Jeremias 20

E. Der Prophet wird geschlagen und in den Block geworfen. (V. 6) F. Jeremias Klage.

Als nun Phassur, der Sohn Emmers, der Priester, der zum Obersten im Hause des Herrn bestellt war, Er hatte die Oberaufsicht über den Tempel, ähnlich wie der [Apg 4,1] und [Jer 5,24] erwähnte Beamte. Der Sohn Emmers: etwa ein Abkömmling der Familie Immers, der 16. Priesterordnung [1Chr 24,14]? Doch nach [Jer 21,1] war er wohl in der Tat der Sohn Immers. - den Jeremias diese Worte weissagen hörte, schlug Phassur den Propheten Jeremias und legte ihn in den Block, Er nahm an, Jeremias habe die dem Tempel schuldige Ehre verletzt und das Volk aufgeregt. Und doch hatte Jeremias sich bereits vor allen als Prophet erwiesen und war von ihnen nach [5Mos 18,15ff] zu hören und zu verehren. Vielleicht ließ Phassur ihm der Bestimmung [5Mos 18,15ff] gemäß vierzig Rutenstreiche geben. Block: eigentlich Verdrehung, weil die Gefangenen in dieses Marterwerkzeug mit verschränkten Gliedern gelegt wurden. - der am oberen Benjaminstore, Dies war ein Stadttor. Die Septuaginta bietet diesen Namen nicht, was auf ein Verderbnis des jetzigen hebräischen Textes hinweist. - am Hause des Herrn war. Doch als der andere Morgen angebrochen war, nahm Phassur den Jeremias aus dem Blocke. Entweder seine Tat bereuend oder hoffend, der Prophet werde nun eingeschüchtert sein. Ähnlich handelte der Hohepriester gegen die Apostel [Apg 5,40]. - Da In das Gefängnis geworfen, schweigt Jeremias und besiegt das Unrecht durch Stillschweigen; freigelassen verhehlt er dennoch nicht, was kommen wird, damit der falsche Prophet wenigstens ferner nicht sündige und Gottes Erbarmen anflehe. - sprach Jeremias zu ihm: Nicht mehr Phassur nennt dich der Herr, sondern Schrecken ringsum. Der Name bedeutet zugleich das Eintreten der durch denselben bezeichneten Sache. Diese wird V. 4 dargelegt. - Denn also spricht der Herr: Siehe, ich werde dich dem Schrecken preisgeben, dich und alle deine Freunde; Hebr.: Ich werde dich zum Schrecken machen dir selbst und allen deinen Freunden. - vor deinen Augen sollen sie durch das Schwert ihrer Feinde fallen; ganz Juda aber will ich in die Hand des Königs von Babylon So bezeichnet der Prophet den von Norden kommenden Feind mit Namen. - überliefern, dass er sie nach Babylon wegführe und mit dem Schwerte töte. Und alle Habe dieser Stadt und all ihren Erwerb und alle Kostbarkeiten und alle Schätze der Könige von Juda will ich in die Hand ihrer Feinde überliefern und diese sollen sie plündern und fortschleppen und nach Babylon fortführen. Du aber, Phassur! und alle Bewohner deines Hauses, ihr werdet in die Gefangenschaft gehen und du wirst nach Babylon kommen und dort sterben und begraben werden, samt allen deinen Freunden, denen du Lügen geweissagt hast. Da Phassur hier den Lügenpropheten beigezählt wird, ist leicht erklärlich, warum er den Propheten ergriffen, aber auch, warum er, von seinem bösen Gewissen gepeinigt, ihn alsbald wieder freigelassen. Wann dies alles geschehen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Da aber Sophonias dieses Amt unter König Sedekias bekleidete, vergl. [Jer 29,25.26] ist es wahrscheinlich, dass diese Weissagung in Erfüllung ging, als Jechonias und andere Vornehme in die Gefangenschaft weggeführt wurden. Vergl. [Jer 29,25.26; 2Koe 24,14-16]. - Du, Herr! hast mich dahingezogen und ich ward hingezogen, du bist stärker gewesen denn ich und hast übermocht, aber ich bin zum Spott geworden den ganzen Tag, alle verlachen mich. Der Prophet hat Gottes Berufung zum Prophetenamte zuerst Widerstand geleistet [Jer 1,6], aber Gottes Mahnung und Verheißung nachgegeben, da der Herr ihn gleichsam zur Annahme zwang. Nachdem er nun im Vertrauen auf Gottes Schutz das Amt übernommen, ist er nicht allein nicht sicher vor seinen Feinden, sondern muss sogar deren Spottreden ohne Aufhören über sich ergehen lassen. – Ein wenig Kleinmut und Ängstlichkeit ist seinen Worten sicher beigemischt. - Denn schon seit langer Zeit rede ich, rufe: Unrecht! und schreie: Verwüstung! Hebr.: Denn so oft ich rede, muss ich schreien, Frevel und Gewalttat! muss ich rufen. Das Volk verhöhnt ihn, weil es meint, was nicht sofort kommt, werde