Jeremias 31
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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C. Sturm und Heiterkeit. (V. 14) D. Schmerz und Trost. (V. 26) E. Weitere Schilderung des Heils.
1 Zu derselben Zeit, spricht der Herr, werde ich der Gott für alle Geschlechter Israels Wie [Jer 30,18] Jakob. Der Mittelpunkt des ganzen Volkes ist Sion. [Jer 30,17] und [Jer 31,6] - sein und sie werden mein Volk sein. 2 So spricht der Herr: Gnade hat in der Wüste das Volk gefunden, das dem Schwert entrann, Israel wird in seine Ruhe eingehen. Hebr.: Auf denn, ihn zur Ruhe zu bringen, Israel! Gott muntert selbst auf und offenbart seine Heilsabsicht für Israel. Das Volk ist in der Wüste, nämlich in der Verbannung, in fremdem Lande, denn Wüste oder Einsamkeit nennt Osee die Wegführung, ebenso [Ez 20,35]. Die Bezeichnung ist eine Anspielung auf die Wüste, durch welche das Volk aus Ägypten nach Palästina kam. Wie es in dieser auf den Einzug in das gelobte Land vorbereitet ward, so auch in der Wegführung, um dann das verheißene Land wieder in Besitz zu nehmen und ein Gottesvolk zu werden. Gott stellt fest, dass das Volk in der Wegführung sich gebessert, und mahnt sich gleichsam, es nun in das verheißene Land zurückzuführen. Das Volk antwortet auf diese Selbstmahnung Gottes mit Jubel. (V. 3) - 3 Von fernher ist mir der Herr erschienen. Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich in Erbarmung zu mir herangezogen. Von Sion lädt Gott das Volk ein, zu ihm zurückzukehren, und gewährt ihm von dort aus Hilfe. Sion ist entweder das irdische Sion, auf dem Gott zurückblieb, vergl. [Jes 52,2; Jes 66,6], oder das Himmelsheiligtum. Der Ausruf enthält zugleich ein flehendes Gebet an Gott, er wolle das Volk zu sich zurückführen. Auf dieses erwidert Gott: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, deshalb ließ ich die Huld dir lange währen (Hebr.), habe ich dir mein Erbarmen nie entzogen. Von der Zeit der Patriarchen an (von alters her), von der Wegführung aus Ägypten an habe ich dich geliebt. Diese Tatsachen werden oft als vor alters geschehen erwähnt. - 4 Wiederum werde ich dich aufbauen, dass du aufgebaut werdest, Jungfrau Israel! Noch wirst du dich mit deinen Pauken zieren und im Reigen der Spielenden ausziehen. Welche Gnade und Erneuerung gewährt werden soll, wird nun ausführlicher dargelegt. Gott selbst wird sie gewähren, sicher, schnell, herrlich. Deshalb wird Freude herrschen und Lobgesang erschallen, wie einst nach dem Durchgang durch das rote Meer. [2Mos 15,1.20] - 5 Noch wirst du Weinberge auf den Bergen Samarias pflanzen: pflanzen, ja pflanzen werden sie, doch nicht lesen, bis die Zeit kommt. Nach dem Charakter des Alten Testamentes wird die Zeit des Friedens, der Sicherheit und der Heiligkeit so dargestellt, dass sie auch essen werden, was sie pflanzen. Also sind sie vor Feinden sicher und die Fruchtbarkeit des Landes ist ein Beweis, dass das Volk heilig ist. Hebr.: Pflanzen werden, die pflanzen, und auch genießen – eigentlich zu profanem Gebrauche, für sich verwenden. [5Mos 28,30] Nach [3Mos 19,25] waren die Früchte der ersten vier Jahre Gott geweiht. Samaria wird genannt, das an Weinbergen reich war, um anzudeuten, dass auch die zehn Stämme hoffen dürfen zurückzukehren, wenn sie nur das ihnen angebotene Heil annehmen wollen; alsdann soll kein Feind