2. Könige 4
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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C. Wunder des Eliseus zur Hilfe für einzelne Personen vollbracht. (4,1 – 6,7) a. Er mehrt einer armen Witwe das Öl (V. 7), erlangt einem unfruchtbaren Sunamitischen Weibe einen Sohn (V. 17), erweckt diesen vom Tode (V. 38), hebt die Bitterkeit einer Speise (V. 41), mehrt die Erstlingsbrote.
1 Eine aber von den Frauen der Propheten rief Eliseus an und sprach: Dein Diener, mein Mann, ist gestorben und du weißt, dass dein Diener den Herrn fürchtete; siehe, jetzt kommt der Gläubiger, um meine zwei Söhne zu nehmen, dass sie ihm dienstbar werden. Vergl. [3Mos 25,39, Mt 18,25]. - 2 Da sprach Eliseus zu ihr: Was willst du, dass ich dir tue? Sage mir, was hast du in deinem Hause? Sie antwortete: Ich, deine Magd, habe nichts in meinem Hause, außer ein wenig Öl, mich damit zu salben. Hebr.: Außer einem Krug Öl. Sie bewahrte das Öl wohl zu ihrer Salbung nach dem Tode. - 3 Da befahl er ihr: Gehe hin und borge dir von allen deinen Nachbarn leere Gefäße, nicht wenige. 4 Alsdann geh in dein Haus und verschließe deine Tür, Sie soll im Aufblicke zu Gott und im Glauben handeln. - wenn du mit deinen Söhnen darinnen bist, und gieße aus jenem in alle diese Gefäße ein, und wenn sie voll sind, nimm sie weg! 5 Da ging das Weib hin und schloss die Tür hinter sich und ihren Söhnen und diese reichten die Gefäße, sie aber goss in dieselben ein. 6 Als nun die Gefäße voll waren, sprach sie zu ihrem Sohne: Bringe mir noch ein Gefäß her! Dieser aber antwortete: Ich habe keines mehr! Und das Öl stand still. 7 Da ging sie hin und zeigte es dem Manne Gottes an, Die Frau will das wunderbar Erhaltene nicht verwenden, ohne den Propheten befragt zu haben. - er aber sprach: Gehe hin, verkaufe das Öl und bezahle deinen Gläubiger; du aber und deine Söhne lebet von dem übrigen. 8 Es geschah nun eines Tages, dass Eliseus durch Sunam Siehe [Jos 19,18]. - zog; daselbst wohnte eine angesehene Frau, welche ihn anhielt, dass er Speise Bei ihr. - zu sich nehme, und so oft er dort vorüberzog, kehrte er bei ihr ein, um Speise zu sich zu nehmen. 9 Diese sprach zu ihrem Mann: Ich merke, dass dieser Mann, welcher so oft bei uns durchzieht, ein heiliger Mann Gottes ist. 10 Darum lass uns ihm ein kleines Gemach Nach dem Hebräischen einen Söller. - einrichten, ein Bett, einen Tisch und Stuhl und Leuchter hineinsetzen, dass er dort bleibe, wenn er zu uns kommt. 11 So begab es sich eines Tages, dass er dorthin kam und in das Gemach einkehrte und daselbst ruhte. 12 Da sprach er zu seinem Diener Giezi: Rufe die Sunamitin dort! Als dieser sie gerufen und sie vor ihn Vor Giezi. - trat, 13 sprach er Vielleicht ist V. 13 als Parenthese zu fassen, in der nachgeholt wird, was Eliseus zu Giezi sprach, und demnach als Plusquamperfekt zu fassen: Er hatte zu seinem Diener gesprochen. - zu seinem Diener: Sage zu ihr: Siehe, du hast uns in allem eifrig bedient, was willst du, dass ich dir tun soll? Hast du etwa ein Anliegen und willst du, dass ich mit dem Könige oder mit dem Heerführer rede? Sie antwortete: Ich wohne inmitten meines Volkes. Friedlich, ohne Beschwerde, und ich bedarf also nicht der Fürsprache bei so hohen Personen. (Theodor) - 14 Er sprach: Was will sie also, dass ich ihr tue? Giezi antwortete: Frage nicht! sie hat ja keinen Sohn und ihr Mann ist alt. 15 Da befahl er ihm, sie zu rufen. Als dieser sie gerufen hatte und sie vor dem Eingange stand, Sie tritt aus Ehrfurcht und Anstand nur in die Tür. - 16 sprach er zu ihr: Um diese Zeit und zu eben dieser Stunde, Hebr.: Um diese Zeit, wenn das Leben fortdauert, um diese Zeit über ein Jahr. Der Sunamitin soll eine ähnliche Gnade zuteil werden wie Sara. [1Mos 18,10] - da du lebst, wirst du einen Sohn in deinem Leibe haben. Sie aber antwortete: Ich bitte, mein Herr, Mann Gottes, sage doch deiner Magd nichts Unwahres! 