Jeremias 36

2. Zweite Erzählung. (Kap. 36) A. Die aufgezeichneten Prophezeiungen werden Volk und Fürsten vorgelesen. (V. 19) B. Dieselben werden dem Könige vorgelesen.

Und es begab sich im vierten Jahre Joakims, Schon [Jer 25,1.3ff] hat Jeremias im vierten Jahre Joakims erwähnt, wie er durch 23 Jahre seine Mahnungen an das Volk gerichtet. Hier berichtet er uns einen um die gleiche Zeit gemachten anderen Versuch, die Hartnäckigkeit des Volkes zu brechen. - des Sohnes Josias, des Königs von Juda, dass dieses Wort an Jeremias von dem Herrn erging: Nimm eine Buchrolle Eine Rolle aus Pergamentblättern. - und schreib alle Worte in dieselbe, die ich zu dir wider Israel und Juda Septuag besser: Gegen Jerusalem und Juda. Beide werden häufig in den Weissagungen vereinigt, doch keine der Prophezeiungen ist gegen Israel gerichtet. Von allem, was Jeremias durch zweiundzwanzig Jahre gesprochen, soll er die Hauptsache in das Buch schreiben. - und wider alle Völker Auch die jetzt an das Ende des Buches gesetzten Weissagungen gegen die Heiden. - gesprochen habe von dem Tage an, da ich zu dir geredet habe, von den Tagen Josias Vom dreizehnten Jahre Josias an. - an bis auf diesen Tag. Vielleicht Gott wünscht diesen Erfolg, doch kann die menschliche Willensfreiheit denselben vereiteln. Die Redeweise betont, dass trotz des Vorauswissens Gottes der Wille frei bleibt, und weist darauf hin, dass jenen die Hilfe Gottes zur Umkehr nicht fehlte. - dass, wenn das Haus Juda all das Unheil hört, welches ich ihnen zu tun gedenke, sich ein jeder von ihnen bekehrt von seinem bösen Wege, dass ich alsdann ihre Missetat und Sünde verzeihen möge.
Baruch schreibt die Weissagungen des Jeremias nieder
Sofort rief Jeremias Baruch, den Sohn des Nerias, Siehe [Jer 32,12]. - und Baruch schrieb nach dem Ausspruche Jeremias alle Worte des Herrn, die er zu ihm geredet hatte, in eine Buchrolle auf. Jeremias diktierte, jedenfalls nach Aufzeichnungen, die er sich selbst durch die Reihe der Jahre gemacht. Der gegen den Schaden des Lügengriffels aufgetreten [Jer 8,8], wird diesem sicher die gute Schrift entgegengesetzt haben. - Alsdann gebot Jeremias dem Baruch also: Ich bin gefangen Hebr.: Zurückgehalten. Wodurch? erklärt er nicht. - und kann nicht in das Haus des Herrn gehen, so gehe du also hin und lies aus der Rolle, in welche du die Worte des Herrn aus meinem Munde geschrieben hast, vor den Ohren des Volkes im Hause des Herrn Wo er so oft das Volk ermahnt hat, ebenda sollen auch seine Weissagungen vorgelesen werden. - am Fasttage Fasten war am zehnten Tage des siebten Monats vorgeschrieben [3Mos 23,27ff], an dem die gesamte Volksmenge in den Tempel kam. Indes konnte auch etwa ein Fasten vorgeschrieben sein wegen der bevorstehenden Gefahr. - und auch vor den Ohren aller von Juda, die aus ihren Städten kommen, und lies ihnen vor; vielleicht fallen sie mit Flehen vor dem Herrn nieder und kehren um, ein jeder von seinem bösen Wege; denn gewaltig ist der Grimm und der Unwille, mit dem der Herr dieses Volk bedroht hat. Da tat Baruch, der Sohn Nerias', alles, was ihm der Prophet Jeremias geboten hatte, und las im Hause des Herrn die Worte des Herrn aus der Rolle vor. Nach der Schlacht bei Charkamis nahm Nabuchodonosor Land und Stadt ein, so dass das, was [2Koe 24,1] und [Dan 1,1ff; 2Chr 36,6] erzählt wird, in diese Zeit und in das vierte Jahr Joakims fällt. – Es ist nicht die in V. 9 erwähnte Lesung. Wie V. 3 und 7 zeigen, musste die Lesung eine an allen Festen wiederholte sein. - Und es begab sich im fünften Jahre Joakims, des Sohnes Josias', des Königs von Juda, im neunten Monate, dass man ein Fasten Das Fasten ist wohl zum Andenken an die Niederlage der Juden eingeführt, um die Erinnerung an die Schmach zu erhalten und das Gefühl der Rache zu wecken. Hebr.: Im neunten Monat riefen sie ein Fasten aus vor Jahve, das ganze Volk zu Jerusalem und alles Volk, das aus den Städten Judas nach Jerusalem gekommen war. - vor dem Herrn ausrief für das ganze Volk zu Jerusalem und für die gesamte Menge, welche aus den Städten Judas nach Jerusalem zusammengekommen war. Da las Baruch