überhaupt nicht eintreten. - aber das Wort des Herrn ist mir zur Beschimpfung und zum Spott geworden den ganzen Tag. Sprach ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken noch ferner in seinem Namen reden, so ward es in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, eingeschlossen in meine Gebeine; ich ward kraftlos und unvermögend, es zu ertragen. Das Wort Gottes ist Feuer, Jeremias kann dies nicht in seinem Herzen bewahren, notwendig bricht das Feuer hervor und sucht zu entflammen; so muss er, von Gott angetrieben, immer von neuem üble Verkündigungen aussprechen. Auch diese Worte zeigen ein gewisses Zögern und Kleinmut des Propheten. - Denn ich hörte die Schmähungen vieler Hebr. Ich habe viele gehört, - Schrecken (umgab mich) ringsum. – Zeiget an, so wollen wir ihn anzeigen (den Behörden als Aufrührer). Alle, die mir befreundet, lauern mir auf: Vielleicht usw. - und Schrecknis ringsum: Verfolget ihn, lasset uns ihn verfolgen! So hörte ich von allen, die sonst mit mir in Frieden lebten, und sie lauerten meiner Seite auf: Vielleicht lässt er sich hintergehen, dass wir ihn überwältigen und Rache an ihm nehmen können! Aber der Herr ist mit mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger zu Falle kommen und machtlos sein; sie werden schmachvoll zuschanden werden, weil sie die ewige Schande nicht erwogen haben, die niemals getilgt werden wird. Denn sie waren nicht weise, mit ewiger Schmach (werden sie beschämt werden), die nicht vergessen wird. – Welche Zuversicht mitten in der Verfolgung! Ja, wenn Gott für uns, wer mag wider uns sein? Die Feinde sind von wahrer Weisheit verlassen, sonst würden sie den wahren Propheten und seine Verkündigungen anerkennen und den Untergang auf dem vom Propheten angegebenen Wege entgehen. Nun aber steht ihnen Schmach und Verwirrung bevor, wenn das in Erfüllung geht, was Jeremias vorausgesagt. Und dass diese Beschämung sie treffen wird, wenn sie halsstarrig bleiben, weiß der Prophet aus der Wahrhaftigkeit Gottes. - Nun, Herr der Heerscharen! du Prüfer des Gerechten, der du Nieren und Herz siehst, lass mich doch deine Rache an ihnen schauen, Gott kennt das Herz des Propheten und weiß, wie treu und gewissenhaft derselbe das ihm aufgegebene Wort verkündet. Gottes Sache, nicht die seine vertretend, kann er mit Recht erwarten, dass er Herr sich erheben wird, seine eigene Sache zu rächen. - denn dir habe ich meine Sache befohlen. Singet dem Herrn, preiset den Herrn, denn er rettet das Leben des Armen aus der Gewalt der Bösen! Da er die göttliche Hilfe schon öfter erfahren hat, vergl. [Jer 11,18], führt er an, wie er den Herrn gepriesen. - Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren ward; der Tag, an dem mich meine Mutter geboren, bleibe ungesegnet! Nicht stärker als Elias in ähnlicher Lage [1Koe 19,4] offenbart er seine Betrübnis fast mit gleichen Worten wie Job, in hyperbolischer Rede die Gewalt seines Schmerzes offenbarend. (Ephrem.) Der folgende Vers enthält eine weitere Ausführung des gleichen Gedankens: Wäre ich doch nie geboren! - Verflucht sei der Mann, der meinem Vater die Botschaft brachte und sprach: Ein Kind, ein Knäblein ist dir geboren! als verursachte er ihm damit eine große Freude. Jener Mann werde wie die Städte, die der Herr von Grund aus umgekehrt hat, ohne dass es ihn reute! Sodoma und Gomorrha. - Er höre Geschrei am Morgen und Kriegsruf zur Mittagszeit, weil er mich nicht tötete im Mutterleibe, dass meine Mutter mir zum Grabe geworden und ihr Leib ewig schwanger geblieben wäre! Warum bin ich doch aus dem Mutterleibe hervorgegangen, dass ich Mühsal und Schmerz schaue und sich meine Tage in Schmach verzehren? Sein Schmerz wird durch das Unglück seines Volkes gemehrt. Vergl. [1Mak 2,7]. Ohne Zweifel darf man bei den Männer des Alten Bundes nicht die Vollkommenheit des Neuen suchen, die nur das Vorbild Christi und seine Gnade den Aposteln verleihen konnte. Dass der Schmerz in heftigeren Worten seinen Ausdruck findet, ist die Sitte des Orients (Ephr.), wie auch das Zerreißen der Kleider, das sich mit Staub Bestreuen und Ähnliches der größeren Lebhaftigkeit der Morgenländer entspricht.

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