II. Warnung vor Irrlehrern. (2,1 – 3,13): 1. Das zukünftige Los der falschen Lehrer. Mahnung sie zu meiden. (V. 1 – 11) a. Wie im A. B., so werden auch im N. B. falsche Lehrer sein, welche gefährliche Sekten stiften, den Herrn, ihren Erlösern, verleugnen, und sich den sichern Untergang beschleunigen, zumal ihr lasterhaftes Leben die Ursache wird, dass die wahre Lehre von den Ungläubigen geschmäht wird, um sie selbst aus Habsucht durch erdichtete Rede schimpflichen Gewinn suchen. (V. 3) Doch sie werden dem Zorne Gottes nicht entgehen, wie die Strafen beweisen, welche Gott über die abtrünnigen Engel, über das ganze Menschengeschlecht bei der Sündflut und endlich über Sodoma und Gomorrha verhängt hat. (V. 6) b. Die Gläubigen dürfen indes nicht meinen, dass auch sie jene Strafe miterleiden müssen, denn Lot, der gerecht war, ward allein von Gott bewahrt. (V. 8) Gott also wird sie schützen, die Bösen strafen, und über die Irrlehrer, welche aus Hochmut neue Sekten schaffen, härtere Züchtigung verhängen, obwohl die verdammten Engel ihre Strafe nicht mehr zu ertragen vermögen. (V. 11) 2. Beschreibung des Lebens und der Lehre der falschen Lehrer und Widerlegung derselben. (2,12 – 3,13) a. Die Irrlehrer sind in ihrem Lebenswandel gotteslästerlich, habsüchtig, allen Lüsten ergeben, Verführer, wahre Söhne Balaams. (V. 16) Während sie Sklaven der Verdorbenheit sind, heucheln sie Freiheit, verlocken andere zum Lasterleben, und laden umso größere Schuld auf sich, weil sie zu ihrem Gespeie zurückgekehrt sind.
1Es traten aberErinnerung an [Mt 24,11]. - auch falsche ProphetenMenschen, die sich fälschlich als Propheten ausgeben. Die Tatsache, dass im Volke Israel falsche Propheten auftraten, ist, wie das ganze A. T. typisch für das N. Falsch sind die hier bezeichneten Lehrer schon dadurch, dass sie sich als Lehrer ausgeben. Hier spricht der heil. Petrus von der Zukunft. V. 9 schildert er ihr Treiben. Ein solcher Übergang ist in Weissagungen häufig, hier aber auch daraus zu erklären, dass die Irrlehrer bereits anderswo ihr Wesen entfaltet haben, während sie im Leserkreise erst beginnen, ihr Gift auszustreuen. - unter dem Volke auf,Dem auserwählten Volk Gottes, Israel. - wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, welche SonderrichtungenDies Volk kommt im N. T. für eine Partei der Juden [Apg 5,17], als jüdische Bezeichnung des Christentums [Apg 25,5.14, Apg 28,22] endlich [Gal 5,20, Tit 3,16] (und an dieser Stelle) für eine Absonderung von der kirchlichen Gemeinschaft auf Grund falscher, der Einfalt und Reinheit des Glaubens zuwider laufender Lehren vor: Sekte. - des Verderbens einführen werden, indem sie den Herrn,Dies Wort wird im A. T. in der Septuag von Gott gebraucht. Hier bezeichnet es den Heiland als göttlichen Herrn und Gebieter, dem alle Geschöpfe untertan sein müssen. - der sie erkauft hat, verleugnen, so schnelles Verderben über sich selbst herbeiführend.Durch ihre Lehren, indem sie die Macht und Wiederkunft Christi leugnen, durch ihr Leben, da sie von seinen Geboten nichts wissen wollen. -2 Und viele werden ihren AusschweifungenBesonders durch Verführung zu bösen Lüsten gewannen sie großen Anhang. Wie unwürdig ist es, sich solchen anzuschließen. - folgen, und der Weg der WahrheitMit einem alttestamentlichen Ausdrucke ist das Christentum bezeichnet, das in der Apostelgeschichte