aus der Rolle die Worte Jeremias' im Hause des Herrn, in der Kammer Gamarias', Gamarias der königliche Kanzler, der die königlichen Botschaften und Befehle herausgab und Ratgeber des Königs war. Er scheint als Bruder des Achikam [Jer 26,24] bezeichnet zu werden. - des Sohnes Saphans, des Schreibers, im oberen Hofe am Eingange des neuen Tores des Hauses des Herrn, dass alles Volk es hörte. Von dem oberen Hofe, dem Hofe der Priester aus, von dem man in den äußeren Vorhof, den Vorhof des Volkes, schaute, las Baruch. Wie Joakim gesinnt war, ist aus [Jer 26,20ff] zu ersehen. Nach der Niederlage dachte er daran, heimlich von den Chaldäern abzufallen: da nun die Prophezeiungen vielmehr die Unterwerfung unter dieselben forderten, war es gefährlich, dieselben vorauszulesen. - Als nun Michäas, der Sohn Gamarias', des Sohnes Saphans, alle Worte des Herrn aus dem Buche gehört hatte, ging er hinab in das Haus des Königs zu der Halle des Schreibers und siehe, dort saßen gerade alle Fürsten: Elisama, der Kanzler, und Dalajas, der Sohn Semejas, und Elnathan, Elnathan ist [Jer 26,22] als treuer Helfer des gottlosen Königs bezeichnet. - der Sohn Achobors, und Gamarias, der Sohn Saphans, und Sedekias, der Sohn Hananias, und sämtliche Fürsten. Und Michäas berichtete ihnen alle Worte, Was [Jer 20,1ff] und [Jer 26,8ff] erzählt wird, zeigt, wie wenig ihnen die Weissagungen gefielen. Ob Michäas durch das Hinterbringen von sich und seinem Vater allen Verdacht des Königs abwenden will? - die er gehört hatte, als Baruch aus der Rolle vor den Ohren des Volkes vorlas. Da sandten alle Fürsten den Judi, Judi, ein untergeordneter Beamter, hat wohl seinen Namen daher, dass er als erstes Glied seiner Familie legalisierter Judäer wurde, nach [5Mos 23,9], da sein Großvater Kuschite gewesen war. - den Sohn Nathanias, des Sohnes Selemias, des Sohnes Chusis, zu Baruch und ließen sagen: Nimm die Rolle, aus welcher du vor dem Volke gelesen hast, mit dir und komm! Da nahm Baruch, der Sohn Nerias', die Rolle mit sich und kam zu ihnen. Da die Fürsten [Jer 26,16] sich dem Propheten günstig gezeigt, folgt Baruch der Aufforderung, wenngleich Jeremias die Vorlesung nur für den Tempel angeordnet hatte. Ihre Gesinnung zeigt V. 19. - Sie sprachen zu ihm: Setze dich nieder und lies sie vor unseren Ohren vor. Und Baruch las sie vor ihren Ohren vor. Als sie nun alle die Worte hörten, sahen sie sich untereinander erschrocken an und sprachen zu Baruch: Wir müssen alle diese Worte dem Könige berichten. Es kann ihm ja doch nicht lange verborgen bleiben. Sie fürchten seinen Zorn. - Und sie fragten ihn weiter und sagten: Sage uns, wie hast du alle diese Reden nach seinem Ausspruche Dieser Zusatz fehlt im Griechischen, und mit Recht, denn wenn sie dies schon wussten, brauchten sie nicht erst zu fragen. Oder man muss erklären: Wie hast du diese Reden, welche aus dem Munde des Propheten hervorgingen, niedergeschrieben, ohne Wissen und Willen Jeremias oder auf seine Anweisung? - niedergeschrieben? Baruch antwortete ihnen: Er sprach, als ob er läse, Also diktierte er wirklich nach Aufzeichnungen. - so redete er alle diese Worte zu mir, und ich schrieb sie mit Tinte in die Rolle. Da beschieden die Fürsten Baruch: Geh und verbirg dich mit Jeremias, dass niemand wisse, wo ihr seid. Sie fürchten den Zorn des Königs gegen beide, vergl. [Jer 26,21], und wollen ihm die Gelegenheit zu neuen Freveln entziehen. Indes wagen sie auch nicht ihre eigenen Ansichten dem Könige frei zu eröffnen. - Sie aber gingen zum Könige in den Hof, In den inneren Hof des Königspalastes. - die Rolle indes verwahrten sie in der Kammer Elisamas, des Kanzlers, und meldeten dem Könige persönlich alle diese Dinge. Sie fürchten sich, ihn die Gewalt der Prophezeiungen kennen lernen zu lassen, und hoffen, er werde der Sache nicht viel Gewicht beilegen. Aber dem Könige genügt der bloße Bericht nicht. - Da sandte der König den Judi, die Rolle zu holen. Derselbe holte sie aus der Halle Elisamas, des Kanzlers, und las sie vor dem Könige und allen Fürsten, welche den König umstanden. Der König aber saß im Winterhaus im neunten