Jeremias 3

E. Der Herr fordert Buße, auch wenn dieselbe spät erfolgt. (V. 5) 2. Zweite Rede. (3,6-4,31) A. Der Prophet zeigt den Sündern ihre Schuld und den Weg der Buße. (V. 13) B. Aufforderung zur Buße durch Verheißungen. (V. 18) C. Art der geforderten Buße.

Allgemein heißt es: In der Vulgata fordert Gott V. 1 und 4 das Volk zur Rückkehr auf, im Hebräischen verwundert er sich vielmehr, dass das Volk meint, es könne so leicht umkehren, und dass es mit Worten zum Herrn ruft, in der Tat aber in seiner Bosheit verharrt. Beide Texte drücken dieselbe Wahrheit, aber auf verschiedene Weise, aus. Während der lateinische Text mehr Gottes Milde und Gnade empfiehlt, mit welcher er das rebellische Volk einladet, zu ihm zurückzukehren, ist im Hebräischen diese Aufforderung eine mehr indirekte: das Volk wird von Gott ermahnt, der so zeigt, dass er dessen Bekehrung wünscht. - Wenn ein Mann sein Weib entlässt und sie geht weg von ihm und nimmt einen andern Mann, darf er dann wohl wieder zu ihr zurückkehren? Wird eine solche Frau Hebr.: wurde nicht dieses Land… diese Wendung gibt das Gesetz [5Mos 24,4] treuer wieder. - nicht befleckt und entweiht sein? Auch du hast mit vielen Liebhabern gebuhlt; aber kehre zu mir zurück, Nach dem Hebr. besser: Und du wolltest zu mir zurückkehren? – da dieses Gesetz Geltung hat, und du mit mehreren gebuhlt hast, wie wolltest du es wagen und wie könntest du zu mir zurückkehren? Einzig ein ganz besonderes, außergewöhnliches Erbarmen Gottes könnte dir die Rückkehr gestatten. - spricht der Herr, so will ich dich aufnehmen. Dieser Zusatz fehlt im Hebr. und bei dem heiligen Hieronymus und ist von den römischen Korrektoren gemacht. - Erhebe deine Augen Wie notwendig aufrichtige Buße für das Volk ist, zeigen die schweren Vergehen des Götzendienstes und der Unsittlichkeit. Der erste Schritt zur Bekehrung ist die Erkenntnis. - dort geradehin Hebr.: über die Feldhügel – an denen der verbotene Götzendienst getrieben. - und siehe, wo du nicht geschändet bist. An den Wegen saßest du Hebr.: ihnen. - und lauertest auf sie wie ein Räuber Hebr.: Ein Araber. - in der Wüste und beflecktest das Land durch deine Buhlerei und deine Bosheit. Zwischen dem Menschen und den Geschöpfen ist ein enges Band in Sünde und Erlösung [1Mos 3,17; Roem 8,19ff] - Darum ward auch das Fallen des Regens zurückgehalten und kein Spätregen fiel, Diese Strafe war im Gesetze vorausgesagt [5Mos 11,17; 5Mos 28,23] und oftmals verhängt. Der Spätregen fällt vor der Ernte im Frühling. - aber du zeigtest die Stirn einer Buhlerin und wolltest dich nicht schämen. So rufe doch wenigstens von nun an zu mir: Mein Vater, der Führer meiner Jungfrauschaft bist du. Hebr.: Hast du nicht erst jetzt (seit kurzer Zeit) mich gerufen: Mein Vater! Der Vertraute meiner Jugend bist du! – Während sie so fromm zu Gott beten, fahren sie fort zu sündigen. V. 4ff weisen deutlich auf den Anlauf zur Besserung unter Josia. - Solltest du Hebr.: Er. - denn immerdar zürnen oder ewig nachtragen? Siehe, so sprachst du, tatest Böses und setztest es durch! Die Vulgata bietet eine ernstliche Aufforderung, zu Gott zurückzukehren. Die Worte: Solltest du denn – sind Worte Gottes an das Volk, mit denen er es beten lehrt. (Hier., Thom.) - Und der Herr sprach zu mir in den Tagen des Königs