b. Aus den Lehren der Irrlehrer handelt der Apostel, damit die Leser der Lehre eingedenk seien, welche sie den Aposteln erhalten (V. 2): 1. Daraus, dass nach der Meinung der Irrlehrer alles von Anfang an so geblieben ist, wie es jetzt ist, wollen diese schließen, dass auch alles so bleiben wird. (V. 4) 2. Indes die so reden, wissen nicht, dass Gott bereits einmal die Welt durch die Sündflut hat untergehen lassen und dass Himmel und Erde jetzt dem Feuer am Tage des Gerichtes aufbewahrt bleibt. (V. 7) Sie wissen nicht, dass Gott ein anderes Maß für die Zeit hat als wir, und dass er, wenn er auf die Erfüllung seiner Verheißungen warten lässt, dies nur tut, um allen Zeit zur Buße zu lassen. (V. 9) 3. Da nun aber der Tag des Herrn sicher kommen wird, mögen die Christen bemüht sein, die Ankunft des Herrn und jene Neuschöpfung schneller herbeizuführen, in welcher die Gerechtigkeit thronen wird. (V. 13) Epilog. (V. 14 – 18): Alles, was er geschrieben, kurz zusammenfassend, mahnt Petrus die Christen: 1. Ein heiliges Leben zu führen. (V. 14) 2. Die ihnen gewährte Zeit zu gebrauchen, um ihr Heil zu wirken, wozu sie auch Paulus nach der ihm von Gott gewordenen Weisheit in seinen Briefen ermuntert, in denen manches schwer ist, was die Irrlehrer, ebenso wie die übrige Schrift, zu ihrem Verderben missbrauchen. (V. 16) 3. Gewarnt mögen die Leser sich hüten, sich in jene Irrtümer verstricken zu lassen, vielmehr wachsen in der Erkenntnis unseres Herrn.
1Sehet, Geliebte!Je größer die Gefahren, desto größer die Besorgnis des Apostels. (Vergl. V. 9, V. 14, V. 17) - dies ist bereits der zweite Brief, den ich euch schreibe, um durch Ermahnungen euern lautern Sinn zu wecken,2 auf dass ihr gedenket an die Worte, die ich aus den heiligen Propheten vorher erwähnt habe,Griech.: Auf dass ihr der von dem heiligen Propheten vorhergesagten Worte und des Gebotes eurer Apostel von dem Herrn und Heiland gedenket. - und an die von euern ApostelnPaulus und seine Mitarbeiter. - mitgeteilten GeboteDie Prophezeiungen sind die des A. T.; die Gebote sind des Heilandes, als dessen, der sie gegeben, der Apostel als derer, die sie kraft des göttlichen Auftrages verkündet haben. - des Herrn und Heilandes.Ist Christus Gott, so steht schwere Strafe bevor, wird sein gebot nicht bewahrt. Ist er der Heiland, wer sollte nicht aus Liebe zu ihm an seiner Offenbarung festhalten? -3 Vor allem wisset,Um fest zu stehen. - dass am Ende der TageVergl. [1Petr 4,7] hier V. 8, V. 9. - Spötter mit Trug kommen werden, welche nach ihren eigenen Lüsten wandeln,Statt die Worte der Propheten und das Gebot des Heilandes und der Apostel zu Wegweisern zu nehmen. -4 und sagen: „Wo ist die Verheißung, oder seineSie nennen nicht einmal den Namen Christi. - Wiederkunft?Griech.: die Verheißung seiner Ankunft. Dieselbe ist im A. wie im N. B. häufig vorausgesagt. Die Irrlehrer suchen diese Verheißung lächerlich zu machen. Vergl. [1Petr 1,18]. - Denn von der Zeit her, wo die Väter entschlafen sind, verbleibt alles so, seitdem die geschaffenen Dinge ihren Anfang genommen!