Jeremias 8

D. Umsonst rühmen sie sich des Gesetzes. (V. 13) E. Unvermeidliches Verderben droht.

Zu jener Zeit, spricht der Herr, wird man die Gebeine der Könige von Juda und die Gebeine seiner Fürsten, die Gebeine der Priester und die Gebeine der Propheten und die Gebeine der Bewohner von Jerusalem aus ihren Gräbern herauswerfen und sie hinstreuen vor der Sonne und dem Monde und dem ganzen Himmelsheere, welche sie geliebt und denen sie gedient, denen sie nachgewandelt sind und die sie aufgesucht und angebetet haben; Die Strafe ist beschämend ebenso für die Götter, welche ihre Verehrer nicht vor dieser Schmach zu bewahren vermochten, wie für ihre Anhänger. Jetzt senden sie nicht mehr Wohlgerüche, sondern Gestank zum Heere des Himmels empor, und Sonne, Mond und Sterne zeigen gleichsam mit ihrem Lichte, wieviel Unreinheit mit elenden Leichnamen innewohnt. Vergl. [Baru 2,24]. - nicht sollen sie wieder aufgesammelt und nicht begraben werden, sondern sollen zu Dünger auf der Oberfläche der Erde werden. Und alle, welche noch übrig bleiben werden Mit dem Lose der Überlebenden verglichen ist das Schicksal der Toten fast selig zu preisen. - von diesem ganz bösen Geschlecht an allen Orten Hebr.: An allen Orten, an welche ich die Übrigbleibenden verstoßen habe. - der Verlassenheit, an die ich sie verstoße, werden lieber sterben wollen als am Leben bleiben, spricht der Herr der Heerscharen. So sprich denn zu ihnen: So spricht der Herr: Wird der, welcher fällt, nicht wieder aufstehen? oder der, welcher sich abwendet, sich nicht wieder umwenden? Hebr.: Wer sich abwendet, mit ewiger Abkehr? – Wer in eine Grube fällt, bemüht sich herauszukommen, und wer vom rechten Wege abgekommen ist, auf denselben zurückzukommen, warum also wollen sie sich abzuwenden suchen? - Warum hat sich denn dies Volk zu Jerusalem abgewendet und verharrt in der Abkehr? Hebr.: abwendig in ewiger Abspenstigkeit. - Sie halten fest an der Lüge Trug. - und wollen nicht umkehren. Ich habe aufgemerkt und gelauscht; niemand redet, Gott hat gleichsam gelauscht, ob jemand auch nur mit leiser und furchtsamer Stimme etwas sagt, doch umsonst. Sie eilen im Gegenteil im ungestümen Laufe allem Bösen nach. - was gut ist, keiner tut Buße über seine Sünde, dass er spräche: Was habe ich getan? Alle wenden sich ihrem Laufe zu, einem Rosse gleich, das ungestüm in den Kampf stürzt. Der Reiher am Himmel kennt seine Zeit, die Turteltaube, die Schwalbe und der Storch Hebr. Auch der Storch am Himmel kennt seine Fristen und Turteltaube, Schwalbe und Kranich halten die Zeit ihrer Ankunft ein. – Die Tiere folgen ihrem natürlichen Instinkte und handeln deshalb ihrer Natur gemäß, doch mein Volk erkennt das ihm gegebene und verkündete Gesetz nicht an. Die vernunftlosen Wesen folgen dem Triebe, die vernunftbegabten weisen Gottes Anregung zurück und verachten sein Gesetz. - halten die Zeit ihres Kommens ein, aber mein Volk kennt das Recht des Herrn nicht. Wie könnt ihr sagen: Sie beobachten das Gesetz nicht und scheinen es fast nicht zu kennen, und dennoch preisen sie dessen Weisheit und rühmen sich, dass sie das Gesetz von Gott erhalten und Gegenstand seiner besonderen Vorsehung geworden sind. - Wir sind weise und haben das Gesetz des Herrn? Sie halten sich für sicher durch den Schutz des Gesetzes, als ob Gott nicht in demselben den Widerspenstigen die schlimmsten Strafen angedroht hätte. So töricht wie ihr Vertrauen auf den Tempel, ebenso verkehrt ist die Zuversicht, die sie auf das Gesetz gründen. - Wahrlich, zur Lüge Sie haben Grundsätze aufgestellt, welche mit dem Gesetze des Herrn nichts gemein haben, und haben dieses verkehrt. (V. 9) Es treten uns hier die ersten Spuren jener menschlichen Überlieferungen entgegen, mit denen Pharisäer und Schriftgelehrte zur Zeit Christi das Gesetz verkehrten. [Mk 7,8-13] Wie die falschen Propheten und Lehrer ihre Lehren schriftlich überlieferten, so war auch das Gesetz Gottes niedergeschrieben. - hat es der Lügengriffel der Schriftgelehrten gemacht. Hebr.: Betrüglich arbeitet der Schriftgriffel der Schriftgelehrten. - Die Weisen werden beschämt, erschreckt und gefangen werden, denn sie haben das Wort des Herrn verworfen und es ist keine Weisheit in ihnen. Darum werde ich ihre Frauen den Fremden geben und ihre Äcker andern nach ihnen, denn vom Geringsten bis zum Größten sind alle der Habsucht ergeben, vom Propheten bis zum Priester üben alle Lüge. Sie wollten den Schaden der Tochter meines Volkes schandvoll heilen, indem