V. Pflichten des Bischofes gegen die einzelnen Glieder der Gemeinde (Kap 5,1 – 6,2): 1. Pflichten gegen die Greise, Jüngeren und Frauen. (V. 2) 2. Pflichten gegen die Witwen: a. Welche Witwen sind auf Kosten der Gemeinde zu erhalten? Witwen ohne Stütze, die fromm leben. (V. 8) b. Welche Witwen sind in das Gemeindeamt der Witwen aufzunehmen? Sechzigjährige, nur einmal verheiratete, in allen Tugenden geübte. (V. 10) Jüngere hingegen sollen nicht zugelassen werden, da ihre Standhaftigkeit und ihr Eifer zweifelhaft sind. (V. 15) c. Wer soll die anderen Witwen erhalten? Die Angehörigen. (V. 16) 3. Pflichten gegen die Priester: a. Die Priester haben das Recht auf Unterhalt seitens der Gemeinde. (V. 18) b. Anklagen gegen dieselben sind nicht leicht zuzulassen. Fehlen sie öffentlich, so sind sie von den übrigen Priestern zu strafen. (V. 20) Vor aller Parteilichkeit muss man auf der Hut sein. (V. 21) c. Ehe ein Priester ordiniert wird, ist große Vorsicht notwendig. (V. 22) d. Um dies alles recht auszuführen, soll Timotheus selbst nach Heiligkeit streben, ohne indes seine Gesundheit in Gefahr zu bringen. (V. 24) e. Nicht alles Gute und Böse ist sofort offenbar.
1Einen Älteren fahre nicht hart an,Die Achtung, welche das Alter fordert, darf auch der kirchliche Vorgesetzte nicht verletzen. - sondern ermahne ihn wie einen Vater, Jüngere wie Brüder;2 ältere Frauen wie Mütter, jüngere wie Schwestern in aller Reinheit.Also ohne Vertraulichkeit. -3 Witwen halte in Ehren,Durch Beihilfe zum Lebensunterhalt (vergl. V. 17, 18) aus den freiwilligen Gaben der Gläubigen. Immerhin sollen die Witwen gewissen Bedingungen entsprechen. - die wahrhaft Witwen sind.Das griech. Wort für Witwe bedeutet eine Betrübte, der Hilfe Beraubte, das lateinische, eine Verwaiste, etwas Entbehrende. Nur jene sollen unterstützt werden, welche nicht allein des Mannes beraubt sind, sondern auch keine anderen Anverwandten haben, die sie unterstützen. (Aug., Hier., Thom.) -4 Wenn aber eine Witwe Kinder oder Enkel hat, so lerne sieNach der Vulg. ist dies auf die Witwen zu beziehen, im Griech. indes steht der Plural und gilt das Wort mithin von den Söhnen (Ökum., Theoph.). Wenn eine Witwe Söhne oder Enkel hat, so mögen diese durch dich zuerst lernen, für ihre Mutter und Großmutter, von denen sie so lange erhalten wurden, Sorge zu tragen (Theoph., Hier.). Die Übersetzung entspricht auch in anderen Worten nicht ganz dem griech. Texte, nach dem das Subjekt das Haus nicht leiten, sondern kindliche Gesinnung, Familiensinn üben soll. Das eigene Haus steht im Gegensatze zu den fremden der Gemeindegenossen. Dass nun die Witwe die Dankbarkeit gegen ihre Eltern dadurch beweisen soll, dass sie ihre mütterlichen Pflichten gegen Kinder und Enkel treu erfüllt, ist ein sich nicht ungezwungen darbietender Gedanke. Bis V. 8 spricht der Apostel von Witwen, welche von der Gemeinde erhalten werden, von V. 9 an von solchen, welche im Dienste der Kirche stehen. - zuerstEntweder: Ehe sie dieselben der Mildtätigkeit der Gläubigen empfehlen lässt, oder: Ehe die Kinder und Enkel anderen Wohltaten erweisen, mögen sie für Mutter und Großmutter gebührend Sorge tragen. - ihr eigenes Haus leiten und ihren Eltern Entgelt leisten; denn das ist angenehm vor Gott.5 Die aber wahrhaft Witwe undNämlich, Gegensatz zu V. 4. - vereinsamt ist, setzeGriech.: Setzt. - ihre Hoffnung auf Gott, und verharreGriech.: Verharrt. Der Apostel gibt die Eigenschaften an, welche eine Witwe haben soll, die von der Gemeinde unterhalten wird. - im Gebete und Flehen Tag und Nacht.6 DennGriech.: Aber. Gegensatz zu V. 5. - die, welche ein üppiges Leben führt, ist lebendig tot.Sie scheint den Menschen zu leben, doch für Christus, der in das Verborgene sieht, ist sie tot (Hier.), nämlich dem Geiste nach. (Aug.) -7 DiesMehrzahl, also V. 5, 6. - schärfe ein, damit sie untadelig seien.Begründung zu V. 4: Sie mögen