Jeremias 15
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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D. Von neuem legt Jeremias vergeblich Fürbitte für das Volk ein. (V. 9) E. Gott tröstet den betrübten Propheten.
1 Da sprach der Herr zu mir: Wenn auch Moses und Samuel vor mich hinträten, Beide haben sich dem göttlichen Zorne entgegengestellt und den Untergang von dem Volke abgewendet. Vor Gott hintreten, ist also für das Volk beten. Wenn Gott nicht einmal die Fürbitte dieser beiden zulässt, kann der Prophet sich nicht gekränkt fühlen, wenn der Herr auch die seine nicht annimmt. - so würde mein Herz sich doch nicht diesem Volke zuneigen; Nicht einmal jene würden imstande sein, Gott zur Güte für das Volk zu bestimmen, denn wenn sie einst den Herrn dazu gebracht, das Volk zu verschonen, so war damals die gemeinsame Schuld des Volkes noch keine so große, die Verhärtung in der Sünde keine so furchtbare, nicht so viele Mittel endlich vergeblich angewendet. Vergl. [Ez 14,14]. – Nur die Verhärtung des Volkes im Bösen ist Ursache, dass die Fürbitte der gottgefälligen Männer nichts vermag. Aus dieser Stelle geht hervor, dass Moses und Samuels und damit aller Heiligen Fürbitte bei Gott viel vermag, wenngleich Gott die Hartnäckigkeit des Volkes durchaus durch eine zeitliche Strafe brechen und so heilen will. - treib sie hinweg von meinem Angesichte, dass sie von dannen gehen! 2 Und wenn sie dann Höhnend. - zu dir sprechen: Wohin sollen wir fortgehen? so sage ihnen: Also spricht der Herr: Wer für den Tod Die Pest. - bestimmt ist, in den Tod; wer für das Schwert, zum Schwerte; wer für den Hunger, zum Hunger; wer für die Gefangenschaft, zur Gefangenschaft. Die Größe des Zornes Gottes offenbart sich darin, dass viele Mittel des Unterganges bezeichnet werden, kein Weg zur Rettung. - 3 Und ich will sie mit viererlei Plagen heimsuchen, Hebr.: Ich werde über euch vier Völker bestimmen – um euch zu vernichten und Schmach anzutun. Wie hart solche Schmach ihnen fiel, zeigt die Geschichte Davids und Goliaths. [1Sam 17,44.46] - spricht der Herr: Mit dem Schwerte, dass sie getötet werden, mit Hunden, dass sie zerrissen werden, mit den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren der Erde, dass sie verschlungen und vertilgt werden. 4 Und ich will sie zum Grauen für alle Reiche der Erde machen, Wegen ihres unsteten Umherirrens und ihrer Zerstreuung unter alle Völker. [5Mos 28,25] - um Manasses, des Sohnes Ezechias, des Königs von Juda, willen, wegen alles dessen, was er in Jerusalem getan hat. Zur Zeit des Ezechias hat Gott ähnliche Drohungen nicht ausgeführt. [Jer 26,19] - 5 Denn wer wird Erbarmen gegen dich üben, Jerusalem? oder wer wird dir Teilnahme zeigen? Hebr.: Oder wer wird dir Mitleid bezeigen und wer einkehren, nach deinem Wohlergehen zu fragen? – Mit Recht, wie V. 6 zeigte. - oder wer wird hintreten, um Frieden für dich zu erbitten? 6 Du hast mich verlassen, spricht der Herr, du hast dich rückwärts abgewandt; so will ich meine Hand über dich ausstrecken und dich töten, Das Volk hat Gott verlassen, darum wird auch er es verlassen. - ich bin des Mahnens Ich habe so oft noch einmal deiner geschont, doch nun bin ich es müde, dich noch weiter zur Buße aufzufordern. (Vulg.) Hebr.: Des Bedauerns. - müde. 7 Ich will sie mit der Wurfschaufel in den Toren des Landes Die Tore sind die Zugänge des Landes, in diesen will der Herr sein Volk worfeln, dass der Wind sie wie Spreu in fremde Länder trage. - niederworfeln. Ich habe mein Volk getötet und vernichtet, Ich habe mein Volk verwaist gemacht – indem ich seine Jugend im Kampfe fallen ließ. Der Sinn ist indes: Ich werde verwaist machen. - aber dennoch