2. Makkabäer 3

B. Geschichte der Verfolgung bis zur Reinigung des Tempels. (3,1 – 10,9) 1. Vorspiel der Verfolgung im letzten Jahre Seleukus IV. (3,1 – 4,6) a. Veranlassung der Verfolgung: die Anzeige der angeblichen Tempelschätze (V. 6), Absendung Heliodors. (V. 10) b. Betrübnis des Volkes wegen der drohenden Gefahr. (V. 9 – 22): Heliodor wird gemahnt, dass er falscher Kunde geglaubt. (V. 12) Da er trotzdem den Befehl des Königs ausführen will, fastet das Volk und fleht zu Gott, er wolle seinen Tempel schützen. C. Gott wendet die Gefahr ab (V. 23 – 34): Heliodor wird von Engeln gegeißelt (V. 26), aber durch das Gebet des Onias am Leben erhalten. (V. 34) d. Der König steht auf Bitten des Onias von seinem Vorhaben ab. (3,35 – 4,6) Heliodor mahnt den König, den Tempel nicht berauben zu wollen.

Als demnach Obgleich der Verfasser [2Mak 2,20.21] erklärt hat, die Taten des Judas Machabäus und seiner Brüder, ihre Kriege gegen Antiochus Epiphanes und Antiochus Eupator darstellen zu wollen, beginnt er diesen Bericht doch erst mit dem 5. Kapitel. In [2Mak 3] und [2Mak 4] verbreitet er sich über Ereignisse aus den letzten Jahren des Seleukus Philopator, des Vorgängers des Antiochus Epiphanes, die gleichsam ein Vorspiel dessen waren, was die beiden genannten Antiochus verübten. - die heilige Stadt in vollkommenem Frieden bewohnt war und die Gesetze, um der Frömmigkeit des Hohenpriesters Onias Onias III., der 196 vor Chr. Hoherpriester ward und selbst am syrischen Hofe seiner Frömmigkeit halber hochgeachtet ward. Die hier dargestellten Ereignisse gehören in die Zeit [1Mak 1,10]. - und seines Hasses willen gegen alles Böse noch auf das genaueste gehalten wurden, begab es sich, dass selbst Könige und Fürsten diesen Ort der höchsten Ehre würdig hielten und den Tempel mit den reichsten Geschenken verherrlichten, So Ptolemäus II. Philadelphus, Ptolemäus III. Euergetes (ebenso später Kaiser Augustus und sein Schwiegersohn Agrippa). - so dass auch Seleukus, Seleukus IV. Pilopator (187 – 176 vor Chr.), der Nachfolger Antiochus des Gr., der ältere Bruder und Vorgänger des Antiochus Epiphanes. - König von Asien, Vergl. [1Mak 8,6]. - aus seinen Einkünften alle zur Darbringung der Opfer erforderlichen Kosten hergab. Dies Wohlwollen dauerte freilich nicht lange, wie das Folgende zeigt. - Simon aber vom Stamme Benjamin, der bestellte Vorsteher des Tempels, Nicht aus priesterlicher Familie, war er wohl zum Schatzmeister des Tempels erwählt. - begann Streit, da der Hohepriester sich ihm widersetzte, als er etwas Ungesetzliches in der Stadt vornahm. Griech.: Entzweite sich mit dem Hohenpriester in Sachen der städtischen Marktaufsicht. - Da er nun sah, dass er gegen Onias nicht die Oberhand gewinnen könne, begab er sich zu Apollonius, dem Sohne des Tharsäas, Sonst unbekannt. - der zu jener Zeit Statthalter von Cölesyrien und Phönizien war, und teilte ihm mit, dass der Schatz zu Jerusalem mit unzähligem Gelde angefüllt und der Reichtum der Gemeinde unermesslich sei und mit den Kosten der Opfer in keinem Verhältnisse stehe; es sei aber wohl möglich, dass alles in die Gewalt des Königs falle. Als Apollonius dem Könige über das Geld, von dem ihm die Anzeige gemacht war, berichtet hatte, ließ dieser den Heliodorus Es ist wohl derselbe Heliodor, der bald darauf seinen Herrn Seleukus IV. ermordete. - kommen, der Vorsteher seiner Verwaltung war, und entsandte ihn mit dem Befehle, das erwähnte Geld herbeizuschaffen. Alsbald trat Heliodorus die Reise an, zwar unter dem Vorwande, als wolle er die Städte Cölesyriens und Phöniziens besuchen, in der Tat