lernen. (Griech.) Wenn ein Sohn aber ein Enkel für seine Verwandten nicht sorgt, hat er, wenn auch nicht mit Worten, doch mit Taten den Glauben verleugnet, da der Inhalt des Glaubens nicht ein bloßes Gedankenwesen, sondern göttliche Gnade und Wahrheit ist, an welche der Glaubende seinen Geist so hingibt, dass der Gegenstand des Glaubens auch Gegenstand der Liebe des Herzens wird. Wo also die Liebe nicht ist und wirkt, da ist auch der Glaube nicht vorhanden. Die Liebespflicht ist besonders dringend gegen die durch Verwandtschaft und Glauben am nächsten Stehenden. Zudem sind solche Menschen auch Ursache, dass andere den Glauben geringschätzen. Ungläubige endlich haben keine so klare Erkenntnis dieser Pflicht. -8 Wenn aber jemand für die Seinigen, und besonders für die Hausgenossen nicht Sorge trägt, so hat er den Glauben verleugnet und ist schlimmer als ein Ungläubiger.9 Als Witwe werde gewählt eine nicht unter sechzig Jahre alte,Das Griech. bedeutet wohl: In ein Verzeichnis eintragen. In welches Verzeichnis? In das der zu Unterstützenden? (Chrys., Theod., Hier.) Dies ist nicht wahrscheinlich. Wir schon der Ausdruck eintragen von den zum Kriegsdienst bestimmten Bürgern gebraucht, so ist es auch klar, dass nicht erst das Lebensalter von 60 Jahren das Bedürfnis nach Unterstützung herbeiführt. Werden endlich die Eigenschaften erwogen, welche Paulus hier von den Witwen fordert, so ist ersichtlich, dass von solchen die Rede ist, welchen die Erziehung der von der Gemeinde übernommenen Kinder, sowie die Verpflegung von Armen und Kranken zugewiesen war, und die in der alten Kirche einen eigenen Stand bildeten. Der Apostel nennt sie Witwen, ein Name der wohl für den Sand in Übung blieb, auch wenn jene nicht Witwen waren. Die ersten Anfänge dieser Kirchendienerinnen sehen wir in den frommen Frauen, welche den Heiland unterstützten. Die hier Bezeichneten übten eine Art Aufsicht über die Witwen und Waisen der Gemeinde und legten das Versprechen steter Witwenschaft ab (Tertull.). Auf dem Konzil von Chalcedon wurde das Alter auf 40 Jahre herabgesetzt und alsbald Jungfrauen als Diakonissinnen angenommen. - die nur eines Mannes Frau gewesen ist,Öftere Heirat ist ein Zeichen der Unenthaltsamkeit (Theoph.). -10 die das Zeugnis guter Werke hat, wenn sie Kinder auferzogen, wenn sie Gastfreundschaft geübt, wenn sie den HeiligenDen Christen. - die Füße gewaschen,Der niedrigste Dienst steht als Zeichen der Gastfreundschaft und Dienstfertigkeit im Allgemeinen. - wenn sie den Bedrängten Hilfe geleistet, wenn sie jedem guten Werke nachgestrebt hat.11 Jüngere WitwenJüngere allgemein, ohne dass gerade an die in V. 9 bezeichnete Altersgrenze zu denken ist. - weise zurück; denn wenn sie Christus zuwiderDem sie wohl durch ein Gelübde verbunden sind. - üppig geworden sind, wollen sieMit ungestümem Begehr. - heiraten,12 und ziehen das Urteil auf sich, dass sie die erste Treue gebrochen haben.Da sie das Band nicht mehr anerkennt, das sie an Christus und die Kirche knüpft. -13 ZugleichEin zweiter Grund, weshalb Paulus die jüngeren Witwen zur Würde und Aufgabe einer Diakonissin nicht zulassen will. Da das Amt vielfach Gelegenheit bietet, in die Familien zu kommen, würden jüngere Frauen leicht die ihnen gestellte Aufgabe vernachlässigen, sich in die Familienangelegenheiten einmischen und die Zeit mit unnützen Gesprächen verlieren. - lernen sie aber auch, müßig in den Häusern herumlaufen, und nicht nur müßig, sondern auch geschwätzig und vorwitzig, redend, was sich nicht ziemt.14 Ich will daher,Nicht als höchsten Grundsatz, sondern als Forderung, die sich aus seinen Beobachtungen und Erwägungen ergibt. (Vergl. V. 15.) - dass die jüngerenZunächst verwitwete, dann auch andere jüngere Frauen. - heiraten, Kinder gebären, Hausmütter seien, dem WidersacherJuden und Heiden. - keinen Anlass geben zur Lästerung.15 Denn bereits haben sich einige abgewandt, dem Satan nach.Sich auf den Weg der Sünde wendend. -16 Wenn einem Gläubigen die Sorge für Witwen obliegt,Als Verwandter. Anwendung des V. 4. 