Jeremias 16

5. Fünfte Rede. (Kap. 16 [Jer 17]) A. Weissagung durch das Vorbild der Lebensschicksale des Propheten. (V. 18) B. Wehe den Gottlosen, Heil denen, die auf Gott vertrauen! [Jer 17,18]

Und es erging das Wort des Herrn an mich, also: Nimm dir an diesem Orte kein Weib und zeuge weder Söhne noch Töchter, Im Alten Testamente, zu dessen vorzüglichsten Segnungen zahlreiche Nachkommenschaft gehörte, ja Unfruchtbarkeit als Fluch galt, vergl. [5Mos 17,14], war diese Vorschrift eine harte. Der Prophet soll ein Vorbild derer werden, welche nach dem Rate des Herrn um des Evangeliums willen unbeweibt bleiben. Die Einzelaufzählung zeigt dem Propheten, wessen allen er entbehren soll. Ähnlich wird Abraham das Opfer vor Augen gestellt, das Gott von ihm fordert. [1Mos 12,1] - denn so spricht der Herr von den Söhnen und Töchtern, die an diesem Orte geboren werden, von ihren Müttern, die sie gebären, und von ihren Vätern, von denen sie in diesem Lande gezeugt werden: An schlimmen Seuchen Besser: An qualvollen Todesarten. Solche sind [Jer 15,2ff] genannt und werden in der zweiten Hälfte des Verses genannt. Vorzeitiger, elender Tod soll sie dahinraffen und Bestattung ihnen nicht zuteil werden. Dieses Los stellt ihnen Jeremias, ohne Weib und Kinder unter ihnen lebend, gleichsam an sich vor Augen. Aus gleichem Grunde soll er sich vor allem vertrauten Verkehr fernhalten. (V. 5) - sollen sie dahinsterben und es wird ihnen keine Totenfeier gehalten noch ein Grab zuteil werden, sondern zu Dünger sollen sie auf der Oberfläche der Erde werden, durch Schwert und Hunger sollen sie dahingerafft werden und ihre Leichname den Vögeln des Himmels und den Tieren der Erde zum Fraße dienen! Denn so spricht der Herr: Gehe in kein Haus zu einem Trauermahle Hebr.: Gehe in kein Trauerhaus. Trauernden brachte man Speise und bereitete man ein Mahl. - und tritt nicht ein zum Klagen noch tröste sie, Hebr.: Bezeige ihnen kein Beileid. - denn ich habe meinen Frieden, Den glücklichen Stand, der die Fülle aller Güter spendet. - Gnade und Erbarmungen von diesem Volke weggenommen, spricht der Herr. Und Große wie Kleine Vornehme, wie Geringe. - sollen in diesem Lande sterben, man wird sie weder begraben noch ihnen die Totenklage halten, Sie werden allzu zahlreich sein als dass man dies könnte. - niemand soll sich ihretwegen ritzen oder kahl scheren. Beides war freilich verboten. [3Mos 19,28; 5Mos 14,1] Die hier genannte Sitte war bei Babyloniern, Armeniern, Scythen, Römern und anderen Völkern allgemein. - Und man soll um sie kein Brot dem Leidtragenden brechen, ihn zu trösten ob des Toten, Trauernde fasteten [1Sam 20,34] u.a., deshalb zwang man sie durch Zusendung von Speisen die Trauer zu unterbrechen. - noch wird man sie den Becher des Trostes trinken lassen wegen ihres Vaters oder wegen ihrer Mutter. Gehe auch in kein Haus, wo ein Festmahl gehalten wird, dass du dich zu ihnen setzest, um zu essen und zu trinken. Denn also spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Siehe, ich will von diesem Orte vor euern Augen und in euern Tagen den Schall der Freude und den Schall des Frohlockens, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut verschwinden lassen. Alle Festfreude soll aufhören. Die Lebenden sollen dessen noch Zeugen sein. Vergl. [Jer 7,34]. Die Erfüllung: [Klagel 5,15]. - Wenn du nun diesem Volke alle diese Worte verkündest und sie dich fragen: Die Verstockung des Volkes wird mit einer dreifachen Frage geschildert. Nach so vielen Mahnungen und Strafreden sind sie nicht einmal zum Anfang der Bekehrung, zu einiger Anerkennung ihrer Schuld gekommen. - Warum hat uns der Herr all dieses große Unheil angedroht? welches ist unser Vergehen und welches unsere Sünde, die wir wider den Herrn, unsern Gott, begangen haben? so sprich zu ihnen: Weil eure Väter mich verlassen haben, Die Väter werden erwähnt, um zu zeigen, wie tief eingefressen das Übel ist und wie wenig Eindruck die über die Väter verhängten Strafen auf die Söhne gemacht haben. - spricht der Herr, und fremden Göttern angehangen und diesen gedient und sie angebetet, mich aber verlassen und mein Gesetz nicht beobachtet