Jeremias 32
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
2. Erzählung von dem Kaufe eines Ackers. (Kap. 32) A. Der Kauf des Ackers. (V. 14) B. Gebet des Propheten. (V. 25) C. Antwort Gottes.
1 Wort, welches an Jeremias von dem Herrn erging im zehnten Jahre Sedekias', des Königs von Juda, welches das achtzehnte Jahr Nabuchodonosors ist. Nicht lange vor der Eroberung der Stadt. Sedekias soll elf Jahre regiert haben; am zehnten Tage des neunten Monats im neunten Jahre seiner Herrschaft begannen die Chaldäer um Jerusalem Befestigungen aufzuwerfen. [2Koe 25,1] Das Jahr des Königs von Babylon wird beigefügt, den Grund siehe [Jer 25,1]. - 2 Damals belagerte das Heer des Königs von Babylon Jerusalem und der Prophet Jeremias war eingeschlossen im Hofe des Kerkers, Hebr.: Im Wachthof. - der sich im Hause des Königs von Juda befand. 3 Denn Sedekias, der König von Juda, hatte ihn gefangen setzen lassen, indem er sprach: Warum weissagst du also: So spricht der Herr: Siehe, ich will diese Stadt in die Hände des Königs von Babylon überliefern und er wird sie erobern 4 und Sedekias, der König von Juda, wird der Hand der Chaldäer nicht entrinnen, sondern wird in die Hand des Königs von Babylon überliefert werden und wird mit ihm von Mund zu Mund reden und ihn schauen Auge in Auge. 5 Und er wird Sedekias nach Babylon führen, wo er bleiben soll, bis ich ihn heimsuche, spricht der Herr. Wenn ihr aber gegen die Chaldäer kämpft, werdet ihr kein Glück haben. Ähnliches hatte der Prophet bereits [Jer 21,3ff] dem Sedekias vorausgesagt. Bis ich ihn heimsuche – fehlt in der Septuaginta. Heimsuchen kann sowohl Trost wie Strafe bedeuten. Sedekias starb im Kerker. Vergl. [Jer 52,11]. - 6 Da sprach Jeremias: Diese Worte werden besser mit der Septuaginta weggelassen. Jeremias redet ja nicht zum Volk, sondern berichtet, was Gott ihm befahl. - Das Wort des Herrn ist an mich ergangen, also lautend: 7 Siehe, Hanameel, der Sohn Sellums, dein Vetter, Sellum war der Bruder des Vaters Jeremias. - wird zu dir kommen und sagen: Kaufe dir meinen Acker, welcher in Anathoth liegt; denn dir als meinem nächsten Verwandten steht das Recht zu, ihn zu kaufen. 8 Und Hanameel, meines Oheims Sohn, kam zu mir, wie der Herr gesprochen, in den Hof des Kerkers und sprach zu mir: Kaufe meinen Acker, welcher in Anathoth im Lande Benjamin liegt; denn dir als dem nächsten Verwandten steht das Erbrecht zu und du hast das nächste Recht, ihn zu besitzen. Nach [3Mos 25,25.49]. Dem Rechte entspricht die Pflicht, damit der Acker (Weidegrund in der Nähe der Stadt) nicht an eine fremde Familie kommt. Hebr.: Denn dir kommt das Erbrecht zu und die Einlösung dir; kaufe dir's. - Da erkannte ich, dass es des Herrn Wort war. 9 Und ich kaufte den Acker, der in Anathoth liegt, von Hanameel, dem Sohne meines Oheims, und wog ihm das Silber dar, sieben Stater und zehn in Silber. Hebr.: Sieben Sekel und zehn. Rechnet man auf einen Sekel etwa 2,1 Mk., so war dies ein ziemlich niedriger Preis. - 10 Alsdann schrieb ich den Vertrag und versiegelte ihn und zog Zeugen dazu und wog das Silber auf der Waage dar. 11 Und ich nahm den gesiegelten Kaufbrief mit der Übereinkunft und der Zustimmung, sowie der offenen Bescheinigung Hebr.: Und ich nahm den Kaufbrief, den versiegelten, den Erlass und die Abmachungen, sowie den offenen. – Zwei Dokumente werden also aufgesetzt, von denen eines versiegelt wird, das andere offenbleibt. Der versiegelte sollte wohl gegen Abänderungen des Käufers, der den Brief behielt, sicher stellen, während der andere zu jeweiliger Einsicht offen blieb. In beide trugen wohl die Zeugen ihre Namen ein. (V. 14) Nach dem Griech. ist nur