“Hier sind zwei Gedanken ineinander verwebt: Seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt alles, wie es ist; und: Von Anfang der Schöpfung an bleibt alles, wie es ist. Die Väter sind die Väter des Volkes Israel, insbesondere die Patriarchen und Propheten, welchen die Verheißungen gegeben. Der Sinn ist also: So gewiss von Anfang der Welt al alles so geblieben ist, so gewiss wird es auch ferner so bleiben, und so wenig die Prophezeiungen bisher erfüllt sind, so wenig werden sie es werden. Andere verstehen die Worte von den Vätern dieses Geschlechtes, dem die Spötter angehören. Petrus schrieb diesen Brief etwa 35 Jahre nach der Himmelfahrt Christi, Christus aber hatte gesagt: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. [Mt 24,34] Viele erwarteten mit dem Strafgerichte über die Juden die Wiederkehr des Herrn zum Weltgerichte. -5 Absichtlich nämlich vergessen sie dies, dass der HimmelDer Lusthimmel. - einstVon Anbeginn der Schöpfung bis zur Sündflut. Gegensatz V. 7. Wasser bedeckte die Erde bei der Schöpfung, so verdankte sie diesem bei ihrer Gestaltung die Verwirklichung bei der Sündflut den Untergang. - war, und die Erde aus Wasser und durch WasserDe – Stoff, per – Mittel: Wort Gottes und Wasser. - kraft des WortesMit Beziehung auf [1Mos 1,3ff.6.9]. - Gottes sich gestaltet hat,6 wodurch auch die damalige Welt, von Wasser überflutet,Wodurch: durch Wasser. Die damalige Welt ging durch Wasser zu Grunde, die jetzige wird durch Feuer umgestaltet werden (V. 7); dass die Umgestaltung der Welt durch Feuer statthaben werde, findet sich in der heil. Schrift nur an dieser Stelle. - zu Grunde ging.7 Der jetzige Himmel aber und die Erde sind durch dasselbe Wort aufbewahrt und dem Feuer vorbehalten auf den Tag des Gerichtes und des Verderbens der gottlosen Menschen.8 Dies eine aber vergesset nicht,Der erste Einwurf V. 4. In V. 5 hatte er auf einen von jenen Irrlehrern übersehenen Gesichtspunkt hingewiesen. Hier hebt der Apostel denjenigen hervor, welchen die Leser nicht übersehen dürfen und den im Auge zu behalten für sie ausreicht. - Geliebte! dass ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag.[Ps 89,4] Die Zeit der Wiederkunft des Herrn bestimmt nicht die Erwartung der Menschen, sondern die göttliche Langmut. Für Gott ist seit dem Tode der Väter zudem noch keine lange Zeit verflossen; deshalb wird die Erfüllung der Verheißung eintreten, dann, wenn der von ihm gewählte Zeitpunkt da ist. -9 Nicht säumt der Herr mit seiner Verheißung, wie einige meinen, sondern er übt Langmut um euretwillen, indem er nicht will, dass jemand verloren gehe,Ewig - sondern dass sich alle zur Buße wenden.Dies ist die Bedingung für die Sünder, um zu erlangen, was Gott will, dass sie selig werden. -10 Es wird aber der Tag des HerrnDer Tag, an welchem der Herr zum Gerichte kommt. Vergl. [Apg 2,20, Lk 19,41]. Das Bild vom Diebe, vergl. [1Thes 5,2ff, Offenb 3,3, Offenb 16,15], soll die Leser zur Wachsamkeit mahnen. Vergl. [Mt 24,42ff]. - kommen wie ein Dieb; alsdann werden die HimmelDer Lusthimmel, wie V. 7, nicht der Sternenhimmel. Wann die Katastrophe eintritt, ob vor dem Gerichte (Thom.), oder nach demselben (Aug.), steht nicht fest. - mit gewaltigem Krachen vergehen, die Elemente sich in Feuersglut verzehren und die Erde samt ihren Werken auf ihr verbrennen.11 Da nun dies alles einst hinschwinden wird,Das Präsens drückt die Gewissheit der noch zukünftigen Ereignisse aus. - wie sehr sollt ihr euch eines heiligen Wandels und der Gottseligkeit befleißigen,12 indem ihr erwartet und entgegeneilt der Ankunft des Tages des Herrn,Machet durch wahre Buße, dass jene Langmut Gottes nicht notwendig sei. - durch denGriech. wegen deren (Ankunft) - die Himmel in Feuer aufgehen und die Elemente in Gluthitze vergehen werden.13 Einen neuen Himmel aber und eine neue ErdeDer gegenwärtige Himmel und die gegenwärtige Erde werden in einem neuen herrlichen Zustand übertreten. Es ist dies eine weitere