Jeremias 11
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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II. Teil. Besondere Ereignisse und deren Bedeutung. (Kap. 11-20) 1. Erste Rede. (Kap. 11) A. Mahnung, den Mund zu wahren. (V. 10) B. Strafen derjenigen, welche zur Bosheit zurückkehren. (V. 17) C. Die Bosheit der Bewohner von Anathoth.
1 Wort, das an Jeremias von dem Herrn erging, also lautend: Nachdem das Buch des Gesetzes gefunden, rief Josias die Ältesten von Juda und Jerusalem zusammen und schloss einen Bund vor dem Herrn, dem sie alle mit einem Eidschwur beitraten. [2Chr 34,29ff] Zum Abschlusse dieses Bundes trug Jeremias sicher viel bei (V. 6), ebenso wie die Fürsten und Leviten zur Zeit Josaphats. [2Chr 17,7-9] - 2 Höret die Worte dieses Bundes und redet Jeremias und seiner Genossen. Einfacher: rede. (Sept., Syr.) Eine besondere Weisung folgt V. 3. - sie zu den Männern von Juda und zu den Bewohnern von Jerusalem 3 und sage zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Verflucht ist der Mann, der nicht auf die Worte dieses Bundes [5Mos 29,1.9] - hört, 4 welchen ich euern Vätern geboten am Tage, da ich sie aus dem Lande Ägypten, aus dem eisernen Ofen herausführte, indem ich sprach: Höret auf meine Stimme und tuet alles, was ich euch gebiete! so sollt ihr mein Volk sein und ich will euer Gott sein; Jeremias spricht von dem Bunde, der nach dem Auszuge aus Ägypten geschlossen ward, in gleicher Weise wie das 2. 3. und 5. Buch Moses. [2Mos 19,5; 3Mos 26,12; 5Mos 4,20; 5Mos 27,9.26; 5Mos 28,15ff] Das Ziel des Bundes war nicht, dass Israel Opfer darbrachte, sondern dass es Gehorsam leistete. Ebenso [Jer 7,22.23]. Das Bild des eisernen Ofens [5Mos 4,20]. - 5 auf dass ich den Eidschwur aufrecht erhalte, Ausführe, erfülle. - welchen ich euern Vätern geschworen, dass ich ihnen ein Land verleihen wolle, das von Milch und Honig fließt, wie es heute ist. Wie es der heutige Tag zeigt. - Da antwortete ich und sprach: So ist es, Herr! Ja, du hast gehalten, was du versprochen. (Hier.) Nach anderen: so sei es, Herr: Wer deine Gebote nicht beobachtet, falle dem Fluche anheim. (V. 3) - 6 Der Herr aber sprach zu mir: Verkünde alle diese Worte in den Städten von Juda und auf den Plätzen Jerusalems Oder: außerhalb Jerusalems, wie die Sept. hat. Dann ist Jerusalem in den Städten Judas einbegriffen. - und sprich: Sept.: lies vor. Lies die Worte des Bundes und mahne zur Beobachtung in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems. - Höret die Worte dieses Bundes und tuet nach denselben! Damit ihr nicht ebenso Strafe leidet wie zuvor. - 7 Denn ernstlich verwarnte ich eure Väter an dem Tage, da ich sie aus dem Lande Ägypten herausführte, bis auf diesen Tag; vom frühen Morgen an warnte ich sie und sprach: Höret auf meine Stimme! Was hier kurz zusammengefasst wird, verkündete Jeremias nachdrücklich in ganz Juda. - 8 Aber sie hörten nicht und neigten ihr Ohr nicht, sondern gingen dahin, ein jeder nach der Bosheit seines verkehrten Herzens, und so ließ ich denn alle Worte dieses Bundes, den ich geboten zu halten, den sie aber nicht gehalten haben, über sie kommen. 9 Und der Herr sprach zu mir: Es besteht eine Verschwörung Alle sündigen, als hätten sie sich dazu verschworen. (Thom.) - unter den Männern von Juda und den Bewohnern von Jerusalem. 