mehrfach schlechthin den Weg der Wahrheit und des Heiles, und die Wege des Judentums wie des Heidentums galten nicht als „Wege“, sondern als Irrwege. Darum heißt in der Apostelgeschichte das Christentum auch der Weg Gottes [Apg 19,2, Apg 9,23, Apg 22,43, Apg 24,14.22] und er Weg des Herrn [Apg 18,25], da Gott und Christus ihn als Heilsweg offenbart haben. - wird durch sie gelästert werden;3 und sie werden in Habsucht mit erdichtetenOhne Grund und Inhalt. - Worten von euch Gewinn zu ziehen suchen, aber längst schon säumt ihr GerichtWie am Schlusse des V. 1 Hinweis auf das Gericht. Dort hat er es als Folge ihres Treibens bezeichnet, hier stellt er es als Wirkung der göttlichen Strafgerechtigkeit dar. - nicht, und ihr Verderben schlummert nicht.Von Alters her, wie V. 4 – 6 zeigen. -4 Hat doch Gott die Engel,Die Engel, welche vor dem Sündenfalle der ersten Menschen durch Hochmut gegen Gott gesündigt und zur Strafe aus dem Himmel in die Hölle verstoßen sind. - welche gesündigt hatten, nicht verschont, sondern mit Ketten der Hölle gefesselt, und sie in den Abgrund zur Peinigung verstoßen, damit sie zum Gerichte aufbewahrt werden,5 und der alten WeltDie vorsündflutliche Welt. - nicht geschont, sondern nur Noe,Noe wird vom heil. Petrus hier wie [1Petr 3,20] als Vorbild der Christen erwähnt. Auch der Heiland erinnerte in seiner Rede über das Weltende an Noes Zeit. [Mt 24,37ff] Der heil. Paulus stellt ihn den Christen gleichfalls als Vorbild hin. [Hebr 11,7] - den Prediger der Gerechtigkeit,Durch sein tugendhaftes Leben, wie durch sein Wort und den Bau der Arche, forderte er seine Zeitgenossen auf, den Weg des Unglaubens und der Ungerechtigkeit zu verlassen. - als den achtenNoe mit sieben Seelen, mit denen, welche mit ihm in die Arche gingen. - geschützt, als er die Sündflut über die Welt der GottlosenWeil von Gottlosen bewohnt und entweiht. [1Mos 6,13] - kommen ließ;6 auch die Städte Sodoma und Gomorrha in Asche verwandelt und mit Zerstörung bestraft, und sie als Vorbild für die, welche gottlos handeln werden, aufgestellt,Ähnlich Judas V. 7. Der Hinweis geht nicht allein auf das Feuer, das jetzt in der Hölle brennt, sondern insbesondere auf das Gericht. [2Petr 3,7] -7 während er den gerechten Lot errettete, der unter der Gewalttätigkeit der Frevler und ihrem ausschweifenden Wandel schwer litt;Wie der Apostel V. 5 dem Strafbeispiel der vorsündflutlichen Welt das Rettungsvorbild Noes gegenübergestellt, so ist hier das Beispiel der Strafe Sodomas und Gomorrhas Veranlassung zur Warnung und das Beispiel der Errettung Lots Beweggrund zur Ermutigung der Gläubigen. Der Schmerz Lots muss in den Herzen der Leser sich erneuern. -8 denn bei allem, was er sah und hörte, blieb er gerecht, obwohl er inmitten derer wohnte, welche von Tag zu Tag seine gerechte Seele durch böse Werke peinigten.9 Es weiß der HerrGott. - die Frommen aus der Versuchung zu erretten,Durch Versuchung seitens des Bösen, wie durch Leiden. - die UngerechtenSolche waren die bösen Engel (V. 5), die Bewohner von Sodoma und Gomorrha (V. 8), und sind die gottlosen Irrlehrer. (V. 10) - aber auf den Tag des Gerichtes zur PeinigungGriech. besser: In Strafe bewahrt bis auf den Tag des Gerichtes. Die Strafe beginnt mit dem Tode. - aufzubewahren,10 vorzüglich aber diejenigen, welche in unreiner Lust dem Fleische nachwandeln,Die Irrlehrer