haben. Ihr aber habt noch schlimmer gehandelt als eure Väter; denn sehet, ein jeder geht der Verkehrtheit seines bösen Herzens nach, ohne auf mich zu hören. So will ich euch denn hinausschleudern aus diesem Lande in jenes Land, das ihr nicht kennt Dass es Babylon sein werde, hat schon der Prophet Michäas vorausgesagt [Mic 4,10]; ebenso hatte Isaias [Jes 39,9] und selbst Jeremias auf das nordische Reih hingewiesen [Jer 3,18]; durch die Erfahrung kannten die Juden es noch nicht. - und das eure Väter nicht kannten; dort möget ihr Tag und Nacht fremden Göttern dienen, Insofern dienen sie fremden Gottheiten als sie unter der Herrschaft eines Volkes sind, das fremde Götter verehrt. - die euch keine Ruhe gewähren. Hebr.: weil ich euch keine Gunst (Barmherzigkeit) erweisen werde. - Darum sehet, es werden Tage kommen, spricht der Herr, da man nicht mehr sagt: So wahr der Herr lebt, welcher die Kinder Israels aus dem Lande Ägypten geführt hat! sondern: So wahr der Herr lebt, der die Kinder Israels aus dem Lande gegen Norden und aus allen Landen, in die ich sie verstoßen hatte, hergeführt hat! denn ich werde sie wieder in ihr Land bringen, welches ich ihren Vätern gegeben hatte. Die nachfolgende Verheißung der Befreiung lässt die Schwere des Gerichtes fühlen: Es wird eine so mächtige Gottestat zu Erlösung notwendig sein wie einst in Ägypten, ja eine noch weit mächtigere. Die Schwurformel wird eingefügt, weil bei diesem Schwure die Verehrung Gottes auf mannigfache Weise geübt wird und die Erinnerung an die empfangene Wohltat das Herz des Schwörenden mit Ehrfurcht vor Gottes Macht und mit Liebe gegen seine Güte erfüllt. - Sehet, ich will viele Fischer aussenden, spricht der Herr, diese sollen sie herausfischen; und darnach will ich viele Jäger zu ihnen senden, diese sollen sie erjagen auf allen Bergen und allen Hügeln und in den Felsenhöhlen. Sicher und unabwendbar kommt das Unglück. Die Feinde werden alle mit ihren Netzen umspannen und selbst die, welche sich in den Klüften zu verbergen suchen, in ihre Gewalt bringen. Zu dem Bilde vergl. [Amos 4,2; Hab 1,15] Wie Fischer fingen die Chaldäer die Juden in Jerusalem, wie Jäger verfolgten sie Sedekias und die Fürsten, welche bei Nacht in die Berge fliehen wollten. - Denn meine Augen sind auf alle ihre Wege gerichtet, nicht sind diese verborgen vor meinem Angesicht und ihre Verschuldung ist nicht versteckt vor meinen Augen. Zuvor Ehe die V. 15 verheißene große Erlösungstat erfolgt. - aber will ich ihre Verschuldungen und Versündigungen doppelt vergelten, Streng und andauernd. - denn sie haben mein Land Dass es sich in besonderer Weise als seinen Sitz erkoren und den Israeliten als Anwohnern gegeben hat. - mit dem Ase ihrer Götzen Hebr.: Mit den Leichnamen ihrer Scheusale (den Götzen). - verunreinigt und mein Erbe mit ihren Greueln erfüllt. Herr, meine Stärke und meine Kraft, Der aus der Gefangenschaft zu erwartende Nutzen soll der Trost des Propheten sein. Er bittet, die Gefangenschaft möchte denselben wirklich herbeiführen. - meine Zuflucht am Tage der Drangsal! Hebr.: Meine Wehr und meine Schutzwehr. - Zu dir werden die Völker von den Enden der Erde kommen und sagen: Wahrlich, unsere Väter haben nur Lüge zu eigen gehabt, Nichtigkeit, die ihnen zu nichts nützte! Was oben die Israeliten, durch die Strafe belehrt, [Jer 3,23] sagen, wiederholen jetzt die Völker, auch sie sind von Gott belehrt. Dass dies ein Erfolg der Wegführung sein werde, hat insbesondere Isaias öfter [Jes 2,2] vorausgesagt. Hebr.: Eitel Trug haben unsere Väter zu eigen gehabt, eitles Wesen, worunter keiner keiner, der Nutzen hat. - Kann wohl ein Mensch sich Götter machen? denn solche sind doch keine Götter! Darum sehet, tue ich ihnen diesmal kund, tue ihnen meine Hand und meine Macht kund, damit sie erfahren, dass mein Name Herr ist! Sie sollen erfahren, dass mein Name Jahve von Stein abgeleitet ist, dass ich alles, was ich androhe oder verheiße, zur Wirklichkeit werden lasse. Der Götzendienst hat bei dem auserwählten Volke alles überwuchert, darum ist ein solches Strafgericht notwendig. [Jer 17,1]

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