Jeremias 4
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
Public domain Quelle: vulgata.info
D. Welche Besserung wird gefordert? (V. 4) E. Die bevorstehende Züchtigung. (V. 9) F. Klage über den bevorstehenden Untergang und Schilderung desselben.
1 Wenn du umkehrst, Israel! spricht der Herr, so kehre dich zu mir; Mit Nachdruck von ganzem Herzen. Als ersten Beweis davon entferne die Greuel (die Götzen) von meinem Angesichte. Alsdann sollst du beständig in deinem Vaterlande bleiben. - wenn du deine Greuel mir aus den Augen schaffst, so wirst du nicht wanken 2 und du wirst alsdann in Wahrheit mit Recht und Gerechtigkeit schwören: Bedingungen eines rechten Eides, damit er eine Verehrung und Bekenntnis Gottes sei: Wichtige Ursache, mit Überlegung, der Gerechtigkeit gemäß. - So wahr der Herr lebt! und die Völker werden ihn segnen und ihn preisen. Hebr.: und die Völker werden sich durch ihn (Jahve) segnen und in ihm sich rühmen. – Sie werden in Gott die Quelle alles Glückes suchen und seiner allein sich rühmen. So werden dann in Israel alle Völker gesegnet werden. - 3 Denn so spricht der Herr zu den Männern von Juda und Jerusalem: Von [Jer 3,20] an ist die Rede zunächst an Israel gerichtet. Durch seine Strafe und Buße und Umkehr soll auch Juda lernen, wird es doch der gleichen Strafe anheimfallen, wenn es nicht gleichfalls den Weg der Buße betritt. Deshalb geht der Prophet nun auf Juda über. - Brechet euch einen neuen Bruch um und säet nicht unter die Dornen! Diese Mahnung hatte Osee vergeblich an Israel gerichtet. Zuerst muss der Boden von dem üppig wuchernden Dorngesträuch freigemacht werden, ehe der gute Same ausgestreut werden kann. So müssen die Leidenschaften durch Schmerz und Reue ausgerottet werden, ehe das Wort Gottes mit Nutzen aufgenommen wird. Aus [Jer 3,1.4.5] (Hebr.) geht hervor, dass viele in fremdem Lande einen äußeren Schein von Frömmigkeit angenommen hatten und daraufhin ein Recht auf Friede und Glück zu haben glaubten. - 4 Beschneidet euch für den Herrn und entfernet die Vorhaut eures Herzens, Dieselbe Mahnung in anderem Bilde. Die Vorhaut ist ein Bild der Unreinheit, die von Gott trennt, wie die Beschneidung das Wahrzeichen des Glaubens, die Zeremonie, durch welche jemand in den Gottesbund eintritt und Gott Treue und Gehorsam verspricht. - ihr Männer von Juda und ihr Bewohner von Jerusalem! dass nicht mein Grimm wie Feuer ausbreche und unauslöschlich brenne Wenn sie nicht umkehren, kommt sein Strafgericht und der Untergang über sie. - ob der Bosheit eurer Gesinnung. Hebr.: Wegen der Schlechtigkeit eurer Untaten. Vergl. [5Mos 28,20]. - 5 Verkündet in Juda und lasset es in Jerusalem hören; sprechet und Richtiger ohne „und“: Sprechet: Stoßet in die Posaunen. Dreimal wird dem Boten ein Auftrag gegeben, dreimal auch die Weise angegeben, ihn zu erfüllen, ein deutliches Zeichen, wie große Gefahr droht und wie plötzlich diese hereinbrechen wird. - stoßet in die Posaune im Lande, rufet mit lauter Stimme und saget: Sammelt euch und lasset uns in die befestigten Städte ziehen! Das Landvolk soll in schneller Flucht sein Heil suchen. - 6 Richtet ein Panier auf gegen Sion hin! Fasset Mut Richtiger: Flüchtet, ohne stille zu stehen! (Erinnerung an Loths Frau [1Mos 19,17].) - und bleibet nicht stille stehen! Denn ich bringe Unheil herbei von Norden her und gewaltiges Verderben. Wenngleich das Unheil von Gott gesendet wird, bedient er sich doch des Feindes als Werkzeug. - 7 Es ist ein Löwe Hebr.: Dickicht. - aus seinem Lager heraufgestiegen, Der Löwe ist ein geeignetes Bild für den Schrecken des Krieges, welche dem Fliehenden folgen. - ein Völkerwürger ist aufgebrochen, er ist von seiner Stätte ausgezogen, dein Land zur Einöde zu machen; Mit den Bewohnern leidet das Land. Vergl. [1Mos 3,17]. - deine Städte werden verwüstet und ohne Bewohner bleiben. 