ein Schriftstück vorhanden. - 12 und übergab den Kaufbrief dem Baruch, dem Sohne Neris, des Sohnes Maasias, in Gegenwart Hanameels, meines Vetters, und in Gegenwart der Zeugen, deren Namen im Kaufbrief standen, und in Gegenwart aller Juden, welche sich im Hofe des Kerkers aufhielten. Der Prophet umgibt alles mit einer gewissen Feierlichkeit, um auf die symbolische Bedeutung die Aufmerksamkeit zu lenken. - 13 Und ich trug dem Baruch in ihrer Gegenwart auf: 14 So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Nimm diese Schriftstücke, diesen gesiegelten Kaufbrief und dieses offene Schreiben, und lege sie in ein irdenes Gefäß, dass sie lange Zeit erhalten bleiben können. So sind die Schriftstücke vor Verderbnis geschützt, sollen sie doch noch nach lange Zeit dienen. Diese symbolische Handlung deutet an, dass die Besitzergreifung sobald nicht statthaben wird, sondern später erst das Besitzrecht nachzuweisen sein wird. So ist es ein Unterpfand, dass dieses Land den Bewohnern Judas wieder zuteil werden wird. - 15 Denn so spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Wieder sollen Häuser und Äcker und Weinberge in diesem Lande in Besitz genommen werden. Inzwischen aber überlässt Gott das Land Fremden nicht als Eigentum. Da in V. 25 der Prophet Gott um Aufschluss bittet, warum er den Acker kaufen soll, ist in der Erzählung die Zeitfolge nicht gewahrt. Jeremias betete zu Gott, bevor er vor Baruch und anderen die Bedeutung der Handlung erklärte, alsbald nach dem in V. 12 Erzählten, worauf er von Gott erleuchtet (V. 13) allen Aufschluss erhält. Die Worte „nachdem ich übergeben hatte“ nicht: nachdem ich dem Baruch aufgetragen hatte (V. 13) weisen auf V. 12 zurück. - 16 Und nachdem ich dem Baruch, dem Sohne Neris, den Kaufbrief übergeben hatte, betete ich zum Herrn und sprach: Was er durch das Gebet erreichen will, erklärt V. 25. Warum soll ich den Acker vor Zeugen kaufen, wen die Feinde doch bald alles in Besitz nehmen? Dies Gebet gehört also zeitlich vor V. 15, wie die Bitte ja auch ausdrücklich mit V. 12 in Verbindung gesetzt wird. - 17 Ach, ach, ach! Im Hebr. steht nur einmal Ach, Ausruf der Bitte und der Verwunderung. - Herr, Gott! Siehe, du hast Himmel und Erde durch deine große Macht und deinen ausgestreckten Arm erschaffen Vergl. [Jer 27,5]. - und für dich kann kein Ding schwer sein; 18 der du Erbarmen übst gegen Tausende Weder Zeit noch Zahl der Bedürftigen setzt der Fülle deiner Erbarmungen eine Grenze. - und die Verschuldungen der Väter in den Schoß ihrer Kinder In die Falten des Gewandes. Vergl. [Rut 3,15]. - nach ihnen vergiltst, Der aus dem Pentateuch entlehnte Satz mahnt Gott zugleich um der Patriarchen willen den Söhnen gnädig zu sein. - du Mächtigster, Großer und Gewaltiger! Herr der Heerscharen ist dein Name. 19 Groß an Einsicht und unerfasslich für unsere Gedanken; Hebr.: Groß an Rat und mächtig an Tat. Ohne diese Eigenschaften vermöchte Gott nicht vollkommen Gerechtigkeit zu üben. (Thom.) - du, dessen Augen über alle Wege der Kinder Adams offen stehen, um jedem nach seinem Wandel und nach den Früchten seiner Taten zu vergelten; 20 der du Zeichen und Wunder im Lande Ägypten gewirkt hast bis auf diesen Tag, Der du in Ägypten Wunder gewirkt hast und nicht aufhörst, solche zu wirken in Israel und bei allen Menschen. - sowohl an Israel wie an andern Menschen, und dir einen Namen gemacht hast, wie es dieser Tag erweist, 21 der du dein Volk Israel aus dem Lande Ägypten unter Zeichen und Wundern geführt mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm und mit großem Schrecknis Vergl. [5Mos 26,8]. - 22 und ihnen dies Land gegeben hast, welches du ihren Vätern zu geben geschworen hattest, ein Land, das von Milch und Honig fließt. 