Jakobusbrief 5

2. Der Apostel tadelt die Reichen heftig, dass sie ihren Reichtum missbrauchen und die Armen ohne Aufhören bedrücken, (V. 6) und tröstet die Armen, sie zur Geduld aufmunternd im Hinblick auf den zukünftigen Lohn. (V. 11) 3. Lehre über den Eid. (V. 12) 4. Vorschrift für das Verhalten der Schwerkranken (V. 13) und Mahnung, die Priester zur Spendung der heiligen Ölung zu rufen. (V. 15) 5. Empfehlung des Gebetes nach dem Vorbilde des Elias, welches zugleich den Wert des Gebetes zeigt. (V. 18) Epilog (V. 19, V. 20): Wer einen Sünder bekehrt, erlangt großen Lohn; um diesen mögen die Christen sich bemühen.

Wohlan nun, ihr Reichen! Die Sprache des Apostels wird hier der Propheten des A. T. ähnlich, wenn sie das Strafgericht über Jerusalem verkünden. Er versichert die Christen, dass Gott sie nicht verlassen hat und ihre Bedrücker, jene Nichtchristen, auf welche das V. 4 – 6 Enthaltene Anwendung findet, heimsuchen wird. Da die Mahnung zur Bekehrung, anders als [Jak 4,1-10], fehlt, sind die Drohungen als gegen Nichtchristen gerichtet anzusehen, umso mehr als V. 7 die Brüder mit jenem Gerichte über die Reichen getröstet werden. Dass der Apostel solche anredet, die nicht zu seinen Hörern und Lesern gehören, ist dem Charakter der alttestamentlichen Prophezeiungen gemäß. Z. B. [Jes 33,1]. Vergl. [Mt 23,13ff.37]. - weinet und wehklaget Vergl. [Lk 6,24.25]. - über die Trübsale, die über euch hereinbrechen werden. Für jeden bei dem Tode, für alle zugleich bei dem Weltgerichte. - Euer Reichtum Bild des Verderbens, dem die Reichen anheimfallen. In prophetischer Redeweise wird das noch Zukünftige als bereits eingetreten bezeichnet. - ist vermodert und eure Kleider Prachtgewänder. Vergl. [Mt 6,19]. - sind von Motten zerfressen. Euer Gold und Silber ist verrostet, Der Rost greift nur unedle Metalle an. Von seiner Schilderung hingerissen lässt Jakobus diesen Unterschied bei Seite und wendet die Art der Vernichtung der unedlen auf die edlen Metalle an. - und ihr Rost wird ein Zeugnis wider euch sein In der ewigen Verdammnis. - und wird euer Fleisch wie Feuer verzehren. Ihr habt euch Schätze des Zornes aufgehäuft in den letzten Tagen. Die Tage, welche der Wiederkunft des Herrn (V. 7) und damit dem Weltgerichte vorangehen. Ein Vorbild derselben war die Zerstörung Jerusalems. - Sehet, der Lohn der Arbeiter, welche eure Felder gemäht haben, Drei Sünden werden insbesondere genannt. Die erste ist die Ungerechtigkeit. Schnitter und Erntende gehören zusammen, sind aber unter sich verschiedene Personen. Der Apostel nennt sie wohl, anstatt allgemein von Lohnarbeitern zu sprechen, weil ihre Arbeit in brennender Sonnenhitze eine der schwersten ist, andererseits der Gegensatz des Erntereichtums die Lohnvorenthaltung in desto schlimmerem Licht zeigt. - der von euch vorenthalten worden ist, Eine solche Schädigung durch Vorenthaltung oder Verzögerung der Bezahlung wird im Gesetze ganz besonders hart gerügt. [3Mos 19,3, 5Mos 24,14, Jer 22,13, Mal 3,5]. - schreit; Bis er bezahlt oder bis die Nichtbezahlung gestraft ist. - und ihr Ruf ist zu den Ohren des Herrn der Heerscharen Gott, des Allmächtigen, dessen Engel bereit stehen, an den Bedrückern Rache zu nehmen. - gedrungen. Ihr habt Zweite Sünde der reichen. - auf Erden Gegensatz zu V. 5: zu den Ohren des Herrn. Während Gott im Himmel die Klage der Unterdrückten