Jeremias 38

C. Jeremias wird aus Todesgefahr befreit. (V. 13) D. Letztes Gespräch des Propheten mit dem Könige.

Es vernahmen aber Saphatias, der Sohn Mathans, und Gedelias, der Sohn Phassurs, Vergl. [Jer 21,1]. - und Juchal, Vergl. [Jer 37,3]. Die Feindschaft gegen den Propheten entstand wohl erst, als er nach der Erneuerung der Belagerung durch die Chaldäer fortwährend wiederholte, die Verteidigung der Stadt werde ihr Verderben sein. - der Sohn Selemias und Phassur, der Sohn Melchias', die Worte, welche Jeremias zu dem gesamten Volke redete, indem er sprach: So spricht der Herr: Wer in dieser Stadt bleibt, wird durch Schwert, Hunger und Seuche sterben; wer aber zu den Chaldäern hinausgeht, wird sein Leben erhalten und retten. Hebr.: Wird seine Seele zur Beute haben und leben. – Wie standhaft ist Jeremias! Aus dieser Ursache geschlagen und in das Gefängnis geworfen [Jer 20], fürchtet er sich, kaum aus jenem befreit, in dem ihm der Tod drohte [Jer 37,19], dennoch nicht, Gottes Botschaft dem Volke zu verkünden und sich von neuem der höchsten Lebensgefahr auszusetzen. - So spricht der Herr: Diese Stadt wird unwiderruflich dem Heere des Königs von Babylon überliefert werden und er wird sie einnehmen. Da sprachen die Fürsten zum Könige: Wir bitten, lass doch diesen Menschen töten! denn geflissentlich Hebr.: deshalb. Sie denken nicht daran, dass gerade der Widerstand gegen die Chaldäer das Los der Einwohner verschlimmert und die Klugheit freiwillige Übergabe fordert. - macht er die Hände der Kriegsleute, die noch in dieser Stadt übrig sind, und die Hände des ganzen Volkes schlaff, indem er solche Worte redet; dieser Mann sucht nicht, was diesem Volke zum Frieden, sondern was ihm zum Unglücke dient. Der König Sedekias antwortete: Sehet, er ist in eurer Hand; denn es geziemt sich nicht, dass der König euch etwas versage. Hebr.: denn der König vermag nichts gegen euch. - Da nahmen sie Jeremias und warfen ihn Sie wagen nicht, den Propheten zu töten, richten aber alles so ein, dass er untergehen muss, dass nur von ihnen der Schein fernbleibe, als hätten sie ihn getötet. - in die Zisterne des Melchias, Vergl. [Jer 36,26]. - des Sohnes Amelechs, die im Hofe des Gefängnisses war, und sie ließen ihn an Seilen in die Zisterne hinab, in der kein Wasser, sondern Schlamm war, so dass Jeremias in den Schlamm sank. Abdemelech aber, der Äthiopier, ein Höfling, der im Hause des Königs war, hörte, dass man Jeremias in die Zisterne geworfen hatte. Da nun der König im Tore Benjamin saß, ging Abdemelech aus dem Hause des Königs und redete also zum König: Mein Herr und König! übel haben diese Männer in allem gehandelt, was sie wider den Propheten Jeremias getan haben, dass sie ihn in die Grube geworfen haben, so dass er daselbst Hungers sterben muss, denn es ist kein Brot mehr in der Stadt. Da gebot der König Selbst zu feige, dem Bösen zu widerstehen, freut er sich, dass ein anderer mutig genug ist, das Gute zu wollen. - Abdemelech, dem Äthiopier, und sprach: Nimm dreißig Männer von hier mit dir Damit du etwaigen Feindseligkeiten seitens der Fürsten widerstehen kannst. - und ziehe den Propheten Jeremias aus der Zisterne, ehe er stirbt. Abdemelech nahm die Männer mit sich und ging in das Haus des Königs in den Raum unter der Gerätekammer und holte von da alte abgebrauchte Lappen und mürbe gewordenes Zeug und ließ sie zu Jeremias in die Zisterne an Seilen hinab. Dabei sprach Abdemelech, der Äthiopier, zu Jeremias: Lege diese verbrauchten Lappen und diese Fetzen und mürbe gewordenen Stücke unter deine Achseln und um Hebr.: unterhalb. Es war eine gewisse Gewalt notwendig, um Jeremias herauszuziehen, deshalb konnten die Stricke ihm sonst schaden. - die Seile. Da tat Jeremias also. So zogen sie denn Jeremias an den Seilen herauf und brachten ihn aus dem Verließe und Jeremias blieb im Hofe des Gefängnisses. Wo er vorher war, vergl. [Jer 37,20]. - Hiernach sandte der König Sedekias und ließ den Propheten Jeremias zu sich holen an den dritten Eingang Was für ein Eingang dies war, ist unbekannt. Sept.: In das Haus des Aseleisel. Vielleicht ist zu lesen: In den Eingang des Schalischi, eines militärischen Würdenträgers. - am Hause des Herrn. Und der König sprach zu Jeremias: Ich will dich etwas fragen, verhehle mir nichts! Sedekias will wissen, was der Herr sagt, aber ist geneigt, in Zorn zu entflammen, wenn es seinen Wünschen nicht entspricht. (Ähnlich