Jeremias 12
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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2. Zweite Rede. (Kap. 12) A. Dem klagenden Propheten werden größere Heimsuchungen offenbart. (V. 6) B. Die Gottlosen werden der Strafe nicht entgehen. (V. 13) C. Wozu kommt das Unglück?
1 Gerecht bist du, Herr! wenn ich mit dir rechten wollte; gleichwohl aber möchte ich vom richterlichen Walten mit dir reden. Warum geht es den Gottlosen wohl, wohl allen, die treulos sind und Unrecht tun? Obwohl ich weiß, dass du dich gerecht erweisest, wenn ich mit dir streite, vermag ich dennoch nicht zu begreifen, wie das Wohlergehen der Bösen sich mit deiner Gerechtigkeit vereinigen lässt. - 2 Du hast sie gepflanzt und sie schlugen Wurzeln, sie wachsen und tragen Frucht; nahe bist du ihrem Munde, aber fern von ihrem Innern. Du hast sie in dieses Wohlergehen versetzt, fest wurzeln sie in demselben wie starke Bäume, wachsen und tragen Frucht (sammeln sich Reichtümer). Und doch, was für Menschen sind sie! Wohl führen sie Gott eifrig im Munde, aber ihr Herz und ihre innerste Gesinnung ist fern von ihm. Es sind die [Jer 7,4] Beschriebenen. - 3 Mich aber, Herr! kennst du und durchschaust mich und hast mein Herz gegen dich erprobt. Sammle sie wie eine Herde zum Schlachtopfer und weihe sie dem Tage des Mordens! Da seine Treue und Frömmigkeit bereits vielen Prüfungen unterworfen ist, fordert der Prophet von Gott, endlich seine unerschütterliche Gerechtigkeit walten zu lassen, die Bösen durch Strafen zu zügeln. – Hebr.: Rotte sie aus wie Schafe zur Schlachtung und weihe sie auf den Tag des Gemetzels. Weihe: weil sie gleichsam als gebannt erklärt werden, wie ein Opfer, durch da der göttlichen Gerechtigkeit Genüge geschieht. - 4 Wie lange noch soll das Land trauern und alles Grün der Flur verdorren? Wie lange willst du es ertragen, o Herr, dass wegen der Frevel der Gottlosen auch wir unter der Dürre des Landes leiden müssen? Die wohlhabenden Gottlosen können sich auch in dieser Not helfen. - Tier und Vogel sind dahingerafft um der Bosheit ihrer Bewohner willen, da jene sprachen: Er Der Prophet. Versteht man Gott darunter, so ist sehen im Sinne von strafen zu nehmen. - wird unser Ende nicht sehen! 5 Wenn du schon Mühe hast, mit Fußgängern zu laufen, wie wirst du es mit Rossen aufnehmen können? Sprichwörtlich. Gering ist, was dich bisher betroffen; statt zu verzagen, mache dich auf schlimmere Anfeindungen gefasst. - Wenn du im Lande, wo Friede ist, sicher bist, was wirst du tun bei dem Trutz des Jordans? Zweites Bild: Gegenwärtig wohnst du noch in friedlichem Lande, was willst du aber tun (da du jetzt schon so kleinmütig bist), wenn du in den Dickichten des Jordans verweilen musst, wo die Löwen hausen? [Jer 49,19; Jer 50,44] Den Sinn beider Vergleiche gibt der folgende Vers an. - 6 Denn auch deine Brüder und das Haus deines Vaters, auch sie werden wider dich kämpfen Hebr.: werden an dir untreu. - und dir mit lauter Stimme nachrufen. Traue ihnen nicht, wenn sie freundlich zu dir reden! Hinter deinem Rücken (sie schreien hinter deinem Rücken her, so laut sie können; hebr.) sie verleumden dich und fordern deinen Tod. - 7 Ich habe Gott tröstet den Propheten damit, dass auch Er von seinem Volke zurückgesetzt wird, und nimmt durch die Verheißung des Gerichtes allen Grund zur Klage (V. 1) weg. - mein Haus Meinen Tempel. (Thom.) Dies sah Ezechiel [Ez 10,18]. Die Neueren erklären: mein Volk – wegen des folgenden Erbes. Indes, hält man an der Übersetzung Haus fest, so ist eine wirksame Steigerung da: Ich habe mein Haus verlassen, mein Erbe (mit Schmerz) von mir geworfen. - verlassen, habe meinem Erbe entsagt, meine geliebte Seele Hebr.: Das Liebste meiner Seele. - in die Hand ihrer Feinde hingegeben. 