8 Darum gürtet euch mit härenen Kleidern, wehklaget und heulet! denn nicht hat sich der grimmige Zorn des Herrn von uns abgewendet. 9 An jenem Tage, spricht der Herr, wird das Herz des Königs und der Fürsten verzagen, Wie furchtbar das Unglück sein wird, zeigt die Verzweiflung der Könige und der Fürsten. Herz: Klugheit. - die Priester werden entsetzt, Endlich werden sie erkennen, welchen Schaden der Götzendienst dem Lande gebracht hat, doch vom Schrecken überwältigt, sind sie außerstande, Hilfe zu bringen. - die Propheten bestürzt sein. Die falschen Propheten werden ratlos sein, weil alles anders gekommen ist als sie vorausgesagt. Wenn so die Führer verzagen, was wird das Volk tun? - 10 Da sprach ich: Ach, ach, ach, Herr und Gott! Also hast du dieses Volk und Jerusalem getäuscht, Was Gott zugelassen hat, wird ihm im Affekt der Rede als Urheber zugeschrieben, damit er desto leichter die Strafe nachlassen und mildern kann Vergl. [Jes 63,17]. - als du sprachest: Ihr werdet Frieden haben, Vergl. z.B. [1Koe 22,20-23]. In der Tat schrieb das Volk ja Gott zu, was die falschen Propheten verkündeten. - denn siehe, das Schwert dringt bis an die Seele! Das Leben ist bedroht. - 11 Zu jener Zeit wird man zu diesem Volke und zu Jerusalem sagen: Ein Glutwind weht von den Wegen der Wüste zum Wege der Tochter meines Volkes Hebr.: Ein versengender Höhenwind in der Wüste ist auf dem Wege zur Tochter meines Volkes. – Der Ostwind ist besonders verderblich. Tochter meines Volkes: siehe [Jes 22,4]. Der Wind ist das Bild eines strengen Gerichtes. - hin, aber nicht zum Worfeln und zum Reinigen. Des Getreides. - 12 Ein gewaltiger Wind trifft mich von dorther, nun werde ich mein Urteil über sie sprechen. Ein heftiger Wind erhebt sich von dort auf mein Geheiß, um Sturm zu bringen und Verwüstung als Strafe. - 13 Siehe, wie eine Wolke steigt er Der Feind. - herauf Da die Wolke Hagel und Überflutung droht, ist sie das Vorzeichen von Unglück. Die Drohung erinnert an [5Mos 28,49]. - und dem Sturmwinde gleichen seine Wagen, schneller als Adler sind seine Rosse. Wehe uns, denn wir sind verwüstet! 14 Wasche dein Herz rein von Bosheit, Jerusalem! dass dir Hilfe werde. Buße kann das Unheil aufheben oder wenigstens hinausschieben, noch bleibt ein Weg der Rettung. - Wie lange noch sollen frevelhafte Gedanken in deinem Innern bleiben? 15 Denn eine Stimme verkündet von Dan her, vom Berge Ephraim Das Unglück ist bereits nahe dem Norden des Landes. - tut man den Abgott Hebr.: Unheil. Insofern die Götter das wirken, was ihr Volk vollbringt, sagt der lateinische Text dasselbe: Dort steht der Feind und schickt sich an, Jerusalem anzugreifen. - kund. In ganz kurzer Zeit hat die Kunde Palästina vom Norden bis zum äußersten Süden durcheilt. - 16 Entbietet es den Völkern: Sehet, zu Jerusalem ist es vernommen, Hebr.: Sehet, machet kund zu Jerusalem. - dass Wächter Die Belagerer der Stadt, welche sie wie Wächter bewachen, dass sie nicht entweichen kann. - aus fernem Lande kommen, ihren Ruf Feldgeschrei. - zu erheben gegen die Städte Judas. 