2. Korintherbrief 12

c. Rühmen des Apostels über die ihm von Gott verliehenen Gaben. (V. 1 – 10) Über die Visionen darf er sich mit Recht rühmen (V. 5), doch rühmt er sich lieber seiner Schwachheiten. (V. 10) 3. Schluss des polemischen Teiles (12,11 – 13,10) a. Da die Korinthe geschwiegen, hat der heil. Paulus sich selbst empfehlen müssen. (V. 11 – 18) b. Das Ziel dieser Verteidigung war die Erbauung und Besserung der Korinther. (12,19 – 13,10) Die Korinther erkennt er nicht als seine Richter an.

Wenn ich mich rühmen muss (es frommt zwar nicht), so will ich auf die Gesichte und Offenbarungen des Herrn kommen. Der Anfang ist ähnlich wie [2Kor 11,1ff]. Die falschen Apostel hatten die von dem Apostel im vorhergehenden Briefe [1Kor 9,1, 1Kor 15,8] zum Beweis seiner Apostelwürde angeführte Erscheinung in Zweifel gezogen und für erdichtet ausgegeben. So muss denn Paulus noch weiter von seinen Gesichten und Offenbarungen sprechen, indes führt er nur eine ausführlicher an. - Ich kenne einen Menschen in Christus, der vor vierzehn Jahren Die Zeitangabe unterstützt die Glaubenswürdigkeit der Erzählung. Wenn der Brief im Jahre 58 geschrieben, fällt die Vision in das Jahr 44, dasselbe, in dem er mit Barnabas von den Antiochienern nach Jerusalem gesandt wurde, um Almosen zu überbringen. [Apg 11,27ff] Ob dies das Gesicht ist, dessen Paulus vor den Juden Erwähnung tut [Apg 22,17ff], lässt sich nicht bestimmen. - - ob in dem Leibe, ich weiß es nicht, ob außer dem Leibe, ich weiß es nicht, Gott weiß es, Paulus weiß nicht, ob er durch Beschauung oder seiner Seele nach in den Himmel entrückt war; nach anderen, ob er nur der Seele oder auch dem Leibe nach entrückt ward. - - entrückt wurde, bis in den dritten Himmel; Dieser Ausdruck deutet etwas Erhabenes an, wenngleich man nicht bestimmt sagen kann, was. Es wird in der Heiligen Schrift sonst ein dreifacher Himmel erwähnt: die niedere Luftregion, der Sternenhimmel und der Aufenthalt der Gerechten und Engel bei Gott. Nach einigen (Joh. Damasc., Thom.) ward Paulus durch die materiellen Himmel bis vor Gott entrückt, nach anderen sind gleichsam drei Stufen der Seligkeit zu unterscheiden. Nach Aug. und Thom. sah Paulus Gott in seiner Wesenheit, andere bestreiten dies. - und ich weiß, dass dieser Mensch, - ob in dem Leibe, oder außer dem Leibe, ich weiß es nicht, Gott weiß es - in das Paradies entrückt ward, und geheimnisvolle Worte hörte, die ein Mensch nicht aussprechen darf. Zur höchsten Erkenntnis, deren sich diejenigen erfreuen, welche mit Gott selbst im Himmel sind (V. 2), erhoben ward Paulus zugleich zur höchsten Seligkeit entrückt. (Aug., Ambr., Thom.) In einem inneren neuen Zustande der Seele erfasste der Apostel Wahrheiten, deren Offenbarung Gott sich vorbehält. - Von einem solchen will ich rühmen, von mir aber will ich nichts rühmen, außer meine Schwachheiten. In dieser Entrückung hatte Paulus selbst nichts getan, deshalb spricht er von sich in der dritten Person. Von dieser, welche ohne alles Verdienst die höchsten Gnaden Gottes empfangen hat, unterscheidet er eine andere, welche täglichen Schwachheiten unterliegt, aber trotz derselben sich als Werkzeug in Gottes Hand erweist. - Denn wenn ich mich auch rühmen wollte, so werde ich nicht töricht sein, denn ich werde die Wahrheit sagen; ich enthalte mich aber dessen, damit niemand mehr von mir halte, als er an mir sieht, oder von mir hört. Aus seinen Handlungen, welche alle bekannt sind, und seinen Worten, welche von allen gehört werden, will