Jeremias 5

3. Dritte Rede. (5,1 – 6,30) A. Die vielfache Bosheit des Volkes und der Angesehensten (V. 9) B. Die vielfache Bosheit wird ihrer Strafe nicht entgehen. (V. 25) C. Die Ruchlosigkeit der Vornehmen und die Strafe für dieselben.

Durchstreifet die Straßen Jerusalems, schauet und spähet, forschet auf ihren Plätzen, Gott will sich erbarmen, wenn auch nur ein Gerechter sich findet, doch umsonst wird ein solcher gesucht. – Die Häufung der Ausdrücke macht die Rede eindrucksvoller. - ob ihr jemand findet, der Recht übe und nach Treue frage, Hebr.: Und um Treue sich mühe. Ein Mann, der die Richtschnur des Rechts und des Rechten mit unerschütterlicher Standhaftigkeit und vollkommener Treue wahrt. - so will ich Jerusalem gnädig sein! Gott fordert für Jerusalem weniger als einst für das jüdische Sodoma. Wie beschämend, dass die Einwohner der auserwählten Stadt schlimmer sind als jenes Sündenpfuhls, und dass Gott ihnen umsonst ein reicheres Maß des Erbarmens anbietet! Die Einzahl ist gewählt, um zu bezeichnen, dass die Zahl der Gerechten in Jerusalem verschwindend klein ist, nicht um zu verneinen, dass Jeremias, Baruch, Josias und andere gerecht sind. - Denn wenn sie auch sagen: So wahr der Herr lebt! so schwören sie darum doch falsch. Selbst die sich noch zu Jahve bekennen, sind ohne Wahrhaftigkeit, rufen den Herrn zum Zeugen an, ohne doch den Eid zu halten. Den Lebendigen anrufend, stellen sie ihn den nichtigen Götzen gleich, als könne er die ihm angetane Unbill nicht rächen. - Herr! deine Augen sehen auf Treue; Hebr.: Jahve, deine Augen sind sie nicht auf Treue aus? Sept.: Deine Augen verlangen Treue zu schauen. - du hast sie geschlagen, aber sie haben es nicht gefühlt; du hast sie zermalmt, aber sie wollten nicht Zucht annehmen; sie machten ihr Angesicht härter als Felsen und wollten sich nicht bekehren! Wohl hat Gott sein Missfallen zu erkennen gegeben durch Züchtigungen, doch diese haben nichts gefruchtet, die Schuldigen ließen keine Spur von Scham und Reue erkennen. - Da sprach ich: Sie handeln nicht aus Unwissenheit, sondern aus Bosheit. Der Prophet hebt dies wirkungsvoll durch die Äußerung seiner Hoffnung hervor. - Vielleicht sind es nur Arme und Betörte, Hebr.: Ich dachte wohl: Nur die Geringen sind es, diese betragen sich töricht, weil sie den Weg usw. - welche den Weg des Herrn, das Recht ihres Gottes, nicht kennen; so will ich denn zu den Vornehmen gehen und mit ihnen reden; denn diese kennen den Weg des Herrn, das Recht ihres Gottes; doch siehe, gerade sie haben das Joch allzumal zerbrochen, die Bande zerrissen. Deshalb wird der Löwe aus dem Walde sie töten und der Wolf des Abends sie umbringen, der Panther lauert an ihren Städten; jeder, der aus denselben herausgeht, wird zerrissen; Schon haben sie von den Feinden vieles leiden müssen, doch noch steht ihnen vieles Harte bevor. Der Wolf am Abend ist der Wolf, der, den Tag über hungernd, zu Abend auf beute ausgeht. Hebr. besser: Der Steppenwolf. - denn ihre Übertretungen sind vielfältig und ihre Treulosigkeiten haben überhandgenommen. Weshalb sollte ich dir verzeihen können? Deine Söhne haben mich verlassen und schwören bei solchen, die keine Götter sind. Obwohl ich sie sättigte, brachen sie den Ehebund und trieben Unzucht im Hause der Buhlerin. Götzendienst und Unzucht treiben deine Söhne. Auch die Heiden verbanden beide Laster miteinander. [Roem 1,24ff] Obgleich ich sie sättigte: Vergl. [5Mos 32,15]. - Sie waren gleich geilen Pferden und Springhengsten, Hebr.: Wie