Jeremias 33

3. Bekräftigung der Verheißungen. (Kap. 33) A. Verheißung der Wiederherstellung. (V. 13) B. Ewiges Reich und Priestertum.

Und das Wort des Herrn erging an Jeremias zum zweiten Male, während er noch im Hofe des Gefängnisses eingeschlossen war, also: So spricht der Herr, der solches tun, schaffen und zubereiten wird, Hebr.: Jahve, der es auch vollführt, Jahve, der es ausdenkt, dass er es auch zuwege bringe – nämlich das Heil, die Wiederherstellung. Jerusalems Untergang war [Jer 32,29] ausdrücklich vorherverkündet, seine Wiederherstellung nur in der allgemeinen Verheißung eingeschlossen. - Herr ist sein Name! Der Quell allen Seins ist treu in seinen Verheißungen und mächtig in ihrer Erfüllung. Doch wenn er auch an sich bereit ist, Güter zu spenden, will er doch gebeten werden, damit die Herzen sich so desto besser bereiten, sie recht zu empfangen. - Rufe zu mir, so will ich dich erhören und dir Großes und Festbeschlossenes Hebr.: Große und unerfindliche Dinge – deren Anfänge und Ursachen nicht im gewöhnlichen Laufe der Dinge liegen, sondern durch Gottes besondere Vorsehung ins Leben gerufen werden und die deshalb nur durch Offenbarung bekannt werden können. Solches sind die Art der Wiederherstellung, das ewige Davidische Königtum und das im Gottesreiche bestehende ewige Priestertum. - kundtun, das du nicht kennst. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels, über die Häuser dieser Stadt und über die Häuser des Königs von Juda, welche zerstört sind, über die Bollwerke Hebr.: die niedergerissen werden wegen (gegen) Wälle und Schwert. Die Häuser der Stadt, ja selbst des Königs werden niedergerissen, um die durch die Kriegsmaschinen und Belagerungswerkzeuge zerstörten oder durchbrochenen Mauern wiederherzustellen. Der lateinische Text handelt von den Häusern, den Wällen und dem Schwerte derjenigen, welche mit den Chaldäern kämpfen. - und das Schwert derer, die kommen, mit den Chaldäern zu kämpfen und jene mit den Leichen der Menschen anzufüllen, die ich in meinem Grimm und in meinem Zorne erschlage, mein Angesicht vor dieser Stadt um all ihrer Bosheit willen verhüllend: Siehe, ich gewähre ihnen Vernarbung und Heilung und heile sie und ich eröffne ihnen den Frieden und die Wahrheit, um welche sie bitten. Hebr.: Siehe, ich lasse ihr (der Stadt) Genesung und Heilung erwachsen und heile dieselben und eröffne ihnen einen Reichtum von Frieden und Wahrheit. – Er will die zerstörte Stadt wiederherstellen, den Einwohnern die Fülle des Friedens eröffnen und sie in der Wahrheit, in dem Gesetze, das in ihre Herzen geschrieben ist, festigen und mit aller Treue die Verheißungen erfüllen. Die Heilung und die Fülle der göttlichen Güter werden in V. 7 weiter beschrieben. - Und ich werde die Gefangenen Judas und die Gefangenen Jerusalems zurückführen und sie erbauen, wie im Anfange. Ihnen ständiges Glück verleihen. - Und ich will sie von all ihrer Verschuldung reinigen, die sie wider mich begangen haben, und will alle ihre Vergehungen verzeihen, durch die sie sich wider mich verfehlt und mich verachtet haben. Jene Wiederherstellung wird geistige Güter bringen, wie bereite V. 6b angedeutet ist: die Sünde wird hinweggenommen und wahre Heiligkeit gewährt, welche der unerschütterliche Grund von Frieden und Glück ist. Dann wird Jerusalem, der Mittelpunkt des Gottesreiches, den Ruhm Gottes über alle Völker verbreiten. - Und sie soll mir zum Ruhme, zur Freude, zum Lobpreise und zum Frohlocken gereichen Hebr.: Und sie wird mir werden zu einem Namen der Wonne, zum Lobpreis und zum Stolze vor allen Völkern der Erde. – D.i. zum Ruhme, durch den Freude gebracht wird, wie Schmach durch den Untergang. Durch die Wiederherstellung soll Gottes Erhabenheit allen in herrlicher Weise bekannt werden. - bei allen Völkern der Erde, die von all dem Guten hören werden, das ich ihnen tun werde; und jene werden zittern und beben Vor Freude in heiliger Furcht. - ob all des Guten und ob all des Friedens, den ich ihnen verleihen werde. So spricht der Herr: Wieder soll an diesem Orte (von dem ihr sagt, er sei