Jeremias 13

3. Dritte Rede. (Kap. 13) A. Der faulende Gürtel. (V. 11) B. Das Volk wird vernichtet werden, wenn es nicht von seinem Stolze lässt. (V. 17) C. Gericht über die Unverbesserlichen.

So spricht der Herr zu mir: Gehe hin und kaufe dir einen leinenen Gürtel Das Folgende führte der Prophet wirklich aus (Ephr., Theod., Thom.), wie schon daraus hervorgeht, dass der Prophet feierlich Gott als Urheber seines Verhaltens und Tuns angibt. Was der Gürtel bedeutet, wird V. 11 gesagt. Er ist das Sinnbild des Volkes und der Prophet stellt das dar, was Gott dem Volke gegeben oder bald geben wird. Der Gürtel schließt sich an ihn an, so hat Gott sich das Volk zuerst mit verschiedenen Wundern erkauft, dann durch den Bund sich in innigster Liebe vereint. Der Gürtel ist ein Schmuck, so hat Gott gewollt, dass das Volk ihm zum Ruhme und zur Ehre gereichte. Linnen ist der Gürtel, weil die Priesterkleider linnen waren; so bezeichnet er also das Volk als priesterliches Reich. [2Mos 19,6] Wie der Prophet den Gürtel nie ablegen soll, nicht einmal beim Baden, so hat Gott sein Volk nie verlassen. Beim Baden soll er den Gürtel nicht ablegen, wenn derselbe auch schmutzig geworden, sondern derselbe soll schmutzig bleiben und noch schmutziger werden, ein Bild der Sünden, welche dem auserwählten Volke anhaften. Wohl hat Gott Propheten gesendet und durch Strafen gemahnt, aber eine bleibende Besserung ist nicht erfolgt, im Gegenteil hat die Bosheit des Volkes stets zugenommen. - und lege ihn um deine Hüften, aber bringe ihn nicht ins Wasser! Da kaufte ich mir einen Gürtel, wie der Herr befohlen, und legte ihn um meine Hüften. Alsdann erging das Wort des Herrn an mich zum zweiten Male, also: Nimm den Gürtel, den du gekauft hast, der um deine Hüften geschlungen ist, und mache dich auf und begib dich an den Euphrat und verbirg ihn daselbst in einer Felsenspalte! Der Gürtel, dessen Schmutz nie entfernt ist, ist das Bild des sündigen Volkes, das der Herr an den Euphrat, nach Assyrien und Babylonien in die Gefangenschaft wegführen lässt. Vergl. [Jes 42,22]. - Da ging ich hin und verbarg ihn am Euphrat, wie mir der Herr geboten hatte. Nach vielen Tagen Die Wegführung wird eine langdauernde sein. - aber geschah es, dass der Herr zu mir sprach: Mache dich auf und gehe an den Euphrat und hole von da den Gürtel, den ich dir befohlen habe daselbst zu verbergen! Da ging ich hin an den Euphrat und grub nach und nahm den Gürtel von dem Orte, wo ich ihn verborgen hatte; und siehe, der Gürtel war verdorben, so dass er zu nichts mehr taugte. Die selbst durch diese Strafe nicht zur Besinnung kommen, werden verloren gehen. Was mit den übrigen geschieht, haben Ezechiel [Ez 37,1] und Amos [Amos 9,9] verkündet. - Und es erging das Wort des Herrn an mich, also: So spricht der Herr: Ebenso will ich den Stolz Judas und den gewaltigen Hochmut Jerusalems vermodern lassen. Nicht also das Volk, sondern der Hochmut Jerusalems soll untergehen. - Dies ruchlose Volk, das auf meine Worte nicht hören will und nach der Bosheit seines Herzens dahinwandelt und fremden Göttern nachgeht, Dies ist's, was durch die Wegführung gestraft werden soll. - um diesen zu dienen und sie anzubeten, sie sollen diesem Gürtel gleich werden, der zu nichts mehr taugt. Denn wie sich der Gürtel an die Hüften eines Mannes anschließt, so habe ich das ganze Haus Israel und das ganze Haus Juda an mich anschmiegen lassen, spricht der Herr, dass sie mein Volk und mein Ruhm, mein Lob und Preis seien, Als Volk Jahves sollten sie kein Ruhm sein, wie er