ihnen die Frucht ihrer Mühen entreißen. - 6 Ja, es wird der Tag kommen, da die Wächter auf dem Berge Ephraim rufen: Auf, lasset uns nach Sion zu dem Herrn, unserm Gott, hinaufziehen! Die Trennung zwischen Juda und Israel wird aufhören, die Ursache so vielen Unheils. Auch [Jer 3,18] und [Mic 5,3; Ez 37,16.17] wird diese Vereinigung erwähnt. Die Weise derselben wird dem Gesetze entsprechend dargestellt: Bereitwillig werden sie zu dem Orte hinaufpilgern, an dem Gott seinen Sitz aufgeschlagen hat. Zuvor meldeten die Wächter auf dem Berge Ephraim die Ankunft der Feinde [Jer 4,15], jetzt die feierlichen Festtage. Das Bild ist von den ausgestellten Wachen hergenommen, welche auf den Eintritt des Neumondes achteten. - 7 Denn so spricht der Herr: Dass eine solche Erneuerung statthaben werde, bestätigt der Herr. - Jubelt Jakob zu Oder: wegen Jakob. - in Freuden und jauchzet an der Spitze der Völker, Hebr.: Über das Haupt der Völker. Israel ist das erste Volk wegen seiner theokratischen Würde; an das Volk, dem Gottes Weissagungen und Verheißungen zugehören, werden sich die übrigen Völker anschließen, um des messianischen Heiles teilhaftig zu werden. - rufet laut und singet und sprechet: Rette, Du hast Heil geschafft, schaffe weiter Heil! Freudiger Zuruf und Glückwunsch. - Herr, dein Volk, den Überrest Israels! 8 Sehet, ich führe sie herbei aus dem Lande gegen Norden Dem Lande, wo die (meisten) Wegführten sich befinden. - und sammle sie von den äußersten Enden der Erde; unter ihnen sind Blinde und Lahme, Schwangere und Gebärende zumal, Für alle will Gott mit zarter Sorge die Rückkehr sichern und alle Hindernisse beseitigen. - eine große Schar soll hierher zurückkehren. Über die Weise vergl. [Jes 40,11; Jes 49,22.23] und [Jes 66,20]. - 9 Mit Weinen werden sie kommen Andeutung, in welcher Herzensstimmung sie zurückkehren werden, wie also das Volk sich jetzt vorbereiten muss, um der beseligenden Zurückführung würdig zu sein: Mit Tränen der Buße [Jer 3,21] wie der Freude. - und in Erbarmung Hebr.: Unter flehentlichen Gebeten. - werde ich sie zurückgeleiten; ich werde sie durch Wasserbäche auf ebenem Wege führen, dass sie nicht darauf straucheln; So Gearteten gegenüber ist Gott bereit, die Wunder zu erneuern, mit denen er einst sein Volk durch die Wüste führte. Ähnlich beschreibt Jesaja [Jes 43,2.20] Michäas [Mic 7,15] Zacharias [Sach 10,11] die Rückkehr. - denn ich bin Israel zum Vater geworden und Ephraim ist mein Erstgeborner. Wie das Volk Israel der Erstgeborene Gottes unter den Völkern ist, so wird Ephraim unter den zwölf Stämmen als das mächtigste genannt. Vielleicht liegt eine Anspielung auf den Segen Jakobs vor [1Mos 48,14ff; 1Chr 5,1] oder aber Ephraim steht als Hauptstamm für das ganze Volk. Die Namen, welche dem ersten Bündnisse angehören, zeigen, dass auch die Erneuerung in Kraft jenes Bündnisses und der Auserwählung Israels und seiner Adoption in der Wüste statthat. - 10 Höret das Wort des Herrn, ihr Völker! und verkündet es den Inseln in der Ferne Rückkehr und Erneuerung gelten nicht allein für Israel, auch den entferntesten Völkern ist diese Erlösung zu verkünden. - und saget: Der, welcher Israel zerstreut hat, wird es sammeln und es hüten wie ein Hirt seine Herde. Sie sollen nicht meinen, das Volk Gottes werde bedrückt, weil Gott ohnmächtig sei und es nicht schützen könne, und sollen erfahren, dass die Erhebung des Volkes alle angeht. Vergl. [Jes 41,1ff]. - 11 Denn der Herr hat Jakob erlöst und ihn befreit aus der Gewalt des Stärkeren. 