8 Mein Erbe ward für mich wie ein Löwe im Walde, Wie ein wildes und reißendes Tier hat sich das Volk gegen Gott erhoben. - es erhob wider mich seine Stimme, darum bin ich ihm gram geworden. Kann also der Prophet sich beklagen, wenn er als Gesandter Gottes gleichfalls den Hass erfahren muss, den jene gegen Gott hegen? - 9 Ist denn mein Erbe für mich wie ein bunter Vogel, wie ein ganz und gar gefärbter Vogel? Hebr.: Ist denn ein bunter Raubvogel mein Erbe nur? Sind Raubvögel rings darüber her? Die Frage ist Gott in den Mund gelegt. Hat denn mein Volk seine Würde so ganz verloren, dass es allem Spott und der Verfolgung ausgesetzt ist, wie ein Vogel, den alle anderen verfolgen oder ein gefangener Vogel, um den andere sich sammeln? - Kommet, sammelt euch, alle ihr Tiere des Feldes, eilet zum Fraß! Hebräisch.: Auf, sammelt alle Tiere des Feldes, führt sie herbei zum Fraße. - 10 Viele Hirten haben Und werden es tun. - meinen Weinberg verheert, mein Erbteil zertreten, Jeder Ausdruck zeigt den Schmerz Gottes, aber auch die Würde des auserwählten Volkes. Das gleiche Bild kann auf die Seele des Gerechten angewendet werden. - haben mein anmutiges Erbe zur öden Wüstenei gemacht. 11 Sie haben es in Öde gewandelt, dass es um mich trauert; Das Land seufzt wegen der Bosheit der Menschen gleichfalls in Knechtschaft der Verderbnis [Roem 8,22] und klagt Gott das ihm angetane Unrecht. - öde und wüste ist das ganze Land, weil niemand es zu Herzen nimmt. Was Gott durch die mannigfachen Ereignisse zu erkennen gegeben und durch seine Gesandten fordert. Vergl. [Jer 5,3] und [Jes 5,12]. Sie erwägen nicht, warum diese Übel sie getroffen, wie dieselben zu heben sind, welches Gewicht die Prophezeiungen der Propheten haben; Stumpfsinn macht sie blind und taub. - 12 Auf allen Wegen der Wüste Hebr.: Über alle Höhen des Weidelandes. – Hügel und Berge sind Zeugen des Götzendienstes. - kommen Plünderer heran, denn das Schwert des Herrn Der Herr lässt die Feinde kommen. Kein Ort ist vor dem Feinde sicher, niemand wird von ihm verschont. - frisst von einem Ende des Landes bis zum andern; nichts Lebendes wird Friede haben. 13 Sie haben Weizen gesät und Dornen geerntet, Sprichwort. - sie haben eine Erbschaft erhalten, aber es half ihnen nichts; Alle Mühe ist umsonst, die angewandten Heilmittel haben nichts gefruchtet, alles ist schlimmer geworden. Hebr.: Sie matten sich ab, aber es bringt ihnen keinen Nutzen. - so werdet ihr zuschanden werden an euren Fruchternten durch den grimmigen Zorn des Herrn. So lernt der Prophet Gottes Gerechtigkeit erkennen durch den Ausgang und das Ende der Sünder. - 14 So spricht der Herr wider alle meine Gott redet von sich. Die Edomiter, Moabiter, Ammoniter, Philister und Syrier sind Nachbaren des Sitzes Gottes, welche das Land Israel und Juda nicht einmal nur angegriffen haben. - bösen Nachbarn, welche das Erbe antasten, Der Grund ist so allgemein, dass er auf alle Feinde des Gottesreiches ausgedehnt werden kann, auch auf die Chaldäer. Immerhin sollen die Genannten zuerst gestraft werden, Nabuchodonosor und andere Eroberer vertrieben sie aus ihrem Gebiet; auch die Judäer trifft es, welche den Bund gebrochen haben und deshalb aus dem Bundeslande ausgetrieben werden. - das ich meinem Volke Israel zugeteilt habe: Siehe, ich will sie aus ihrem Lande hinwegreißen und das Haus Juda aus ihrer Mitte herausreißen! 15 Aber nachdem ich sie herausgerissen habe, werde ich mich ihrer wieder erbarmen Durch Züchtigung und Erneuerung. – Dies ist die ständige Verkündigung der Propheten. - und sie zurückführen, einen jeden zu seinem Erbteil, einen jeden in sein Land. 16 Und es soll geschehen: wenn sie sorgfältig meines Volkes Wege lernen, so dass sie bei meinem Namen schwören: So wahr der Herr lebt! so wie sie mein Volk beim Baal schwören lehrten, so sollen sie inmitten meines Volkes auferbaut werden. Wenn jene Völker die Verehrung Gottes annehmen und ihn frei bekennen, werden sie glücklich sein, reich an Gut und Nachkommenschaft, dem Volke Israel gleichgehalten, so wie dieses ein wahrhaft theokratisches Volk. Auch jene werden im Reiche Gottes ihren Anteil erhalten, welche wie die Moabiter und Ammoniter von der mosaischen Gemeinschaft ausgeschlossen waren. [5Mos 23,3] Das Schwören bei Gottes Namen ist Bekenntnis zu ihm, den sie als allmächtig und Rächer anerkennen. Da von so vielen Völkern die Rede ist, können diese nicht als in Palästina angesiedelt gefasst werden, sondern „inmitten meines Volkes“ ist von dem über die ganze Erde zu verbreitenden Gottesreiche zu verstehen, dem sich alle Völker anschließen sollen, an welchem Orte sie sich auch finden. Die Worte des heiligen Paulus [Roem 11,17ff] beleuchten diesen Ausspruch durch einen passenden Vergleich. - 17 Wenn sie aber nicht hören, so werde ich dieses Volk gänzlich ausreißen und vernichten, Nur im Gottesreiche ist Heil. spricht der Herr.