werden als grobe Unzuchtssünder und Verächter Christi, als des einen Herrn und Heilandes, charakterisiert. Das Letztere ist der Grund der erstgenannten Verirrung. - die HerrschaftChristus. Dieser wird ja in diesem Briefe als Herr bezeichnet, seine höchste Macht leugnen die Irrlehrer. (Vergl. Judas V. 8.) - verachten, vermessen und selbstgefällig sich nicht scheuen, Trennungen einzuführen und zu lästern;Griech.: sie scheuen sich nicht, Herrlichkeiten zu lästern. So heißen die gefallenen Engel wegen ihrer ursprünglich gottähnlichen Natur. -11 während doch Engel, die an Stärke und Macht größer sind,Mächtiger als die Herrlichkeiten. - kein Fluchurteil wider einander fällen.Die guten Engel enthalten sich im Hinblick auf Gott jedes eigenmächtigen lästernden Urteils selbst über die bösen Geister. Griech.: wider dieselben. -12 Diese aber werden, wie unvernünftige Tiere,Sie, die sich selbst über die Geisterwelt erheben, stehen nicht einmal auf der Stufe von Menschen, sondern sind zu den Tieren herabgesunken. Durch ihren Unglauben kennen sie die Herrlichkeiten nicht und wagen sie deshalb zu lästern und als ohnmächtige Wesen zu verspotten. - welche von Natur bestimmt sind gefangen und getötet zu werden, da sie über das lästern, was sie nicht verstehen, in ihrer Verdorbenheit zu Grunde gehen,Sie gehen blind dem verderben entgegen. Nach einigen liegt hierin die Gleichheit mit den Tieren. Um ihres sittlichen Unwertes willen werden sie dem Verderben anheimfallen. -13 und so den Lohn ihrer Ungerechtigkeit empfangen, sie,Charakterisierung der Irrlehrer: Hinsichtlich des Wohllebens V. 13, der Unzucht V. 14, der Habsucht V. 15, des Lohnes, der der Ungerechtigkeit gebührt. Vergl. [Offenb 1,18]. - die für Lust die Schwelgerei erachten, wie der Tag sie ihnen darbietet, die als Schmutz- und SchandfleckenVergl. Judas V. 12. - in Üppigkeit schwelgen,Viele griech. Handschriften lesen: in ihren Betrügereien, indem sie sich nämlich durch Anpreisung ihrer falschen Weisheit Geld und Teilnahme an den Mahlen (besonders Liebesmahlen: Judas V. 12) erschleichen. - bei ihren Gastmählern unter euch prassend,14 die Augen voller Ehebruch und unaufhörlicher Sünde. Sie verlocken die schwankenden Seelen, ihr Herz ist erfüllt von Künsten der Habsucht,Wohlgeübt sich fremdes Eigentum anzueignen. - sie sind Kinder des Fluches.15 Sie haben den geraden WegDas Christentum, den weg der Wahrheit und Gerechtigkeit. - verlassen und sind abgeirrt, indem sie dem Wege Balaams, des Sohnes Bosors,[4Mos 22,5, 5Mos 23,5] Sie haben die Habsucht Balaams aus Bosor (richtiger: des Sohnes Bosors oder Beors) nachgeahmt. - folgten, welcher den Lohn der Ungerechtigkeit liebte,Da er durch göttliche Offenbarung wusste, dass Israel das gesegnete Volk Gottes war. Die Irrlehrer suchen einen irdischen Lohn der Ungerechtigkeit gleichsam als Pfand des ewigen Lohnes dieser Ungerechtigkeit, den sie zwar nicht suchen, der ihnen aber unvermeidlich zu Teil wird. -16 aber auch die Zurechtweisung für seine Torheit empfing; ein sprachloses LasttierDie Eselin hinderte nicht die Reise, sondern widerstand der Widersinnigkeit, mit welcher Balaam gegen den Engel des Herrn vorging. - redete mit Menschenstimme, und wehrte der Torheit des Propheten.17 Diese sind wasserlose Quellen,Dies Bild erinnert an [Jer 2,13, Spr 10,11ff, Jes 58,11] und an die Worte des Herrn [Joh 