23 Als sie aber in dasselbe gekommen waren und es in Besitz genommen hatten, hörten sie nicht auf deine Stimme und wandelten nicht nach deinem Gesetze; denn nichts von dem, was du ihnen zu tun geboten, taten sie; da kam all dies Unglück über sie. Hebr.: Da ließest du ihnen all dieses Übel zustoßen. Der folgende Vers gibt dieses an. - 24 Siehe, Wälle sind aufgeworfen gegen die Stadt, Hebr.: Siehe, die Wälle sind bis an die Stadt gekommen. - sie einzunehmen, und schon ist durch Schwert, Hunger und Seuche die Stadt in die Hand der Chaldäer dahingegeben, welche wider sie kämpfen; und was du gesprochen, ist geschehen, wie du selbst siehst! Wie forderst du nun solches von mir bei der allgemeinen Niederlage? - 25 Und doch sprichst du, Herr, Gott! zu mir: Kaufe den Acker um Geld und nimm Zeugen dazu, während doch die Stadt in die Hände der Chaldäer hingegeben ist! Diese Frage konnte er nicht zeitlich nach V. 15 an Gott richten. - 26 Da erging das Wort des Herrn an Jeremias also: 27 Siehe, ich bin der Herr, der Gott alles Fleisches, sollte mir wohl irgend etwas schwer sein? 28 Darum Wer Gottes Macht recht erwägt, wird auch seine Weltregierung mit größerer Ehrfurcht betrachten. - spricht der Herr also: Siehe, ich will diese Stadt in die Hände der Chaldäer und in die Hand des Königs von Babylon überliefern und diese werden sie einnehmen. 29 Und die Chaldäer, welche wider diese Stadt kämpfen, werden eindringen und sie in Brand stecken und sie samt den Häusern niederbrennen, auf deren Dächern sie dem Baal geopfert und andern Göttern Trankopfer dargebracht haben, so dass sie mich zum Zorne reizten. Gott wiederholt mit Hinweis auf seine Macht die oftmals schon verkündeten Drohungen, um zu zeigen, dass sie bald in Erfüllung gehen sollen. - 30 Denn die Kinder Israel und die Kinder Juda Beide Reiche haben gesündigt. - haben von ihrer Jugend an stets In der Wüste und zur Zeit der Richter. - nur getan, was in meinen Augen böse war, die Söhne Israel, welche mich bis jetzt durch die Werke ihrer Hände Die Götzenbilder. - zum Zorne reizten, spricht der Herr. 31 Ja, zum Zorn und Grimm ward mir diese Stadt von dem Tage an, da man sie gebaut, bis auf diesen Tag, an dem sie mir aus den Augen weggeschafft werden soll Hebr.: Sie wegzuschaffen von meinem Angesichte. Alles Gute, das unter David, Salomon, Josaphat, Joas, Ezechias, Josias geschehen, wird von dem Berg der Frevel gleichsam verschüttet; im Übrigen geschah auch unter den guten Königen viel Böses. - 32 wegen all des Bösen der Söhne Israel und der Söhne Juda, das sie verübt und durch das sie mich zum Zorne gereizt haben, mit ihren Königen, ihren Fürsten, ihren Priestern und ihren Propheten, die Männer von Juda und die Bewohner von Jerusalem. 33 Sie kehrten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht, mochte ich sie auch belehren und weisen vom frühen Morgen an, sie wollten nicht hören, dass sie Zucht angenommen hätten. Da sie beständig gemahnt und sorgfältig belehrt wurden, erscheint ihre bewusste Sündhaftigkeit und Hartnäckigkeit umso frevelhafter. – Wer betet, neigt sich zur Erde; wer den Rücken wendet, zeigt dadurch dem Drohenden seine Verachtung. (Hier.) - 34 Und sie stellten ihre Götzen in dem Hause auf, über welches mein Name angerufen ist, so dass sie es entheiligten. 35 Und sie bauten dem Baal Höhen im Tale des Sohnes Ennom, um ihre Söhne und ihre Töchter dem Moloch zu weihen, So geschah es unter Achaz und Manasse. [2Koe 16,3; 2Koe 21,6] - was ich ihnen nicht geboten habe und was mir nicht in den Sinn gekommen ist, dass sie solche Greuel verüben und Juda zur Sünde verleiten sollten. 