2. Korintherbrief 3

2. Verteidigung des heil. Paulus gegen die Anschuldigung des Hochmutes (3,1 – 4,6) a. Der Anschuldigung der Anmaßung stellt der Apostel den Hinweis auf sein Amt entgegen. (V. 6) b. Die Erhabenheit derselben gibt ihm jene Zuversicht, welche seine Gegner Anmaßung nennen. [2Kor 4,6]: wegen der Erhabenheit des Neuen Testamentes gebührt dem Apostel große Herrlichkeit (V. 11), und so ziemt es sich für ihn, mit großer Zuversicht zu reden.

Fangen wir an, uns wiederum selbst zu empfehlen? Oder bedürfen wir etwa (wie einige) Empfehlungsbriefe an euch, oder von euch? Der Apostel widerlegt die stillschweigenden Anklagen seiner Gegner. Er hat weder seinen Ruhm, noch seinen Vorteil gesucht. Muss der Vater seinen Söhnen empfohlen werden oder begehrt er, von seinen Kindern andern empfohlen zu werden? „Einige“: die falschen Lehrer in Korinth. - Unser Brief seid ihr, uns in die Herzen geschrieben, gekannt und gelesen von allen Menschen. Ähnlich [1Kor 9,2ff]. – Dieser Brief ist zwar im Herzen geschrieben, zugleich aber doch allen Christen sichtbar und lesbar. Der Apostel hatte wohl die Tugenden der Korinther in allen Kirchen verkündet und so den Brief allen Kirchen zu lesen gegeben. - Ihr seid offenbar ein Brief Christi, ausgefertigt von uns, und geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geiste des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln des Herzens. Welch ein Brief! Sein Urheber ist Christus, unter dessen Diktat der Apostel und seine Genossen denselben geschrieben. So sind sie denn in erster Linie ein Brief Christi, in zweiter des heil. Paulus, durch dessen Wirksamkeit jener in ihren Herzen Glaube, Hoffnung, Liebe und die übrigen Tugenden geschrieben hat (Thom.). Nicht mit Tinte, sondern mit dem Geiste Gottes; denn um in der Seele die Tugenden zu wecken, gebraucht Christus den Heil. Geist. Zudem werden die Prediger des Evangeliums nicht nur von dem Heil. Geist angetrieben, das, was zu glauben, zu hoffen und zu lieben ist, vorzulegen, sondern sie bringen dem heiligen Geiste, der im innersten Herzen wirkt, auch gleichsam das, was er wirken soll, dar und schreiben somit auch selbst als Helfer des Heiligen Geistes durch den Geist des lebendigen Gottes die Heilslehren den Herzen ein. Wenigstens in dem letzten Gliede des Satzes hat der Apostel den Unterschied der beiden Testamente vor Augen. Das A. T. war auf steinerne Tafeln geschrieben, die gleichsam das Bild der steinernen Herzen der Juden waren, welche weder durch Wohltaten, noch durch Drohungen und Strafen zum Gehorsam gebracht werden konnten. Deshalb hatte Gott verheißen, im N. T. fleischerne Herzen zu geben [Ez 36,26, Ez 11,9], in die er sein Gesetz schreiben könnte. Vergl. [Jer 31,38]. - Ein solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott, Dieses Vertrauen hat Gott als Ziel, aus dessen Kraft ich dies sage, denn er wirkt in mir (Thom.). - nicht als ob wir tüchtig wären, von uns selbst etwas zu denken, als aus uns selbst, sondern unsere Tüchtigkeit ist aus Gott, Beide Verhältniswörter von und aus bezeichnen zwar den Ursprung, mit dem Unterschiede indes, dass von den näheren, aus den weiteren bezeichnet. Von der Gnade Gottes unterstützt kann der heil. Paulus wohl kaum etwas von sich denken, aber die Fähigkeit dazu habe er nicht aus sich selbst als dem letzten Grunde, sondern aus Gott. Indem er sagt „von uns“, nimmt er den freien Willen in Schutz, indem er sagt „als aus uns“ empfiehlt er die göttliche Gnade (Thom.). Der Apostel redet von allem Guten, welches zum Heile des ewigen Lebens dient. (II. Konzil v. Orange, Aug.) - welcher uns auch fähig gemacht hat, Diener des Neuen Bundes, Jenes Bundes, der von Jeremias vorhergesagt [Jer 31,31ff] und durch Jesus mit dem ganzen Menschengeschlechte geschlossen ist [Hebr 9,15], und der an die Stelle des Alten, einst auf dem Berge Sinai mit den Kindern Israels geschlossenen, getreten ist. - nicht dem Buchstaben, sondern dem Geiste nach zu sein; Griech.: nicht des Buchstaben, sondern des Geistes. Mit Rücksicht auf V. 3 erklärt Paulus den verschiedenen Charakter der beiden Testamente, und bald auch die Tugenden, durch welche das Neue den Vorzug hat vor dem Alten, weitläufiger zu erklären. Das alte Gesetz war zwar geistig [Roem 7,14], aber gab den Geist nicht, da Moses nicht diesen, sondern Buchstaben brachte (Chrys.). - denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wohl war das Gesetz heilig [Roem 7,12], aber der durch die Sünde verdorbene Mensch hatte weder in sich selbst die nötige Kraft, um das Gesetz zu erfüllen, noch erhielt er dieselbe von dem Gesetze. Im Gegenteile mehrte das Gesetz durch seine Verbote die böse Lust. - Wenn nun Auf dreifache Weise vergleicht der Apostel die beiden Testamente, um den Vorzug des Neuen zu zeigen: die Offenbarung derselben (V. 7, 8), ihre Wirkung (V. 9, 10), ihre Dauer. (V. 11) - das Amt des todbringenden Buchstabens, das in Steine eingegraben war, eine solche Herrlichkeit hatte, dass die Kinder Israels nicht Moses in das Angesicht schauen konnten, wegen des Glanzes seines Antlitzes, der doch vergänglich war, wie wird nicht viel mehr das Amt des Geistes voll Herrlichkeit sein? Wie das Amt verschieden ist, so die Herrlichkeit: der Glanz auf dem Angesichte des Moses bedurfte fortwährender Erneuerung [2Mos 34,35], und während das Amt des A. T. in Herrlichkeit war, heißt es von dem des Neuen, dass es noch weit mehr ein solches sein wird. - Denn wenn das Amt der Verdammung Herrlichkeit ist, Richtiger: war. - so ist viel mehr das Amt der Gerechtigkeit überreich an Herrlichkeit. Ja, was dort verherrlicht war, ist im Vergleich hierzu nicht verherrlicht, wegen der weit überstrahlenden Herrlichkeit. So groß ist die Herrlichkeit, welche den Dienern des Neuen Bundes vorbehalten ist, dass im Vergleich zu ihr die Herrlichkeit Moses kaum diesen Namen verdient. Sie war eine die Nacht erhellende Leuchte, doch wenn es Mittag ist, verschwindet eine solche und gilt nicht einmal mehr als Licht (Theod.). - Denn wenn das, was vergänglich ist, voll Herrlichkeit ist, so wird noch viel mehr das, was bleibt, Herrlichkeit haben. Das, was gegeben wird, um vorüber zu gehen, ist nichts im Vergleich zu dem, was gegeben wird, um immer zu dauern (Thom.). Nicht allein an die äußere Herrlichkeit, sondern auch an die zukünftige, welche bei der zweiten Ankunft Christi verliehen wird, ist zu denken. - Da wir nun Wie gezeigt ist, als Diener des Evangeliums. - eine solche Hoffnung Auch eine viel größere und ewig dauernde Herrlichkeit. - haben, so handeln wir mit großer Zuversicht, Ohne etwas zu verbergen, sondern offen redend, und fürchten nicht, euren Augen wehe zu tun, wie Moses denen der Juden (Chrys.). Zunächst gilt seine Zuversicht der Empfehlung seiner selbst, sodann seiner gesamten Predigt. - und nicht so wie Moses, der eine Hülle über sein Angesicht legte, damit die Söhne Israels das auf seinem Angesichte nicht schauen möchten, was abgetan wird. Der lateinische Text ist hier sicher verdorben. Nach dem Griechischen und selbst allen lateinischen Vätern muss es heißen: auf das Ziel und Ende dessen usw. Nach der heil. Schrift bedeckte Moses mit einer Hülle sein Angesicht, um mit dem Volke, welches den Glanz desselben nicht ertragen konnte, ungehindert zu reden. Indessen Gott, der den Glanz nicht hinwegnahm, aber Moses befahl, denselben mit einer Decke zu verbergen, hatte eine andere Absicht dabei; diese ist es, welche Paulus hier offenbart: die Kinder Israels sollten das Ziel und Ende dessen, was abgetan wird, noch nicht fest in's Auge fassen und vollkommen erkennen, so verhüllte ihnen Moses, der ihnen die Gebote offenbarte, etwas anders als die Apostel, welche alles offenbaren. Das, was abgetan wird, ist der Alte Bund (Chrys., Theod., Aug.), sein Ziel und zugleich sein Ende ist Christus. - Aber ihr Sinn ist abgestumpft; Der Sinn der jüngeren Juden, denen Christus (im Gegensatze zu ihren Vätern in der Wüste) offen gepredigt wird, ist durch ihre Schuld abgestumpft. - denn bis auf den heutigen Tag bleibt dieselbe Hülle bei der Lesung des Alten Bundes unaufgedeckt, weil sie in Christus abgenommen wird, Die „Hülle“ ist hier sinnbildlich gebraucht, mit Bezug auf die Wirkung. Sie erkennen Christus nicht. Nur der Glaube nimmt die Decke hinweg. - Vielmehr bis auf den heutigen Tag, wenn Moses gelesen wird, liegt die Decke auf ihrem Herzen. Wenn sich aber jemand zu dem Herrn bekehrt, wird die Decke weggenommen werden. Die Worte weisen wohl auf [2Mos 34,34] zurück. - Der Herr ist Geist; Auch diese Worte weisen auf [2Mos 34,34] zurück: der Herr aber ist jener Heil. Geist, von dem ich vorher geredet habe, welcher den Neuen Bund in die Herzen schreibt usw. (V. 6ff). Diese Worte beweisen auch die Gottheit des Heil. Geistes. - wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Im Gegensatze zur Knechtschaft des A. T. - Und wir Wir Christen genießen das Glück bereits alle (Chrys., Thom.). - alle schauen mit enthülltem Angesichte wie in einem Spiegel Im Spiegel des Evangeliums, in welchem die Herrlichkeit des Herrn widerstrahlt. - die Herrlichkeit des Herrn und werden umgewandelt in dasselbe Bild von Klarheit zu Klarheit, Nicht weil wir dies Bild wie einen Spiegel zurückwerfen, sondern weil wir dieses Bild empfangen und bewahren. Täglich wird diese Ähnlichkeit mit Christus größer, zunächst indem wir denken, lieben, suchen, was des Herrn ist, dann auch innerlich durch Gnade und Liebe, denen unsere zukünftige Umwandlung in der Herrlichkeit entspricht. - eben wie von dem Geiste des Herrn. Der Erfolg entspricht der Ursache und solchem Urheber die Größe des Erfolges.

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