er beurteilt werden; denn er ist sicher, dass die Gläubigen, deren Gemüter nicht mit Vorurteilen erfüllt sind, alsdann ein gerechtes Urteil über ihn fällen werden, so dass kein Grund da ist, sein eigenes Lob zu verkünden. - Und damit ich mich nicht wegen der Größe der Offenbarungen überhebe, wurde mir ein Stachel in mein Fleisch gegeben, ein Engel des Satans, dass er mich mit Fäusten schlage. Die schwere Heimsuchung erinnert ihn, dass er noch im sterblichen Leibe weilt, wenngleich er in den dritten Himmel verzückt war. Welcher Art diese Heimsuchung war, war den Korinthern bekannt, uns indes ist dies unbekannt. Diese Heimsuchung rührt zunächst von dem bösen Geiste her, indes lässt Gott dieselbe eines höheren Zweckes halber zu (Aug.). Es muss ein großer Schmerz gewesen sein, zumal er beständig war, also wahrscheinlich eine Krankheit (Basil., Greg. v. Naz., Theoph., Hier., Aug., Thom.), über deren Art indes nichts feststeht. Andere Erklärer denken an Versuchungen. - Um dessentwillen Wegen dieses Engels des Satans. - habe ich dreimal den Herrn gebeten, dass jener von mir weichen möge; Der Engel des Satans. - er aber Der Herr, der ihm entweder sichtbar erschien, oder im Herzen zu ihm redete. Gott erhörte ihn auf vollkommene Weise, indem er ihm die Hilfe seiner Gnade versprach, die ihm Sieg und höheres Verdienst verschaffen sollte. Gott gibt oft den Betenden nicht das, was sie wollen, sondern das, was sie lieber wollen (Thom.). - sprach zu mir: Es genügt dir meine Gnade; denn die Kraft kommt in der Schwachheit zur Vollendung. Gerne will ich mich darum meiner Schwachheiten rühmen, damit in mir die Kraft Christi wohne. Grund: Weil die Kraft Christi in mir gleichsam Wohnung nehmen will. - Darum habe ich Wohlgefallen an meinen Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Bedrängnissen um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. Ich bin ein Tor geworden, ihr habt mich dazu gezwungen; Nämlich: mich zu empfehlen. Der Ausruf ist entweder ironisch, oder im Sinne der Gegner gemeint. - denn ich hätte von euch sollen empfohlen werden, da ich in nichts denen nachgestanden bin, welche die ausgezeichnetsten Apostel sind, wenn ich auch nichts bin. Ich war nichts weniger zu jener Zeit, als ich bei euch war, als die falschen Apostel. Indem Paulus hinzufügt, dass er nichts sei, demütigt er seine Gegner, welche sich als die hervorragendsten Apostel hinstellten. - Sind doch die Erweise meines Apostelamtes Meines echten und wahren Apostelamtes. - unter euch erbracht durch alle Geduld, Die apostolische Geduld ist jene Tugend der Seele, welche ihr die Stärke verleiht, nicht einmal in den größten Unglücksfällen vom Wege der Gebote Gottes abzuweichen. - durch Zeichen und Wunder und Kraft. Die drei Namen bezeichnen die gleichen außergewöhnlichen Werke mit verschiedenen Namen nach ihren verschiedenen Beziehungen. Zeichen erwerben den Gottgesandten Autorität und beglaubigen die Offenbarung, Wunder sind Dinge, welche die Kräfte der Natur überragen und die Aufmerksamkeit und Bewunderung der Menschen erregen, Kräfte offenbaren eine außergewöhnliche, göttliche Macht. Der erste Name bezeichnet also das Ziel, der zweite die Natur, der dritte die Ursache der Wunder. - Denn was ist es, worin ihr verkürzt worden wäret gegen die übrigen Gemeinden, außer dass ich euch nicht zur Last fiel? Diese Worte enthalten eine Anspielung auf die Verleumdung der falschen Apostel, als ob er von den Korinthern wegen seiner geringeren Liebe zu ihnen nicht den