wüste, weil weder Mensch noch Vieh daselbst ist, in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems, welche öde und menschenleer und ohne Bewohner und Vieh sind) vernommen werden die Stimme der Freude und die Stimme des Frohlockens, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut, die Stimme derer, die rufen: Lobet den Herrn der Heerscharen, denn der Herr ist gütig, denn seine Barmherzigkeit währt ewig! Jene Freude dient Gott zum Ruhme, da seine Güte und Barmherzigkeit anerkannt wird, und ihre Kundgebung ist eine öffentliche und feierliche. - und derer, die ihre Gelübde Hebr.: Lobopfer, Opfer der Danksagung. Da diese allein genannt werden, weisen sie auf hohe Beglückung und die Fülle aller Güter hin. - in das Haus des Herrn bringen; denn ich werde die Gefangenen des Landes zurückführen, dass sie seien wie am Anbeginn, spricht der Herr. So spricht der Herr der Heerscharen: Wieder wird an diesem Orte, der verödet und leer von Menschen und Vieh ist und in allen seinen Städten eine Wohnung Richtiger: Eine Flur, eine Weide. Das Bild des Hirtenlebens ruft jene guten Hirten ins Gedächtnis zurück, die Gott verheißen [Jer 23,4]. - sein für die Hirten, welche die Herden sich lagern lassen. In den Städten des Gebirges und in den Städten der Niederung und in den Städten, die nach Mittag zu liegen, im Lande Benjamin, in der Umgebung Jerusalems und in den Städten von Juda werden wieder die Herden unter der Hand des Zählenden vorüberziehen, Unter sorgsamen Hirten, die um jedes Schaf besorgt sind. - spricht der Herr. Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich die gute Verheißung in Erfüllung gehen lasse, welche ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gegeben. Israel wird an erster Stelle erwähnt, weil es schon vor längerer Zeit weggeführt ist. Gott, der treu seinen Bund mit dem ganzen Volk wahrt, lädt das ganze Volk ein, ohne jemanden auszuschließen, und vereinigt Israel und Juda wiederum zu einem Reiche. - In jenen Tagen und zu jener Zeit will ich dem David einen Spross der Gerechtigkeit aufgehen lassen und er wird Recht und Gerechtigkeit schaffen im Lande. In jenen Tagen soll Juda Hilfe werden und Jerusalem sicher wohnen und so wird man ihn Nach dem Hebr. und einigen Handschriften der Vulgata ist nicht vom Namen des Messias, sondern Jerusalems die Rede: Und dies der Name, wie man es heißen wird: Jahve unsere Gerechtigkeit. – Gott verleiht seinem Volke die Fülle seiner Güter und Heiligkeit. - nennen: Der Herr, unser Gerechter! Denn also spricht der Herr: Nicht soll dem David ein Mann fehlen, der auf dem Throne des Hauses Israel sitze. Ergänzung zu der [Jer 22,30] gegebenen Prophezeiung, die Weise der Erfüllung der Verheißung [2Sam 7,14] zeigend. Der Messias ist als König über Sion gesetzt, der Sohn Davids, und wird ewig auf dem Throne Davids sitzen. [Lk 1,32] - Und den Priestern und Leviten Hebr.: den levitischen Priestern, den Priestern, die aus der Familie Levi herstammen. Sind indes die Opfer, wie in der nächsten Anmerkung nachgewiesen wird, nicht nach mosaischem Ritus darzubringen, so sind auch hier nicht Priester gemeint, die der leiblichen Abstammung nach dem Stamme Levi angehören. - soll es nicht vor mir an solchen mangeln, welche Brandopfer darbringen und Speiseopfer verbrennen und Schlachtopfer bereiten alle Zeit. Mit dem Messiaskönig sollen auch Priester da sein, welche beständig vor dem Herrn Opfer darbringen. Die Art derselben ist zwar nach den blutigen und unblutigen Opfern des Alten Bundes beschrieben, aber daraus folgt nicht, dass der Prophet das Fortbestehen dieser Opfer andeutet, hat er doch [Jer 3,16] bereits dargelegt, dass die Gottesverehrung im Reiche des Messias eine von dem mosaischem Ritus gänzlich abweichende sein werde. Im Alten Bunde war die Bundeslade der Mittelpunkt des Opferdienstes, wie insbesondere der Tag der großen Versöhnung zeigt, im Neuen soll niemand mehr jene suchen. Wenn also der Prophet jetzt von den Opfern der messianischen Zeit redet, kann er nur sagen wollen, dass ihnen das eigen ist, was jedem Opfer wesentlich