10 Sie sind zurückgekehrt Eine kurze Besserung war auf die Mahnungen des Propheten gefolgt. Vergl. [2Chr 34,33]. - zu den alten Sünden ihrer Väter, Hebr.: ihre Väter von vormals. - welche auf meine Worte nicht hören wollten, auch sie gehen fremden Göttern nach, diesen zu dienen; Ihren eigenen Gott verlassend. Der Prophet redet vom Hause Israel. Vergl. [2Koe 13,15-20]. - gebrochen hat das Haus Israel und das Haus Juda meinen Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe. 11 Darum spricht der Herr also: Siehe, ich werde Unglück über sie bringen, aus dem sie nicht zu entrinnen vermögen; Die Zeit der Barmherzigkeit geht vorüber und es kommt die Zeit, wo kein Flehen mehr die Strafe abzuwenden vermag. - wenn sie dann zu mir rufen, werde ich sie nicht erhören. 12 Und wenn die Städte Judas und die Bewohner Jerusalems hingehen und zu den Göttern rufen, denen sie opfern, Hebr.: Räucheropfer darzubringen pflegten. - so werden diese ihnen nicht helfen zur Zeit ihrer Bedrängnis. 13 Denn so zahlreich deine Städte sind, so zahlreich waren deine Götter, o Juda! und so viel du Straßen hast, Jerusalem! so viele Schandaltäre hast du aufgestellt, den Baalen zu opfern. Wie viel Städte, so viel Götter, doch alle übertrifft jene Stadt, in welcher der Tempel Gottes und der Mittelpunkt der Theokratie ist. Hebr.: Habt ihr Altäre dem Schandgötzen gesetzt, Altäre, dem Baal Räucheropfer darzubringen. Die Israeliten wollten keinen Kult unbeachtet lassen, den sie ein Nachbarvolk üben sahen. - 14 So bete du denn nicht für dieses Volk und bringe für sie nicht Lobgesang und Flehen dar; Es handelt sich um ein zeitliches Übel, das Gott nicht abwenden will, weil die Bosheit ihren höchsten Grad erreicht. An anderer Stelle [Ez 13,5] befiehlt Gott einen Propheten, für das Volk zu beten. Die Art des Verbotes zeigt, dass Gott dasselbe als Ausnahme ansieht und will, dass man füreinander bete. - denn ich werde durchaus nicht hören zur Zeit, wo sie zu mir rufen, zur Zeit ihrer Bedrängnis. 15 Warum hat mein Geliebter Im Schmerz der Liebe gesprochen, wie jenes „Freund“ [Mt 26,50]. - so viele Freveltaten in meinem Hause verübt? Wird etwa das geheiligte Opferfleisch deine Bosheit von dir nehmen, deren du dich rühmtest? Das Opferfleisch ist geheiligt, weil es durch die Gott gemachte Darbringung von dem profanen ausgeschieden und Gott zugewiesen war. Hebr.: Was will mein Geliebter in meinem Hause? Verruchten Anschlag ausführen? Werden etwa Flehgebete und geheiligtes Fleisch deine Übeltat von dir nehmen? Dann freilich magst du jubeln. - 16 Einen prangenden, schönen, fruchttragenden, stattlichen Ölbaum nannte dich der Herr; Der Name Geliebter hat auf die hohe Würde hingewiesen, zu welcher Gott das Volk erhoben, doch zugleich erinnert, wie sehr sie von jener Höhe herabgesunken sind. Vergl. [Jes 5,1]. „Nannte dich“: er machte dich dazu, so dass du mit Recht so heißen konntest. Der Ölbaum war in Palästina der nützlichste Baum. - aber nun loderte unter heftigem Prasseln gewaltiges Feuer an ihm auf und verbrannt sind seine Zweige. Von Norden kommt der Feind und vernichtet dich. - 17 Denn der Herr der Heerscharen, der dich gepflanzt hat, hat dir Schlimmes angedroht um der Bosheit des Hauses Israel und des Hauses Juda willen, die sie sich Zu ihrem Verderben; sie forderten dadurch Gottes Strafe heraus, wie sie wissen konnten und mussten; daher: um mich zum Zorne zu reizen. - verübt, mich zum Zorne zu reizen, indem sie den Baalen opferten. 