Jeremias 23

D. Gott wird den Messias König erwecken. (V. 8) 3. Dritte Rede. (Kap. 23,9-40) A. Drohungen gegen die falschen Propheten. (V. 15) B. Warnung vor den falschen Propheten. (V. 22) C. Charakteristik der falschen Propheten. (V. 32) D. Die Last des Herrn.

Wehe Nach einzelnen Strafreden an die Könige Sedekias, Joachaz, Joakim, Jechonias, folgt eine solche über alle zugleich. (Der Drohung Gottes [2Sam 7,14] gemäß). - den Hirten, Den Königen. - welche die Herde meiner Weide zugrunde richten und zerfleischen! Hebr.: Verderben und zerstreuen. Sie verderben das Volk, indem sie dessen Sitten nicht bessern und den Götzendienst fördern, so Gottes Gerichte über jenes heraufführend und die Wegführung des Volkes veranlassend. So handeln sie gegen die Schafe der Herde Gottes, für welche Gott in besonderer Weise Sorge trägt, denen er Gesetze gegeben und deren König er selbst sein will. - spricht der Herr. Darum spricht der Herr, der Gott Israels, also über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Herde zerstreut und versprengt und sie nicht beaufsichtigt; sehet, so will ich an euch die Bosheit eures Treibens heimsuchen, Ihr habt mein Volk nicht heimgesucht (in Sorge), so will ich euch heimsuchen (in Strafe). Was sie versäumt, wird [Ez 34,4] gesagt. - spricht der Herr. Aber Wird Gott des Bündnisses mit Abraham, des Bundes am Sinai und so vieler Verheißungen endgültig vergessen? Nein, Gott selbst wird erneuern, was seine Stellvertreter, die Könige, verdorben. - die Überbleibsel meiner Herde will ich aus allen Landen, in die ich sie verstoßen habe, sammeln und will sie auf ihre Triften zurückführen und sie sollen fruchtbar sein und sich mehren. Die Wiederherstellung besteht erstlich darin, dass die Israeliten nach Palästina zurückkehren, da dies Land gleichsam das Unterpfand des Bundes mit Gott ist, und ihr Reich wieder aufrichten. Doch dies ist nur der Anfang der Wiederherstellung, von dem die Propheten häufig auf die Vollendung derselben im Messias übergehen, durch den jene Erneuerung nicht wenigen, nicht einem Volke, sondern dem ganzen Erdkreise zuteil werden soll. - Und ich will Hirten über sie bestellen, welche sie weiden sollen, Gott wird die Hirten, die er bestellt, mit seinem Geiste erfüllen, und so werden sie Gottes Herde recht weiden und ihr heilsame Weide gewähren. Das Kennzeichen des rechten Hirten ist die Sicherheit und der Friede, welche der Herde zuteil werden, denn diese gewährt Gott nur dem Volke, das ihn treu verehrt und seine Gebote hält. Wann diese Worte in Erfüllung gehen sollen, sagt V. 5. - und sie sollen sich nicht mehr fürchten noch zagen und keiner soll vermisst werden aus ihrer Zahl, spricht der Herr. Sehet, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich David einen gerechten Spross Ein solcher König ist jener, den Gott David verheißen hat [2Sam 23,3-5] und durch den der Thron Davids auf ewig besteht. [2Sam 7,14ff] Das Wort Spross wird bereits [Jes 4,2] auf den Messias angewendet, [Sach 3,8] und [Sach 6,12] als dem Messias eigen gebraucht. Der hier Spross heißt, wird [Jer 30,9] König David [Ez 34,23] Hirt, mein Diener David genannt, ebenso [Ez 37,24]. Da der Messias als König herrschen soll, ist die Theokratie wiederhergestellt, aber auf erhabenere Weise, wie sie solchem Könige geziemt, der in Ewigkeit herrscht. - erwecke; er wird als König herrschen und weise sein Und demgemäß in allem Erfolg haben. - und Recht und Gerechtigkeit auf Erden üben. Vergl. [2Sam 8,15]. - In jenen Tagen Hebr.: In seinen Tagen. - wird Juda Hilfe erlangen und Israel in Zuversicht wohnen Gegensatz zu den gottlosen Königen, durch welche die Herde des Herrn unterging. Da Gottlosigkeit und Götzendienst den Untergang herbeigeführt haben, muss durch Frömmigkeit und Gottesfurcht das Heil kommen. Juda wird sicher sein vor Feinden, sicher auch vor gottlosen Verführern. - und dies ist der Name, mit dem man ihn nennen wird: Der Herr, unser