17 Und die Frau empfing und gebar einen Sohn, um die Zeit und um die Stunde, die Eliseus bezeichnet hatte. 18 Und der Knabe ward groß. Da geschah es eines Tages, dass er zu seinem Vater, zu den Schnittern hinausging; 19 dort sprach er zu seinem Vater: Mein Kopf tut mir weh, mein Kopf tut mir weh! Wohl Folge des Sonnenstiches. Vergl. [Ju 8,2.3]. - Dieser befahl seinem Knechte: Nimm ihn und bringe ihn zu seiner Mutter! 20 Da nahm er ihn und brachte ihn zu seiner Mutter; diese legte ihn auf ihre Kniee bis zum Mittag, alsdann starb er. 21 Da ging sie hinauf, legte ihn auf das Bett des Mannes Gottes, schloss die Tür, Sie will den Tod noch geheim halten, wohl aus Vertrauen auf die Hilfe des Mannes Gottes. - und als sie außen war, 22 rief sie ihren Mann und sprach: Ich bitte, sende einen von den Knechten mit mir und gib mir eine Eselin, dass ich zu dem Manne Gottes eile und wiederkomme. 23 Dieser aber sprach: Warum gehst du zu ihm? Es ist heute nicht Neumond noch Sabbat. Sie antwortete: Ich will gehen! 24 Als sie nun die Eselin gesattelt hatte, befahl sie dem Knechte: Treibe und eile und mache mir keinen Aufenthalt auf dem Wege und tue das, was ich dir befehle! 25 So zog sie denn hin und kam zu dem Manne Gottes auf den Berg Karmel. Als der Mann Gottes sie von ferne sah, sprach er zu Giezi, seinem Diener: Siehe, da kommt die Sunamitin! 26 Gehe ihr doch entgegen Dass Eliseus ihr seinen Diener entgegen sendet, ist ein Zeichen besonderer Hochachtung. - und sprich zu ihr: Geht es dir wohl und deinem Mann und deinem Sohn? Sie antwortete: Ja. Der Sinn ist ähnlich wie im Deutschen, wenn man sagt: Gut, um keine bestimmte Antwort geben zu müssen. - 27 Als sie aber zu dem Manne Gottes auf den Berg kam, umfasste sie seine Füße; doch Giezi trat hinzu, um sie zu entfernen. Der Mann Gottes indes sprach: Lass sie! denn ihre Seele ist betrübt und der Herr hat es mir verborgen und es mir nicht kundgetan. 28 Sie sprach zu ihm: Habe ich denn einen Sohn von meinem Herrn begehrt? Habe ich dir nicht gesagt: Täusche mich nicht? Noch sagt sie in ihrem Schmerze nicht, was ihr begegnet ist, aber Eliseus erkennt es aus dem, was sie gesprochen. - 29 Er sprach zu Giezi: Umgürte deine Lenden, Vergl. [1Koe 18,46]. - nimm meinen Stab und gehe hin! Begegnet dir ein Mensch, so grüße ihn nicht, und grüßt dich jemand, so antworte ihm nicht, Schnell und ohne von deinem Auftrage viel zu reden. - und lege meinen Stab Das Zeichen der Würde des Propheten. (Vergl. [2Mos 4,17] u.a.), diese soll für diesen Fall Giezi gleichsam übertragen werden. Dieses Vorgehen war ihm vom Herrn ebenso wenig befohlen, wie der Herr ihm den Tod offenbart hatte. Auch Nathan irrte [2Sam 7,3] bei bester Absicht. Die Macht und Wunderkraft, welche Gott dem Eliseus verliehen, war eine besondere Gabe, über welche der Prophet weder nach Belieben verfügen, noch die er einem andern übertragen konnte. - auf das Angesicht des Knaben. 30 Die Mutter des Knaben aber sprach: So wahr der Herr lebt und deine Seele lebt, ich lasse dich nicht! Du musst selbst mitgehen. Das Drängen des Weibes entspringt der Überzeugung, dass ihr Sohn bereits tot ist und nur der Prophet Hilfe bringen kann. - Alsbald machte er sich auf und folgte ihr. 31 Giezi aber war ihnen vorausgegangen und hatte den Stab auf das Angesicht des Knaben gelegt, doch da war weder Laut noch Lebenszeichen. Da kehrte er um, ging ihm entgegen, meldete ihm und sprach: Der Knabe ist nicht aufgestanden. 32 Als nun Eliseus in das Haus kam, siehe, lag der Knabe tot auf seinem Bette. 33 Da ging er hinein, verschloss die Türe hinter sich und hinter dem Knaben und betete zu dem Herrn. 