hört, leben die reichen auf Erden nur ihrer Lust, unbekümmert um den Zorn des Allmächtigen. - üppig gelebt und eure Herzen mit Genüssen gemästet für den Tag der Schlachtung. Tag des Gerichtes. Vergl. [Jer 12,3] (Sept.) - Ihr habt den Gerechten verurteilt, Zwar sind vorzugsweise die Richter gemeint, doch sind die Ankläger nicht ausgeschlossen, da auch ihre Absicht auf die Verdammung der Gerechten abzielt. - ja getötet, und er widerstand euch nicht. Griech.: widersteht euch nicht. Das Verhalten beider bleibt sich gleich. - So geduldet euch nun, Die in V. 6 als leidende Gerechte Geschilderten. Die ganze Darstellung V. 1 – 6 soll ein Trost für die Christen sein. - Brüder! Gegensatz zu: Ihr Reichen! V. 1 - bis auf die Ankunft des Herrn. Sehet, Dasselbe Bild [JSir 6,19]. - der Landmann wartet auf die köstliche Anwendung auf die Langmut. - Frucht der Erde, indem er geduldig harrt, bis sie den Frühregen und Spätregen Der Frühregen fiel in der Zeit von Anfang Oktober bis zum Anfange des Monat Dezember, bald nach der Aussaat, der Spätregen in der Zeit von Anfang März bis Anfang April, einige Zeit vor der Ernte. Von diesen beiden Regenzeiten [5Mos 11,14, Jer 5,24] hängt in Palästina alle Fruchtbarkeit ab. - empfängt. Der Christ soll nicht aufhören im Glauben die Saat der Ewigkeit in guten Werken und geduldigem Leiden auszustreuen, in fester Zuversicht den Ausgang erwartend. - So geduldet auch ihr euch und festiget Ohne diese Festigung ist die Geduld nicht möglich. Ist auch die Festigung vorzüglich Gottes Sache [1Thes 3,13], so muss doch der Mensch mittätig sein. - eure Herzen, denn die Ankunft des Herrn ist nahe. So verkündete Johannes der Täufer, dass das Himmelreich nahe [Mt 3,2], und ebenso Christus [Mt 4,17]. Der Herr ist für jeden nahe, da die Todesstunde nicht fern ist, der ganzen Welt aber im nahenden Endgerichte. - Seufzet nicht gegeneinander, Brüder! Bei der Bedrückung seitens der reichen. Das „gegen“ schließt ein der Liebe widersprechendes Richten des Bruders ein. - damit ihr nicht gerichtet werdet. Sehet, der Richter Der Herr. Wie die Nähe desselben die Christen in ihrer Bedrängnis trösten soll, so soll sie dieselbe auch von der Verletzung der Liebe gegeneinander zurückhalten. Vergl. [Jak 2,13]. - steht vor der Türe. Ist im Begriff einzutreten. Vergl. [Mt 24,33, Mk 13,29]. - Zum Vorbilde eines harten Todes, Die Worte „eines harten Todes“ fehlen im Griech. Die Propheten sollen als Vorbild des geduldigen Leidens dienen. - des Leidens und der Geduld nehmet, Brüder! die Propheten, welche im Namen Besonders Moses, Elias, Amos, Isaias, Jeremias. Vergl. [Apg 7,52]. - des Herrn geredet haben. Sehet, wir preisen die selig, welche ausgeharrt haben! Aus ihrer Zahl wird alsbald Job besonders hervortreten. - Von der Geduld Jobs Auf sein Beispiel wird auch [Tob 2,12-15] hingewiesen. - habt ihr gehört und das Ende vom Herrn Welches der Herr gab, indem er Job erschien und ihn belehrte. Auch eurer Geduld wird von Gottes Barmherzigkeit der Lohn nicht fehlen. - gesehen; denn barmherzig ist der Herr und voll Erbarmung. Vor allem Die wichtigste Warnung. Das leichtfertige Schwören war wohl damals, wie bei Juden [Mt 23,16ff], so bei den Judenchristen häufig. Da die Worte des Apostels an [Mt 5,35.36] erinnern, sind sie in demselben Sinne zu nehmen wie die Vorschrift des Herrn, Alles, was über die einfache