Gerechter! Durch den Messias werden alle Güter kommen. Wessen Name wird so genannt werden? Des Messias. „Genannt werden“ fordert im Sinne der hebr. Sprache nicht, dass ihm dieser Name in der Tat von anderen gegeben werde, vergl. [Jes 7,14], sondern der Name gibt sein innerstes Wesen an: es muss da sein und im Werke ausgeprägt werden, was der Name besagt. So erhält Jerusalem [Jer 33,16] (hebr.) diesen Namen: so hat Jakob den von ihm errichteten Altar El elohe Iisrael genannt [1Mos 33,20], Moses einen anderen Jahve mein Feldzeichen [2Mos 17,15]. Also: In den Tagen des Messias und durch den Messias wird es uns zuteil werden, dass Jahve unsere Gerechtigkeit ist. Der gute Hirt wird uns weise leiten, Sicherheit und Frieden gewährend und Gerechtigkeit und Heiligkeit wirkend. - Darum sehet, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da man nicht mehr sagen wird: So wahr der Herr lebt, der die Söhne Israels aus dem Lande Ägypten geführt hat! So groß wird selbst im Vergleich zu jener Wohltat die neue erscheinen. Vergl. [Jes 43,18.19]. - sondern: So wahr der Herr lebt, der die Angehörigen des Hauses Israel aus dem Lande gegen Mitternacht und aus allen Ländern, in die ich sie verstoßen hatte, herausgeführt und herbeigebracht hat, dass sie wieder in ihrem Lande wohnen! Über die Propheten: Ähnliche Überschriften vergl. [Jer 21,11; Jer 46,2; Jer 48,1; Jer 49,1.7.23.28] - Mein Herz ist in meinem Innern gebrochen, alle meine Gebeine zittern; ich bin wie ein trunkener Mann, wie ein Mensch, den der Wein völlig überwältigt hat, vor dem Herrn und seinem heiligen Worte. Gott hat dem Propheten seinen höchsten Zorn durch Worte, Zeichen und Dinge offenbart. Warum Gott sich ihm in dem Gesichte in so schreckenvoller Gestalt gezeigt, besagt V. 10. - Denn voll von Ehebrechern ist das Land, ja, wegen des Fluches Den Gott wegen der Frevel verhängt hat. Vergl. [5Mos 28,22ff]. - trauert das Land und verdorrt sind die Gefilde der Trift; ihr Laufen Sie jagen förmlich allem Bösen in eiligem Laufe nach. - zielt auf das Böse und ihre Kraft Das, worin sie stark sind, ist das Nichtrechte. Sie sind Helden im Bösestun. - wenden sie übel an. Anders als die Patriarchen, von denen (von deren Vorbild) sie sich weit entfernen. - Denn Prophet wie Priester haben sich befleckt, Hebr.: Sind Frevler. - sogar in meinem Hause stieß ich auf ihre Bosheit, Da sie in demselben Götzendienst treiben oder in den Nebengebäuden Unzucht üben. (V. 14) - spricht der Herr. Darum soll ihr Weg wie ein schlüpfriger Ort in der Finsternis werden, Sprichwörtlich: Sie sollen ganz sicher zu Falle kommen, ohne dass jemand sie vor der göttlichen Strafe zu bewahren vermag. - sie sollen fortgestoßen werden, dass sie auf ihm zu Falle kommen; denn ich werde Unglück über sie bringen im Jahre ihrer Strafe, spricht der Herr. Auch an den Propheten von Samaria sah ich Torheit, sie weissagten im Namen Baals Eines Götzen, der nichts ist. Anders handelten die falschen Propheten in Jerusalem, welche Jahves Namen missbrauchten, der von den Propheten Gottes verkündeten Wahrheit zu widersprechen und dem Laster Unsträflichkeit zu verheißen. - und täuschten mein Volk Israel. Aber an den Propheten zu Jerusalem sah ich Nachahmung der Ehebrecher und Wandel der Lüge; Hebr.: aber an den Propheten Jerusalems sah ich Schauerliches: beständigen Ehebruch und Wandel in der Lüge. - sie bestärkten die Ruchlosen in ihrem Tun, so dass sich niemand von seiner Bosheit bekehrte, sie sind mir alle wie Sodoma geworden und ihre Bewohner wie Gomorrha. Darum spricht der Herr der Heerscharen also über die Propheten: Sehet, ich will sie mit Wermut speisen und mit Galle tränken, Sie sollen glauben, nichts mehr zu essen oder zu trinken als Wermut und Galle. - denn von den Propheten Jerusalems ist die Befleckung ausgegangen über das ganze Land. So spricht der Herr der Heerscharen: Höret nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen und euch