2. Petrusbrief 1

Aufschrift (Kap. 1, V. 1 – 2), welche zugleich Inhalt und Ziel des Briefes andeutet. I. Größe der durch Christus uns gebrachten Güter und Festigkeit des christlichen Glaubens. (1,3-21): 1. Die von Christus uns verliehenen Güter und die dafür geforderten Gegengaben. (V. 3 – 15) a. Christi göttliche Kraft hat den Christen alles verliehen, was zum übernatürlichen Leben gehört, da er sie zum Evangelium berief und seiner Gottheit teilhaftig machte. (V. 4) b. Deshalb müssen die Christen alle Mühen anwenden, in allen Tugenden zu wachsen und von einer zur anderen fortzuschreiten. Acht Stufen gleichsam sind es, auf denen man zur Liebe emporsteigt. (V. 7) c. In den Tugenden wachsend werden sie zu vollkommener Erkenntnis Christi gelangen, jene aber vernachlässigend werden sie unglücklich sein; deshalb mögen sie durch gute Werke ihre Berufung sicher machen und sich den Zugang zum Himmelreich erwerben. (V. 11) d. Damit sie dies leichter tun können, ruft ihnen der Apostel, obwohl sie dies bereits wissen, stets dasselbe in's Gedächtnis zurück, und da er aus göttlicher Offenbarung weiß, dass er bald sterben werde, legt er es ihnen durch diesen Brief von neuem an's Herz, stets das Gleiche auch nach seinem Abscheiden zu wahren. (V. 15) 2. Der Grund, weshalb er diese Mahnung so sehr einschränkt, ist die Festigkeit des Fundamentes, auf dem der Glaube der Christen an die Wiederkunft Christi ruht (V. 16 – 21): a. Der Apostel selber war bei der Verklärung Christi Augenzeuge der Größe Christi und hat also eine sichere Kenntnis von der Kraft und der Ankunft des Herrn. (V. 18) b. Die Sicherheit wird noch gemehrt durch die Weissagung des A. T., welche der Heil. Geist selbst gegeben, da er durch die Propheten redete.

Simon Petrus, Der spezifisch jüdisch klingende Name Simon charakterisiert ihn als Judenchristen. Der vollständige Name hat etwas feierliches, testamentartiges. (Vergl. V. 13) In den Briefen des heil. Paulus heißt der Apostel nur Petrus oder Kephas, da der Völkerapostel den heil. Petrus erst später kennengelernt hat, so dass sein früherer Name ihm fern lag. (Aug.) - Diener und Apostel Jesu Christi, Vergl. Anm. 42. - denen, welche mit uns den gleichen kostbaren Glauben Im subjektiven oder objektiven Sinne gleichen Wertes für Juden- und Heidenchristen. Vergl. [Apg 15] V. 8 – 11. - erlangt haben, in der Gerechtigkeit Durch die Erlösungsgnade, welche Christus verdient hat. Diese wird allen Menschen ohne Unterschied von Gott durch Christus zu Teil. - unsers Gottes und Heilandes Jesu Christi. Es galt, die Gläubigen gegen Irrlehren zu stärken, welche die göttliche Macht und Herrlichkeit Christi und seine Wiederkehr zum Gerichte leugneten und zügellose Sinnlichkeit gestatteten. Darum hebt der heil. Petrus die kostbare Gabe des Glaubens hervor. - Gnade und Friede werde euch in immer reicherer Fülle in der Erkenntnis Nach dem Griech. ist dies eine sich den Gegenstand gänzlich aneignende, mit ihm eins werdende Erkenntnis, also ein Erkennen mit dem Verstande und ein Anerkennen mit dem Willen. Die Vulgata schließt V. 3 an V. 2 an, was der Gewohnheit anderer Briefe entgegen ist und dem Inhalte von V. 3, V. 4 nicht entspricht, da diese zur Begründung von V. 5, nicht aber als Erklärung zu V. 2 „werde in reicherer Fülle“ dienen, wie die Vulgata hat. Besser also wird V. 3 als Beginn des eigentlichen Briefes gefasst. - Gottes und Christi Jesu, unsers Herrn! In V. 3 bezeichnet er ihn als Gott, V. 8; [2Petr 2,20, 2Petr 3,18] und als Gegenstand der Erkenntnis. Überall ist die von Gott in Christus geoffenbarte Gnade und Wahrheit des Christentums verstanden. Die Erkenntnis ist der Sache nach mit dem Glauben dasselbe (V. 3) [2Petr 2,20.21], nur hebt der erstere Ausdruck die Neigung des Glaubens mehr hervor. Der heil. Petrus wählt dieses Wort, weil er eine Irrlehre bekämpft, welche die Gläubigen durch fälschlich vorgegebene