34 Sodann stieg er hinauf, streckte sich über den Knaben, legte seinen Mund auf dessen Mund Septuag.: blies ihm Odem ein. (Anlehnung an [1Mos 2].) - und seine Augen auf dessen Augen und seine Hände auf dessen Hände und beugte sich hin über ihn, da ward der Leib des Knaben warm. Ähnlich ist das Wunder des Elias [1Koe 17,20ff], nur dass hier die Wiederbelebung stufenweise vor sich geht. - 35 Dann wendete er sich wieder weg und ging im Hause einmal hin und her, Er wartet mit Spannung auf die Erhörung seines Gebetes. - alsdann stieg er wieder hinauf und streckte sich über den Knaben; da gähnte Hebr.: nieste. - derselbe siebenmal und tat seine Augen auf. 36 Hierauf rief Eliseus Giezi und sprach zu ihm: Rufe die Sunamitin! Sie kam auf den Ruf und ging zu ihm hinein. Und er sprach: Nimm deinen Sohn! 37 Jene kam, fiel ihm zu Füßen und verneigte sich bis zur Erde, alsdann nahm sie ihren Sohn und ging hinaus. 38 Hierauf Anknüpfung an [1Koe 2,1]. - kehrte Eliseus wieder nach Galgala zurück. Es herrschte aber eine Hungersnot im Lande und die Söhne der Propheten wohnten unter seiner Aufsicht. Führten ein gemeinschaftliches Leben mit ihm. - Da sprach er zu einem von seinen Dienern: Setze einen großen Topf bei und koche ein Gemüse für die Söhne der Propheten. 39 Und einer ging auf das Feld hinaus, um Feldkräuter zu sammeln; dort fand er etwas wie eine Feldranke, Die rankende Koloquinten-Staude, welche eine Art wilder Kürbisse trägt, von den Arabern Pflanze des Todes genannt. - sammelte von derselben wilde Kürbisse, füllte seinen Mantel damit, kam heim und schnitt sie in den Gemüsetopf; er wusste nämlich nicht, was es war. 40 Darauf richteten sie dieselben für die Genossen an, dass sie aßen; doch als sie von dem Gekochten gekostet hatten, schrieen sie und sprachen: Der Tod ist im Topfe, Mann Gottes! Die heftige Bitterkeit ließ sie Gift glauben. - Und sie konnten es nicht essen. 41 Er aber sprach: Bringet Mehl herbei! Als sie dies gebracht hatten, warf er es in den Topf und sprach: Richte es an für die Gemeinde, dass sie essen! Nun war keine Bitterkeit mehr im Topfe. 42 Es kam aber ein Mann von Baalsalisa und brachte dem Manne Gottes Erstlingsbrote, Brot von den ersten Früchten. - zwanzig Gerstenbrote Kleine flache Brotkuchen. - und neues Getreide in seinem Sacke. Dieser aber sprach: Gib es den Leuten, dass sie essen! 43 Sein Diener aber antwortete ihm: Wie viel ist das, dass ich es hundert Menschen vorsetzen sollte? Er sprach wiederum: Gib es den Leuten, dass sie essen! denn so spricht der Herr: Sie werden essen und es wird noch übrigbleiben. Da der Diener bei dem erstmaligen Befehle Bedenken äußert, wiederholt Eliseus denselben mit der Angabe des Grundes: Jahve hat mir offenbart. Dieses Wunder ist ein Vorbild der wunderbaren Speisung des Volkes in der Wüste durch Christus. [Mt 14,16, Mt 15,36ff, Joh 6,11ff] Gott wendet den Prophetenjüngern das zu, was er im Gesetze den levitischen Priestern zuerteilt hatte. [5Mos 18,4ff, 3Mos 18,13] - 44 Er legte es ihnen also vor und sie aßen und es blieb noch übrig nach dem Worte des Herrn. Die meisten in Kap. 4-8 erzählten Wunderwerke fallen in die Regierungszeit Jorams. Dieselben sind denen des Elias gleichartig. Durch die Teilung des Jordans [2Koe 2,8.14] die Totenerweckung [2Koe 4,34]. (Vergl. [1Koe 17,19ff]) die Mehrung des Öls [2Koe 4,3ff] vergl. [1Koe 17,19ff] erwies sich Eliseus als der von Gott berufene Nachfolger des Elias, wie Josue durch das Wunder am Jordan sich als den Nachfolger Moses bewies, der das rote Meer teilte. Waltet aber bei Elias in seinem ganzen Auftraten richterliche Strenge vor, so bei Eliseus helfende Milde. Elias tut ein Wunder, dem Nächsten zu helfen, Eliseus nur ein Strafwunder. Elias hatte die Herrschaft der Baalpriester zu brechen und Jahves Ansehen wieder herzustellen, Eliseus soll die Bekehrung der Israeliten zu Ende führen. Die Zeitfolge ist bei der Zusammenstellung der Taten des Eliseus nicht als Richtschnur genommen.
Zitiert in 3
- V. 13 Summa (EN)(II-II 187.2)
- V. 27 Summa (EN)(II-II 171.2)
- V. 38 Summa (EN)(II-II 172.4)