12 Dann werden sie kommen und lobsingen auf dem Berge Sion und zusammenströmen zu den Gütern des Herrn, zu Getreide, Wein und Öl, zu den jungen Schafen und Rindern, und ihre Seele wird einem wasserreichen Garten gleichen und sie werden nicht mehr Hunger leiden. Wie der Sturz Verwüstung und Not mit sich brachte, so die Wiederherstellung Überfluss. Die Güter, welche Gott ihm gewährt, werden dem Charakter des Gesetzes entsprechend bezeichnet. [3Mos 26; 5Mos 28] Da diese aber dem Volke nur unter der Voraussetzung verheißen sind, dass es Gottes Gebote treu beobachtet, sind dieselben ein Zeichen, dass Frömmigkeit und Heiligkeit demselben eigen sind. - 13 Alsdann wird sich die Jungfrau am Reigen erfreuen, Jünglinge und Greise zumal, und ich werde ihre Trauer in Freude wandeln und sie trösten und erfreuen nach ihren Leiden. 14 Und ich werde die Seele der Priester mit Fett laben Die Fettteile sind das Beste vom Opfer, sonst Gott vorbehalten, gleichsam das Mark des Guten. Die Priester werden ihrer Würde als Mittler zwischen Gott und den Menschen gemäß das Beste erhalten, da sie mit Gott auf das innigste vereint sind. Vergl. [Jes 25,6]. Wie am Ende des ersten Teiles [Jer 30,21] der Messias erwähnt ist, so hier die Priester, und wie von dem Priestertum des Messias alles Gute des Bundes dem Volke zuteil wird [Jer 30,22], so auch hier. Doch werden auch den Priestern des Neuen Bundes fettere Opfer verheißen als der Alte hatte. - und mein Volk wird sich an meinen Gütern sättigen, spricht der Herr. 15 So spricht der Herr: Zum vierten Male, vergl. [Jer 30,5.12.23], wird Trauer und Trost erwähnt, hier in einer der Poesie und dem Affekte überaus entsprechenden Weise. Die Trauer der Mutter des Volkes ist das Bild der Trauer des ganzen Volkes. - Eine Stimme wird auf der Höhe vernommen, Wehklagen, Trauern und Weinen; Hebr.: Eine Stimme wird zu Rama vernommen, Wehklagen und bitterliches Weinen. Nach Rama (etwa 6 römische Meilen nördlich von Jerusalem im Stamme Benjamin gelegen) wurden die Bewohner Judas zusammengeführt, um von dort in die Verbannung weggeschleppt zu werden. Dort wird das Reih, dessen Vernichtung durch den Untergang Israels seitens der Assyrier begonnen, gänzlich zu Grabe getragen. So ist das Land seiner theokratischen Würde beraubt und die Wegführung scheint anzudeuten, dass das Volk nicht mehr Gottes Volk, sondern von ihm verworfen ist. So lässt denn Rachels Schmerz keinen Trost zu: Ihr Volk ist nicht mehr da, es ist nicht mehr das Volk Gottes. Warum Rachel, die Mutter Benjamins, in Rama weint, zeigt [Jer 40,1]. Rachel gehört zu beiden Reichen; da sie auch Mutter Josephs ist, so gehört beiden ihr Herz, und mit Schmerz sieht sie durch die Wegführung der Bewohner Judas die Vernichtung des gesamten Volkes vollendet. Die Verwerfung des Volkes seitens Gottes ist Grund ihrer Tränen, so weiht sich im Neuen Testamente das jüdische Volk durch die Verwerfung des Messias dem Untergange, von dem der Kindermord zu Bethlehem und das Weinen der Mütter ein Vorspiel ist. - Rachel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über sie, denn sie sind nicht mehr. 16 So spricht der Herr: Lass dein lautes Weinen und deine Augen