Josias: Als Jeremias sein Amt antrat, war das Reich Israel schon 94 Jahre zerstört und der größere Teil des auserwählten Volkes schmachtete in der assyrischen Gefangenschaft. So hatte Juda denn eine mächtige Warnung, wohin der Abfall vom Bundesgott führt. - Hast du gesehen, was Israel, die Abtrünnige, getan hat? Sie ging in ihrer Lust hin auf alle hohen Berge und unter alle belaubten Bäume und buhlte daselbst. Da sprach ich, nachdem sie alles das getan hatte: Wie groß ist Gottes Langmut! - Kehre um zu mir! Aber sie kehrte nicht um. Und Juda, ihre Schwester, die Treulose, sah es, Hebr.: Obwohl ich Israel zur Strafe für seine Buhlereien in die Verbannung getrieben, sah ich, dass ihre treulose Schwester dennoch keine Frucht hegte, sondern mit größerer Kühnheit Böses tat. - dass ich Israel, die Abtrünnige, weil sie die Ehe gebrochen, entlassen und ihr einen Scheidebrief gegeben hatte; aber Juda, ihre Schwester, die Treulose, fürchtete sich nicht, sondern ging hin und trieb auch selbst Buhlerei. Juda heißt treulos, weil es, obgleich es Tempel, Gesetz und Sitz des Reiches und der Religion besaß, dennoch nur einen äußeren Schein der Treue wahrte, während Israel durch Lossagung vom Hause Davids Abfall begangen und aus dem Erbe des Herrn, Palästina, verwiesen war. Insofern Gott aber das Volk nicht gänzlich verworfen, sondern es zurückführen will, sagt er beim Propheten Isaias [Jes 50,1], er habe ihm nicht den Scheidebrief gegeben. - Sie befleckte das Land durch die Leichtfertigkeit ihrer Buhlerei Hebr.: Und es geschah, vom Geschrei ihrer Buhlerei ward das Land entweiht. - und beging Ehebruch mit Stein und Holz. Und auch bei alledem kehrte die Treulose, Juda, ihre Schwester, nicht um zu mir von ganzem Herzen, sondern mit Lügen, Trotz aller Mahnungen der Propheten und der besseren Erkenntnis Gottes durch die über Israel verhängten Strafen (Theod., Thom.). - spricht der Herr. Und der Herr sprach zu mir: Die Abtrünnige, Israel, ist unschuldig im Vergleiche mit der Treulosen, Juda. Gehe hin und rufe diese Worte gegen Mitternacht Nach Babylon zu, wo die Weggeführten weilen. Der Ruf soll Gottes unendliche Barmherzigkeit zeigen, welche nach so vielen Freveln noch Verzeihung gewähren will, den Stamm Juda zur Einkehr mahnen, damit der Herr ihn nicht verlassen und Israel allein annehmen müsse, endlich den Weg zur wahren Buße weisen. Dieser will Gott sich erbarmen, weil seine Heiligkeit, die höchste Richtschnur alles rechten, auf der Erde wiederleuchten und an seinem auserwählten Volke erscheinen soll. Nur dazu hat er sie ja gestraft, damit sie Buße tun und er sie wieder annehmen kann. - und sprich: Kehre zurück, du Abtrünnige, Israel! spricht der Herr, und ich werde mein Angesicht nicht mehr von euch abwenden; denn ich bin heilig, spricht der Herr, und werde nicht ewig zürnen. Doch erkenne deine Verschuldung, dass du wider den Herrn, deinen Gott, treulos gewesen und hin und wieder geschweift bist zu Fremden Götzen. - unter alle belaubten Bäume und auf meine Stimme nicht gehört hast, spricht der Herr. Kehret um, Hebr.: Kehret wieder. Die Rede geht an Israel. Da aber Juda dieselbe vernehmen soll, hat sie dessen Besserung vor allem zum Ziele. - ihr abtrünnigen Söhne! spricht der Herr; denn ich bin euer Gebieter Erster Grund: Gott hat