erging es dem Propheten Michäas [1Koe 22,8]). - Jeremias aber sprach zu Sedekias: Wenn ich es dir kundtue, wirst du mich dann nicht töten? Und wenn ich dir einen Rat erteile, wirst du nicht auf mich hören. Da schwor der König Sedekias dem Jeremias insgeheim also: So wahr der Herr lebt, der uns diese Seele erschaffen hat, ich werde dich nicht töten noch dich in die Hand jener Männer überliefern, die dir nach dem Leben trachten. Jeremias sprach zu Sedekias: So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Wenn du zu den Fürsten des Königs von Babylon hinausgehst, so wirst du dein Leben erhalten und diese Stadt wird nicht niedergebrannt werden und du wirst samt deinem Hause am Leben bleiben. Wenn du aber nicht zu den Fürsten des Königs von Babylon hinausgehst, so wird diese Stadt in die Hände der Chaldäer überliefert werden und diese werden sie niederbrennen und du wirst ihrer Hand nicht entrinnen. Da sprach der König Sedekias zu Jeremias: Ich scheue mich vor den Juden, welche zu den Chaldäern übergegangen sind, dass ich deren Händen überliefert werde und sie mich verhöhnen möchten! Jeremias aber sprach: Man wird dich nicht überliefern. Höre doch auf das Wort des Herrn, das ich dir verkündet habe, so wird es dir wohl ergehen und du wirst am Leben bleiben! Gott steigert seine Verheißungen, den König zum Gehorsam zu bewegen. Was ihm aber im Falle der Hartnäckigkeit droht, besagt V. 18. Noch in letzter Stunde, da bereits die Lebensmittel zu fehlen beginnen [Jer 38,9], bietet Gott sein Erbarmen an. Der Prophet weiß, von Gott belehrt, was unter einer nicht wirklich in Erfüllung gehenden Bedingung geschehen würde. - Wenn du dich aber weigerst, hinauszugehen, Alle ihm angetane Unbill vergessend, fleht Jeremias, in Sorge für den König, ihn an, Gott zu gehorchen. - so ist dies das Wort, das der Herr mich schauen ließ: Siehe, alle Frauen, welche übriggeblieben sind im Hause des Königs von Juda, Die von Hunger und Seuche noch verschonten Nebenweiber der früheren Könige von Juda. - werden zu den Fürsten des Königs von Babylon hinausgeführt und werden sagen: Deine Friedensmänner haben dich verführt und überwältigt, sie haben deine Füße in Kot und Schlamm versenkt und sich dann von dir zurückgezogen. Ein herrlicher König, der sich von unzuverlässigen Freunden in den Sumpf locken ließ und darin versank, während sie treulos zurückwichen, statt ihm zu helfen. – Der Prophet will den von Furcht Geleiteten durch Furcht zu Besserem bewegen. - Und alle deine Frauen und deine Söhne werden zu den Chaldäern hinausgebracht werden und du selbst wirst ihrer Hand nicht entrinnen, sondern wirst in die Gewalt des Königs von Babylon kommen und er wird diese Stadt in Brand stecken. Hebr.: wirst du in Brand stecken, durch deine Schuld wird sie in Flammen aufgehen, du bereitest ihr dies Schicksal. - Da sprach Sedekias Aus Furcht vor den Fürsten wagt er nicht, der Mahnung des Propheten zu folgen, und wendet die Rede auf einen anderen Gegenstand. - zu Jeremias: Niemand soll diese Worte erfahren, Gegen den Propheten mutig, fürchtet er dennoch, es möchte bekannt werden, dass die Stadt seiner Hartnäckigkeit halber untergehen muss. - dass du nicht des Todes seiest. Wenn aber die Fürsten hören, dass ich mit dir gesprochen habe, und zu dir kommen Die Fürsten fürchten also, der unbeständige König möchte dennoch den Ratschlägen des Propheten nachgeben und sich den Chaldäern ergeben. - und zu dir sagen: Teile uns mit, was du mit dem Könige gesprochen hast, verhehle es uns nicht, wir wollen dich ja nicht töten; was hat also der König mit dir gesprochen? so sprich zu ihnen: Teile ihnen ein Bruchstück unseres Gespräches mit. - Ich trug dem König die flehentliche Bitte vor, er solle mich nicht in das Haus Jonathans zurückbringen lassen, da ich dort sterben müsste. Es kamen nun in der Tat alle Fürsten zu Jeremias und fragten ihn und er redete zu ihnen ganz so wie der König es ihm geboten hatte. Da gaben sie sich zufrieden, denn es war nichts ruchbar geworden. Sie gehen schweigend von dannen, da die Bitte V. 26 ihre Ungerechtigkeit und Grausamkeit brandmarkte. - Jeremias aber blieb im Vorhofe des Gefängnisses bis zu dem Tage, wo Jerusalem eingenommen ward. Und es geschah, dass Jerusalem eingenommen ward. Diese Worte gehören zu [Jer 39], so dass V. 1, V. 2 eine Parenthese bilden, V. 3 den Nachsatz.

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