Aufmunterung zu heiligem Wandel und ein Trost für die Gläubigen. Vergl. [Offenb 21,1]. - erwarten wir nach seinen Verheißungen,Die Verheißung [Jes 65,17, Jes 66,2]. Es ist ein Trost für die Gläubigen, da sie dort allen Bedrängnissen und Versuchungen entzogen sein werden, es ist auch eine Mahnung, alle Ungerechtigkeit zu meiden, welche von dort ausschließt. - in welchenHimmel und Erde Schauplatz der Sünde und der Erlösung, werden auch die Wohnung der Gerechtigkeit sein. - Gerechtigkeit wohnt.14 Darum, Geliebte! beeifert euch, in der Erwartung dessen,Darum: Zusammenfassung der in V. 5 – 13 gegebenen Darlegungen. Dessen: des in V. 12, V. 13 Gesagten. - unbefleckt und untadeligGegensatz zu den Eigenschaften der Irrlehrer [1Petr 2,13]. - vor ihm erfunden zu werden in Frieden;15 und achtet die Langmut unsers HerrnChristus - für Heil,Etwas, was Heil bezweckt. - so wie auch unser geliebter BruderMitapostel. - Paulus nach der ihm verliehenen Weisheit euch geschrieben hat;Die Antinomianer missbrauchten die Briefe des heil. Paulus, als ob er ihre Irrtümer begünstigte. -16 wieWohl mit Bezug auf die beiden Imperative. V. 14, V. 15a. - auch in allen seinen Briefen, wenn er von diesen Dingen redet, in welchenGrund sie zu erwähnen. - manches Schwerverständliche vorkommt,Die Ursache liegt in der hohen Weisheit des heil. Paulus, die aber auch jeden antinomistischen Irrtum ausschließt. Es können nur die kleinasiatischen Briefe des Völkerapostels in Betracht kommen, also die an die Galater, Kolosser, Epheser. Am wahrscheinlichsten ist, dass der heil. Petrus den Brief an die Epheser im Auge hat, da dieser ein Rundschreiben war und an die Pflicht, der Berufung zum Christentum gemäß zu leben, erinnert. Die Schwierigkeit des Verständnisses teilten die Briefe des heil. Paulus mit der ganzen heil. Schrift. Mit Recht bestimmt deshalb der heilige Kirchenrat von Trient: „Um zügellose Geister in Schranken zu halten, soll niemand auf eigene Einsicht vertrauend in Sachen des Glaubens und der Sitten, welche auf den Aufbau der christlichen Lehren sich beziehen, die heil. Schrift nach seinem Sinne verdrehen, entgegen dem Sinne, welchen die heil. Mutter, die Kirche, der es zusteht, zu entscheiden über den wahren Sinn und die Auslegung der heil. Schriften, festhielt und festhält; oder auch es wagen, gegen die einmütige Übereinstimmung der Väter die Schrift selbst auszulegen, selbst wenn derlei Auslegungen zu keiner Zeit der Öffentlichkeit übergeben werden soll.“ - was die Unwissenden und Schwankenden ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben verdrehen.17 Ihr also, Brüder!Noch einmal wendet der Apostel sich eindringlich an seine Leser. - die ihr dies voraus wisset, seid auf eurer Hut, damit ihr euch nicht durch den Irrwahn der TorenGriech.: der Zuchtlosen. Durch ihre falsche Lehre von der Freiheit leugneten sie die Verpflichtung des Sittengesetzes. - mit fortreißen lasset und eures festen Standes verlustig gehet.18 Wachset vielmehr in der Gnade und in der ErkenntnisWie am Eingange seines Briefes betont der Apostel am Schlusse die christliche Erkenntnis (Gnosis) als Gegenmittel gegen die falsche und antichristliche Gnosis der Irrlehre. - unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Sein ist die Herrlichkeit,Die Doxologie schließt zugleich ein Bekenntnis des Heilandes als Gott und eine Aufforderung in sich ihm anzuhängen. - wie jetzt, so auf den Tag der Ewigkeit.Der Tag an welchem der Herr zu Gericht kommt, und die damit beginnende Ewigkeit. Amen.