wohlgenährte Hengste schweiften sie umher. - ein jeder wieherte nach dem Weibe seines Nächsten. Sollte ich solches nicht ahnden, spricht der Herr, und sollte meine Seele an einem solchen Volke keine Rache nehmen? Dies wäre gegen meine Heiligkeit. - Erstürmet seine Mauern und reißet ein, nur vernichtet nicht vollends; reißet seine Sprossen hinweg, denn sie gehören nicht dem Herrn an. Israel sollte der Weinberg des Herrn sein, doch es hat fremden Samen aufgenommen: Was im Volke Gottes dem Herrn entgegengesetzt ist, soll durch das Gericht hinweggenommen werden. Ob die Bewohner als Weinstock gedacht sind, der sich an die Stadtmauern hält als an eine schirmende Wand? - Denn treulos hat das Haus Israel und das Haus Juda gegen mich gehandelt, spricht der Herr. Sie haben den Herrn verleugnet und gesagt: Er ist es nicht Der in ihnen redet, der uns so strafen sollte, wie die Propheten sagen. Es sind Worte des lästernden Volkes, das die Gesandten Gottes und damit ihn selbst [5Mos 18,15] zurückweist. - und über uns kommt kein Unglück, Schwert und Hunger werden wir nicht sehen! Die Propheten haben in den Wind geredet und Gottes Ausspruch war nicht bei ihnen. Darum wird ihnen dies widerfahren. Sie mögen zu Wind werden, oder: Schwert und Hunger, das Strafgericht, das sie uns verkünden, soll über sie kommen. - So spricht der Herr, der Gott der Heerscharen: Weil ihr solche Rede geführt habt, sehet, so will ich meine Worte in deinem Munde O Prophet! - zu Feuer machen und dies Volk zu Holz und das Feuer soll sie verzehren. Wirksamkeit des göttlichen Wortes, den Drohungen [5Mos 18,19] entsprechend. - Siehe, Haus Israel! Das Folgende ist [5Mos 28,49] bereits angedroht. - ich lasse über euch ein Volk von der Ferne Was von weitem kommt, ist unbekannt und darum umso schreckenvoller. - herkommen, spricht der Herr, ein gewaltiges Volk, ein altes Volk, ein Volk, dessen Sprache du nicht kennest, das du nicht verstehst, was es spricht. Wie man vergeblich zu einem Tauben redet, weil er nicht hört, so auch zu einem, der die Sprache nicht versteht. Kein Flehen kann jenes Volk erweichen, kein Erbarmen sein Herz berühren. - Seine Köcher sind wie ein offenes Grab, Bereit, alle zu verschlingen. - aus Helden besteht es allzumal. Aufzehren wird es deine Saaten und dein Brot, verschlingen Töten. - deine Söhne und deine Töchter, aufzehren deine Schafe und deine Rinder, aufzehren deine Weinberge und deine Feigenbäume und deine festen Städte, auf welche du dich verlässest, mit dem Schwerte verwüsten. Vergl. [5Mos 28,32ff]. - Doch auch in jenen Tagen, spricht der Herr, werde ich euch nicht vollends der Vertilgung anheimfallen lassen. Gemäß der Verheißung [5Mos 30,2ff]. - Und wenn ihr dann sagt: Sie wähnen sich unschuldig und können sich nicht genug verwundern, dass ihr Gott ihnen solches zusendet, der falschen Zuversicht gemäß, welche der Prophet [Jer 7,4] eingehender rügt. - Warum hat der Herr, unser Gott, uns alles dies getan? so sprich zu ihnen: Der Sünde entspricht die Strafe. - So wie ihr mich verlassen und einem fremden Gott in euerm Lande gedient habt, so sollt ihr in einem Lande, das nicht euer ist, Fremden dienstbar sein. Verkündet dies dem Hause Jakob, machet es kund in Juda und sprechet: Höre, törichtes Volk, das ohne Verstand ist, die ihr Augen habt und nicht seht, Ohren und nicht hört! Sie haben alles, was ihnen die Erkenntnis des wahren Gottes vermitteln kann: Das Gesicht, um aus den erschaffenen Dingen und aus den Schicksalen und Einrichtungen ihres Volkes