Jeremias 7

4. Vierte Rede. (7,1 – 8,22) A. Das Vertrauen auf das Tempelgebäude ist eitel. (V. 15) B. Erneuerter Vorwurf wegen des Götzendienstes und der Bosheit Judas. (V. 28) C. Trauer ist zu halten über Untergang und Schmach. [Jer 8,3]

Wort, welches an Jeremias von dem Herrn erging, also lautend: Da Jeremias seine Mahnung öfters ergehen ließ, ist hier wohl von einer solchen unter Josias die Rede. - Tritt in das Tor des Hauses des Herrn In das Tor, welches in den äußeren Vorhof führt. Der Prophet tat es am Sabbat oder wahrscheinlicher noch an einem Feste, wo „ganz Juda“ dort zusammenströmte. - und verkünde daselbst diesen Ausspruch und sage: Höret das Wort des Herrn, ganz Juda, die ihr durch diese Tore eintretet, um den Herrn anzubeten! So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Machet euren Wandel und eure Bestrebungen gut, so will ich bei euch an dieser Stätte wohnen. Hebr. (Nur unter dieser Bedingung) will ich euch wohnen lassen an dieser Stätte. Indes empfiehlt der Text [Mic 3,11] mehr die Fassung der Vulgata. - Setzet euer Vertrauen nicht auf Lügenworte und saget nicht: Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist dies. Diese Räumlichkeiten. Also kann dem Ort nichts Schlimmes widerfahren. Doch wie ist die Verheißung Gottes, sein Bund werde ewig dauern, zu verstehen? Und welches ist der rechte Wandel? Darauf weist der Prophet im Folgenden hin. - Denn wenn ihr euch bemüht, einen guten Wandel zu führen und recht zu handeln, wenn ihr Gerecht übt untereinander. Fremdlinge, Waisen und Witwen nicht bedrückt noch unschuldiges Blut an dieser Stätte vergießt noch fremden Göttern nachwandelt zu euerm eigenen Schaden, Die Pflichten gegen den Nächsten und gegen Gott sind treu zu erfüllen. Fremdling, Witwen und Waisen sind durch das Gesetz besonders in Schutz genommen. [2Mos 22,20ff] u.a. Zum Vergießen unschuldigen Blutes vergl. [5Mos 27,25]. - so will ich bei euch wohnen an dieser Stätte, im Lande, welches ich euern Vätern gegeben, für und für. Sehet, ihr setzt euer Vertrauen auf lügnerische Reden, welche euch nichts nützen werden. Stehlen, Hebr.: Wie? stehlen usw. - morden, die Ehe brechen, falsch schwören, den Baalen opfern, fremden Göttern nachwandeln, die ihr nicht kennt; und darnach kommt ihr und tretet vor mich hin in diesem Hause, über das mein Name angerufen ist, und sprecht: Wir sind gerettet, Wir sind geborgen vor dem wohlverdienten Gerichte. Ein Gang in den Tempel sühnt alles. - weil Die Übersetzung ist nicht richtig; vielmehr und damit ihr alle jene Greuel verübet (zu solchen zurückkehret). - wir alle diese Greuel verübt haben! Ist denn dieses Haus, über welches mein Name angerufen ist, in euern Augen eine Räuberhöhle geworden? Kommt ihr, euch in demselben zu verbergen, wie die Räuber in ihrer Höhle? - Ich, ich bin, ich habe dreingesehen, Hebr.: Auch ich, siehe ich habe dreingesehen. – Ich werde sicher und bestimmt Strafe verhängen. - spricht der Herr. Gehet doch hin zu meiner Stätte nach Silo, woselbst anfangs Hebr. vormals. [Jos 18,1] und [1Sam 1,3; 1Sam 4,3] u.a. Durch die Bundeslade offenbarte sich Gott als Gott des Bundes, deshalb war Silo ebenso heilig wie der Tempel. Gehet nach Silo, überzeugt euch mit eigenen Augen, dass die Heiligkeit des Ortes, vergl. [Rich 18,31; Rich 19,18], nichts vermag. - die Wohnung meines Namens war, und sehet, was ich ihm getan habe um der Bosheit meines Volkes Israel willen. Nun aber, weil ihr alle diese Taten verübt habt, spricht der Herr, und ich zu euch redete vom frühen Morgen