Unterhalt habe annehmen wollen, und ironisch nennt er diese Fürsorge, den Korinthern nicht zur Last zu fallen, ein Unrecht. - Verzeihet mir dieses Unrecht! Sehet, zum dritten Male bin ich jetzt bereit, zu euch zu kommen, und ich werde euch nicht zur Last fallen; Glaubet nicht, dass ich deshalb, weil ich von euch nichts annehme, nicht zu euch kommen werde, bin ich doch das zweite Mal gekommen; nein, ich bin auch jetzt bereit, zum dritten Male zu kommen, ohne euch zur Last zu fallen (Chrys.). Liebe ich euch deshalb weniger? - denn ich suche nicht das Eurige, sondern euch. Nicht die Kinder sollen ja für die Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern für die Kinder. Ich suche nicht eure zeitlichen Güter, sondern eure Seelen. Kinder müssen den Eltern in ihren Nöten zu Hilfe kommen, nicht für sie Schätze sammeln. Schätze sammelt man für die Zukunft; nun pflegen aber die Kinder den Eltern zu folgen, nicht umgekehrt, also gehört das Sammeln den Eltern zu (Thom.). - Überaus gern will ich alles aufopfern, ja mich selbst will ich opfern für eure Seelen, obgleich ich, je mehr ich euch liebe, um so weniger geliebt werde. Doch dem sei so, ich bin euch nicht zur Last gefallen; allein da ich verschlagen sei, habe ich euch mit List gefangen. Die Worte sind gleichsam dem Munde der Gegner entnommen. - Habe ich etwa durch einen von denen, die Der Apostel hatte also mehrere Personen gesendet, unter ihnen Timotheus [1Kor 16,10] und Titus. - ich zu euch gesandt habe, euch überlistet? Ich habe den Titus gebeten und mit ihm den Bruder gesendet. Hat euch etwa Titus überlistet? Sind wir nicht in demselben Geiste gewandelt? nicht in denselben Fußstapfen? Ihr meint wohl lange schon, dass wir uns bei euch entschuldigen? Vor Gott in Christus reden wir; alles aber, Geliebte! geschieht um eurer Erbauung willen. Gott allein erkennen wir als Richter an, in Christus reden wir als seine Glieder und Diener, alles aber soll zu eurer Erbauung dienen. - Denn ich fürchte, Wenn Gott allein sein Richter ist, wozu hat Paulus also sich vor den Korinthern gerechtfertigt? Er wollte dieselben bewegen, alle Überbleibsel der Sünden zu beseitigen. - dass ich, wenn ich komme, euch etwa nicht so finde, wie ich euch wünsche, und dass ihr mich so findet, wie ihr nicht wünscht; Der Apostel wünscht, sie frei zu finden von dem im ersten Briefe gerügten Fehlern; die Korinther möchten ihn nicht als strengen Richter haben. - es möchten etwa Streitigkeiten, Eifersüchteleien, Erzürnungen, Entzweiungen, Verleumdungen, Ohrenbläsereien, Aufgeblasenheit, Auflehnungen unter euch sein; Gott möchte mich wiederum, wenn ich komme, bei euch demütigen, und ich viele betrauern müssen von denen, welche vorher gesündigt und nicht Buße getan haben wegen der Unlauterkeit, Unzucht und Geilheit, die sie getrieben haben. Sich selbst keiner Sünde bewusst, betrübt sich der Apostel über fremde Sünden, und nennt es eine Demütigung, wenn er erfahren müsste, dass seine Predigt nicht die erhofften Früchte getragen. Im ersten, heute verlorenen Briefe hatte Paulus befohlen, die Gesellschaft derer, welche der Unzucht ergeben waren, zu meiden [1Kor 5,9ff], im zweiten hatte er mit Strenge eingeschärft, diese Sünde zu fliehen, damit er nicht viele strafen müsse. [1Kor 6,12ff] Die Unlauterkeit umfasst alle Sünden gegen das sechste Gebot, die Unzucht, die bei den Korinthern häufigere Art derselben, die Geilheit, zügellose Begierden und schwere Sünden.

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