täuschen; Eigentlich: mit windigen Einbildungen erfüllen. - sie verkünden Gesichte, die ihr eigenes Herz, nicht der Mund des Herrn eingegeben! Sie sagen zu denen, die mich lästern: Hebr.: zu meinen Verächtern. - Der Herr hat gesagt: Es wird euch Friede zuteil werden, und zu jedem, der in der Verkehrtheit seines Herzens dahinwandelt, sagen sie: Kein Unglück wird über euch kommen! Denn wer hat am Rate des Herrn teilgenommen, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? wer hat auf sein Wort gelauscht und es gehört? Gott hat durch das Gesetz und durch viele Propheten, sowie durch seine Prüfungen das Gegenteil als seine Willensmeinung offenbart. Mögen sie also beweisen, dass sie an Gottes Rat teilgenommen und durch unzweifelhafte Zeichen beweisen, dass Gott plötzlich seine Ratschlüsse geändert? Seinen wahren Propheten dagegen teilt Gott seine Absichten mit. [Amos 3,7] - Sehet, der Sturm des Grimmes des Herrn wird losbrechen und ein Wetter wird einherbrausen Hebr.: Sehet, die Windsbraut Jahves, Zornglut fährt aus und ein wirbelnder Sturmwind. – Der Sturmwind ist ein Sinnbild schrecklichen Strafgerichtes Gottes. Wie das Wort Gottes nicht umsonst ausgeht, sondern wirkt, was Gott will, so wird der Zorn des Herrn nicht ruhen, bis geschehen, was Gott erreichen will. - und über das Haupt der Frevler kommen. Nicht wird der Grimm des Herrn ablassen, bis er seines Herzens Gedanken vollbracht und ausgeführt hat; in der letzten Zeit In der messianischen Zeit. Seines Herzens Gedanke ist die Errichtung eines neuen und alles umfassenden Gottesreiches. Erst wenn dieses begründet, wird man voll begreifen, wie Gott durch seine weise Leitung alles so eingerichtet, dass es zur Gründung seines Reiches unter den Menschen beitrug und wie seine Güte seiner Weisheit würdig über die Bösen Strafen und Untergang verhängt hat. - werdet ihr seinen Ratschluss begreifen. Ich habe diese Propheten nicht gesendet und doch liefen sie, ich habe nicht zu ihnen geredet und doch weissagten sie. Zwei Dinge werden für einen Propheten gefordert: Er muss von Gott gesendet werden und nur reden, was Gott ihm eingibt. [5Mos 18,18] Den falschen Propheten geht trotz ihrer Geschäftigkeit (sie liefen) beides ab. - Hätten sie in meinem Rate gestanden und Hebr.: so hätten sie meinem Volke meine Worte verkündet und sie zurückgebracht von ihrem bösen Wege und von der Schlechtigkeit ihrer taten. – Dies also zeigt, nach [5Mos 13,2], dass sie falsche Propheten waren. - meine Worte meinem Volke kundgetan, so würde ich sie gewiss von ihrem bösen Wege und ihren boshaften Gesinnungen zurückgebracht haben. Bin ich denn ein Gott nur in der Nähe, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott aus der Ferne? Bin ich etwa ein Gott, der in den Himmel verschlossen nur sieht, was dort ist, und nicht der, welcher alles mit seiner Gegenwart erfüllt und deshalb alles weiß? Sollte ich mich um menschliche Dinge nicht kümmern? - Kann jemand sich so geheim verbergen, dass ich ihn nicht sehen sollte? spricht der Herr. Erfülle ich nicht Himmel und Erde? spricht der Herr. Diese Beifügung soll den Worten die rechte Kraft verleihen. - Ich habe gehört, was die Propheten sagen, welche in meinem Namen Lüge weissagen und sprechen: Ich habe ein Traumgesicht gehabt, ich habe ein Traumgesicht gehabt! Angeblich von Gott: In meinem Namen. Sie bürden der höchsten Wahrheit die Lüge auf. - Wie lange haben die Propheten solches Meinen Namen mit der Lüge und der Verkehrtheit ihres Herzens zu verknüpfen? - im Sinn, sie, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug prophezeien? Sie wollen machen, dass mein Volk um ihrer Träume willen, die sie einer dem andern erzählen, meines Namens vergesse, so wie ihre Väter um des Baals willen meines Namens vergaßen. Der Prophet, der ein Traumgesicht hat, mag ein Traumgesicht erzählen, und der mein Wort hat, rede mein Wort unverfälscht! Ein wahrer Prophet soll das Wort Gottes, wie immer der