d. Bericht über die grausamen Martern, denen sieben Brüder mit ihrer Mutter vor Epiphanes in Antiochia unterworfen werden.
1Es begab sich aber auch, dass sieben BrüderSie werden die sieben Machabäischen Brüder genannt, weil sie zur Zeit, wo Judas Machabäus und die Seinigen für die Freiheit der Religion stritten, als Glaubenshelden den Märtyrertod starben und weil ihr Martyrium im Machabäerbuch erzählt wird. Sie litten wohl in Antiochia, wo der hl. Hieronymus noch ihr Grab sah und zur Zeit des hl. Augustinus eine Kirche nach ihnen benannt war. - zugleich mit ihrer Mutter ergriffen wurden und von dem Könige gezwungen werden sollten, wider das Gesetz Schweinefleisch zu essen, indem man sie mit Geißeln und Riemen schlug.Der König wollte sie wohl durch die Geißelung zu der Erklärung bewegen, dass sie bereit seien, zum Heidentum abzufallen. -2 Einer aber von ihnen, der erste,Griech.: Der zuerst das Wort nahm. - sprach also: Was verlangst du? was willst du von uns erfragen? Wir sind bereit, eher zu sterben als die von den Vätern überlieferten Gesetze Gottes zu übertreten.3 Da ward der König zornig und befahl, Pfannen und eherne Kessel heiß zu machen. Und alsbald, als sie heiß waren,4 ließ er dem, der zuerst gesprochen hatte, die Zunge ausschneiden, die Haut vom Kopfe abziehen und die äußersten Teile von Händen und Füßen abhauen, während die übrigen Brüder und die Mutter zusehen mussten.5 Als er nun so schon am ganzen Leibe verstümmelt war, ließ er ihn noch an das Feuer bringen und noch atmend in der Pfanne braten; doch während er darin lange Zeit gemartert ward,Griech.: Als nun der Dampf aus der Pfanne sich weithin verbreitete. - ermahnten sich die übrigen einander samt der Mutter, starkmütig zu sterben6 und sprachen: Gott, der Herr, schaut auf Wahrheit und wird sich über uns erbarmen, wie es Moses in seinem Lobgesange bezeugt hat: Er wird seine Diener trösten.[5Mos 32,36] nach der Septuag. -7 Als nun der erste auf diese Weise gestorben war, führten sie den zweiten herbei, ihn zu misshandeln.Oder: zur martervollen Verhöhnung. - Nachdem sie ihm die Haut von seinem Kopfe samt den Haaren abgezogen hatten, fragten sie ihn, ob er essen wolle,Nämlich Schweinefleisch. - bevor er am ganzen Körper gliederweise gemartert würde.8 Er aber antwortete und rief in der Sprache seiner Väter:In aramäischer Sprache. - Ich werde es nicht tun. Darum erlitt auch dieser der Reihe nach dieselben Martern wie der erste.9 Beim letzten Atemzuge aber sprach er so: Du, Verruchter! nimmst uns zwar das gegenwärtige Leben, allein der König der Welt wird uns, die wir für sein Gesetz sterben, zur Auferstehung des ewigen Lebens erwecken.Vergl. [Job 19,25; Jes 26,19; Ez 37,1ff]. -10 Nach diesem wurde der dritte gemartert, und als man ihm die Zunge abforderte, streckte er sie alsbald heraus und bot die Hände standhaft dar,11 indem er mit Festigkeit sprach: Vom Himmel habe ich diese erhalten, aber für Gottes Gesetze achte ich sie jetzt für nichts, denn von ihm hoffe ich sie wieder zu erlangen;12 so dass selbst der König und seine Umgebung sich über des Jünglings Mut verwunderten, weil er die Peinen für nichts achtete.13 Als auch dieser so gestorben war, quälten und marterten sie den vierten auf gleiche Weise.14 Als dieser schon im Sterben war, sprach er also: Besser ist es, von den Menschen dem Tode überliefert zu werden und die Hoffnung zu nähren, von Gott wieder zum Leben erweckt zu werden;Vergl. [Dan 12,1.2.13]. - denn dir wird keine Auferstehung zum Leben zuteil werden.15 Hierauf führten sie den fünften herbei und marterten ihn. Dieser aber sah ihn an und sprach:16 Da du Macht hast unter den Menschen, obwohl selbst ein Sterblicher,Dir wird von Gottes unumschränkter Macht früher oder später ein Halt geboten werden. - tust du, was du willst; glaube aber nicht, dass unser Volk von Gott verlassen sei.17 Warte nur und harre, so wirst du seine gewaltige Macht sehen, wie er dich und deine Nachkommenschaft strafen wird.18 Nach diesem führten sie den sechsten hin, und als dieser am Sterben war, sprach er: Täusche dich nicht vergeblich;Hege nicht den eitlen Wahn. - denn wirDas jüdische Volk. - leiden dies um unsertwillen, da wir wider unsern Gott gesündigt haben, und daher ist an uns StaunenswertesEntsetzenerregendes. - geschehen.19 Du aber wähne nicht, ungestraft zu bleiben, da du dich vermessen hast, wider Gott zu streiten.20 Überaus bewundernswert aber und des Gedenkens der