkennen. [4Mos 8,10] Jakob legte Ephraim und Manasse die Hände auf, um ihnen den Segen Gottes mitzuteilen, Moses legte dem Josue die Hände auf, damit dieser mit der Gabe der Weisheit erfüllt würde. [5Mos 34,9] Beides vereint [4Mos 27,18-20]. Jesus legt den Kindern die Hände auf, indem er sie segnet; er und seine Apostel verleihen durch Händeauflegung Gesundheit. [Lk 13,13, Apg 8,17, Apg 28,8] An dieser Stelle ist die Handauflegung also (ähnlich wie [Apg 19,16]) ein Sinnbild der Mitteilung. Diese Handauflegung ist zu unterscheiden von der [2Tim 1,6] erwähnten. Letztere war eine Mitteilung der Gnade vermittelst der Handauflegung des Apostels, hier ist die assistierende Tätigkeit der anderen Bischöfe (denn auch diese heißen Presbyter) oder der Priester ausdrücklicher erwähnt. Vergl. auch [Apg 6,6] und [Apg 13,3]. - Dies Das V. 12 – 14 Gesagte. - nimm zu Herzen, Griech.: Sorge. - darin lebe, dass dein Fortschritt offenbar sei vor allen! Vor allen Gläubigen. - Habe Acht auf dich selbst und auf die Lehre; dabei Bei dem unmittelbar zuvor oder in V. 12 – 14 Gesagten. verharre! Denn wenn du dies tust, so wirst du dich selbst retten und die, welche dich hören.

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  • V. 1 CCC(¶672)Catechesi Tradendae(§61)Divinum Illud Munus(§14)
  • V. 3 CCC(¶2518)
  • V. 4 CCC(¶2518)Compendium of the Social Doctrine of the Church(325)Summa (EN)(I 5.3I-II 102.5I-II 102.6I-II 103.4II-II 154.2)Amoris Laetitia(§61)Dies Domini(§67)Pastores Dabo Vobis(§70)
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  • V. 10 Summa (EN)(III 4.4III 8.3III 27.2III 36.2)Mystici Corporis Christi(§27§57§59)Pastores Dabo Vobis(§70)Pastores Gregis(§66)
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