d. Im 10. Jahre des Achaz besteigt Osee, der letzte König von Israel, den Thron. Von Salmanasar, König von Assyrien, besiegt, empört er sich, durch Sua, den König von Ägypten, unterstützt. Die Überreste der Israeliten werden nach Assyrien fortgeführt. (V. 6) Schlusswort des zweiten Teiles (V. 7 – 41): Gründe des Unterganges, (V. 23) Beschreibung des Landes nach der Wegführung.
1Im zwölften Jahre Achaz,Er hatte schon im 4. Jahre des Achaz (740 v. Chr.) Phakee ermordet. Wurde er erst jetzt als König anerkannt, so hatte er also solange gegen feindliche Parteien zu kämpfen. - des Königs von Juda, ward Osee, der Sohn Elas, in Samaria über Israel König, neun Jahre.2 Er tat, was vor dem Herrn böse ist; doch nicht wie die Könige von Israel, die vor ihm waren.Er trat wohl wenigstens dem Götzendienste entgegen, wenn er auch nichts gegen die Verehrung der Kälber tat. -3 Gegen ihn zog Salmanasar, der König von Assyrien,Salmanasar IV., unter dem Namen Ululai zugleich König von Babylonien, Sohn des Theglathphalasar, bestieg den Thron im Jahre 727. Als Osee, durch den König von Ägypten Sua verleitete, den Tribut verweigerte, kam Salmanasar 725 zurück und begann die Belagerung von Samaria, die drei Jahre dauerte. Das Ende derselben erlebte er nicht, denn 722 verlor er Thron und Leben an den Usurpator Sargon; erst Asarhaddon und Asurbanipal straften Ägypten. - herauf und Osee ward ihm dienstbar und entrichtete ihm Tribut.4 Als aber der König von Assyrien inne ward, dass Osee, in der Absicht, sich gegen ihn zu empören, Boten zu Sua, dem Könige von Ägypten, gesandt hatte, um nicht, wie alljährlich, dem Könige von Assyrien Tribut zu zahlen, belagerte er ihn und warf ihn gebunden in den Kerker.Nachdem er Samaria erobert hatte. Zuerst wir die Tatsache im allgemeinen berichtet, alsdann folgen die Einzelheiten. -5 Er zog nämlich durch das ganze Land und kam gegen Samaria heran und belagerte es drei Jahre.6 Im neunten Jahre OseesDies entspricht dem sechsten Jahre Ezechias und dem 722. Jahre vor Christi Geburt. - aber nahm der König von Assyrien Samaria ein und führte Israel nach Assyrien hinweg und siedelte sieDies war eine vollständigere Wegführung als die [2Koe 15,29] berichtete, weshalb für die Gefangenschaft Israels genannt wird. - in Hala und in Habor am Strome Gozan,Hebr.: In Hala und am Habor, am Flusse von Gozan und in den Städten Mediens. Hala ist wohl der nördliche Teil von Assyrien, gegen Armenien zu. - den Städten der Meder, an.7 Denn es geschah,V. 8 – 15 bilden die nähere Ausführung des V. 7 Gesagten, während der Nachsatz erst V. 18 folgt. - als die Söhne Israels wider den Herrn, ihren Gott, sündigten, derObwohl er. - sie aus dem Lande Ägypten heraus geführt hatte, aus der Gewalt Pharaos, des Königs von Ägypten, verehrten sie fremde Götter.8 Und sie wandeltenIhr Abfall zeigt sich in zwei Richtungen: In ihrem Wandel nach den Satzungen der heidnischen Völker und in ihrer Verehrung der von den Königen aufgerichteten Kälber. - nach dem Brauche der Völker, welche der Herr vor den Augen der Söhne Israels vernichtetHebr.: Vertrieben. - hatte, und der Könige von Israel, weil sie Gleiches getan.9 Und die Söhne Israels erzürnten den Herrn, ihren Gott, mit Dingen, die nicht recht waren, und bauten sich Höhen in allen ihren Städten, von den Wächtertürmen an bis auf die festen Städte.Von einsamen Gebäuden bis zu volkreichen Städten. -10 Und sie machten sich Bildsäulen und HaineAscheren. - auf jedem erhabenen Hügel und unter jedem laubigen Baume11 und zündeten daselbst Räucherwerk auf den Altären an nach dem Brauche der Völker, welche der Herr vor ihrem Angesicht weggenommen hatte, und taten die schlimmsten Dinge und reizten so den Herrn12 und dienten den unflätigen Götzen, was der Herr ihnen zu tun verboten.Juda wie Israel. So bereiten sich beide das gleiche Los. -13 Und der Herr gab Israel und Juda Zeugnis durch alle Propheten und Seher, indem er sprach: Kehret um von euern bösen Wegen und beobachtet meine Gebote