der ihre. So ist jeder Gerechte ein Gürtel Gottes. (Hier.) - aber sie haben nicht auf mich gehört. So sprich denn dieses Wort zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Alle Krüge werden mit Wein gefüllt. Dieser so gewöhnliche Ausspruch soll die Aufmerksamkeit erregen. - Sagen sie dann zu dir: Wissen wir denn nicht, dass alle Krüge mit Wein gefüllt werden? Sprichst du dazu zu uns, um uns eine so gewichtige Sache zu lehren? - so sprich zu ihnen: So spricht der Herr: Siehe, Wie ihr sagt, dass die Krüge dazu bestimmt sind, mit Wein gefüllt zu werden, so seid auch ihr nur zu einem geeignet: dass ihr mit dem göttlichen Zorn und der Rache des Herrn erfüllt werdet. - ich werde alle Bewohner dieses Landes, die Könige, die aus dem Geschlechte Davids auf seinem Throne sitzen, Hebr.: die Könige, die dem David sitzen auf seinem Throne: die Davids wegen zur Herrschaft erhobenen und in derselben bewahrten Könige, die doch so weit entfernt sind, seinem Vorbilde zu folgen. Die Mehrzahl Könige bezeichnet die ganze königliche Familie und die in kurzen Zeiträumen aufeinander folgenden Könige. - die Priester, die Propheten und alle Bewohner von Jerusalem mit Trunkenheit erfüllen Das Bild des Zornweines Gottes, den alle trinken sollen, ist bei den Propheten ein häufiges. Vergl. [Jer 25,15]. - und ich werde sie zerstreuen, einen jeden von seinem Bruder weg, Hebr.: und ich werde sie zerschmettern, einen am anderen, Väter usw. Was einst auf Gottes Anordnung den Madianitern geschehen, soll jetzt in anderer Weise dem auserwählten Volke widerfahren. - Väter und Söhne zumal, spricht der Herr; ich will nicht schonen und keine Nachsicht noch Erbarmen üben, dass ich sie nicht verderben sollte. Stets ist die Bedingung zu ergänzen: Wenn sie die zur Buße und Umkehr gewährte Zeit unbenutzt vorüberlassen; wie die folgende Mahnung zeigt. - So höret nun und vernehmet es! überhebet euch nicht, Alsdann braucht Gott nicht mehr ihren Hochmut zu brechen. - denn der Herr hat gesprochen. Gebet dem Herrn, euerm Gott, die Ehre, Indem ihr ihn preist und auf ihn eure Hoffnung setzt. - ehe es finster wird Hebr.: Ehe der Herr es finster werden lässt. Die Finsternis wird so groß sein, dass ihre Füße nicht nur an Steine stoßen, sondern an Berge der Finsternis (hebr.), die sie nicht vermeiden können. Sie werden in einem von hohen Bergen umschlossenen Tale umherirren, ohne zu wissen, wohin sie sich wenden und welchen Entschluss sie fassen sollen. Das Bild des Berges wird auch [Sach 4,7] für ein großes Unglück und Hindernis in der Ausführung einer Sache gebraucht. - und ehe Die Zeit der Gnade und der Erbarmung, in der ihr noch dem Unglück entgehen könnt, nimmt ein Ende. - eure Füße sich an finsteren Bergen stoßen; ihr werdet auf Licht warten, er aber wird es in Todesschatten Dichte Finsternis, welche gleichsam das Abbild des Todes ist. – Neuere lesen: Düsternis. - und in Finsternis wandeln. Wenn ihr nicht darauf hört, wird meine Seele im verborgenen Wo er freier sich seinem Schmerze hingeben kann über die Bosheit des Volkes, das seinen Hochmut nicht ablegen will. - weinen über solchen Hochmut; mein Auge wird weinen, ja in Tränen zerfließen, weil die Herde des Herrn weggeführt wird. Sage dem Könige und der Herrscherin: In den Büchern der Könige wird die Königin-Mutter oft mit diesem Titel bezeichnet, indes auch die Gattin des Königs [1Sam 11, 1Sam 19] mit demselben benannt. Hier ist allgemein das Herrschergeschlecht, nicht ein bestimmter König oder eine bestimmte Königin, gemeint. - Demütigt euch, setzt