Zusatz der Vulgata. - kehrten sie von ihren Wegen nicht um. Wiederholung des Grundes, weshalb Gott sein Volk verwerfen muss. - 8 Ihre Witwen sind mir zahlreicher geworden als der Sand am Meere, ich ließ über die Mutter der jungen Mannschaft den Verwüster am Mittage Mit offener Gewalt. Er braucht nicht nächtlichen Überfall zu suchen. - kommen und sandte plötzlich Schrecken über die Städte. Nach dem Hebr.: Will über sie (die junge Mannschaft) plötzlich Angst und Schrecken fallen lassen. - 9 Hingesiecht ist die, welche sieben Kinder Die Zahl sieben ist eine heilige: Die Mutter, welche mit zahlreicher Nachkommenschaft gesegnet und Gott insbesondere lieb scheinen konnte, hat keinen Nutzen von so vielen Söhnen. - geboren, dahingeschwunden ist ihr Leben; Mit den Söhnen hat die Mutter gleichsam ihr Leben verloren, ihr Sonnenlicht, das unerwartet am hellen Tage unterging. Sie ist innerlich vernichtet; die Schmach der Kinderlosigkeit hat sie unerwartet getroffen. Zu dem Bilde vergl. [1Sam 2,5; Rut 4,15]. - untergegangen ist die Sonne für sie, während es noch Tag war, sie ist zuschanden und schamrot geworden. Was haben da andere zu erwarten? - Was von ihr noch übrig geblieben ist, Ihre noch übrigen Kinder. Freilich wird ein heiliger Same bewahrt und das Gottesreich einst wieder hergestellt, wie andere Weissagungen bezeugen. - will ich dem Schwerte preisgeben vor ihren Feinden, spricht der Herr. 10 Wehe mir, meine Mutter! warum hast du mich geboren, einen Mann des Haders, einen Mann des Streites für die ganze Welt? So wünscht selbst Elias zu sterben. [1Koe 19,4] - Ich habe nicht auf Wucher ausgeliehen noch hat jemand mir geliehen Habe jeden Anlass zu Streit ferngehalten. Ein solcher Anlass wird für alle beispielsweise eingesetzt. - und doch fluchen mir alle. 11 Der Herr spricht: Wahrlich! Ich schwöre. - was dir noch übrig ist, führe ich zu gutem Ende; Hebr.: Fürwahr, ich festige dich zum Guten; fürwahr, ich lasse bittend den Feind dich angehen am Tage des Unglücks und zur Zeit der Not. – Ich will bewirken, dass der Feind um deine Fürbitte fleht. Zwei Dinge verheißt Gott: Er will Jeremias so beistehen, dass dieser sich alles zum Heile ausschlagen sieht, und die Feinde, die (feindlichen Juden), welche ihn jetzt mit Schmähreden heimsuchen, werden um seinen Rat und seine Hilfe bitten. Dass dies geschah, zeigt [Jer 21,2] und [Jer 42,2]. - ich will dir zu Hilfe kommen in der Zeit der Bedrängnis und der Trübsal wider den Feind. 12 Kann wohl Eisen und Erz sich zu dem Eisen von Norden gesellen? Hebr.: Wird etwa jemand Eisen, nordisches Eisen und Erz brechen? – Ich will dich zu einer eisernen Säule und zu einer ehernen Mauer machen, also fürchte nicht, man könnte dich brechen! – Das nordische Eisen galt als das beste und härteste. – Der heilige Hieronymus gibt drei Erklärungen zu seiner Übersetzung, die nicht einmal ganz zu derselben passen. Nur der Text, wie er nach dem Hebräischen soeben gegeben, entspricht dem Zusammenhange. - 13 Deine Die Rede Gottes wendet sich dem Volke zu. - Schätze und deine Reichtümer werde ich dem Raube preisgeben ohne Zahlung, Ohne dass Gott von den Eroberern Entschädigung für sich verlangt, d.i. ohne dass es die Feinde Mühe und Gefahr kostet. - für alle deine Sünden, und dies in allen deinen Marken. 14 Und ich werde deine Feinde aus einem Lande herbeiführen, das du nicht kennst, Hebr.: Und ich werde sie (die Schätze, oder dich?) in ein Land übergehen lassen, das du nicht kennst. – Der Text ist indes nicht unversehrt. Siehe [Jer 17,4]. Sept. Chald.: Und ich will dich deinen Feinden dienen lassen. - denn ein Feuer ist in meinem Grimm entbrannt und wird über euch emporflammen. 