Jeremias 9

O hätte ich in der Wüste eine Herberge, wie die der Wanderer, so wollte ich mein Volk verlassen und von ihnen hinweggehen! Lieber will ich in der Wüste wohnen als die Frevel des Volkes schauen, lieber fliehen von meinem Volke, um auch seine Greuel aus meinen Augen zu rücken. - Denn alle sind Ehebrecher, Siehe [Jer 5,7.8]. - eine Rotte von Treulosen. Diesen zweiten Vorwurf führt der Prophet im Folgenden weiter aus. - Sie spannen ihre Zunge wie einen Bogen, um Lüge und nicht Wahrheit zu entsenden; sie haben Macht erlangt im Lande, Hebr.: Sie spannen ihre Zunge, Lüge (mit Verleumdungen und Lügen durchbohren sie andere wie mit Pfeilen) und nicht ehrlicherweise brauchen sie ihre Macht im Lande. - denn sie schreiten von einer Bosheit zur anderen, mich aber achten sie nicht, spricht der Herr. Ein jeder hüte sich vor seinem Nächsten und traue keinem seiner Brüder, denn jeder Bruder übt Hinterlist Hebr.: ist ein rechter Fersensteller. (Jakob.) Der Wortklang erinnert an den Stammvater. [1Mos 27,36] - und jeder Freund geht mit Betrug um. Ein jeder spottet seines Nächsten und Wahrheit reden sie nicht, Lüge reden lehren sie ihre Zunge und mühen sich ab, Unrecht zu begehen. Du weilst mitten unter Trug; Von neuem bezeichnet Gott die Vernachlässigung der Verehrung Gottes als Ursache der Übel. Die Anrede ist an Jeremias gerichtet. - aus Arglist wollen sie mich nicht kennen, spricht der Herr. Darum spricht der Herr der Heerscharen also: Siehe, ich will sie schmelzen und prüfen, Vergl. [Jes 1,25] und [Jer 6,25]. Dies Feuer sind alle Heimsuchungen, welche über sie kommen. - denn was soll ich anderes tun an der Tochter meines Volkes? Verwundende Hebr.: Tödliche. - Pfeile sind ihre Zungen, die Trug reden; mit ihrem Munde reden sie friedlich zu ihrem Nächsten, im geheimen Hebr.: In ihrem Herzen. - aber stellen sie ihm nach. Sollte ich solches nicht ahnden, spricht der Herr, und sollte meine Seele an einem solchen Volke nicht Rache nehmen? Über die Berge will ich Weinen und Wehklage erheben und über die Auen der Wüste Des Weidelandes. - Klagelieder anstimmen, denn sie sind vom Feuer verzehrt; Hebr.: so dass niemand mehr vorübergeht. - niemand wandelt mehr über sie dahin und das Blöken der Herde hört man nicht; Zweites Anzeichen der Verödung. - alles ist weggezogen und fortgegangen, von den Vögeln des Himmels bis zum Vieh. Und ich werde Jerusalem zu einem Schutthaufen und zur Wohnung der Drachen Schakale. - machen und werde die Städte Judas in eine Wüste verwandeln, in der niemand wohnt. Wer ist der weise Mann, Zu der einen Trauer kommt weiterer Grund zur Betrübnis. Das Volk will die Ursachen seines Unglückes so wenig einsehen, dass der Prophet den weise nennt, der diese fasst und einzugestehen wagt, anstatt wie die anderen in der Menge der Feinde und in zufälligen Umständen die letzte Ursache zu suchen. Wie gefährlich es war, von dem bevorstehenden Untergange zu reden, musste Jeremias selbst erfahren [Jer 26,18]. - der dies einsieht und zu dem das Wort aus dem Munde des Herrn gelangen soll, dass er es verkünde, warum das Land zugrunde gegangen und ausgebrannt ist, wie die Wüste, so dass niemand es durchzieht? Und der Herr sprach: Weil sie mein Gesetz, das ich ihnen gegeben, Hebr.: vor Augen gestellt – so dass sie sich mit der Unkenntnis desselben nicht entschuldigen können. Gott ruft ihnen das feierliche Versprechen [2Mos 19,5-8] ins Gedächtnis, das sie so schmachvoll verletzt haben. Der Gipfel ihrer Abkehr von Gott ist der Götzendienst, den sie von Geschlecht zu Geschlecht übten. - verlassen und nicht auf meine Stimme gehört haben und nicht darnach gewandelt sind, sondern ihres Herzens Bosheit und den Baalen nachgewandelt sind, wie sie es von ihren Vätern gelernt haben, darum spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels, also: Siehe, ich werde dies Volk mit Wermut speisen und ihnen Gallentrank zu trinken geben. Wermut ist symbolische Bezeichnung von bitterem Herzeleid. - Und ich werde sie unter Völker zerstreuen, welche sie und ihre Väter nicht gekannt haben, und werde das Schwert hinter ihnen hersenden, bis sie vertilgt sind. Immerhin