Aussage hinausgeht, ist eine Folge der Unwahrhaftigkeit der Menschen, den Kindern Gottes aber kommt es zu, das einfache Ja und Nein heilig und ohne Lüge zu gebrauchen. (Ökum., Beda.) - aber, meine Brüder! schwöret nicht, weder bei dem Himmel, noch bei der Erde, noch irgend einen anderen Schwur. Es sei aber eure Rede: Ja, Ja! Nein, Nein! Euer Ja sei ein einfaches Ja, euer Nein Nein. - damit ihr nicht dem Gerichte anheimfallet. Wegen eures Tuns, wegen der Übertretung des Verbotes des Herrn. [Mt 5,37] - Ist Keine Lage und Stimmung des Christen soll ohne Beziehung auf Gott sein. Leid und Freud sollen Anlass zum Gebete werden. - jemand unter euch traurig, Griech.: Leidet Jemand. - so bete er; ist jemand guten Mutes, so singe er Loblieder. Ist jemand unter euch krank, Von der allgemeinen Mahnung (V. 13) geht Jakobus auf den besonderen Fall schwerer Krankheit über. - so rufe er die Priester der Kirche, Da der Apostel hier die Mehrzahl setzt, werden in der griechischen Kirche, wenn möglich mehrere, 3 oder 7 Priester gerufen. - und sie sollen über ihn Die griech. Präposition drückt die Beziehung auf ihn hinaus. Ob der heil. Apostel dabei wollte, dass der Betende sich über den Kranken neige oder seine Hände über ihn ausstrecke, lässt sich aus dem Worte allein nicht herleiten. - beten, indem sie ihn mit Öl salben im Namen des Herrn; Christi. Die Vorschrift über die Salbung kann sich nicht (wie einige nichtkatholische Ausleger annehmen wollen) auf das [Lk 10,34] Erzählte beziehen, denn die Salbung mit Öl ist doch nicht etwa ein natürliches, angeblich im Oriente gebrauchtes Universalmittel, zudem zeigt die Hinzuziehung der Priester noch mehr, dass eine solche Erklärung unmöglich ist, zumal sittlich religiöse Vorschriften vorangehen und nachfolgen. Andere akatholische Erklärer wollen, auf [Mt 6,13] hinweisend, vermuten, dass der Apostel von der charismatischen Krankenheilung spreche. Indes, wenngleich diese Gnadengabe in der ersten Kirche nicht selten war [1Kor 12,9], besaß doch nicht jeder Priester dieselbe, so dass Jakobus die Kranken an dieser Stelle an diese zur wunderbaren hätte verweisen können. Was hat ferner die Gnadengabe mit der Sündenvergebung zu tun, welche V. 15 als eine der Wirkungen dieser Salbung genannt wird? Es bleibt also einzig übrig, die Salbung, von welcher hier die Rede ist, als ein sakramentales Zeichen zu nehmen, das infolge der Anordnung Christi (im Namen des Herrn) die Kraft in sich trägt, den Kranken geistig, und oft selbst auch körperlich, zu heilen. Christus hat die Salbung der Kranken mit Öl angeordnet, wenngleich die Evangelisten (außer der Andeutung [Mk 6]) nichts darüber berichten. Ziel und Wirkung derselben werden in V. 15 angegeben. - so wird das Gebet des Glaubens Das Gebet, welches der Glaube verrichtet, der Glaube, wenn nicht des Priesters, so der Kirche, die er vertritt. Die Worte beziehen sich auf „Gebet“ V. 14 zurück. - dem Kranken Dem Schwerkranken. (V. 14) - zum Heile sein, Leiblich, wenn es der Seele frommt. Ähnlich [Mt 9,22, Mk 5,25, Joh 11,12]. - und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er in Sünden ist, werden sie ihm nachgelassen werden. Wenn der Kranke etwa Sünden begangen hat, die noch nicht anderweitig nachgelassen sind. Das Tridentiner Konzil führt in der 14. Sitzung Kap. 2 diese Stelle des Apostels als Beleg für die Wahrheit