1. Im Eingange eröffnet der Apostel, warum er jene Kirche und ihre Glieder liebe: weil sie die Wahrheit angenommen haben und in ihr beharren. (V. 3) 2. Er spricht seine Freude darüber aus, dass viele Glieder der Kirche in der Wahrheit wandeln, und ruft ihnen das neue Gebot der Liebe in's Gedächtnis zurück. (V. 6) 3. Da Verführer aufgetreten sind, welche die Menschwerdung des Wortes leugnen, mahnt der heil. Johannes die Gläubigen, sich vor jenen zu hüten, damit sie nicht, indem sie ihnen folgen, des ewigen Lohnes verlustig gehen (V. 8), und befiehlt den Christen, sich von dem Umgange mit jenen fernzuhalten, um nicht an ihren bösen Werken Teil zu haben. (V. 11) 4. Er schreibt nur so kurz, weil er die Gemeinde selbst bald besuchen wird. Grüße von der Gemeinde, bei der er selbst weilt.
1Der ÄltesteWelche Bedeutung dieser Titel in Kleinasien im allgemeinen haben mochte, lässt sich aus [1Petr 5,1] schließen; die Individualisierung durch den Artikel aber und der Gebrauch des Gattungsnamens für den Eigennamen zeigt, dass dieser Titel dem Verfasser in ganz besonderer Weise zukam. Auch Irenäus gebraucht diesen Ausdruck für die höchsten Träger der Kirchengewalt, wie Polykarp und den Bischof von Rom. - der Elekta, der Herrin,Der Name der Gemeinde wird nicht beigefügt, doch wird dieselbe als eine von Gott zu seinem Eigentum und zum Gegenstande seiner Liebe erwählte, bezeichnet. Vergl. [1Petr 5,13]. Der Brief hatte wohl neben seiner nächsten Bestimmung eine encyklische. - und ihren Kindern,Die Glieder der Gemeinde, da die Kirche gleichsam das Ehegemahl Christi ist. - welche ichMit Nachdruck: Ich, euer Bischof, im Gegensatze zu anderen, welche sich bemühen, Einfluss auf die Gemeinde zu erlangen, doch nicht aus Liebe, die in Wahrheit Liebe zu heißen vermag. - in WahrheitMit echt christlicher Liebe. Gegensatz V. 7. - liebe, und nicht ich allein, sondern auch alle, welche die Wahrheit erkannt haben,Alle wahren Christen. -2 um der WahrheitDie göttliche Wahrheit, die wir mit allen Christen gemeinsam haben, ist der Mittelpunkt unseres Lebens, und so auch das Motiv unserer Liebe zu den Mitchristen. Das Bleiben der Wahrheit in ihnen wird betont, weil der, in welchem die Wahrheit nicht bleibt, aufhört, ein Christ und Objekt der christlichen Bruderliebe zu sein. - willen, die in uns bleibt und mit uns sein wird in Ewigkeit.3 Gnade seiGriech.: wird sein. Der Apostel spricht eine gewisse Erwartung aus, welche sich auf die vorhergehende Aussage gründet. - mit euch, Erbarmen, Friede von Gott, dem Vater, und von Christus Jesus, dem Sohne des Vaters, in Wahrheit und Liebe!Aufzählung der Heilsgüter, welche mit dem Besitze der Wahrheit verbunden sind, Gnade, Erbarmen und Friede: Die gebende Gnade Gottes, die sich in der Menschwerdung offenbart hat; [Joh 1,14] die Barmherzigkeit, die sich jeder Not, geistlicher wie leiblicher, erbarmt, vergl. [Jak 2,13, Jak 3,17], und der von dem Heilande verheißene Friede. [Joh 14,27] In gleich unmittelbarer Weise werden diese drei Güter von dem Vater und dem Sohne hergeleitet, die sie uns zu Teil werden lassen in der Erkenntnis und in der daraus folgenden Liebe. (V. 1) Der Apostel weist auf den Inhalt des Briefes hin, der zur Liebe ermahnt und vor Irrlehrern warnt. -4 Ich habe mich sehr gefreut, dass ich unter deinen KindernEr kann das gleiche nicht von allen Gliedern der Gemeinde rühmen. Zart verhüllt der Apostel den Tadel, den er auszusprechen hat, in einer bloßen Beschränkung des Lobes. - solche fand, welche in der WahrheitDie Wahrheit entspricht dem, was wir als Gebot vom Vater empfangen haben. Dies umfasst Glauben und Liebe. - wandeln, sowie wir das Gebot vom Vater empfangen haben.5 Und nun bitte ich dich,Wie früher einige der Glieder der Gemeinde ihm Freude gemacht haben, so bittet er jetzt die ganze Gemeinde, ihm durch gleichen Wandel dieselbe Freude zu bereiten. - Herrin! nicht als ob ich dir ein neues Gebot schriebe, sondern das, welches wir von Anfang anSie besitzen dies