8 erörterten Grundsatzes. - so verpflege er sie, und die Gemeinde werde nicht belastet, damit diese für die, welche wahrhaft Witwen sind, sorgen könne.17 Priester, die gut vorstehen, sollen doppelter EhreDurch ihre Stellung haben sie bereits Anspruch auf Ehre. - würdig geachtet werden, besonders solche, welche in Wort und Lehre arbeiten.Die Ehrenerweisung, welche in der Darreichung des Lebensunterhaltes besteht, ist hier eingeschlossen. -18 Denn die Schrift sagt: Dem dreschenden Ochsen sollst du das Maul nicht verbinden.Die Stelle [5Mos 25,4] wird auch [1Kor 9,9] auf den Anspruch der Verkündiger des Evangeliums auf Unterhaltung durch die Gemeinde bezogen. - Und: Der Arbeiter ist seines Lohnes wert.Auf diesen Ausspruch Christi [Lk 10,7] weist Paulus auch [1Kor 9,14] hin. Dass Paulus bei der Anführung an dieser Stelle nicht beifügt: Der Herr sagt, erklärt sich daraus, dass Timotheus Ursprung und Bedeutung des Wortes genugsam kannte. -19 Gegen einen Priester nimm keine Klage an, es sei denn, dass zwei oder drei Zeugen gegen ihn stehen.Die [5Mos 19,15], vergl. [5Mos 17,6], gegebene Regel ist besonders Priestern gegenüber zu beobachten, da ihr Amt ein solches ist, dass ihr Ruf leicht in Gefahr kommt. Zudem sind Untergebene immer geneigter, das Verfahren ihrer Oberen härter zu beurteilen, oder durch deren Mahnungen erbittert zu werden. -20 Die Fehlenden weise vor allenZunächst redet der Apostel von den Priestern, mithin sind es auch nur Priester, in deren Gegenwart jene zurechtzuweisen sind; in weiterer Folge gilt die Weisung von allen Menschen, welche durch eine öffentliche Ärgernis gebende Sünde sich verfehlen. (Kirchenr. von Trid. Sitz 24. Von der Reform Kap. 8) - zurecht, damit auch die übrigen Furcht bekommen.Vor gleicher Rüge. -21 Ich beschwöre dich vor Gott und Christus Jesus und den auserwählten Engeln,Die Beschwörung soll Timotheus den heiligen Ernst der Mahnung zeigen, und ist zugleich eine Anrufung des allwissenden und allgegenwärtigen Gottes, jenen zu strafen, wenn er der Mahnung nicht folgt, und des Richters Jesus Christus, der einst fragen wird, ob er die Mahnung befolgt hat, sowie der auserwählten Engel (der Gott am nächsten stehenden Engel). (Leo.), welche den Thron Gottes umgeben und mit Christus zum Gerichte erscheinen werden. [Mt 25,31] - dass du diesV. 19, 20 (Chrys., Theoph.) Timotheus soll als Stellvertreter des Apostels handeln. - beobachtest ohne Vorurteil und nichts tuest nach parteiischer Zuneigung.22 Lege niemand die Hände schnell aufDie Priesterweihe [Apg 6,6] ist nicht übereilt, ohne Prüfung, aus menschlicher Zuneigung (V. 21) zu erteilen: Nicht vor dem Alter der Reife, vor der Zeit der Prüfung, vor dem Verdienste der Arbeit, vor der Erfahrung über den Charakter. (Leo d. Gr.) - und mache dich nicht fremder Sünden teilhaftig. Bewahre dich selbst keusch.Griech.: Ohne Makel ohne Flecken. -23 Trinke nicht mehr Wasser,Timotheus hatte wohl bisher, um die am Ende des V. 22 erwähnte Tugend zu üben, nur Wasser getrunken. - sondern genieße ein wenig Wein um deines Magens und deiner häufigen Kränklichkeit willen.24 Mancher Menschen Sünden sind offenkundig und gehen zum GerichteSind so offenkundig, dass sie nicht erst durch ein Gericht festgestellt werden müssen. - voraus, manchen aber folgen sie erst nach.Manche Menschen muss man erst lange beobachten, ehe ihre Sünden offenbar werden. -25 Ebenso sind auch die guten Werke offenkundig, und die, mit denen es sich anders verhält, können nicht verborgen bleiben.Wie Timotheus durch seine gänzliche Enthaltsamkeit den Beweis seines makellosen Lebens gegeben hat.
V. 22Summa (EN)(Suppl 36.4)Ad Catholici Sacerdotii(§53·§56)E Supremi(§11)Fin Dal Principio(§11)Lumen Gentium(§20)Pastores Dabo Vobis(§15)Pieni L Animo(§4)