36 Und nun spricht der Herr, der Gott Israels, deshalb „Deshalb“ wird mit der Septuag. besser ausgelassen. - also zu dieser Stadt, von welcher ihr sagt, sie werde in die Hand des Königs von Babylon durch Schwert, Hunger und Pest überliefert werden: Nicht ist es mehr notwendig, auf die Prophezeiungen hinzuweisen, die Sache selbst redet und zwingt die, welche den Propheten nicht Glauben schenken wollten, nun das Unglück zu schauen. - 37 Siehe, ich will sie aus allen Ländern, in die ich sie in meinem Zorn, in meinem Grimm, in großer Entrüstung verstoßen habe, wieder sammeln und ich will sie an diesen Ort zurückführen und sie sicher wohnen lassen. 38 Und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. In so trauriger Lage ist es bereits ein Trost, wenn die Verheißungen wiederholt werden. - 39 Und ich will ihnen ein Herz geben und einerlei Wandel, dass sie mich allezeit fürchten und es ihnen wohl gehe und ihren Kindern nach ihnen. Die Spaltung zwischen Israel und Juda war Ursache zu vielem Unheil. Wenn die Wiederherstellung erfolgt, werden alle dem Könige David dienen [Hos 3,5; Jer 23,5], Juda wie Israel. Beiden wird Gott sein Gesetz in das Herz schreiben, dessen Zusammenfassung es ist, dass sie den Herrn verehren; dies ist der einzige Weg zur Seligkeit. - 40 Und ich will einen ewigen Bund mit ihnen schließen und nicht aufhören, ihnen Gutes zu tun; und will die Furcht vor mir in ihr Herz legen, dass sie nicht von mir weichen. Auf diesem Fundamente ruhend wird das Gottesreich ewig währen, freilich ein geistiges Gottesreich. Hebr.: Und ich werde mit ihnen einen ewigen Bund schließen, so dass ich mich von ihnen nie abwende, ihnen wohlzutun. Auch sie selbst werden Gott nicht mehr verlassen. - 41 Und ich will meine Freude an ihnen haben, Über das gegenwärtige Geschlecht zürnt Gott, weil es sündhaft ist; freut er sich über jenes zukünftige, so ist dies ein Zeichen von dessen erhabener Heiligkeit. - ihnen Gutes zu tun; und will sie in dieses Land in Wahrheit Hebr.: In Treue. Ein fester Wohnsitz gewährt ihnen Beständigkeit, auf welche auch das Wort pflanzen hinweist. - pflanzen, von ganzem Herzen und von ganzer Seele. 42 Denn also spricht der Herr: Wie ich all dies große Unheil über dieses Volk habe kommen lassen, so werde ich über sie all das Gute kommen lassen, das ich ihnen verheißen habe. Inzwischen sollen sie sich mit der sicheren Hoffnung trösten, deren Unterpfand das gegenwärtig sie bedrängende Unglück bietet. - 43 Und man wird Äcker in diesem Lande erwerben, von dem ihr sagt, es sei verwüstet, weil weder Mensch noch Vieh darin übriggeblieben und es in die Hand der Chaldäer überliefert sei. 44 Man wird Äcker um Geld kaufen Ausdrücklich wird nun beigefügt, womit die Wiederherstellung beginnen wird, und so kehrt Gottes Rede, nachdem der Charakter des Gottesreiches in allgemeinen Umrissen V. 37ff dargestellt ist, zu dem zurück, was der Prophet V. 25 zunächst erbeten, und erklärt ihm die Bedeutung des gekauften Ackers. Wenngleich jetzt alles der Gewalt der Fremden preisgegeben ist, wird dennoch das jüdische Volk zu seinen Sitzen und seinem Eigentume wieder zurückkehren und hier ein Leben nach seinen Gesetzen und Rechten führen. Was [Jer 31,24] allgemein gesagt ist, wird durch die Aufzählung der Einzelheiten wirksamer eingeprägt. V. 43, V. 44 besagen dasselbe, was V. 15. und Kaufbriefe darüber schreiben und sie versiegeln und Zeugen dazu beiziehen, im Lande Benjamin und in den Umgebungen Jerusalems, in den Städten von Juda und in den Städten der Niederung und in den Städten gegen Mittag; denn ich will ihre Gefangenen zurückführen, spricht der Herr.