17 Wie Hüter auf dem Felde umlagern sie es ringsum; So kann niemand entfliehen. - denn es hat mich zum Zorne gereizt, Erneuerte Angabe der Ursache. Hebr.: Weil es sich wider mich empört hat. - spricht der Herr. 18 Dein Wandel und dein Sinnen haben dir solches zugezogen; das ist deine Bosheit, ja, sie ist bitter, ja, sie dringt dir bis ans Herz. 19 In meinem Innersten ergreift mich Weh, meines Herzens Gefühle toben in mir; Hebr.: Meine Eingeweide! Meine Eingeweide! Ich kreiße vor Schmerz. Die Wände meines Herzens! Es tobt mir mein Herz. - ich kann nicht schweigen, denn meine Seele hört den Posaunenschall, den Ruf des Kampfes. Der Prophet zeigt sein Mitgefühl mit dem Volke wegen des drohenden Unglückes, ob er sie so vielleicht aus ihrem Sündenschlafe zur Buße weckt. - 20 Zerstörung über Zerstörung wird verkündet, ja, das ganze Land ist verwüstet; plötzlich sind meine Hütten verwüstet, in einem Augenblicke meine Zelte! Verschiedene aufeinander folgende Unglücksfälle werden angekündigt. - 21 Wie lange soll ich die Flucht sehen, Hebr.: Wie lange noch soll ich das Panier schauen, muss ich hören Drommetenhall? - den Schall der Posaune hören? 22 Ja, Gott gibt dem Propheten auf dessen Klage die Ursache der sich stets folgenden Strafgerichte an. - töricht Wer Gott und seine Gebote verachtet, heißt in der Heiligen Schrift töricht, die Sünde Torheit, weil sie vom wahren Glücke abführt und in das Elend stürzt. Der Anfang der Weisheit ist Gott fürchten, denn da Gott die Weisheit ist, wird man umso weiser, je besser man ihn kennt. - ist mein Volk, mich kennt es nicht; törichte, unverständige Kinder sind sie, weise, um Böses zu tun, aber Gutes zu tun verstehen sie nicht. 23 Ich schaute die Erde an und siehe, sie war wüste und öde; Hebr.: wüste und leer – so verwüstet, dass sie der Welt am Beginn der Schöpfung ähnlich war. - ich schaute zum Himmel hinauf, es war kein Licht an ihm. Weitere Anspielung auf [1Mos 1,2]. - 24 Ich blickte auf die Berge und siehe, sie erbebten und alle Hügel wurden erschüttert. Selbst das, was unbeweglich fest schien, schwankte. - 25 Ich schaute aus, kein Mensch war da und alle Vögel des Himmels waren davongeflogen. 26 Ich schaute und siehe, der Karmel Das Fruchtgefilde war nun eine Wüste geworden. - war wüste und alle seine Städte zerstört von dem Herrn her, von seinem grimmigen Zorne. Weil sie die V. 4 gegebene Mahnung vernachlässigt. - 27 Denn so spricht der Herr: Wüste soll das ganze Land werden, doch will ich es nicht ganz verderben. Ein Rest soll erhalten bleiben. Aus dem Sturze, den Gottes gerechtes Gericht herbeiführt, soll Heil hervorgehen. - 28 Die Erde soll trauern, der Himmel oben betrübt sein; Hebr.: sich in schwarz hüllen. - denn ich habe es gesagt, beschlossen, und es reuet mich nicht noch stehe ich davon ab. 29 Vor dem Getümmel der Reiter und der Bogenschützen flüchtet alles Volk der Stadt, sie ziehen an steile Orte, Schlupfwinkel. - erklimmen die Felsen; alle Städte sind verlassen und kein Mensch wohnt in ihnen! 30 Und du, Verwüstete! Das Elend des ganzen Landes wird an der Tochter Sion, der Hauptstadt, insbesondere gezeigt. - was wirst du tun? Magst du dich auch mit Purpur kleiden, dich mit goldenen Spangen schmücken und deine Augen mit Schminke Vergl. [2Koe 9,30]. - bemalen, so zierst du dich doch umsonst; deine Buhlen verschmähen dich und trachten dir nach dem Leben. Die auswärtigen Völker, mit denen du Bündnisse zu schließen strebtest. - 31 Denn ich höre eine Stimme wie die einer Gebärenden, Angstgeschrei wie das einer Kindbetterin; Hebr.: Erstgebärenden. Die Schmerzen einer solchen pflegen heftiger zu sein. - es ist das Geschrei der Tochter Sions, die in Sterbensnöten Hebr.: Die aufstöhnt. - ihre Hände ausbreitet: O wehe mir! denn meine Seele vergeht wegen der Erschlagenen. So wird es kommen, der Drohung [Jer 4,4] gemäß, wenn sie sich nicht bekehre. – Der Prophet weist auf Nabuchodonosor hin, wie er [Jer 25,9] selbst sagt. Dies entspricht auch den Prophezeiungen des Isaias [Jes 36,6] und Michäas [Mic 4,10].
Zitiert in 10
- V. 1 Dilexit Nos(§192)
- V. 2 Summa (EN)(II-II 89.3
II-II 98.1) Verbum Domini(§117) - V. 3 Summa (EN)(II-II 122.2
III 71.2) - V. 8 Salvifici Doloris(§6)
- V. 19 Salvifici Doloris(§6
§18) - V. 22 Summa (EN)(II-II 45.1)