mögen nicht mehr Tränen vergießen; denn deine Mühsal wird ihren Lohn finden, Die Mühsal wird bei dem Gebären und der Erziehung übernommen. Der Lohn wird erlangt, wenn die Kinder an das Ziel kommen, für welches jene Mühsal übernommen wird. Die Bemühung um die Kinder ist die Mühsal, zu der bei Rachel auch das laute Weinen gehört. Für diese Mühsal wird als Lohn die Rückkehr verheißen; das Volk, das Rachel geboren, soll in das Land seines Eigentums zurückkehren, in das Land, welches das Unterpfand des Bundes ist, also zu seiner Würde als Gottesvolk. - spricht der Herr, und sie werden aus Feindesland zurückkehren. 17 Es gibt noch eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der Herr, Grund der Hoffnung. - und deine Kinder werden in ihre Gemarkungen zurückkehren. 18 Wohl hörte ich Ephraim klagen, als er fortzog: Du hast mich gezüchtigt und ich ward gezüchtigt wie ein ungezähmtes junges Rind; Hebr.: Ich hörte Ephraim klagen: du hast mich gezüchtigt und ich bin gezüchtigt. Es ist der Schmerz der Buße, der Ephraim erfüllt. Er bekennt, dass er sich Gottes Joch hat entziehen wollen und mit Recht gestraft sei. – Ein noch nicht abgerichtetes Rind wird erst durch Züchtigung willig zur Arbeit. - führe mich zurück, so werde ich umkehren; Zu dir und zu meinem Lande, dessen Besitz das Unterpfand des Bundes mit dir ist. - denn du bist der Herr, mein Gott. 19 Denn nachdem du meinen Sinn gewendet hast, fühle ich Reue; und nachdem du mich überführt hast, schlage ich an meine Hüfte. Das Hebräische kann auch heißen: Denn nachdem ich mich (zuvor) abgewendet, hat es mich gereut; und nachdem ich zur Erkenntnis gekommen, schlug ich mich auf den Schenkel. – Sich auf den Schenkel schlagen ist Zeichen tiefster Beschämung und Trauer. - Ich bin beschämt und erröte, denn ich trage die Schmach meiner Jugend. Doch zugleich erklären sie sich bereit, die verdiente Strafe zu erdulden und die Schande, die sie durch ihr früheres Leben verdient, zu tragen. Dies ist jene Herzensbeschaffenheit, welche Jeremias [Jer 3,25] gefordert und Michäas für die Wegführung erwecken will [Mic 7,9]. - 20 Ist nicht Ephraim mir ein Sohn, den ich ehren will, ist er nicht ein Kind der Wonne; dass ich, seitdem ich wider ihn geredet habe, doch immer sein gedenke? Gott wundert sich gleichsam selbst, dass er Ephraim so innig liebt, dass die Erinnerung an denselben nie aus seinem Herzen weicht und er unaufhörlich Gefühle der Liebe und des Erbarmens gegen ihn hegt. Hebr.: Ist Ephraim mir ein Lieblingssohn, ist er ein Kind, an dem ich meine Freude habe? Denn so oft ich auch wider ihn rede, muss ich seiner immerfort gedenken. - Darum ist mein Inneres um ihn erregt, In Mitleid. - ja, ich will mich seiner erbarmen, spricht der Herr. 21 Errichte dir eine Warte, Hebr.: Stelle dir Marksteine auf (Wegweiser), setze dir Wegsäulen. - setze dir Bitterkeiten; richte deinen Sinn auf den rechten Weg, auf dem du gewandelt bist; kehre um, Jungfrau Israel! kehre um in diese deine Städte. 