euch nieder zur Erde! denn die Krone eurer Herrlichkeit ist von eurem Haupte gesunken. Wie? wird im Folgenden dargelegt. - Die Städte gegen Mittag sind verschlossen und niemand öffnet sie mehr, Verlassen und unbewohnt. Die Städte gegen Mittag sind erwähnt, weil deren Zerstörung das Zeichen ist, dass das ganze Land von dem von Norden kommenden Feinde verwüstet ist. - weggeführt ist ganz Juda, völlig weggeführt. Erhebet eure Augen und schauet, die ihr von Mitternacht her kommt! Hebr.: Hebe deine Augen auf (Tochter Sion) und siehe die von Norden kommen! - wo ist die Herde, die dir gegeben war, deine prächtigen Schafe? Die dir ergebenen Städte oder die Bewohner Judas. - Was wirst du sagen, wenn er dich so heimsucht? Du hast dich an Fremde angeschlossen, womit du gesündigt, damit sollst du gestraft werden. - Du selbst hast sie ja gelehrt dir zum Schaden und unterwiesen, über dich zu herrschen; Du hast sie einst zu Hilfe gerufen und ihnen den Weg gezeigt, auf dem sie in dein Land einbrechen können. (Hier.) Hebr.: Was wirst du sagen, wenn er zum Oberhaupt über dich bestellt, die du dir vertraut gemacht um dich her als Genossen (Geliebte)? - werden dich da nicht Schmerzen ergreifen wie ein Weib in Geburtswehen? Die härtesten Schmerzen. - Wenn du nun in deinem Herzen sagen wolltest: Warum hat mich solches betroffen? Wegen der Menge deiner Missetaten ist deine Schande aufgedeckt, sind deine Fußsohlen befleckt. Hebr.: wurde aufgedeckt deine Schleppe. Die Tochter Sion wird gefangen fortgeführt, dem Hohne und den Misshandlungen der Feinde ausgesetzt. Nicht wird ihre Schamhaftigkeit geschont, wie Sklavinnen muss sie mit nackten Füßen einhergehen, wohl selbst mit Schlägen vorwärts getrieben. - Kann wohl ein Mohr seine Haut verändern oder ein Pardel seine Flecken? So wenig könnt ihr gut handeln, nachdem ihr an das Böse gewöhnt seid. Es ist euch gleichsam zur Natur geworden. Doch während bei dem Äthiopier die schwarze Farbe wirklich Natur ist, ist die Sünde freiwillig gewollt. Was bei den Menschen unmöglich ist, ist bei Gott indes möglich. Die Redewendung ist sprichwörtlich. - So will ich sie wie Stoppeln zerstreuen, die der Wind der Wüste Der heftigste Wind. So leicht und mit solcher Wucht wird Gott dem Reiche ein Ende machen. Nicht Menschen zerstören dasselbe, sondern Gott überliefert es dem Verderben nach gerechtem Gerichte. - hinwegrafft. Das ist dein Los und dein Anteil, den ich dir zugemessen, Etwas ironisch. Gott hatte den Seinen ein anderes Los, einen anderen Anteil und Erbschaft zugemessen, doch diese hatte das Volk verschmäht. Da sie Gott nicht als Anteil gewollt, sollen sie es empfinden, wie bitter es ist, die Quelle des Lebens und der Seligkeit verlassen zu haben. - spricht der Herr, weil du meiner vergessen und dein Vertrauen auf Lügen Auf die nichtigen Verheißungen der falschen Propheten, auf die Götzen und die mit den Götzendienern abgeschlossenen Bündnisse. - gesetzt hast. Darum will auch ich deine Hüften vor deinen Augen entblößen, dass deine Schande sichtbar werde; Hebr.: Darum werde ich deine Schleppe aufdecken über dein Angesicht, dass man deine Schande sehe. - denn ich habe deine Ehebrüche, dein Wiehern Geiles Buhlen, dieses war mit den Götzendiensten verbunden. - und den Frevel deiner Buhlerei, deine Greuel auf den Hügeln im Felde gesehen. Wehe dir, Jerusalem! wie lange wird es noch währen, bis du rein wirst und mir anhängst, wie lange noch? Hebr.: Nicht wirst du rein werden, nach wie langer Zeit noch?

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