aber, um die Absicht des Königs auszuführen. Als er nach Jerusalem gekommen war und von dem Hohenpriester in der Stadt freundlich empfangen ward, erzählte er von der über das Geld gemachten Anzeige, eröffnete ihm, warum er hier sei, und fragte, ob sich die Sache wirklich so verhalte. Da stellte ihm der Hohepriester vor, es seien dies hinterlegte Gelder und zum Unterhalt der Witwen und Waisen bestimmt, einiges von dem Gelde, über das der ruchlose Simon die Anzeige gemacht, gehöre dem Hirkanus, dem Sohne des Tobias, einem sehr vornehmen Einem durch Stellung und Reichtum hervorragenden (uns sonst nicht bekannten) Manne. - Manne; das ganze Geld betrage vierhundert Talente Silbers und zweihundert Talente Goldes; Waren es hebräische Talente (Silber: 7800 M. Gold 90000 M.), so betrug die Summe 3 Mill. in Silber und 18 Mill. in Gold. Eine solche Summe aber konnte nicht vom Hohenpriester als unbeträchtlich bezeichnet werden. Es sind also wohl syrische Talente gemeint, die halb so schwer waren als die hebräischen. - es gehe aber nicht an, Selbst vom Standpunkte der Heiden war es eine schwere Freveltat, das zum Unterhalt der Witwen und Waisen bestimmte Geld aus dem Tempel zu rauben. - dass die, welche das Ihrige einem Orte und einem Tempel anvertraut hätten, der in der ganzen Welt seiner Ehrwürdigkeit und Heiligkeit wegen geehrt werde, getäuscht würden. Jener indes erklärte, es müsse gemäß seiner vom Könige erhaltenen Aufträge dieses Geld unbedingt dem König eingeliefert werden. An dem von ihm bestimmten Tage also ging Heliodorus hinein, um seine Verfügungen zu treffen. In der ganzen Stadt aber war keine geringe Bestürzung. Die Priester warfen sich in den priesterlichen Kleidern vor dem Altare nieder und riefen gen Himmel Das Gebet war das einzige Verteidigungsmittel, das der Hohepriester hatte. - zu dem, der über das anvertraute Gut ein Gesetz gegeben, [2Mos 22,7; 3Mos 6,2] - er wolle es denen, die jenes hinterlegt, unversehrt erhalten. Wer das Angesicht des Hohenpriesters sah, wurde im Herzen verwundet, denn sein Aussehen und die veränderte Gesichtsfarbe verrieten den innerlichen Schmerz seiner Seele. Denn Trauer war über die Erscheinung des Mannes ausgegossen und Schauer ergriff seinen Leib, woraus denen, die ihn sahen, der Schmerz, der sein Herz erfüllte, offenbar ward. Die Leute liefen scharenweise aus den Häusern zusammen zum öffentlichen Gebete, weil dem Tempel Unbilde widerfahren sollte, die Frauen wogten, die Brust mit Bußkleidern umgürtet, durch die Straßen Das öffentliche Auftreten der sonst so zurückgezogenen lebenden Frauen und ihre Bußgewänder sind Zeichen ihrer Anteilnahme an der dem Heiligtum drohenden Gefahr. - und die Jungfrauen, die sonst zurückgezogen waren, liefen teils zu Onias, teils auf die Mauern, Griech.: teils zu den Türen ihrer Häuser, teils auf die Mauern; andere schauten durch die Fenster. - teils blickten sie durch die Fenster hinaus, alle aber flehten mit zum Himmel emporgehobenen Händen. Denn zum Erbarmen war die bange Erwartung der bunten Menge und des von Todesangst ergriffenen Hohenpriesters. So riefen sie den allmächtigen Gott an, dass er das ihm Anvertraute denen, die es anvertraut, gänzlich unversehrt erhalten möchte. Heliodorus aber schickte sich an, seinen Entschluss auszuführen und begab sich selbst mit seinen Trabanten an den Ort des Schatzes. Da zeigte sich der Geist des allmächtigen Gottes auf ganz augenscheinliche Weise, so dass alle, die jenem zu gehorchen gewagt, Griech.: die mit ihm zu kommen gewagt. - von Gottes Macht getroffen, zu Boden fielen und vor Schrecken außer sich gerieten. Vergl. [Rich 6,22; Dan 8,17] -