Erkenntnis verleiten will. - Wie seine göttliche Macht Die Macht, welche er als unser Gott und Heiland besitzt, durch die er Tod und Hölle besiegt hat und zur Rechten des Vaters sitzt, ist uns die Quelle des Heiles geworden. - uns alles, Es fehlt uns also nichts, mithin haben sie keine Entschuldigung vor Gott, wenn sie nicht christlich leben. Das übernatürliche Leben ist der Grund der Frömmigkeit, die Frömmigkeit aber die Betätigung dieses Lebens. - was zum Leben und zur Gottseligkeit dient, durch die Erkenntnis dessen geschenkt hat, der uns berufen hat, Gott hat sie zur gläubigen Erkenntnis des Christentums berufen. Vergl. [1Petr 1,5, 1Petr 2,9, 1Petr 5,10] und sie sind dem Rufe gefolgt. - in eigener Die Berufung geht unmittelbar von Gott aus. - Herrlichkeit Das Wesen Gottes ist Mittel und Ursache der Berufung, vergl. [Gal 1,15], die Berufung strahlt gleichsam aus Gottes Wesenheit hervor. - und Kraft, Diese Kraft überwindet alle Hindernisse. - durch welchen Griech.: durch welche. Nach der Vulgata ist Christus, nicht der Vater, der Berufende. Durch seine Herrlichkeit und Kraft hat Gott uns in Christus die im A. B. den Menschen gemachten Verheißungen dem Inhalte nach geschenkt. Der Apostel geht aus der ersten in die zweite Person über, um seinen Lesern diese trostvolle Wahrheit recht an's Herz zu legen. - er uns die übergroßen und kostbaren Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese der göttlichen Natur Wie sie sich von allem unterscheidet, was nicht Gott ist. - teilhaftig werdet, Die Christen sind aus Gott geboren und so Kinder Gottes und erben. Nun hat aber das Kind notwendigerweise Teil an der Natur dessen, der es zeugt, also muss den Christen ein gewisser Anteil an der göttlichen Natur zukommen. Diese Teilnahme ist nun aber einerseits nicht eine bloße Eigenschaft der menschlichen Natur, andererseits nicht ein Aufgehen derselben in der göttlichen. Sie besteht vielmehr darin, dass der Mensch innerlich erhöht, sein Wesen verklärt wird, indem er der göttlichen Natur ähnlicher gemacht wird in der Geistigkeit, der höchsten Immaterialität. Durch den Glauben nehmen wir Teil an dem göttlichen Erkennen, durch die Liebe am göttlichen Leben, die ganze Seele wird gleichsam neugeschaffen nach der Ähnlichkeit Gottes. (Thom.) - entronnen dem in der Welt herrschenden Verderben Hier ist die sündhafte Lust, welche zur Sünde, und mit dem leiblichen Tode zum ewigen führt, Voraussetzung des Verderbens; wie V. 3 das Leben zugleich die Voraussetzung und der Beginn des wahrhaft dauernden Lebens ist. - der Begierlichkeit. So wendet denn Der Apostel hebt acht Tugenden hervor, welche gleichsam Grundpfeiler des christlichen Lebens sind und die anderen Tugenden tragen. Wenn nun auch jede folgende das Erzeugnis und die Vollendung der vorhergehenden ist, sind sie doch alle zugleich der Seele eigen. - allen Eifer an und betätiget in eurem Glauben die sittliche Tatkraft, Der Glaube ist Grund und Wurzel aller christlichen Tugenden. [Hebr 11,6] Ohne die sittliche Tatkraft ist der Glaube tot; sie entspringt aber aus dem Glauben. - in der sittlichen Tatkraft aber die Erkenntnis, Die Erkenntnis, was zu tun und was zu lassen ist, damit in allem Gottes Ehre gefördert werde. - in der Erkenntnis die Enthaltsamkeit, Selbstbeherrschung. Diese hat die Einsicht zur Voraussetzung und betätigt sich gegen die Leidenschaften. Ist jene eine Tugend des Verstandes, so diese des Willens. - in der Enthaltsamkeit die Geduld, Nur in der frommen Hingabe an Gott findet die Geduld festen Stand. Sie selbst aber hat die Selbstbeherrschung zur Voraussetzung. - in der Geduld die Gottseligkeit, Das von den drei göttlichen Tugenden getragene Verhalten des Christen, mit dem er sich bemüht, als Pflichten gegen Gott, und um seinetwillen auch gegen den Nächsten treu zu erfüllen. - in der Gottseligkeit die Bruderliebe, in der Bruderliebe die