Monat; Dem Dezember, in dem kalter Regen, ja selbst Schnee in Palästina fällt. - und vor ihm stand ein Becken voll glühender Kohlen. Als nun Judi drei oder vier Blätter Eigentlich: Türflügel, viereckige Felder, in welche die Rolle abgeteilt war. Ein solches Feld nahm die ganze Höhe der Rolle ein, so dass es mit einem Schnitte von derselben getrennt werden konnte. Ebenso ließen sich drei oder vier Felder zusammen wegschneiden. - gelesen hatte, schnitt er Der König oder auf sein Geheiß Judi. - sie mit dem Schreibmesser ab und warf sie in das Feuer, das auf dem Herde war, bis die Rolle im Feuer, das auf dem Herde war, vernichtet war. Das Stillschweigen des Königs ist ein Zeichen seiner Verachtung. Anders hatte der Vater Joakims, Josias, gehandelt. [2Koe 22,11] - Doch gerieten sie nicht in Furcht und zerrissen ihre Kleider nicht, Zum Zeichen des Schreckens und der Trauer. (Wie selbst Achab einst tat [1Koe 21,27].) - weder der König noch alle seine Diener, welche alle diese Reden hörten. Und auch als Elnathan, Dalajas und Gamarias bei dem König Einsprache taten, Hebr.: baten. - er möge das Buch nicht verbrennen, hörte er nicht auf sie. Vielmehr Nicht zufrieden damit, so gegen Gottes Wort gefrevelt und Gott beleidigt zu haben, versucht der König auch seine gottesschänderische Hand in die Boten Gottes zu legen. - befahl der König Jeremiel, dem Sohne Amelechs, Hebr.: Jerachmel, dem Königssohne, d.i. aus königlichem Geschlechte. - und Saraja, dem Sohne Ezriels, und Selemia, dem Sohne Abdeels, Baruch, den Schreiber, und Jeremias, den Propheten, zu ergreifen, aber der Herr hielt sie verborgen. Schützte sie, dass ihr Aufenthaltsort nicht entdeckt ward und niemand sie verriet. - Da erging das Wort des Herrn an den Propheten Jeremias, nachdem der König die Rolle verbrannt hatte mit den Aussprüchen, welche Baruch aus dem Munde Jeremias geschrieben, also: Nimm nochmals eine andere Rolle und schreibe in dieselbe alle früheren Aussprüche, welche in der ersten Rolle standen, die Joakim, der König von Juda, verbrannt hat. Und über Joakim, den König von Juda, sollst du also sprechen: So spricht der Herr: Du hast jene Rolle verbrannt, indem du sagtest: Warum hast du in dieselbe die Botschaft geschrieben: Eilends Hebr.: Gewisslich. - wird der König von Babylon kommen und dies Land verwüsten und aus ihm Menschen und Vieh vertilgen? Die allgemein gehaltene Verkündigung deutet nicht darauf hin, dass sie sich auf die erste Besetzung der Stadt [2Koe 24,1; Dan 1,1] bezieht. Zwar hat Joakim solche Worte nicht offen ausgesprochen, doch pflegen die Propheten, wenn sie Sünde und Strafe verkünden, auch die Gedanken und Gesinnung der Frevler zu rügen. - Darum spricht der Herr wider Joakim, den König von Juda, also: Nicht soll ein Nachkomme von ihm auf dem Throne Davids sitzen Die früheren Drohungen [Jer 22,18.19] werden wiederholt und gemehrt. Wohl bestieg nach ihm Joachin den Thron [2Koe 24,6], aber er ward nach drei Monaten bereits gefangen weggeführt, während dieser kurzen Zeit nicht ein König auf dem Throne Davids, ein Herrscher voll Glanz und Würde von Gott gesetzt, sondern eine Beute der Furcht und des Schreckens vor den Chaldäern. - und sein Leichnam soll der Hitze preisgegeben liegen bei Tage und der Kälte bei Nacht. Und ich will an ihm und seiner Nachkommenschaft und seinen Dienern ihre Frevel ahnden und will über sie und über die Bewohner Jerusalems und über die Männer von Juda all das Unheil kommen lassen, welches ich ihnen angedroht habe, ohne dass sie darauf hörten. Jeremias aber nahm eine andere Rolle und gab sie Baruch, dem Sohne Nerias', dem Schreiber. Dieser schrieb in dieselbe nach dem Ausspruche Jeremias alle Worte des Buches, welches Joakim, der König von Juda, im Feuer verbrannt hatte, und noch viel mehr Worte als zuvor gewesen, wurden hinzugefügt. Hebr.: Und es wurden noch viele Worte gleicher Art hinzugetan. – Vergeblich hat der König versucht, Gottes Aussprüche zu vernichten, der sie eingegeben, trug auch für ihre Erhaltung Sorge, während der König sich nur schwerere Strafen zuzog.

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