15 Du weißt es, Herr! gedenke mein Da der Prophet nach V. 13, V. 14 Unglück verkünden soll, muss er die Feindseligkeit des Volkes fürchten, deshalb fährt er fort, Gott um Hilfe zu bitten. Du weißt, welcher Hass und welche Gefahren mir drohen, wenn ich den Untergang verkünde. Gedenke mein: Wem Gott beisteht, dessen gedenkt er gleichsam. - und behüte mich und schütze mich Hebr.: Räche mich an. - vor meinen Verfolgern; schirme mich nicht nach deiner Langmut, Strafe meine Feinde schnell, verschiebe es nicht, befreie mich alsbald. - bedenke, dass ich deinetwillen Schmach ausstehe! 16 Fanden sich Worte von dir, so verschlang ich sie Um seiner Bitte Nachdruck zu verleihen, weist Jeremias auf seinen Gehorsam und seinen Eifer. Wie an süßester Speise erfreute ich mich an ihnen. - und dein Wort gereichte mir zur Freude und zur Wonne meines Herzens; denn dein Name ist über mich angerufen, Ich wusste, dass ich dir in besonderer Weise angehörte. Vergl. [Jes 4,1] und [Jer 14,9]. - Herr, Gott der Heerscharen! 17 Nicht saß ich in der Gesellschaft der Fröhlichen, Hebr.: Nicht lass ich im Kreise der Scherzenden und belustige mich, wegen deiner Hand habe ich einsam gesessen, von Grimm hattest du mich erfüllt. – Wer Hartes und Schlimmes verkünden soll, muss schon in seinem ganzen Verhalten harte Buße zur Schau tragen. - sondern rühmte mich dessen, was deine Hand an mir getan; ich saß einsam, denn du erfülltest mich mit deinem Dräuen. 18 Warum ist mein Schmerz beständig geworden, und ist meine Wunde hoffnungslos und will sich nicht heilen lassen? Über den Schmerz und die Wunde siehe [Jer 11,18ff; Jer 12,1]. Dazu kommen gewiss verschiedene Verfolgungen, welche der Prophet erduldet hat. - Sie ward mir wie trügerische Wasser, auf die kein Verlass ist. Nach dem Hebr.: Wirst du mir etwa wie ein Trugbach sein, (wie) Wasser, die nicht beständig sind? Die gerade dann versiegen, wenn man ihrer am meisten bedarf, im Sommer? Vergl. [Job 6,15ff]. Es ist ein inständig flehendes Bittgebet: Wirst du mich ohne Hilfe lassen, gerade dann, wenn ich derselben am meisten bedarf? - 19 Darum Der Herr mahnt ihn, die Hilfe müsse nicht durchaus alsbald ihm zuteil werden. - spricht der Herr also: Wenn du umkehrst, werde ich dich zurückbringen und vor mich treten lassen; Wenn du dich von deinem Kleinmut und deiner Ungeduld zu fester Hoffnung auf mich bekehrst, will ich dich wiederkehren lassen, dass du vor meinem Angesichte stehest, und du sollst wieder mein standhafter Prophet und mein Freund sein. - und wenn du das Kostbare von dem Schlechten sonderst, so wirst du wie mein Mund sein; Hebr.: Und wenn du Echtes hervorbringst ohne Unedles, so wirst du wie mein Mund sein – ein wahrer Prophet, wie ich ihn will, vergl. [2Mos 7,1], der Misstrauen und Murren von sich fernhält. Dann wird der Prophet wahrhaft über seine Feinde triumphieren und jene ihn bittend nahen, er aber niemandes Gunst zu suchen haben. Es wird geschehen, was in V. 11 (hebr.) verheißen ist. - jene werden sich alsdann zu dir umwenden und nicht du wirst dich zu ihnen wenden. 20 Ich will dich diesem Volke gegenüber zu einer ehernen, festen Mauer machen; kämpfen sie wider dich, so werden sie nichts über dich vermögen; denn ich bin mit dir, um dir zu helfen und dich zu erretten, spricht der Herr. 21 Und ich will dich aus der Hand der Bösen befreien und dich aus der Hand der Gewalttätigen erlösen. Zu einer Zeit, welche Gott selbst erwählt. Der Prophet soll in Geduld und Hoffnung harren.
Zitiert in 11
- V. 1 Summa (EN)(I-II 114.6
II-II 83.7 Suppl 72.3) - V. 15 CCC(¶2584)
- V. 16 CCC(¶2584)
- V. 17 CCC(¶2584)Summa (EN)(II-II 168.4)Salvifici Doloris(§6)
- V. 18 CCC(¶2584)Summa (EN)(II-II 20.3)
- V. 19 Summa (EN)(II-II 25.6)