Bild eines Menschen, der schon früh aufsteht, seine Angelegenheiten zu besorgen. - an immerfort, ihr aber nicht gehört habt, weil ich euch rief, ihr aber nicht Antwort gabet: so will ich diesem Hause, über welches mein Name angerufen ist und auf das ihr euer Vertrauen setzt, und der Stätte, die ich euch und euern Vätern gegeben, so tun, wie ich Silo getan, und ich werde euch von meinem Angesichte verwerfen, wie ich alle eure Brüder verworfen, die gesamte Nachkommenschaft Ephraims. Das Reich Israel übertraf euer Reich bei weitem an Zahl der Stämme, so schmeichelt euch nicht, dass ihr das auserwählte Volk, das Erbe Gottes seid. Ephraim war der mächtigste Stamm Israels, der lange die Herrschaft innegehabt und in dessen Gebiet einst das Heiligtum Gottes gewesen. Dennoch ist auch er von Gott verworfen und unter die Heiden zerstreut. - Darum bete nicht für dieses Volk Hebr.: Du aber tritt nur nicht entgegen mit flehender Bitte. Indem Gott den Propheten auffordert, er solle nicht für das Volk bitten, das keine Buße tue, will er verhüten, dass jener nicht zu erlangen scheint, was er fordert. So zeigt der Herr, dass er dem Gebete der Heiligen nichts zu versagen vermag. Vergl. [2Mos 32,10] und [Ps 105,30]. Wie groß muss auch Gottes Zorn über das Volk gewesen sein, da er an anderen Orten selbst einen Fürbitter für dasselbe sucht! [Ez 22,30] - und bringe für sie nicht Lobgesang und flehentliche Bitte vor und tritt mir nicht entgegen, denn ich will dich nicht erhören. Siehst du nicht, was sie in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems tun? Die Kinder lesen Holz und die Väter zünden das Feuer an, die Weiber aber schmoren das Fett, Alle Alter sind dem Götzendienste ergeben, jedes will etwas zu demselben beitragen. Hebr.: Die Weiber kneten Teig. - um der Himmelskönigin Der Astarte, dem Venusstern. - Kuchen zu backen, Mit ihren Sinnbildern. - fremden Göttern Trankopfer zu spenden und mich zum Zorne zu reizen. Indes reizen sie mich denn zum Zorne? spricht der Herr, nicht vielmehr sich selbst zur Schmach ihres Angesichtes? Darum spricht der Herr, Gott, also: Sehet, mein Zorn und mein Grimm sind über diesen Ort angefacht, über Menschen und Vieh, über die Bäume im Felde und über die Früchte des Bodens Wie im A. T. für die Übung der Tugend Fruchtbarkeit der Familie und der Erde verheißen wird, so werden für die Sünden oft Strafen angedroht wie an dieser Stelle. Gott zürnt zwar seiner Natur nach nicht, indes tun jene alles, ihn zum Zorne zu reizen; so sollen sie also fühlen und empfinden, was sie von ihrer Seite hervorrufen. (Hier.) - und er wird brennen und sich nicht löschen lassen. So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Füget nur eure Brandopfer zu euren Schlachtopfern und esset ihr Fleisch! Damit sie nicht entgegnen, sie bringen Gott Opfer dar und er könne so eifrige Verehrer nicht verwerfen, antwortet Gott ähnlich wie bei [Jes 1,10; Jes 66,3]. Ihr sucht nicht mich bei euern Opfern, sondern lediglich euch selbst. Bringet Opfer dar, soviel ihr wollt, sie sind ja doch nur Fleisch, ein äußerer Ritus, dem das fehlt, was zu bedeuten er eingesetzt ist, ein lügnerisches Zeichen. Was soll Gott Fleisch? Gehorsam und Frömmigkeit waren Bedingung des Bundes. (V. 22) - Denn ich habe zu euren Vätern zur Zeit, da ich sie aus dem Lande Ägypten führte, nichts gesagt noch geboten von Brandopfern und Schlachtopfern; sondern dies habe ich ihnen anbefohlen und gesprochen: Höret auf meine Stimme, so will ich euer Gott sein und ihr sollt mein Volk sein; und