und Gebräuche nach dem ganzen Gesetze, welches ich euern Vätern anbefohlen, und so wie ich es euch durch meine Diener, die Propheten, entboten habe.14 Sie hörten aber nicht darauf, sondern verhärteten ihren Nacken, wie ihre Väter, welche dem Herrn, ihrem Gott, nicht gehorchen wollten.15 Und sie verwarfen seine Satzungen und den Bund, den er mit ihren Vätern geschlossen, und die Warnungen, mit denen er gemahnt, und hingen nichtigen Götzen an und handelten eitel und richteten sich nach den Völkern, welche rings um sie waren, betreffs derer ihnen der Herr geboten hatte nicht zu tun, wie diese taten.16 Und sie ließen alle Gebote des Herrn, ihres Gottes, außer acht und machten sich zwei gegossene Rinder und HaineAscheren. - und beteten das ganze Heer des HimmelsVergl. [5Mos 18,10]. - an, und sie dienten dem BaalVergl. [1Koe 16,32]. -17 und weihten ihre Söhne und Töchter durchs Feuer und trieben Wahrsagerei und Zeichendeuterei und gaben sich hin, zu tun, was böse ist vor dem Herrn, so dass sie ihn zum Zorne reizten.18 Da zürnte der Herr heftig über Israel und verwarf sie von seinem Angesicht und es blieb nichts übrig als der Stamm Juda allein.Mit Benjamin und den Leviten. Vergl. [1Koe 12,20] und [2Chr 24,6]. -19 Aber auch Juda hielt die Gebote des Herrn, seines Gottes, nicht, sondern wandelte in den Irrtümern Israels, die es begangen hatte.Parenthese. V. 20 schließt sich an 18 an. -20 Und der Herr verwarf alle Nachkommen IsraelsDie zehn Stämme. - und schlug sie und gab sie in die Hand von Plünderern, bis er sie von seinem Angesichte verstieß;Jahve schlug sie durch die Heimsuchungen der Feinde und verstieß sie durch die Wegführung. -21 schon von der Zeit an, als Israel sich von dem Hause Davids losrissDiese Losreißung war die Quelle alles Unheils, weil Jeroboam nicht an Jahve festhielt. [1Koe 11,38] - und sie Jeroboam, den Sohn Nabats, zum Könige über sich setzten; denn Jeroboam trennte Israel von dem Herrn und verführte sie zu schweren Sünden.22 Und die Kinder Israels wandelten in allen Sünden Jeroboams, die er getan hatte, und ließen nicht von denselben ab,23 bis der Herr Israel von seinem Angesichte verwarf, wie er durch alle seine Diener, die Propheten, geredet hatte; und Israel wurde aus seinem Lande nach Assyrien weggeführt bis auf diesen Tag.Wo der Verfasser schrieb. Ohne den alten Zusammenhang und die im Vaterlande gewahrte Ordnung wurden die Kinder Israels unter verschiedene Völker verstreut, ohne dass man eine Spur von denselben entdecken kann. Dies ist das unterscheidende Merkmal zwischen der assyrischen Gefangenschaft Israels und der babylonischen Judas, dass die letztere eine vorübergehende, auf eine von den Propheten vorausgesagte Zeit beschränkte war [2Chr 36,21, Jer 29,10] und nicht die Vernichtung Judas als Volk nach sich zog, sondern mit der Rückkehr in das gelobte Land endete. Israel hatte sich in den 250 Jahren seines gesonderten Bestehens gegen alle Erweise der göttlichen Barmherzigkeit und Treue unempfindlich erwiesen und war vom Herrn abgefallen, ja hatte auf den Abfall seinen Bestand gegründet, darum hörte es auf, ein Volk zu sein; Juda hatte sich trotz mancher Versündigungen nie vom Herrn grundsätzlich losgesagt. -24 Der König von Assyrien aber ließ Leute aus Babylon,Der Landschaft Babylon. - aus Kutha, aus Avah,Die Lage von Kutha und Avah ist ungewiss. - aus EmathEmath im Norden von Palästina war bereits unter assyrische Herrschaft gekommen. - und aus SepharvaimSüdlichste Stadt von Mesopotamien. - herbeikommen und setzte sie in die Städte Samarias, an Stelle der Söhne Israels; diese nahmen Besitz von Samaria und ließen sich in dessen Städten nieder.Die Zurückgebliebenen in sich verschlingend und deren Selbständigkeit vernichtend, bildeten sie mit diesen das Mischvolk der Samariter ohne politische und religiöse Einheit. -Fremde Völker werden in Samaria von Löwen getötet