sie sprachen: Friede, Friede! wo doch kein Friede war. Sie wurden zuschanden, weil sie Greuel verübt, doch sie wurden nicht schamrot, vielmehr verstanden sie nicht sich zu schämen; darum werden sie unter den Fallenden fallen und zur Zeit ihrer Heimsuchung werden sie zu Boden stürzen, Wohl damit niemand dem Untergange entrinne. - spricht der Herr. Alle will ich zusammen wegraffen, spricht der Herr, keine Traube soll an dem Weinstocke und keine Feige an dem Feigenbaume bleiben, ja, auch die Blätter sollen abfallen Ein doppelter Grund: Weil die Pflanzung Gottes, sein Feigenbaum und Weinstock, nicht nur keine Frucht trägt, sondern selbst die Blätter abfallen (schlimmer als bei dem Feigenbaum [Mt 21,19]), also unnütz den Platz einnimmt, soll sie verworfen werden, weil sie den Herrn verworfen hat. - und ich gebe ihnen, was eingedrungen ist. Hebr.: Ich sende ihnen solche, die über sie kommen. - Warum sitzen wir denn noch still? Geschrei der Verzweifelnden: Warten wir nicht erst die Ankunft der Feinde ab, fliehen wir in die festen Städte. Vergl. [Jer 4,5]. - Sammelt euch und lasset uns in die feste Stadt ziehen und dort in Stille weilen! Hebr.: Dort untergehen. - Denn der Herr, unser Gott, hat uns verstummen lassen und hat uns Gallentrank zu trinken gegeben, weil wir wider den Herrn gesündigt haben. Wir hofften auf Frieden Getäuscht durch die Verheißungen der falschen Propheten. - und es kam nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung und siehe, Schrecken kam. Von Dan her Vom Norden her. - wird das Schnauben seiner Des Feindes. - Rosse vernommen, von dem lauten Wiehern seiner Streitrosse erbebt das ganze Land; sie kommen und verschlingen das Land und dessen Fülle, die Stadt und ihre Bewohner. Es gibt kein Mittel, den Angriff und die Wut der Feinde abzuwenden. - Denn siehe, ich werde Schlangen, Basilisken unter euch senden, gegen welche es keine Beschwörung gibt, Wie der Basilisk, eine spannenlange Schlange, sich nicht beschwören lässt, so sind die Feinde unversöhnlich. - und diese werden euch beißen, spricht der Herr. Von Dan kommt dieses Verderben, weil dieser Stamm zur Abgötterei der Kälber verführte. (Ephr.) - Ein Schmerz kommt mir über den andern, Hebr.: O hätte ich Linderung für meinen Schmerz! – Worte des Propheten. (Ephr., Thom.) - mein Herz trauert in mir! Siehe, laut ertönt das Klagegeschrei der Tochter meines Volkes aus fernem Lande: „Ist denn der Herr nicht in Sion oder ist sein König nicht in ihm?“ Schon sieht der Prophet das Volk in der Verbannung, von Gott verworfen und den Feinden überliefert, als ob Jahve nicht sein König wäre und nie einen Sitz und Thron auf Sion errichtet hätte. Wie konnte solches dem auserwählten Volke Gottes zustoßen fragt es selbst. Vergl. [Jer 7,4]. - Warum haben sie mich denn durch ihre geschnitzten Bilder und durch fremde Nichtigkeiten zum Zorne gereizt? Gott weist ihre Verwunderung zurück und zeigt die Grundlosigkeit ihrer Klage. - Vorüber ist die Ernte, zu Ende ist der Sommer und uns ist keine Hilfe geworden! Zweite Klage des Volkes aus dem Lande der Wegführung. Die Ernte ist die Zeit des Getreides, von Ostern an der Sommer, die Zeit der Weinlese; also Frühling und Herbst, das ganze Jahr. Sie warten von Jahr zu Jahr, doch vergeblich, die Verbannung dauert fort. - Tief bin ich betrübt über das große Elend der Tochter meines Volkes, Der Prophet wird über das Schicksal seines Volkes von Schmerz ergriffen. Hebr.: Um des Bruches der Tochter meines Volkes willen bin ich gebrochen. - ich gehe voll Trauer einher, Entsetzen hat mich ergriffen. Ist denn kein Balsam mehr in Galaad? Sprichwort. Als Ort ist statt Galaad hier Sion einzusetzen. - oder ist kein Arzt mehr dort? Warum ward die Wunde der Tochter meines Volkes nicht verbunden? Gott hat nichts unterlassen, Sion zu heilen, er gab Heilmittel und sandte solche, welche dieselben anwenden sollten, doch die Judäer verschlossen ihr Ohr der Predigt. (Ephr.) Die Worte beziehen sich auf die Zeit und die Stadt des Exils, welches das Volk nicht hat abwenden wollen. (V. 19) Wer gibt meinem Haupte Wasser und meinen Augen eine Tränenquelle? Hebr.: Dass doch mein Haupt Wasser wäre und meine Augen ein Brunnquell von Tränen! – dass ich gleichsam in Tränen zerflöße. Doch indem er den Blick auf die Ursachen des Unglücks wendet, geht er auf einen andern Affekt über. - so wollte ich Tag und Nacht die Erschlagenen der Tochter meines Volkes beweinen!

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