18 Du aber, o Herr! hast es mir kundgetan und ich erfuhr es, damals zeigtest du mir ihr Treiben. Ihre Nachstellungen gegen mein Leben. - 19 Ich aber war wie ein sanftes Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wusste nicht, dass sie wider mich Anschläge planten und sprachen: Lasset uns Holz an sein Brot legen und ihn austilgen aus dem Lande der Lebendigen, Hebr.: Lasset uns den Baum verderben samt seiner Frucht und lasset uns ihn ausrotten aus dem Lande der lebendigen. – Der erste Teil des Satzes ist wohl Sprichwort und enthält einen Hinweis auf V. 16. Die Frucht des Baumes, die Speise, welche er gewährt, sind die Drohungen des Jeremias, welche sie zum Verstummen bringen wollen. - dass seines Namens nicht ferner mehr gedacht werde! So verhasst ist ihnen der Prophet, dass sie nicht einmal seinen Namen im Gedächtnis der Menschen fortleben lassen möchten. – Der heilige Hieronymus bietet eine dem griechischen Texte entsprechende Übersetzung, da die letztere in einem großen Teile der Kirche in Gebrauch war. Demgemäß erklären viele Ausleger Holz als vergiftetes Holz, Holz des Taxus. (Thom.) Eine andere Erklärung gibt der heilige Ephrem nach der syrischen Übersetzung: Geben wir ihm Holz als Speise, das ist schlagen wir ihn mit dem Holze, hängen wir ihn am Kreuze auf. Dementsprechend wenden viele heilige Väter die Stelle auf Christus an. Lasset und Holz auf sein Brot legen, d.i. auf den Leib des Heilandes, den er selbst ein Brot genannt hat. (Justin, Tertull., Laktant., Ambros., Rufin., Hieron., Theod., Gregor) Der Text selbst handelt nur von Jeremias. (Hier.) Da aber die Reihe der Propheten im Messias ihren Abschluss finden sollte, dem höchsten Propheten, so musste das Prophetenamt ähnlich wie das priesterliche und königliche in Christus seine höchste Vollendung finden, mit anderen Worten dies Amt eine vorbildliche Bedeutung haben. Auf diese weist der Heiland selbst einige Male hin, da er seinen Tod eng mit dem der Propheten vereinigt [Mt 23,31; Lk 13,33.34] da er sich als Propheten bezeichnet [Mt 13,57] und die Jünger in das Erbe der Propheten, die Verfolgungen, eintreten lässt. [Mt 5,12] Aus Hass gegen die Wahrheit und voller Erbitterung über die Mahnungen des Propheten wollen sie ihn und sein Werk (Frucht) verderben, so wird Jeremias also auch in diesem besonderen Zuge ein Vorbild des Heilandes. - 20 Du aber, Herr Sabaoth! Ein solches Verbrechen kann Gott nicht ungestraft lassen, handelt es sich doch um seine Ehre, die in seinem Gesandten verletzt wird. - der du gerecht richtest und Nieren Sitz der Begierden. - und Herzen prüfst, lass mich deine Rache Vergl. [5Mos 33,35]. - an ihnen schauen; Es ist ein Zug der Güte, nicht der Bosheit, wenn der Gerechte wünscht, dass die Sünder bestraft werden, denn er wünscht nicht ihr Verderben, sondern ihre Besserung und die Offenbarung der göttlichen Strafgerechtigkeit, durch welche viele bekehrt werden. (Aug.) - denn dir habe ich meine Sache anvertraut. Hebr.: Denn auf dich habe ich meinen Handel abgewälzt. - 21 Darum spricht der Herr also über die Männer von Anathoth, welche dir nach dem Leben trachten und sagen: Weissage nicht im Namen des Herrn, dass du nicht durch unsere Hände sterbest! 22 Darum spricht der Herr der Heerscharen also: Siehe, ich will es an ihnen ahnden: Ihre Jünglinge sollen durch das Schwert umkommen, ihre Söhne und Töchter sollen Hungers sterben. 23 Und niemand von ihnen soll übrigbleiben, denn ich werde Unglück über die Männer von Anathoth bringen, ein Jahr der Heimsuchung für sie. Drei Dinge planten sie gegen den Propheten: Ihn zu verderben, die von ihm überlieferte Lehre (Frucht) zu vernichten, sein Gedächtnis auszutilgen. Alles dies wird ihnen nun zuteil. Sie selbst kommen um, ihre Kinder rafft der Hunger weg, ihr Name und Andenken wird vernichtet.
Zitiert in 3
- V. 15 Summa (EN)(II-II 186.10)
- V. 19 CCC(¶608)Summa (EN)(III 22.3)