ein unzerstörbares Anrecht auf euch als euer Ehegemahl und Herr. Kehren sie zu ihm zurück, so wird er ihnen auch alles gewähren, was sie von einem solchen mit Recht erwarten dürfen. Er wird dem Bunde treu bleiben. - und ich will euch aufnehmen, je einen aus jeder Stadt und je zwei aus einem Geschlecht, Wenn auch nur einer oder zwei in einer Stadt oder Landschaft sind. Nach anderen: Auch wenn aus einer Stadt oder Landschaft Israels nur sehr wenige übrig sind. - und euch heimführen nach Sion. Dem Mittelpunkte des Gottesreiches, wo der ewige Thron Davids ist und Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist. - Und ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, Wie David war [1Sam 13,14], nach dem Vorbilde Gottes, es ersten guten Hirten. [Jes 40,11] - die euch mit Weisheit und Lehre Hebr.: Erkenntnis und Weisheit, wie Salomo solche erflehte. [2Chr 1,10] Der Prophet bietet diese Wiederherstellung in der umfassendsten Ausdehnung, sie begann nach der Gefangenschaft mit Zorobabel, dem Hohenpriester Jesus, Esdras, Nehemias und fand ihre Vollendung in Christus im messianischen Reiche (Ephr., Hier., Thom.) - weiden sollen. Und wenn euer viele geworden und ihr euch im Lande gemehrt habt in jener Zeit, spricht der Herr, wird man nicht mehr sagen: Die Bundeslade des Herrn! und sie wird niemand in den Sinn kommen noch wird man sich ihrer erinnern noch sie vermissen noch fortan eine fertigen, Eine weitere Entwicklung, dass das Volk Gottes zur Zeit des Messias heilig sein wird, bezeugen alle Propheten, sollen doch alle Völker durch den Erlöser gesegnet werden. Wo also eine solche Mehrung beschrieben wird, ist von der Zeit des Messias die Rede. Zu seiner Zeit wird die Bundeslade, der Ruhm Israels, gänzlich in Vergessenheit kommen, keiner mehr von ihr reden, niemand mehr an sie denken, keiner nach ihr fragen. Es wird also eine von dem mosaischen Kulte verschiedene Gottesverehrung herrschen. Nicht wird mehr Gott durch das Blut der Opfertiere versöhnt, indem der Hohepriester jährlich einmal zur Bundeslade hinzutritt oder an anderen Tagen das Opferblut gegen den Vorhang des Allerheiligsten gesprengt wird [3Mos 4,6.17], weggenommen ist das Aaronische Priestertum [Hebr 7,12]. Hieraus erhellt, wie jene Stellen zu erklären sind, nach welchen auch in der messianischen Zeit die alten Opfer zu bestehen scheinen [Jes 60,7; Jer 33,18]; ein vollkommeneres Opfer, von dem die alten nur Abbilder und Sinnbilder waren, wird Gott dargebracht. - vielmehr wird man in jener Zeit Jerusalem Thron des Herrn nennen und es werden sich alle Völker im Namen des Herrn zu Jerusalem zu diesem sammeln und werden nicht mehr der Verderbtheit ihres bösen Herzens folgen. Früher war die Bundeslade der Thron des Herrn, fortan soll ganz Jerusalem das Allerheiligste und der Thron der Herrlichkeit Gottes sein. Der Vorhang ist entfernt, der Zutritt zu Gott steht allen offen. Vergl. [Jes 4,5.6]. Wie [Jes 2,2ff] und [Mic 4,1ff] alle Völker zum Berge Gottes wallen, so kommen sie hier zum Namen Gottes nach Jerusalem, zur herrlichen Offenbarung der göttlichen Majestät, durch welche Gott sich als Bundesgott erweist und Heil anbietet. - In jener Zeit wird das Haus Juda zu dem Hause Israel gehen Auch Juda wird die Wegführung verkündet. - und sie werden zusammen So