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Scans bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.25 Als sie nun daselbst zu wohnen begannen, fürchteten sie den Herrn nicht; da sandte der Herr Löwen unter sie, welche sie töteten.Die Zahl der Ansiedler war wohl nicht so groß wie die der Weggeführten. So geschah es, dass die Löwenplage sich mehrte. Zugleich war dies eine Strafe des Herrn. [3Mos 26,22] Die Ansiedler betrachteten die Löwen als eine vom Landesgotte dafür verhängte Plage, dass sie ihn nicht verehrten, und baten den König (V. 26) um jemanden, der sie in dessen Verehrung unterrichtete. Der ihnen zugesandte Priester war ein israelitischer Kälberpriester, der deshalb auch seinen Sitz in Bethel nimmt. So wurde das Land nicht gänzlich heidnisch. -26 Dies ward dem Könige von Assyrien berichtet und gesagt: Die Völker, welche du weggeführt und denen du die Städte Samarias als Wohnsitze zugewiesen hast, kennen die Gesetze des Gottes des Landes nicht; darum hat der Herr Löwen unter sie gesandt und siehe, diese töten sie, weil sie die Verehrung des Gottes des Landes nicht kennen.27 Da gebot der König von Assyrien und sprach: Führet einen von den Priestern, die ihr von dort gefangen hergeführt habt, dorthin, er gehe hin und wohne bei ihnen und lehre sie, was dem Gotte des Landes gebührt.28 So kam denn einer von den Priestern, welche aus Samaria gefangen weggeführt waren, und ließ sich in Bethel nieder und lehrte sie, wie sie den Herrn verehren sollten.29 Indes fertigte sich ein jedes Volk seinen eigenen Gott und diese stellten sie in den Höhentempeln auf, welche die Samariter gemacht hatten, ein jedes Volk in seinen Städten, in denen es sich niedergelassen hatte.30 Denn die Babylonier machten sich Sochothbenoth,Wörtlich: Töchterhütten, vielleicht Ausdruck für ein Götzenbild. - die Männer von Kutha machten sich den Nergel,Löwengott. - die Männer von Emath machten sich den Asima,Äskulap? -31 die HeviterRichtiger: Aviter. - machten sich den Nebahaz und Tharthak.Unbekannt. - Die aber, welche aus Sepharvaim waren, verbrannten ihre Söhne im Feuer dem Adramelech und Anamelech,Dem Molochdienste angehörige Götzenbilder. - den Göttern von Sepharvaim,32 und gleichwohl verehrten sie auch den Herrn. Sie machten sich aber aus den Geringsten im VolkeHebr.: Beliebige Leute aus ihrer Mitte. - Höhenpriester und setzten sie über die Tempelhöhen.33 Und obwohl sie den Herrn verehrten, dienten sie auch ihren Göttern nach der Gewohnheit der Völker, aus deren Mitte sie nach Samaria versetzt waren.34 Bis auf diesen Tag tun sie nach ihrem alten Brauche, sie fürchten den Herrn nicht und beobachten seine Gebräuche nicht, noch die Rechte und das Gesetz und die Gebote, welche der Herr den Söhnen Jakobs vorgeschrieben hat, welchen er Israel benannte35 und mit denen er einen Bund geschlossen und denen er geboten und gesagt hatte: Fürchtet keine fremden Götter und betet sie nicht an noch verehret sie und opfert ihnen nicht,36 sondern den Herrn, euern Gott, der euch aus dem Lande Ägypten mit großer Kraft und mit ausgestrecktem Arme herausgeführt hat, diesen fürchtet und diesen betet an und ihm opfert!37 Haltet auch die Satzungen und Rechte und das Gesetz und das Gebot, welches er euch vorgeschrieben, dass ihr sie allezeit tuet, und fürchtet keine fremden Götter,38 und vergesset des Bundes nicht, den er mit euch geschlossen hat, und dienet nicht fremden Göttern,39 vielmehr fürchtet den Herrn, euern Gott, so wird er euch aus der Hand aller eurer Feinde erretten.40 Sie hörten aber nicht darauf, sondern taten nach ihren früheren Gewohnheiten.41 So fürchteten diese Völker zwar den Herrn, aber gleichwohl dienten sie auch ihren Götzen; denn auch ihre Söhne und Enkel tun so, wie ihre Väter getan haben, bis auf den heutigen Tag.Da die Samariter die fünf Bücher Moses anerkannten, vermochten die späteren Juden sie nicht den Heiden beizuzählen, doch wollten sie dieselben auch nicht als Israeliten betrachten, da sie solche nicht mehr waren. Auch die alte Feindschaft zwischen Juda und Ephraim übte wohl hierbei ihren Einfluss.