Herr es ihm mitteilt, verkünden. Jede Art der Offenbarung verdient Glauben. - Was hat die Spreu mit dem Weizen Gottes Wort ist gleichsam Weizen, Speise für die Seele. Doch Spreu vermag nicht als Nahrung das Leben zu erhalten und den Hunger zu stillen. - gemein? spricht der Herr. Sind meine Worte nicht wie Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert? Die drei Vergleiche zeigen die Kraft und Erhabenheit des Wortes Gottes: der Weizen ist die Nahrung der Menschen, das Feuer verzehrt alles, das Eisen besiegt alles. Außerdem enthalten dieselben eine Drohung: Wenn die falschen Propheten ihre Spreu daherbringen, droht ihnen das Feuer Gottes; wenn sie im Namen Jahves prophezeien, droht ihnen der Felsen zerschmetternde Hammer. Auch die Wirkungen des Wortes Gottes werden dargestellt: es ist feurig und entflammt die Herzen, es brennt, wenn es Drohungen verkündet; es ist hart und stark, dass es wie ein Hammer die Steine, so die Herzen zerschmettert. So zeigt es auch in seinen Wirkungen seinen göttlichen Ursprung. - Darum sehet, ich will wider die Propheten aufstehen, spricht der Herr, die meine Worte stehlen, einer dem andern. Ein falscher dem wahren. Um sich Ansehen zu verschaffen, geben jene die wahren Prophezeiungen anderer Propheten als ihre eigenen aus, um so für ihre Lügen Glauben zu finden. - Sehet, ich will mich wider die Propheten erheben, spricht der Herr, die ihr eigenes Wort vorbringen Die Worte der wahren Propheten werden von Gott eingegeben, der ihre Zunge lenkt, jene aber lassen ihre Zunge ihrem Belieben dienstbar sein. - und sagen: So spricht der Herr! Sehet, spricht der Herr, ich will mich wider die Propheten erheben, die lügenhafte Traumgesichte haben und solche erzählen und mein Volk mit ihren Lügen und ihren Gaukeleien Prahlereien. - irreführen, da ich sie doch nicht gesandt noch beauftragt habe, sie, die diesem Volke nichts nützen, spricht der Herr. Wenn dich nun dieses Volk oder ein Prophet oder ein Priester fragt und spricht: Was ist die Last des Herrn? so sprich zu ihnen: Ihr seid die Last, doch ich werde euch abwerfen, spricht der Herr. Und der Prophet und der Priester, und die Leute, welche sprechen werden: Last des Herrn! an einem solchen und an seinem Hause will ich es heimsuchen und strafen. Weder dem Propheten noch anderen gegenüber sollen sie dieses Wort gebrauchen, denn ist es einmal lächerlich gemacht, so wird es bei denen, die es hören, die Ehrfurcht gegen Gott mindern. Spricht aber jemand dieses Wort, so soll es ihm zur Last und zur Bedrückung werden. - So sollt ihr ein jeder zueinander und zu seinem Nächsten sprechen: Was hat der Herr geantwortet? und was hat der Herr geredet? Aber eine Last des Herrn sollt ihr nicht mehr vorbringen, denn die Last wird für einen jeden sein eigenes Wort sein, weil ihr die Worte des lebendigen Gottes, des Herrn der Heerscharen, unsers Gottes, verdreht habt. So sollst du nun zu dem Propheten sagen: Was hat dir der Herr geantwortet? und was hat der Herr geredet? Wenn ihr aber Last des Herrn sagt, so spricht der Herr also: Weil ihr dies Wort aussprecht: Last des Herrn! während ich euch doch sagen ließ: Saget nicht: Last des Herrn! darum will ich euch aufheben und aus meinen Augen schaffen, samt der Stadt, die ich euch und euern Vätern gegeben habe. Wollen sie nicht einmal darin Gott gehorchen, so geben sie einen offenkundigen Beweis, dass ihr Herz gänzlich gottentfremdet ist, und zur Strafe für ihren Abfall und ihre Verachtung Gottes soll die Wegführung über sie kommen. Da das Wort Last bei den Propheten Ezechiel, Malachias, Zacharias dennoch wiederholt wiederkehrt, ist das von Gott hier gegebene Verbot wohl aus besonderer Ursache und für eine bestimmte Gelegenheit erlassen, so lange es noch zum Spotte gebraucht wurde. Und ich werde ewige Schmach und immerwährende Schande über euch bringen, die nimmer in Vergessenheit kommen soll.

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