gelten auch diese Drohungen bedingungsweise; siehe [Jer 18,8]. Wenn von einer großen Zahl fast niemand übrig ist, wird im Sprachgebrauch der Heiligen Schrift gesagt: niemand ist übrig. - So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Merket auf und berufet die Klageweiber, Was ich verkünden will, ist der Trauerklage kundiger Klagefrauen würdig. - dass sie herbeikommen, und sendet nach den weisen Frauen, dass sie hereilen; dass sie eilends kommen und über uns Das ganze Volk. - Wehklagen anstimmen; dass unsere Augen Tränen vergießen und unsere Wimpern von Wasser fließen. Denn lautes Wehklagen lässt sich von Sion her vernehmen: Wie sind wir verwüstet und gar sehr mit Schmach bedeckt, denn wir haben das Land verlassen müssen und unsere Wohnungen sind niedergeworfen! Höret also, ihr Frauen! Das Unglück ist so groß, dass sie es nicht selbst genügend beweinen können, sondern recht viele Klageweiber berufen müssen. Doch auch damit nicht genug, sondern von Geschlecht zu Geschlecht soll die Klage fortgepflanzt werden, das Echo der Klage soll durch viele Geschlechter gehört werden. - das Wort des Herrn und euer Ohr vernehme das Wort seines Mundes, lehret eure Töchter Klagelieder und eine lehre die andere Trauergesang! Denn der Tod Vergl. [Joe 2,9]. - ist durch unsere Fenster Da, wo wir es am wenigsten erwarteten, ist der Feind eingedrungen. - emporgestiegen, in unsere Häuser eingedrungen, die Kinder von der Straße wegzuraffen, die Jünglinge von den Plätzen. Drinnen und draußen wütet der Tod, niemand kann ihm entgehen. - Sage: So spricht der Herr: Leichen der Menschen werden wie der Dünger auf dem Felde liegen Eine so schnelle Ernte wird der Tod halten. - und wie Gras hinter dem, der es mäht, ohne dass jemand es aufsammelt. Die Schmach des Todes wird gemehrt durch die Versagung des Begräbnisses. - Also spricht der Herr: Wenn alle menschliche Größe zusammenbricht, zeigt es sich umso deutlicher, dass nur im Herrn Heil und Ruhm ist. Das Folgende ist gleichsam die Grabschrift auf den Trümmern des Reiches und den Leichen der Besiegten. Drei Arten von Gütern kann der Mensch besitzen, Güter der Seele, wie die Weisheit, die Führerin und das Licht aller anderen; Güter des Leibes, Stärke: endlich aus den erschaffenen Dingen erworbene Güter, Reichtum. Aller dieser darf der Mensch sich nicht rühmen, denn der Leichnam des auserwählten Volkes, das Gott mit jenen Gütern ausgestattet, liegt wie Dünger weithin zerstreut, wie ist die Weisheit, deren sie sich [Jer 8,8] gerühmt, dahin geschwunden? Nichts ist auf Erden fest, nichts beständig, nichts würdig, dass man sich dessen rühme, als Gott kennen. Was dies besonders ist, wird im V. 24 weiter erklärt. - Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit und der Starke rühme sich nicht seiner Stärke und der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums; sondern dessen rühme sich, wer sich rühmt, dass er Einsicht hat und mich kennt, dass ich der Herr bin, der Erbarmen, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übt; denn daran An dem, was nach der Richtschnur der Wahrheit und des Rechtes geschieht. Nur Taten, die dieser entsprechen, bringen Glück und Ruhm; nicht andere menschliche Mittel. Dies werden sie durch ihr Unglück selbst erkennen, wenn sie nicht rechtzeitig umkehren. Vergl. [Jes 2,11-17]. - habe ich Wohlgefallen, spricht der Herr. Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, wo ich alle heimsuchen werde, deren Vorhaut beschnitten ist, Das Hebräische ist entweder zu übersetzen: An alle Beschneidung in Unbeschnittenheit. Dies scheint indes zu künstlich. Mit Änderung eines Buchstabens ist also vielleicht zu erklären: Aber voller Beschneidung und Unbeschnittenheit. - Ägypten, Juda, Edom, die Kinder Ammons, Moab und alle, deren Haar gestutzt ist, Mit gestutzter Schläfe. Gemeint sind die Kedarener. - die Bewohner der Wüste; denn alle Völker haben die Vorhaut, das ganze Haus Israel aber ist unbeschnittenen Herzens. Heiden und Israeliten sind unrein vor Gott und ihm ungehorsam, deshalb wird Gottes Strafe über alle kommen.

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