des Sakramentes der letzten Ölung an. Die entfernte Materie ist das Öl (Olivenöl), die nähere die Salbung mit diesem Öl, die Form das mit der Salbung verbundene Gebet. Die Einsetzung durch Christus liegt in den Worten: Im Namen (auf Befehl, mit Vollmacht) des Herrn. Als Wirkungen werden angegeben: 1. Die Gesundung des Leibes, wenn diese für das Heil der Seele förderlich ist. 2. Die Kräftigung der Seele, dass sie zu großem Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit angeregt und durch dieses unterstützt sowohl die Mühsalen und Schmerzen der Krankheit leichter erträgt, wie auch den Versuchungen des Teufels leichter widersteht. 3. Die Tilgung etwa noch verbliebener Sünden. - Bekennet denn Will der Kranke durch die letzte Ölung Nachlass seiner Sünden erlangen, so ist es notwendig, dass er sie bereut. Eine solche Reue aber drängt zum offenen Bekenntnis, sei es vor dem Priester in sakramentaler Beicht (Chrysost.), sei es vor frommen Mitchristen, um von diesen Trost, Rat, Fürbitte zu erlangen. - einander eure Sünden, und betet füreinander, damit ihr das Heil erlanget; Da soeben von den Fehlern die Rede war, ist zunächst wohl an eine geistige Heilung zu denken, indes ist auch, da die Sünden oft die Ursache körperlicher Krankheiten sind, der Gedanke an die körperliche Heilung nicht ganz ausgeschlossen. - denn viel vermag das beharrliche Gebet des Gerechten. Elias war ein Mensch, dem Leiden unterworfen, wie Gleichgeartet, im gleichen Verhältnisse sich findend. Der heil. Jakobus schickt dies voraus, damit man nicht einwende, dies Beispiel finde wegen der Erhabenheit des Propheten [JSir 48,1-5] keine Anwendung. - wir, und er betete, Zwar ist [1Koe 17,1, 1Koe 18,1.4], welche Stelle der Apostel hier vor Augen hat, nicht ausdrücklich von einem Gebete die Rede, doch wird das 1. Gebet [1Koe 17,1] angedeutet, das zweite (V. 18) aber [1Koe 18,42] berichtet. Die Zeit findet sich im A. T. auf 3 Jahre, [Lk 4,25] und hier auf 3 ½ Jahre angegeben. (November 908 – November 905, so dass erst im April 904 wieder geerntet ward.) Das Latein. und Griech. ist ein Hebraismus, der andeutet, dass nichts anderes als sein Gebet die Dürre bewirkte. - dass es nicht regnen möchte auf Erden; und es regnete nicht drei Jahre und sechs Monate hindurch. Da betete er abermals, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor. Das Gebet der Heiligen vermag viel. Eher verbietet Gott seinen Dienern, zu ihm zu flehen, als dass der sie nicht erhören sollte. Vergl. [1Mos 20,7, 2Sam 17,1, 2Koe 6,17, Jer 7,16] u. a. - Meine Brüder! wenn einer von euch abirrt von der Wahrheit Wie immer, vom Glauben oder der Beobachtung der Gebote. - und es führt ihn jemand zurück, so wisse er, dass, wer einen Sünder von seinem Irrwege zurückführt, der wird dessen Seele vom Tode Dem geistigen Tode, der, wenn er nicht aufgehoben wird, in den ewigen übergeht. - retten und eine Menge Sünden Des zuvor Verirrten und nun Bekehrten. - zudecken. Anfang an [Spr 10,12]. Vergl. [1Petr 4,8]. Da die Sünden in den Augen Gottes zu bedecken sind, sind sie nach dem Sprachgebrauche des A. T. als getilgt bezeichnet. Wohl kann nur Gott vergeben, dennoch wird dies hier in uneigentlicher Weise dem Menschen zugeschrieben, insofern er Gott dazu veranlasst. Diese Vergebung ist die Voraussetzung des Rettens.

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