4,13.14, Joh 7,38]. Das Wasser ist Sinnbild der die Seele für Zeit und Ewigkeit beseligendes Wahrheit. Diese Wahrheit versprechen auch die Irrlehrer, doch trügerisch. - Nebelwolken,Bei Judas „trübe“, um auf das schmutzige Wesen der Irrlehrer hinzuweisen. - von Sturmwinden gejagt;Sie lieben die Finsternis mehr als das Licht. [Joh 3,19] Vom Sturme ihrer Leidenschaften gejagt werden die Irrlehrer erst in dem Dunkel der Finsternis Ruhe finden. Diese Schilderung passt auf die Irrlehrer aller Jahrhunderte. (Hier.) - ihnen ist das Dunkel der Finsternis aufbehalten.18 Denn indem sie hochfahrende Reden voll Nichtigkeit führen, verlocken sie durch fleischliche Gelüste und Ausschweifungen die, welche kaum denen entrinnen,Die durch ihre Bekehrung kaum dem Irrtum entflohen sind. Griech.: die, welche kaum entflohen sind, denen noch manches heidnische und verkehrte anheftet. - welche im Irrtume wandeln,19 indem sie ihnen FreiheitFreilich nicht die Freiheit von der Sünde, sondern die Freiheit zur Sünde. - verheißen, sie, die selber Sklaven des Verderbens sind; denn von wem jemand überwältigt wird, dessen Sklave ist er auch.Bild aus dem Kriegsrechte. -20 Denn wennNachdrucksvolle Behauptung. - die, welche durch die Erkenntnis unsers Herrn und HeilandesErinnerung an die göttliche Macht des Herrn, die für die Gerechten tröstlich, für die Abtrünnigen und Sünder furchtbar ist. An der Persönlichkeit dessen, von dem sie der Sinnlichkeit halber abgefallen sind, ist die Tiefe ihres Falles und die Größe des bevorstehenden Verderbens zu ermessen. - Jesus Christus den Befleckungen der WeltDie Laster und Ausschweifungen. - entronnen sind,Der Zustand vor der Bekehrung wird mit dem durch den Abfall herbeigeführten verglichen. Als Heiden besaßen sie in ihrer Unwissenheit eine Entschuldigung, die ihnen jetzt abgeht. Auf ihren Zustand im Heidentume folgte die Bekehrung, dann der Abfall, und da dieser wohl dauernd ist, ewiges Verderben. Vergl. [Hebr 6,4-6, Hebr 10,26.27]. - sich von denselben doch wieder verstricken und überwinden lassen, so ist bei ihnen das Letzte ärger geworden als das Erste.21 Denn es wäre ihnen besser, den Weg der GerechtigkeitDer Weg der Gerechtigkeit ist das Christentum seinem innersten Wesen nach, besonders indem es die Menschen befähigt, Gutes zu tun. - nicht kennengelernt zu haben, als dass sie, nachdem sie ihn erkannt, sich wieder abwenden von dem heiligen Gebote,Dies ist das Christentum kraft der ihm innewohnenden und die Menschen verpflichtenden göttlichen Autorität. Heilig nennt der Apostel es hier, weil die Irrlehren gerade den stärksten Gegensatz dazu bilden. - das ihnen überliefert ist.22 Es ist ihnen widerfahren, was das wahre Sprichwort sagt: „Der Hund wendet sich zurück zu dem, was er gespieen“; und: „Das Schwein wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kote.“Die beiden hier erwähnten Tiere sind nach der Anschauung des A. T. unrein und verachtet, ein Bild lasterhafter Menschen. Vergl. [Mt 6,7]. Beide Sprüche haben die gleiche Tendenz. Der erste ist [Spr 26,11] entnommen, in der Umgestaltung, welche ihm der Gebrauch gegeben, der andere hat keine Quelle im A. T. Das Erbrechen sinnbildet die Sünden und Laster, in welche sie nach ihrer Bekehrung zurückfallen. Die Verse 20 – 27 zeigen, dass auch der Gerechtfertigte wieder in Sünden fallen und die Gnade Gottes verlieren kann.