22 Wie lange willst du dich in Begierlichkeiten verlieren, unstet umherschweifende Tochter? Säume nicht länger! Hebr.: Wie lange willst du hierhin und dorthin schweifen, rebellische Tochter? Damit sie endlich umkehre, stellt Gott ihr die höchste Wohltat, das erhabene Wunder vor, dass er im Lande Juda schaffen will. - Schafft Dies Wort gehört in ganz ausnehmender Weise Gott zu. - ja der Herr Neues Etwas bis dahin noch nicht Bestehendes, was gleichzeitig ein mächtiger Antrieb zur Rückkehr sein muss, zum Eintritt in die neu zu errichtende Theokratie. - auf Erden: Das Weib wird den Mann umschließen. Die Worte sind an sich dunkel. Indes zweierlei ist klar: Es handelt sich um die messianische Zeit (wie [Jer 30,9.21; Jer 31,11ff] zeigen), und der Ausspruch ist nach schon gegebenen Prophezeiungen zu erklären, da Jeremias öfter auf solche zurückkommt. Nun ist [Jer 30,9] und V. 21 verheißen, dass sie nach ihrer Rückkehr dem König David dienen werden und ein Fürst und Priester kommen wird. Ist nun im gleichen Zusammenhange von einem Helden (starken Mann) die Rede, so kann man nur an diesen denken, um so mehr als Isaias denselben mit einem ähnlichen Namen bereits genannt hat [Jer 9,6]. Der Satz: „Das Weib wird den Mann umschließen“ entspricht dann dem andern: „Siehe eine Jungfrau empfangend“ und den Emanuel gebärend, denn die den Messias in ihrem Leibe tragende Jungfrau ist im vollsten Sinne das den Mann umschließende Weib. Dass dieses Geheimnis, die herrlichste Wohltat Gottes, ein mächtiger Antrieb zur Vereinigung im Bündnisse mit Gott sein muss, ist klar. Vergl. auch [Mic 5,3ff], wo das Erscheinen des Messias als Herrscher in Israel als Ende des Elendes bezeichnet wird. Auch bei Jeremias werden die, welche das Heil erlangen wollen, aufgefordert, mit ganzem Herzen zu diesem Herrscher hinzuzutreten und zu seiner Mutter zu fliehen. Ist bei Michäas das Ende des Elends die Zeit, in der die Gebärende gebiert, so sagt Jeremias offenbar jene Zeit voraus und mahnt die Weggeführten, in das Land zurückzukehren, in dem Gott jene Wohltat der Menschwerdung Christi (Athanas., Hieron., Thomas) spenden will. Wie innig wird bei Isaias, Jeremias und Michäas die heilige Mutter des Erlösers mit diesem vereinigt und als Trösterin der Betrübten bezeichnet! - 23 So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Noch wird man dieses Wort im Lande Juda In diesem soll der Messias erscheinen, der aus dem Hause Davids hervorgeht. - und in dessen Städten sagen, wenn ich ihre Gefangenen zurückgeführt habe: Es segne dich der Herr, du Zierde Hebr.: Du Wohnung. - der Gerechtigkeit, du heiliger Berg! Wie in Jerusalem einst Gerechtigkeit gewohnt [Jes 1,21], so soll auch Heiligkeit die Stadt schmücken. Der geistige Charakter der Erneuerung wird hervorgehoben. – Der heilige Berg ist Sion, von dem aus der Messias herrschend gedacht wird. Vergl. [Jer 2,6]. Da Jerusalem und Sion der Mittelpunkt des alten Gottesreiches und die meisten Weissagungen eng mit beiden verknüpft sind, ist es klar, warum sie hier genannt und als Sitz der höchsten Güter bezeichnet werden. - 24 Und darauf Besser: Darin, in dem Lande. - soll Juda wohnen und alle seine Städte zumal, die Ackerleute und die Hirten der Herden. 