wandelt in allem auf dem Wege, den ich euch geboten, auf dass es euch wohl gehe! [2Mos 19,5-8] Mit leeren äußeren toten Zeremonien hofften sie sich Straflosigkeit zu erkaufen. - Sie aber hörten nicht darauf Trotz ihres Versprechens. [2Mos 19,7.8] - und neigten mir ihr Ohr nicht zu, sondern gingen ihren Gelüsten nach in der Verkehrtheit ihres bösen Herzens und sie kehrten mir den Rücken zu und nicht das Angesicht von dem Tage an, da ihre Väter aus dem Lande Ägypten ausgezogen, [2Mos 14,11ff; 2Mos 15,24; 2Mos 16,2ff] u.a. - bis auf diesen Tag. Und ich habe zu euch ohne Unterlass alle meine Diener, die Propheten, vom frühen Morgen beginnend, immerfort gesendet; doch sie hörten nicht auf mich und neigten mir ihr Ohr nicht zu, sondern waren halsstarrig und trieben es ärger als ihre Väter. Wenn du nun zu ihnen alle diese Worte redest, so werden sie doch nicht auf dich hören; und rufest du ihnen zu, so werden sie dir keine Antwort geben. So sprich denn zu ihnen: Dies ist das Volk, welches auf die Stimme des Herrn, seines Gottes, nicht gehört und keine Zucht angenommen hat; die Treue ist geschwunden und von ihrem Munde weggetilgt. Scheere deinen Haarschmuck ab Zum Zeichen der Trauer, aber auch zum Zeichen, dass die Tochter Sion bald eine Gefangene und Sklavin der Chaldäer sein wird. - und wirf ihn von dir und erhebe ein Klagelied über die Höhen hin; Die Stätte deiner Sünden gewesen. - denn der Herr hat das Geschlecht, das seinem Zorne verfallen ist, verworfen und verstoßen. Denn die Kinder Judas haben getan, was in meinen Augen böse ist, spricht der Herr. Zwei Übel werden alsbald genannt. - Sie haben in das Haus, über welches mein Name angerufen ist, ihre Greuel gesetzt, um es zu verunreinigen, Z.B. unter Manasse [2Koe 21,4; 2Chr 33,4-5] Dies haben sie mit vollem Wissen und Willen getan. - und haben die Höhen des Topheth im Tale der Kinder Ennoms errichtet, um ihre Söhne und ihre Töchter im Feuer zu verbrennen, Auch hierin zeichnete Manasses sich aus. Vergl. [2Koe 21,6; 2Chr 33,6]. - was ich nicht geboten habe und was mir nicht in den Sinn gekommen ist. Den Götzen opfern sie das Teuerste, Gottes leichtes Joch weisen sie von sich. - Darum siehe, es sollen Tage kommen, spricht der Herr, da man nicht mehr sagen wird, Topheth Siehe [Jes 30,33]. Der Ort lag im Süden der Stadt. Derselbe Frevel wird ihnen [Jer 19,5] und [Jer 32,35] vorgeworfen. - und Tal des Sohnes Ennoms, sondern Tal des Mordens; und man wird in Topheth begraben, weil sonst kein Raum mehr ist. Hebr.: so dass kein Raum mehr übrig ist – so viele werden dort beerdigt werden, eine so entsetzliche Niederlage wird ihnen von den Feinden beigebracht werden. - Und Ob der Furchtbarkeit dieses Ereignisses wird alles Frühere in Vergessenheit geraten. - die Leichen dieses Volkes werden den Vögeln des Himmels und den Tieren der Erde zum Fraße dienen, ohne dass jemand sie wegscheucht. Der Drohung Moses gemäß [5Mos 28,26]. Dass der Leichnam den Vögeln des Himmels preisgegeben ward, war der höchste Schimpf. Vergl. [1Sam 17,44.46]. - Und ich werde in den Städten Judas und auf den Straßen Jerusalems den Laut der Freude und den Laut des Jubels, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut verstummen lassen, Nicht wird mehr eine Hochzeit gehalten. Kaum ist noch ein armer Bewohner im Lande übrig. Doch damit ist die Rache Gottes noch nicht vollendet, selbst gegen die Toten soll Krieg geführt werden. [Jer 8,1] denn das Land wird zur Wüstenei werden.

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