Nächstenliebe. Wie der Glaube am Anfange, so nimmt die Liebe am Schlusse eine besondere Stellung ein, jener ist die Grundlage und Wurzel, diese die Krone und Vollendung. - Denn wenn dies Weil nur der, welcher eifrig der Tugend nachstrebt, zu immer lebendigerer und immer vollkommenerer Erkenntnis Christi und des Christentums gelangt (V. 8), das Unglück dessen aber, der dieses Strebens ermangelt, überaus groß ist. - bei euch vorhanden ist und sich mehrt, so wird es euch nicht untätig, noch unfruchtbar sein lassen für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus. Denn wem dies mangelt, der ist blind, mit der Hand in der Irre tastend, und hat der Reinigung von seinen alten Sünden vergessen. Darum Brüder! Diese Anrede findet sich im Briefe nur an dieser Stelle, während der Apostel die Leser zweimal in jedem der beiden Briefe „Geliebte“ anredet. - beeifert euch um so mehr, eure Berufung Zum Stande des Glaubens und der Gnade. Sie sind vor vielen anderen berufen. Die Berufung erinnert an V. 3 und [1Petr 1,15, 1Petr 5,10]; die Auserwählung an die Bezeichnung der Christen [1Petr 1,1, 1Petr 2,9]. - und Auserwählung durch gute Werke Im Griech. fehlt: durch gute Werke. Wie? Zeigen V. 8, V. 9. - gewiss zu machen; denn wenn ihr dies tuet, werdet ihr niemals zu Falle kommen. Griech.: Anstoßen, fallen. - Denn so Wenn ihr dies tut. - wird euch ein weit offener Eingang in das ewige Reich unsers Herrn und Heilandes Jesus Christus verstattet werden. Das himmlische Reich des Herrn, das unserm irdischen Auge verborgen, bereits in der Ewigkeit besteht und seine unwandelbare und ewige Vollendung bei der Wiederkunft Christi zum Gericht erhalten wird. Euren Verdienst hier wird die Gabe Gottes dort entsprechen. - Darum V. 11. - werde ich darauf bedacht sein, euch stets Unter allen Verhältnissen und Umständen. Denn von dem christlichen Leben hängt das ewige Heil ab, und tausend Klippen drohen jedem. - an diese Dinge Über das V. 3 – 11 Gesagte. - zu erinnern, obwohl ihr sie wisset und gefestigt seid in der euch gegenwärtigen Wahrheit. Ich halte es aber für Pflicht, Durch sein Amt im Hinblick auf seinen baldigen Tod und die ihnen drohenden Gefahren musste er, wenn sie auch zur Zeit ihn erfreuen, doch dieses Ermahnungsschreiben an sie richten. Sein Hintritt ist baldig, nach anderen plötzlich. - so lange ich in diesem Gezelte bin, euch aufzumuntern durch Erinnerung, da ich weiß, dass mein Gezelt Wie [2Kor 5,1.4]. Gegensatz zu dem Baue aus Gott. Derselbe Gedanke ist in dem Bilde [1Petr 1,17] und [1Petr 2,11]. - bald abgebrochen Eigentlich: abgelegt. Indes legt man ein Gezelt nicht ab, sondern ein Kleid. Der Apostel will vielleicht durch die Wahl des Ausdrucks die freudige Leichtigkeit ausdrücken, mit der seine Seele sich zu Gott aufschwingen wird. - werden wird, wie auch unser Herr Jesus Christus mir offenbart hat. Ich werde aber Sorge tragen, dass ihr im Stande seiet auch oftmals nach meinem Tode dieser Dinge zu gedenken. Der gegenwärtige Brief soll für die Leser ein schriftliches Denkmal sein, dass sie auch nach dem Tode des Apostels an seine Mahnungen erinnert. Andere Ausleger verstehen die Worte von einem Versprechen nach seinem Tode für die Christen zu beten, was aber aus dem Wortlaute nicht herzuleiten ist. - Denn nicht klug ersonnenen Fabeln An den fünf Stellen, an denen dieses Wort im N. T. vorkommt, bezeichnet es stets unwahre Erzählungen oder lehren. Der heil. Petrus hat die in Kap 2, 3 bekämpften Irrlehren vor Augen, namentlich jene, welche die Wahrheit, dass Christus in göttlicher acht im Himmel thront und in Herrlichkeit kommen wird, leugnete. - folgend haben wir Die Apostel. - euch die Macht Die Macht des im Himmel thronenden Heilandes. - und Ankunft unsers Herrn Jesus Christus kundgetan, sondern als solche, die Augenzeugen seiner Hoheit geworden sind. Bei der Verklärung V. 17, V. 18. Derselben Berufung auf seine