25 Denn ich will die erschöpften Seelen laben und jede darbende Seele will ich sättigen. Vergl. [Lk 1,53]. Man kann in V. 23 – 25 die Wirkungen der Menschwerdung geschildert finden. - 26 Hierbei erwachte ich wie vom Schlafe und schaute und mein Schlaf war mir süß gewesen. Nachdem ich dieses Gesicht in Entzückung (Schlaf) gehabt, kehrte ich zu dem gewöhnlichen Zustande zurück. Er fühlt noch einmal die ganze Süßigkeit nach, mit der ihn das Geschaute erfüllt hat. - 27 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da ich das Haus Israel und das Haus Juda mit Samen von Menschen und mit Samen von Vieh besäen werde. Juda und Israel werden mit einem Acker verglichen. Der Hauptreichtum bestand damals in Viehbesitz. Doch bildet die Erwähnung auch einen Gegensatz zu [Jer 27,5.6]. - 28 Und wie ich über sie gewacht habe, sie auszureißen, auszurotten, zu zerstreuen, zu verderben und zu züchtigen, so will ich über sie wachen, um sie zu bauen und zu pflanzen, spricht der Herr. 29 In jenen Tagen sollen sie nicht mehr sagen: Die Väter haben herbe Trauben gegessen und den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden, 30 sondern ein jeder soll sterben für seine eigene Verschuldung; jeder Mensch, der herbe Trauben isst, dem sollen die Zähne stumpf werden. Das neue Gottesreich soll nicht mehr durch eine nationale Schuld und Sünde seinen Untergang finden, wie das alte Reich wegen seiner von den Vätern auf die Söhne forterbenden und sich stetig mehrenden Vergehen. Vergl. [Jer 15,4]. - 31 Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da schließe ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund; 32 nicht wie der Bund war, welchen ich mit ihren Vätern geschlossen habe am Tage, da ich ihre Hand erfasste, um sie aus dem Lande Ägypten zu führen, einen Bund, den sie gebrochen haben, da ich doch ihr Gebieter war, Nach dem Hebr.: wie ein Ehegatte. Der Neue Bund soll seiner innersten Natur nach unverletzlich sein, die Braut des Herrn, die Kirche Christi, wird stets heilig, stets Gott treu sein. - spricht der Herr; 33 sondern dies ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel nach jener Zeit schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Inneres legen und es in ihr Herz schreiben und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Wie der am Sinai geschlossene Bund ein auf Steine geschriebenes Gesetz gab, so soll der Neue Bund das Gesetz Gottes in die Herzen schreiben. Da nun das Gesetz die Natur des Bundes bestimmt, wird so der Alte Bund als unvollkommen, an sich unzureichend erklärt, wahre innerliche Heiligkeit zu bewirken, da er aus äußerlichen Dingen und Riten besteht. Der Neue Bund hingegen wendet sich vor allem an die Herzen und erfüllt sie mit dem göttlichen Gesetze, schreibt ihnen die Richtschnur der göttlichen Heiligkeit tief ein, wandelt den inneren Menschen um und erhebt ihn. Darum führt er erst das rechte Verhältnis zwischen Gott und dem Volke herbei: Ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein. Vergl. [Jer 30,22]. Doch da auch im Alten Bunde das Verhältnis zwischen Gott und Menschen mit den gleichen Worten dargestellt wird, folgt weiter, dass das, was zuvor zum Teil da war, im Neuen Bunde auf bessere und vollkommenere Weise gewährt wird, dass also zwischen dem Alten und dem Neuen Bunde das Verhältnis geringerer und größerer Vollkommenheit herrscht. Das Gleiche gilt von dem Gesetze. Auch um die zehn Gebote beobachten zu können, war die Gnade erfordert, die Gott durch Erleuchtung und Anregung gewähren musste, eine größere Fülle derselben aber wird im Neuen Bunde zuteil. - 34 Und nicht wird fortan mehr jemand seinen Nächsten oder einer seinen Bruder lehren, indem er spricht: Erkenne den Herrn! denn alle werden mich kennen, vom Kleinsten bis zum Größten, spricht der Herr; denn ich will ihre Vergehungen vergeben und