Gebot von dem Augenblicke an, wo sie Christen geworden sind. - gehabt haben, dass wir einander lieben sollen.Vergl. [1Joh 3,11]. Es waren wohl Verfehlungen gegen die Bruderliebe vorgekommen. -6 Und dies ist die Liebe,Die Liebe zu Gott, wie [1Joh 5,3] die Liebe nach dem V. 4 erwähnten Gebote. Alle Gebote werden, wie [1Joh 3,22ff], in eines zusammengefasst, und zwar so, dass neben der Bruderliebe (V. 5) nur der zweite Hauptpunkt genannt wird, der dem göttlichen Willen in Wahrheit entsprechenden Wandel (V. 4) besteht, den nun die ganze Gemeinde zur Freude des heil. Johannes zeigen soll. - dass wir nach seinen Geboten wandeln. Denn dies ist das Gebot, dass ihr, wieIn der Weise, die der Verkündigung des Glaubens entspricht. - ihr es von Anfang anVom Anfang der Heilsbotschaft an. Vergl. [1Joh 2,34, 1Joh 3,11]. - gehört habt, in demselben wandelt.7 DennDas Wandeln im göttlichen Gebot nach Maßgabe der apostolischen Verkündigung ist als besonderes Gebot, ja als Summe aller Gebote aufgestellt, weil viele Verführer in die Welt ausgegangen sind. - viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, welche nichtNach der griech. Negation scheint der Apostel bestimmte Personen im Auge zu haben. Zu dem Gegenstande der Leugnung vergl. [1Joh 4,2]. - bekennen, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist. Ein solcher ist der Verführer und der Antichrist.In jenen vielen Verführern ist der Antichrist erschienen. [1Joh 2,18] Die Leugnung lässt den Riss zwischen Gott und Menschen bestehen, während die frohe Botschaft die Wiedervereinigung beider proklamiert. -8 Habet Acht auf euch selbst, damit ihr nicht verlieret, was ihr erarbeitet habt,Griech.: was wir erarbeitet haben, der Apostel und seine Mithelfer. Der Lohn der evangelischen Arbeiter besteht nach [Joh 4,36] darin, dass sie denen, an denen sie arbeiten, zum ewigen Leben verhelfen. Die Leser empfangen den vollen Lohn, wenn sie das, was die Apostel gewirkt, nicht zu Grunde gehen lassen. - sondern vollen Lohn empfanget!9 Jeder, der abweichtGriech.: Jeder, der vorangeht: nämlich über die Grenzen der Lehren Christi hinaus. Ironische Anspielung auf das Vorgehen der Irrlehrer, mit ihrer Gnosis über die Lehren Christi hinausgekommen zu sein. Ein wahrer Fortschritt ist nur möglich im Festhalten und auf dem Grunde der Lehre Christi und von Christus, denn die Lehre des Heilandes ist die Offenbarung der ewigen Wahrheit, die ewige Wahrheit aber ist Gott selbst. Einen Christus, wie die Irrlehrer ihn verkündigen, kann Gott nicht offenbaren und hat ihn nicht offenbart. - und nicht in der Lehre Christi bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als den Sohn.Wer in der Lehre bleibt, in der allein Christus als volle Gottesoffenbarung ist, hat in ihm den Vater, der in ihm offenbar wird, und damit auch den Sohn, in dem er offenbar geworden ist. Diese zu rauben, ist die Absicht der Verführer. -10 Wenn jemandEin reisender Lehrer. - zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt,Und die Lehre, welche er bringt, ist nicht diese. - so nehmet ihn nicht in das Haus auf, und bietet ihm keinen Gruß.Gewähret ihm keine gastliche Aufnahme und verkehret nicht mit ihm in vertrauter Weise. Anderenfalls würdet ihr seiner Irrlehre Vorschub leisten und euch fremder Sünde teilhaftig machen. Das allgemeine Gebot der Nächstenliebe wird durch diese Vorschrift des Apostels nicht beeinträchtigt. -11 Denn wer ihm einen Gruß bietet, nimmt teil an seinen bösen Werken.Insofern er ihn als christlichen Bruder anerkennt und sein verführerisches Treiben dadurch unterstützt. -12 Wiewohl ich euch noch vieles zu schreiben hätte, wollte ich es doch nicht durch Papier und Tinte tun; denn ich hoffe, zu euch zu kommen, und von Mund zu Mund zu reden, damit eure Freude vollkommen sei.13 Es grüßen dich die Kinder deiner Schwester Elekta.Die Kinder der Gemeinde, bei der er sich aufhält. Es ist wohl die Gemeinde von Ephesus, welche der Apostel durch das Ehrenwort auszeichnet.