ist, ohne dass er ihnen die besondere Eigenart des mosaischen Kultes zueignet. Aus beiden Stellen, [Jer 3,16] und dieser, folgt also, dass in der Zeit des Messias ein wahres Priestertum bestehen und diesem das Hauptamt des Priestertums nicht ermangeln werde, nämlich Gott durch Opfer zu dienen, dass diese selbst aber von dem mosaischen Ritus gänzlich verschieden sein werden. Welcher Art sie sein werden, bestimmt Jeremias nicht; anders Malachias [Mal 1,10ff]. Selbst akatholische Ausleger geben zu, dass für den neuen Bund ein wahres Priestertum und ein wahres Opfer an dieser Stelle vorausverkündet wird, beides in höherer Würde als im Alten Testamente, wie der König Messias über David erhaben ist. - Und es erging das Wort des Herrn an Jeremias, also: So spricht der Herr: Wenn mein Bund mit dem Tage und mein Bund mit der Nacht vernichtet werden kann, Hebr.: Wenn ihr meinen Bund… vernichten könnt. - so dass Tag und Nacht nicht eintreten zu ihrer Zeit, so kann auch mein Bund mit David, meinem Diener, aufgehoben werden, so dass er keinen Nachkommen hat, der auf seinem Throne als König sitze, und dass die Leviten und Priester Hebr.: levitische Priester. - nicht meine Diener seien. Wie die Sterne des Himmels nicht zu zählen sind und der Sand des Meeres nicht zu messen, so werde ich die Nachkommenschaft Davids, meines Dieners, mehren und die Leviten, die mir dienen. Wie allumfassend das künftige Gottesreich sein soll, ist aus der Zahl der Fürsten und Priester zu schließen, welche der Herr in ihm erwecken will. Außer dem, der mit höherem Rechte der Sprosse David heißt, werden andere Hirten verheißen, welche Gottes Volk weiden sollen. [Jer 23,4] Vergl. [Mic 5,5.6] und [Ps 44,17], wie auch [Jer 3,15]. – So wenig die Priester des Neuen Bundes, der nicht nach Art des Alten geschlossen ist [Jer 31,32] und nicht mehr die Bundeslade als Mittelpunkt hat [Jer 3,16], aus dem Stamme Levi herrühren, so wenig heißen jene Hirten und Fürsten Nachkommen Davids, weil sie etwa der Familie Davids entstammen, sondern weil sie an der dem Sohne Davids verheißenen Herrschaft teilhaben. Dem Messiaskönig werden auch sonst Genossen in Kampf und Mühen beigegeben [Ps 44,8] und wie er als Hirt David, König, ein Hirt über alle, ihr Fürst in Ewigkeit bezeichnet wird, [Ez 34,23; Ez 37,22.24.25], so werden auch die, welche er als Genossen seiner Herrschaft und seines Hirtenamtes annimmt, mit Recht Nachkommen Davids genannt, wie [Ps 44,8; Jes 53,10] zeigen. Das hebräische Wort für Nachkommenschaft wird oft gesetzt, um Menschen gleicher Gesinnungsart, die gleichsam Brüder sind, zu bezeichnen. - Und es erging das Wort des Herrn an Jeremias, also: Hast du nicht gesehen, was dieses Volk redet, indem es spricht: Die beiden Geschlechter, Israel und Juda. - welche der Herr erwählt hatte, sind verworfen; und so verachten sie mein Volk, weil es in ihren Augen kein Volk mehr ist? So sprechen verzogene Glieder von Juda. - So spricht der Herr: Wenn ich meinen Bund mit Tag und Nacht Vergl. V. 20 und [1Mos 8,22]. - und die Ordnung für Himmel und Erde nicht festgesetzt habe, so werde ich auch die Nachkommenschaft Jakobs und meines Dieners David verwerfen, so dass ich nicht mehr aus seiner Nachkommenschaft Herrscher entnehme über die Nachkommenschaft Abrahams, Isaaks und Jakobs; Das Volk wird nicht verworfen werden, sonst würden die David und den Patriarchen gemachten Verheißungen nichtig, was gegen [2Mos 3,15] ist. Die Herrscher aus dem Stamme Davids sind die [Jer 23,4] erwähnten Hirten; vergl. auch Anmerkung 21. – In der Septuag. fehlt der Text V. 14 – 26, weil derselbe entweder in ihrer Vorlage mangelte oder in der Übersetzung ausfiel. Theodotion bietet denselben in seiner Übersetzung. In der Tat ist dieser Abschnitt unentbehrlich. Wenn irgendwo, musste hier das Vers 3 Verheißene stehen. [Jer 30,21] wird der König und Priester bereits erwähnt, wie könnte er hier bei der Schilderung des Gottesreiches unerwähnt bleiben? denn ich werde ihre Weggeführten zurückführen und mich ihrer erbarmen.

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