den wahren Gott zu erkennen, ein Herz, aus den Mahnungen und Belehrungen der Gesandten Gottes ihre Kenntnis zu vertiefen. - Mich also wollt ihr nicht fürchten, spricht der Herr, nicht Leid tragen Hebr.: Beben. - vor mir? Der ich dem Meere den Sand zur Grenze gesetzt, zur ewigen Schranke, welche es nicht überschreiten darf; denn ob auch seine Fluten dagegen andrängen, vermögen sie doch nichts, und ob seine Wogen auch toben, können sie es doch nicht überschreiten. Das gewaltig brausende Meer hält Gott durch bloßen Sand in Schranken, welches Wunder der Allmacht des Herrn! - Doch dieses Volk hat ein ungläubiges Hebr.: Widerspenstiges. - und aufrührerisches Herz, sie haben sich abgewendet und mich verlassen und sprachen nicht in ihrem Herzen: Wenigstens des Nutzens halber sollten sie Gott verehren. - Lasset uns den Herrn, unsern Gott, fürchten, der uns den Frühregen und Spätregen gibt zu seiner Zeit und uns die Fülle der jährlichen Ernte sichert. Der Frühregen ist zur Bestellung, der Spätregen zur Ernte notwendig. Hebr.: Die festbestimmten Wochen der Ernte wird er uns einhalten. Gemeint sind die Wochen zwischen Osterfest und Pfingsten, während welcher nach dem Gesetze die Ernte vor sich gehen sollte. Was aber war dazu notwendiger als dass Gott selbst diese Termine einhielt? - Eure Frevel haben dies weggewendet Eure Verschuldungen haben die Ordnung Gottes ins Wanken gebracht. In letzter Zeit war die Ernte durch das Ausbleiben von Regen mehrfach verspätet und stark beeinträchtigt. - und eure Sünden haben euch das Gute ferngehalten. Denn es finden sich in meinem Volke Gottlose, die wie Vogelsteller auf der Lauer liegen, die Schlingen und Fallen legen, um Menschen zu fangen. Wie die Vogelsteller ihre Fallen aufstellen, so fangen sie Menschen wie rechtlose Vögel. - Wie ein Fanggarn mit Vögeln angefüllt ist, so sind ihre Häuser mit Erlistetem erfüllt; Das Bild lehnt sich an V. 26 an, ist aber ein neues. Ihre Häuser sind wie ein Vogelkäfig, voller Güter, die sie mit Trug erworben haben. - daher sind sie groß und reich geworden, dick und fett, und übertreten meine Gebote auf das ärgste. Die Rechtssache der Witwe entscheiden sie nicht, die Sache der Waisen ordnen sie nicht und verhelfen den Armen nicht zum Rechte. Hebr.: Recht schaffen sie nie, das Recht der Waisen, dass sie glücklich seien, und die Sache der Armen schlichten sie nicht. Und doch ist Schutz der Armen und Waisen Bedingung des Glückes und der Wohlfahrt. - Sollte ich solches nicht ahnden, spricht der Herr, oder sollte an einem Volke wie dieses meine Seele nicht Rache nehmen? Da sie so boshaft mich verachten (V. 22), von mir abgefallen sind und widerspenstig sind gegen mich (V. 23) mit List und Trug (V. 26, V. 27), durch Hochmut und Anmaßung und durch Verachtung jeglichen Rechtes (V. 28) alles Maß überschritten haben. Die von Gott gesetzten Schranken, welche selbst das Meer anerkennt, achten sie nicht. - Entsetzliches und Schreckliches ist im Lande geschehen: Kurzes Schlusswort der ganzen Rede. - Die Propheten weissagen Lügen und die Priester klatschen dazu in die Hände und mein Volk liebt es so. Das Volk wendet sich von den Propheten ab, welche Gott sendet und schenkt den falschen Propheten Glauben, welche ihm Gutes verheißen und seine Laster nicht rügen. Die Priester stehen mit den falschen Propheten im Bunde. So freut man sich daran, sich gegenseitig zu täuschen. Vergl. [Mic 2,11]. Was wird denn mit ihm am Ende geschehen?

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