Heliodorus wird niedergeworfen
Es erschien ihnen nämlich ein mit prächtiger Rüstung bedecktes Pferd mit einem furchtbaren Reiter, dieses stürzte heftig mit den Vorderfüßen auf Heliodorus, der Reiter aber schien goldene Waffen zu haben. Als gewaffnete Kämpfer für Israel erschienen die Engel nach dem Propheten Eliseus. [2Koe 6,17] - Dazu erschienen zwei andere Jünglinge von ausgezeichneter Stärke in herrlicher Pracht und schönen Gewändern, diese traten von beiden Seiten an ihn heran und geißelten ihn und schlugen ihn unaufhörlich mit vielen Streichen. Während sonst die Engelserscheinungen im Alten Testamente oft eine Verzückung dessen im Gefolge haben, dem sie sich zeigen [2Koe 6,17; Lk 2] u.a., ist hier die Erscheinung eine ganz fühlbare. - Plötzlich fiel Heliodorus zur Erde und dichtes Dunkel umgab ihn, Er wurde ohnmächtig. - eilends hob man ihn auf eine Bahre und trug ihn fort. So schaffte man den fort, der mit großem Gefolge und Trabanten in die vorbenannte Schatzkammer eingedrungen war, ohne dass ihm jemand Hilfe leisten konnte, Griech.: Der sich selbst nicht helfen konnte, hingestellt (sich im Stande gänzlicher Hilflosigkeit befindend). - da sich die Macht Gottes offenbar kundgegeben. Durch göttliche Macht lag er nun sprachlos da, aller Hoffnung auf Rettung beraubt. Die Juden dagegen priesen den Herrn, der seine Stätte so verherrlichte, Gegen alle Erwartung verherrlichte. - und der Tempel, der kurz vorher voll war von Furcht und Schrecken, ward von Freude und Frohlocken erfüllt, da der allmächtige Herr sich offenbart hatte. Alsbald aber baten einige von den Freunden des Heliodorus den Onias, den Allerhöchsten anzurufen, dass er dem in den letzten Zügen Liegenden das Leben schenken möchte. Da nun der Hohepriester besorgte, der König möchte etwa argwöhnen, dass die Juden irgendeine Arglist an Heliodorus verübt, brachte er ein Heilsopfer Griech. einfach: Opfer. - für die Genesung des Mannes dar. Während nun der Hohepriester noch im Gebete begriffen war, Griech.: Während nun der Hohepriester das Sühnopfer darbrachte. - traten dieselben Jünglinge, mit denselben Gewändern angetan, vor Heliodorus und sprachen: Sage dem Hohenpriester Onias Dank, denn um seinetwillen hat dir der Herr das Leben geschenkt. Du aber, von Gott gezüchtigt, verkünde allen die gewaltige Macht Gottes! Als sie dies gesagt hatten, verschwanden sie. Beweis, dass die beiden übernatürliche Wesen Engel, waren. - Heliodorus aber brachte Ließ bringen. Vergl. [4Mos 15,13]. - Gott ein Opfer und gelobte dem Verleiher des Lebens große Gelübde, dankte dem Onias und zog mit seinem Heere zum Könige zurück. Er bezeugte aber allen, welche Taten des großen Gottes er mit seinen Augen gesehen. Als nun der König den Heliodorus fragte, wer wohl geeignet sei, noch einmal nach Jerusalem gesandt zu werden, sprach er: Wenn du einen Feind oder jemanden hast, der nach deiner Herrschaft strebt, so sende ihn dahin, und du wirst ihn gegeißelt wieder erhalten, wenn er anders mit dem Leben davonkommt; denn in dem Orte ist wahrhaft eine Kraft Gottes wirksam. Denn er selbst, der im Himmel wohnt, ist der Wächter und Beschützer jener Stätte, und die in böser Absicht dorthin kommen, schlägt und vernichtet er. Vergl. [2Mak 8,36] und [2Mak 9,13]. - Dies also ist die Geschichte des Heliodorus und der Erhaltung des Schatzes. Eine Bestätigung der Tatsache scheint Polybius zu bringen, der, ein persönlicher Freund des Demetrius I., des Sohnes Seleukus IV., sagt, er habe über die Erscheinung im Tempel mehr zu sagen (das übrige fehlt).

Zitiert in 3