Zeugenschaft von der großen und wunderbaren Verherrlichung des Erlösers begegnen wir in den reden des heil. Petrus. [Apg 2,32, Apg 3,15, Apg 5,32, Apg 19,39] Auch bei der Wahl eines Apostels an Stelle des Judas stellt der Apostelfürst als Forderung, dass der zu Erwählende mit dem Herrn seit der Taufe gewandelt. [Apg 1,20] Auch im ersten Briefe beruft er sich [1Petr 5,6] auf diese Zeugenschaft. - Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit, Die Christus allezeit eigene Größe, die sich in der Verklärung und in vielen Wundern offenbarte. Auf die Verklärung beruft sich der heil. Petrus, weil diese das Abbild der Herrlichkeit des Herrn im Himmel war, und weil dieselbe zugleich mit dem Zeugnisse des Vaters deutlicher Beweis dafür ist, dass Christus der ewige Sohn Gottes ist und als solcher Macht hat, zum Gerichte zu kommen. - als von der hocherhabenen Herrlichkeit eine Stimme zu ihm herabkam, also lautend: Dies ist mein Sohn, der geliebte, Auf dem von Ewigkeit her die Liebe des Vaters ruht. Zeugen sind die beiden Apostel Jakobus und Johannes. (Ähnl. V. 16 alle Apostel.) - an dem ich Wohlgefallen habe, ihn höret! Und diese Stimme haben wir gehört, vom Himmel erschallend, da wir mit ihm auf dem heiligen Heilig ist der Berg durch die Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit Christi und das Zeugnis des Vaters. - Berge waren. Und so ist uns Die Christen. - nun das prophetische Wort Die alttestamentlichen Prophezeiungen, die der Apostel als ein Ganzes auffasst, und die bisherige Erfüllung bilden die Grundlage unseres Glaubens, bis wir zum Schauen gelangen. - sicherer, Der Komparativ weist auf den Unterschied zwischen der Zeit der Verheißung und der Erfüllung. Die Erfüllung hat eine Prophezeiung bestätigt, und diese Erfüllung ist Bürgschaft dafür, dass alles, was noch zu erfüllen ist, gleichfalls eintreten wird, besonders die Wiederkunft des Herrn. - und ihr tut wohl, Anerkennung des bisherigen Verhaltens. - darauf zu achten als auf eine Leuchte, Der Vergleich erinnert an [Ps 118,105]. Der dunkle Ort ist die Welt in ihrem gegenwärtigen Zustande. (Beda) So lange sie dieser Leuchte die Augen nicht verschließen, vermag weder Sünde, noch Verführungsversuche der Irrlehrer ihnen das Heil zu verdunkeln. - die da scheint an einem dunklen Orte, bis der Tag Der Tag des Wiederkunft des Herrn mit seiner Beseligung. Der Tag, der in euren Herzen anbricht, ist gleichsam der Wiederschein dessen, der einst der Welt erscheint. - anbricht, und der Morgenstern aufgeht in euern Herzen; Vgl. [Offenb 22,16]. Das Vatikanische Konzil erklärt (Kap. 3 Vom Glauben), dass wie die Prophezeiungen und Wunder Gottes Allmacht und Wissen klar zeigen, so auch die sichersten und jedem Verständnisse zugänglichen Zeichen der göttlichen Offenbarung sind, indem es als Beweisstelle den vorstehenden Vers anführt. - indem ihr dies vor allem erkennet, dass keine Weissagung der Schrift Sache eigener Durch die Propheten selbst, wie V. 21 weiter erklärt wird. Er bezeichnet das Menschliche im Gegensatze zum Göttlichen: keine Weissagung beruht auf menschlicher Deutung und ist durch menschliche Deutung der Zukunft entstanden. Andere nach dem griech. Texte anders. - Auslegung ist. Denn nie ist eine Weissagung durch den Willen eines Menschen ergangen, sondern vom Heiligen Geiste getrieben Griech.: getragen, über ihre natürlichen Fähigkeiten emporgehoben und mit übernatürlicher Erleuchtung erfüllt. - redeten Die Fortsetzung dieser Gedanken siehe [2Petr 3,3ff]. Die Propheten haben die im A. T. enthaltenen Weissagungen verkündet. - heilige Gottesmänner. Die Propheten. Heilig: wegen der Heiligkeit ihres Amtes und weil der heil. Geist in ihnen wirksam war, endlich auch wegen der Heiligkeit ihres Lebens. Da sie vom Heil. Geist getrieben redeten, kann auch nur er deuten, was sie geredet.

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