ihrer Sünde nicht mehr gedenken. Der Alte und der Neue Bund werden wieder nach dem Grade ihrer Vollkommenheit einander entgegengestellt. Auch im Alten Bunde war eine wahrhafte Erkenntnis Gottes vorhanden, welche der Seele durch die Gnade Gottes gewährt wird, auch im Alten Bude ward die Vergebung der Sünden gewährt und Gott mit dem Reuigen versöhnt. Wenn diese Güter dem Neuen Bunde als eigen bezeichnet werden, so bedeutet dies, dass jene Wohltaten aus sich und vorzüglich der Natur des Neuen Bundes entsprechen und in diesem in viel reicherem Maße zuteil werden. Die innerste Erkenntnis Gottes kann nicht von Menschen gelehrt werden, sondern wird von Gott selbst eingegeben. Diese Erkenntnis gewährt Gott reichlicher, weil der neue Bund vor allem ein Bund der Gnade und Liebe Gottes ist (propitiabor). – Will aber Gott alles selbst so lehren, dass einer dem andern keine Unterweisung mehr erteilt über Gott und göttliche Dinge? Eine solche Verheißung wäre gegen alle sonstige Weise Gottes. Trug nicht alles, was Gott dem Volke Großes getan, seine Prophezeiungen und selbst seine Schöpfertaten zu seiner Erkenntnis bei? Also kann nicht verheißen werden, Gott werde alle äußeren Hilfsmittel wegnehmen und alles, was seine Erkenntnis zu gewähren vermag, selbst der Seele eingießen. Wie der Mensch sonst im Leben nicht alles erfindet, sondern einer vom anderen vieles annimmt, so muss es auch dem Wesen des Menschen entsprechend in der Religion sein. Dazu kommt, dass V. 33, V. 34 der Alte und der Neue Bund nicht so einander gegenübergestellt werden, dass einer den andern ausschließt, sondern nur der Stufe der Vollkommenheit nach, demnach wird, wenn im Alten ein Lehramt bestand, ein solches für den Neuen nicht geleugnet, sondern vielmehr für diesen ein vollkommeneres verheißen. Wie ferner V. 33 nicht die Einprägung eines Gesetzes geleugnet wird, sondern eine vollkommenere Aufnahme desselben und eine bessere Erkenntnis Gottes verheißen wird, so ist V. 34 die Erkenntnis Gottes eben dies in die Herzen eingeschriebene Gesetz oder dessen Folge. In V. 34 wird also nichts anderes gesagt, als dass Gott, nicht Menschen, dies Gesetz einschreiben, dass die von außen stammende Belehrung allein nicht ausreicht, sondern eine innere Gnadengabe jene innigste Erkenntnis und Freundschaft vermitteln muss, welche dem Neuen vor dem Alten Bunde verheißen ist. - 35 So spricht der Herr, der die Sonne zum Lichte bei Tage, die Ordnungen des Mondes und der Sterne zum Lichte bei Nacht setzt, der das Meer in Aufregung bringt, dass seine Wogen brausen; Herr der Heerscharen ist sein Name! 36 Wenn diese Gesetze je vor mir aufhören, spricht der Herr, so wird auch die Nachkommenschaft Israels aufhören, ein Volk vor meinem Angesichte zu sein allezeit. Gott setzt seine Macht und Unveränderlichkeit, welche in der Natur in ihrer Ordnung und Beständigkeit sich widerspiegelt, als Pfand und Beweis ein, dass er mit gleicher Macht und Unveränderlichkeit die einmal gegebenen Verheißungen ausführen will. Er führt an, was am Himmel und auf Erden am meisten erhaben ist. Solange diese Welt und diese Ordnung der Dinge bestehen wird, ebenso lange wird das Volk Gottes vor dem Herrn bleiben, Gott dienend, heilig, ihm wohlgefällig. - 37 So spricht der Herr: Wenn die Himmel oben gemessen werden können und die Grundfesten der Erde unten erforscht, so will