Guten würdig zeigte sich die Mutter, welche sieben Söhne an einem Tage umkommen sah und es doch starkmütig ertrug um der Hoffnung willen, die sie auf Gott setzte.21 Einen jeden derselben ermunterte sie kraftvoll und voll der Weisheit in der Muttersprache und, mit weiblicher Gemütsart Mannesmut vereinend,Griech.: Indem sie die weibliche Gemütsart (die bei dem Anblicke der furchtbaren Martern leicht hätte verzagen können) durch männlichen Mut aufrichtete. -22 sprach sie zu ihnen: Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Leibe geworden seid, denn nicht ich habe euch Geist, Seele und Leben gegeben und nicht ich habe an einem jeden von euch Glied an Glied gefügt,Griech.: noch die Stoffe zur Bildung eines jeden (von euch) kunstvoll geordnet. -23 sondern der Schöpfer der Welt, der den Menschen bei seinem Ursprunge bildet und der die Entstehung aller Dinge bestimmt, er wird euch Geist und Leben in erbarmender Güte wieder geben, wie ihr jetzt euch für nichts achtet um seines Gesetzes willen.24 Antiochus aber, der sich für verachtet hielt, mahnte, ohne auf die vermeintlichen Schimpfreden zu achten, den jüngsten, der noch übrig war, nicht nur mit Worten, sondern beteuerte ihm unter einem Eide, er wolle ihn reich und glücklich machen, ihn als seinen Freund halten und ihm alles Nötige verschaffen,Griech.: ihm Staatsmänner anvertrauen. - wenn er von seinen väterlichen Gesetzen abfallen wolle.25 Als der Jüngling sich dazu nicht bewegen ließ,Griech.: Durchaus nicht darauf achtete. - rief der König seine Mutter herbei und riet ihr, auf die Rettung des Jünglings bedacht zu sein.Griech.: Des Knaben Beraterin zu seinem Heile zu werden. -26 Nachdem er ihr nun mit vielen Worten zugeredet hatte, versprach sie,Zum Schein. - ihren Sohn zu überreden.27 Sie neigte sich zu ihmWohl um leise zu ihm zu sprechen. - und dem grausamen Tyrannen zum Hohne sprach sie in der Muttersprache: Mein Sohn! habe Erbarmen mit mir, die ich dich neun Monate unter dem Herzen getragen und dich drei Jahre gesäugtVergl. [1Mos 21,8; 2Mos 2,9ff]. - und genährt und bis zu diesem Alter erzogen habe.28 Ich bitte, Kind! schaue zum Himmel empor und auf die Erde und auf alles, was in ihnen ist, und erkenne,Gottes Schöpferallmacht wird aus der Betrachtung er Schöpfung erkannt. - dass Gott dieses und das Menschengeschlecht aus nichts geschaffen hat.Der Mut einer Mutter
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.29 Darum fürchte dich nicht vor diesem Henker, sondern werde deiner Brüder würdiger Genosse und nimm den Tod an, damit ich dich in derselben Erbarmung mit deinen Brüdern wieder gewinne.30 Während sie noch so redete, sprach der Jüngling: Auf wenWas wartet ihr noch? - wartet ihr noch? Ich gehorche dem Befehle des Königs nicht, sondern dem Gebote des Gesetzes, welches uns durch Moses gegeben ist.31 Du aber, Anstifter alles Unheils, das die Hebräer betroffen, wirst der Hand Gottes nicht entrinnen!Die weitere Begründung folgt V. 33 – 38. -32 Denn wir leiden dies um unserer Sünden willen,Vergl. V. 18. -33 aber wenn der Herr, unser Gott, der Züchtigung und Strafe wegen eine kurze Zeit auf uns zürnt, so wird er sich doch mit seinen Dienern wieder versöhnen.34 Du dagegen, verworfener und verruchtester unter allen Menschen! erhebe dich nicht umsonst mit eitlen Hoffnungen, indem du gegen seine Diener wütest,35 denn noch bist du dem Gerichte des allmächtigen und allsehenden Gottes nicht entronnen.Vergl. V. 17. -36 Denn meine Brüder sind, nachdem sie eine kurze Qual gelitten, der Verheißung des ewigen Lebens teilhaftig geworden; du aber wirst nach Gottes Gericht die gerechte Strafe für deinen Übermut erleiden.37 Ich nun gebe, so wie meine Brüder, Leib und Seele für die von den Vätern überkommenen Gesetze hin und bitte Gott, dass er unserm Volke bald gnädig werde und dass du durch Qualen und Martern zum Bekenntnis gebracht werdest, dass er allein Gott ist,Vergl. [2Mak 9,5-28]. -38 dass aber bei mir und meinen Brüdern der Zorn des Allmächtigen, der über unser ganzes Volk gerechterweise ergangen ist, sein Ende finden möge.39 Da entbrannte der König in großem Zorne und wütete grausamer gegen diesen als gegen alle anderen, erbittert ob der Verhöhnung.40 So starb auch dieser Unschuldige im vollen Vertrauen auf Gott.41 Zuletzt aber nach den Söhnen ward auch die Mutter getötet.42 Damit sei nun genug berichtet von den OpfernVergl. [2Mak 6,7]. und den außerordentlichen Grausamkeiten.