beginnt die Wiederherstellung mit der Aufhebung der Trennung. - aus dem Lande gegen Mitternacht in das Land kommen, welches ich euren Vätern gegeben habe. Ich sprach zwar: Wie will ich dich bei meinen Söhnen Hebr.: Als Erstgeborenen. - stellen und dir ein begehrenswertes Land, ein herrliches Erbe unter den Scharen der Völker Ein Kleinodserbe unter den Kleinodien der Völker. - verleihen? Und ich sprach: Ich erwartete mit Recht. - Du wirst mich Vater nennen und nicht aufhören mir zu folgen! Aber wie ein Weib sich von ihrem Buhlen wendet, so hat sich das Haus Israel von mir gewendet, Den Götzen zu. - spricht der Herr. Geschrei lässt sich auf den Wegen Hebr.: Feldhöhen. Wo sie gesündigt, tun sie Buße. Das Weinen und Klagen zeigt die Härte der Strafe, welche die Zisterne zuletzt gebracht. [Jer 2,13] Doch dieser Schmerz kann zum Heile dienen. (V. 22) - vernehmen, Weinen und Klagen der Kinder Israels, weil sie ihren Weg verkehrt und des Herrn, ihres Gottes, vergessen haben! Kehret um, ihr abtrünnigen Söhne! so will ich eure Abtrünnigkeit heilen. Siehe, Der Prophet lehrt sie, durch welche Anmutungen und Gesinnungen die Umkehr bewirkt wird. - wir kommen zu dir, denn du bist der Herr, unser Gott. Fürwahr, trügerisch waren die Hügel und die Menge der Berge; Bitter war die Frucht der Sünde. So sprach einst schon Eva: Die Schlange täuschte mich. Mit Recht heißt deshalb die Sünde in der Heiligen Schrift Lüge. Fürwahr: wir haben es erfahren. Das Bekenntnis ist der erste Schritt zur vollen Bekehrung. Der hebr. Text ist wohl nicht ganz unversehrt. - fürwahr, bei dem Herrn, unserm Gott, ist Israels Heil! Die Schmach Vergl. [Roem 6,21]. Das Götzenbild Baal. - hat den Erwerb unserer Väter von unserer Jugend an verzehrt, ihre Herden und ihre Rinder, ihre Söhne und ihre Töchter. Durch von Gott Gesandte Heimsuchungen, Strafen und Kriege. Die Ursache alles Unglücks ist der Götzendienst. - Wir wollen uns niederlegen in unserer Schmach und unsere Schande soll uns einhüllen; Wir wollen Strafe leiden, solange es Gott gefällt. So sollen sie beten. Vergl. [Mic 7,9]. Das Sichniederwerfen zur Erde ist Zeichen des Schmerzes, der Ruf: Unsere Schande soll und einhüllen! die Erklärung, dass sie auch die härteste Strafe zu ertragen bereit sind. - denn wir haben gegen den Herrn, unsern Gott, gesündigt, wie unsere Väter, von unserer Jugend an bis auf den heutigen Tag, und haben nicht auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, gehört. In V. 22 stellt der Prophet die einladende und auffordernde Gnade Gottes vor Augen, von welcher allein die Bekehrung ihren Ausgang nehmen kann; V. 23 weist auf seine höchste Herrschaft als auf den Grund, der veranlasst zu Gehorsam zurückzukehren. Weiter wird die Torheit und das Verderben der Sünde erkannt und beweint und anerkannt, dass die Verirrten reuig und in Gott ihr Heil finden können. Endlich nehmen sie, um für ihre Sünden genugzutun, die von Gott verhängten Strafen voller Schmerz über ihre Sünden mit vollen Herzen an. So beschreibt der Prophet Weg und Wesen wahrer Buße. Dass seine Belehrung nicht umsonst gegeben ist, zeigen Stellen, wie [Dan 9,5; Baru 1,15; Baru 2,6.18; Baru 3,4] da das Volk in der Verbannung in dieser Weise Gott um Erbarmen anfleht.

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