ich auch die gesamte Nachkommenschaft Israels verstoßen, wegen alles dessen, was sie getan, spricht der Herr. Der Mensch ist sich dessen im tiefsten Innern bewusst, dass er weder der Himmel unendliche Räume messen noch die tieferen Abgründe der Erde und ihre Fundamente erforschen kann. Mit gleicher Sicherheit soll Israel glauben, dass es nicht seiner früheren Sünden wegen verworfen ist. - 38 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da die Stadt für den Herrn gebaut werden wird, Die wiederhergestellte Stadt wird dem Herrn geheiligt sein. - vom Turme Hananeel bis zum Ecktore; Ausdehnung der Nordseite. - 39 alsdann wird sich die Messschnur hinüberziehen über den Hügel Gareb und Goatha umspannen Hebr.: wird wiederum geradeaus gehen über den Hügel Gareb und sie sich nach Goah wenden. Beide sind westlich zu suchen. - 40 und das ganze Leichen- und Aschental Das Tal der Leichen und Asche ist das Tal Hinnom. Es wird mit jenem Namen bezeichnet, weil seit Josias dasselbe durch Götzendienst befleckt [2Koe 23,10], aller Auskehricht der Stadt dorthin geworfen ward. Die Stadt ist nach der Beschreibung gegen Osten und Süden ausgedehnt, insofern sie die zuvor gesetzlich (wie den Hügel der Aussätzigen) oder wegen Götzendienst unreinen Orte (wie das Tal Hinnom) als rein und Gott geweiht miteinbegreift. Der geistige Charakter der Wiederherstellung wird dargestellt und die zuvor unreinen und mit Gottes Fluch belasteten Orte sind nun ihm geweiht und entsühnt. So weist auch die Stadt die Erfüllung der Verheißung V. 34 auf. Jerusalem ist hier als Sitz und Mittelpunkt des Gottesreiches hingestellt, also nicht sowohl die aus Steinen erbaute Stadt als vielmehr der Sitz des Gottesreiches. und das ganze Totengefilde bis zum Bache Kedron und bis an die Ecke des Rosstors gegen Sonnenaufgang soll dem Herrn heilig sein; nicht mehr soll es zerstört noch verwüstet werden auf ewig.
Zitiert in 85
- V. 3 CCC(¶220)Summa (EN)(I 13.7
I-II 68.6 Fragen(Whether God loves me)Christus Vivit(§114)Dilexit Nos(§99)Dives In Misericordia(§4)Haurietis Aquas(§17III 49.4 III 86.3) §31) - V. 4 Summa (EN)(I-II 68.6)
- V. 10 Sacramentum Caritatis(§31)
- V. 16 Summa (EN)(I-II 114.1
III 84.9) - V. 18 Summa (EN)(I-II 109.6)
- V. 19 CCC(¶346)Summa (EN)(III 84.1
III 85.5) - V. 20 CCC(¶346)Dives In Misericordia(§4)Mulieris Dignitatem(§8)
- V. 21 CCC(¶346)
- V. 22 CCC(¶346)Summa (EN)(I 73.1)
- V. 23 CCC(¶346)
- V. 24 CCC(¶346)
- V. 25 CCC(¶346)
- V. 26 CCC(¶346)
- V. 31 CCC(¶64
¶715 Compendium of the Social Doctrine of the Church(324)Evangelium Vitae(§49)Haurietis Aquas(§17¶762 ¶1965) §31 Lumen Gentium(§9)Veritatis Splendor(§12§60 §107) §45) - V. 32 CCC(¶64
¶715 Compendium of the Social Doctrine of the Church(324)Evangelium Vitae(§49)Lumen Gentium(§9)Veritatis Splendor(§12¶762 ¶1965) §45) - V. 33 CCC(¶64
¶346 Compendium of the Social Doctrine of the Church(25¶368 ¶580 ¶715 ¶762 ¶1965 ¶2713) 324) Summa (EN)(II-II 44.8III 22.1) Evangelium Vitae(§49)Gaudete Et Exsultate(§83)Haurietis Aquas(§31)Lumen Gentium(§9)Veritatis Splendor(§12§45) - V. 34 CCC(¶64
¶715 Compendium of the Social Doctrine of the Church(324)Summa (EN)(I 106.1¶762 ¶1965) II-II 181.4) Evangelium Vitae(§49)Haurietis Aquas(§31)Lumen Gentium(§9)Veritatis Splendor(§12) - V. 35 CCC(¶346)Summa (EN)(Suppl 91.2)
- V. 36 CCC(¶346)Summa (EN)(Suppl 91.2)
- V. 37 CCC(¶346)