2. Könige 6

c. Eliseus lässt das Eisen einer Axt, das in das Wasser des Jordans gefallen, schwimmen. (V. 7) D. Eliseus und Benadad, der König von Syrien. (6,8 – 8,15) a. Benadad will Eliseus ergreifen, weil dieser dem Könige von Israel keine Kriegslist offenbart hat (V. 13), doch der Prophet führt das syrische Heer nach Samaria und stellt es dann dem Könige von Syrien zurück. (V. 23) b. Benadad belagert Samaria so lange, dass die Mütter ihre Kinder verzehren. (V. 29) Eliseus wird deshalb von dem Könige Israel mit Vorwürfen überhäuft. (V. 33)

Die Söhne der Propheten aber sprachen zu Eliseus: Siehe, der Ort, Wohl Galgala, da die Stelle an [2Koe 4,38] anzuknüpfen scheint. Dieser Ort lag vom Jordan nur 6-7 Stunden entfernt. - an welchem wir unter deiner Aufsicht wohnen, ist zu eng für uns. Lass uns an den Jordan gehen und einen jeden Bauholz aus dem Walde holen, dass wir uns da eine Wohnstätte bauen! Er sprach: Gehet hin! Einer von ihnen aber sagte: So komm auch du mit deinen Dienern. Er antwortete: Ich werde kommen. Die Verlegung hat statt. - Und er machte sich mit ihnen auf den Weg. Als sie nun am Jordan angekommen waren und Holz fällten, geschah es, dass, als einer Holz fällte, das Eisen der Axt in das Wasser fiel. Er schrie auf und sprach: Ach, ach, ach, mein Herr! und ich hatte es noch dazu geliehen! Die Prophetenjünger übten die Armut, so konnte er keine neue kaufen. - Der Mann Gottes aber sprach: Wohin ist es gefallen? Als ihm jener den Ort zeigte, schnitt er ein Holz ab und stieß damit hinein, da schwamm das Eisen. Hierauf sprach er: Fasse es! Jener streckte seine Hand aus und fasste es. Das Wunder war in seinem Ziele dem des Stater im Maule des Fisches ähnlich [Mt 17,26], ebenso wie die wunderbaren Speisungen vieler Tausende; es sollte zeigen, dass der Herr jeder irdischen Not abhelfen kann und im Kleinen hilft wie im Großen. - Während aber der König von Syrien gegen Israel Krieg führte, hielt er mit seinen Dienern Rat und sprach: An dem und dem Orte wollen wir einen Hinterhalt legen. Der Mann Gottes sandte nun zu dem Könige von Israel und ließ ihm sagen: Hüte dich, an jenen Ort zu ziehen, Richtiger: An jenem Orte vorüberzuziehen. - denn dort liegen die Syrer im Hinterhalte. Eigentlich wohl: dort werden sie liegen. - Der König von Israel sandte also an den Ort, den ihm der Mann Gottes angegeben hatte, und besetzte ihn zuvor und war daselbst auf seiner Hut, nicht nur einmal oder zweimal. Das Herz des Königs von Syrien ward über dieses Ereignis bestürzt und er rief seine Diener zusammen und sprach: Warum zeigt ihr mir nicht an, wer mein Verräter bei dem Könige von Israel ist? Einer von seinen Dienern entgegnete: Nicht doch, mein Herr und König! sondern der Prophet Eliseus, welcher in Israel ist, teilt dem Könige von Israel alle Worte mit, welche du in deinem Gemache redest. Er sprach zu ihnen: Gehet hin und sehet zu, wo er ist, damit ich hinsende und ihn ergreifen lasse. Sie zeigten es ihm an und sprachen: Siehe, er ist in Dothan! Dothan lag 5-6 Stunden nördlich von Samaria auf einer Anhöhe. - Er sandte also Rosse und Wagen und ein starkes Heer Fußvolk. - dorthin, diese kamen des Nachts an und umringten die Stadt. Als aber der Diener des Mannes Gottes am frühen Morgen aufstand und hinausging, sah er das Heer rings um die Stadt und die Rosse und die Wagen und zeigte es ihm an und sprach: Ach, ach, ach, mein Herr! was sollen wir tun? Er aber antwortete: Fürchte dich nicht, denn mit uns sind mehr als mit ihnen. Alsdann betete Eliseus und sprach: Herr, öffne seine Augen, Versetze ihn in Verzückung. - dass er sehe! Da öffnete der Herr die Augen des Dieners und er sah; siehe, der Berg rings um Eliseus her war mit feurigen Rossen und Wagen bedeckt. Die feurige Gestalt deutet den Ursprung dieser Hilfe an. - Während nun die Feinde gegen ihn anrückten, flehte Eliseus zu dem Herrn und sprach: Ich bitte, schlage dieses Volk mit Blindheit! Und der Herr schlug sie, dass sie nicht sahen, Nicht erkannten, wo sie waren. - nach dem Worte des Eliseus. Eliseus aber sprach zu ihnen: Dies ist nicht der Weg und dies ist die Stadt nicht; folget mir, so werde ich euch den Mann zeigen, den ihr sucht. Eliseus antwortet nicht auf eine Frage der Syrer, sondern auf ihre Absicht: Ihr sucht Eliseus; kommet mit mir, ich zeige euch den Weg in die Stadt, wo er wohnt (nach Samaria), und ihn selbst dort. Dass jene ihn nicht erkannten, fügte Gott. Die Syrer wollten ihn fangen, statt dessen fängt er sie, indes nicht zu ihrem Schaden, sondern nachdem er ihnen gezeigt, dass sie den Propheten in Israel nicht anzutasten vermögen, nimmt er sie in Schutz und vergilt ihnen Böses mit Gutem, ihnen so den Mann in seinem innersten Wesen zeigend, den sie suchten. - Sodann führte er sie nach Samaria. Als sie nach Samaria hineingekommen waren, sprach Eliseus: Herr, öffne ihre Augen, dass sie sehen! Da öffnete der Herr ihre Augen und sie sahen, dass sie mitten in Samaria waren. Der König von Israel aber sprach zu Eliseus, als er sie sah: Soll ich sie erschlagen, mein Vater? So redeten wohl ursprünglich die Prophetenschüler ihr Oberhaupt an, ein Name, der dann, ähnlich wie unser Vater, allgemein üblicher Titel des Vorstehers ward. - Dieser antwortete: Erschlage sie nicht! denn du hast sie nicht mit deinem Schwerte und deinem Bogen gefangen genommen, dass du sie erschlagen solltest, sondern setze ihnen Brot und Wasser vor, dass sie essen und trinken, hiernach mögen sie zu ihrem Herrn ziehen. Das Wunder sollte den Syrern zeigen, dass sie einem Propheten des wahren Gottes gegenüberstanden, und sie lehren, diesen zu fürchten. (Chrys., Theod.) Mit ihrer Tötung wäre der Zweck desselben vereitelt worden. - Man setzte ihnen also ein großes Mahl vor; und nachdem sie gegessen und getrunken hatten, entließ er sie und sie zogen zu ihrem Herrn hin. Fortan kamen keine Streifscharen von Syrien mehr in das Land Israel. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass ein Krieg entbrannte, wie alsbald berichtet wird. - Darnach aber begab es sich, dass Benadad, der König von Syrien, sein ganzes Heer sammelte und hinaufzog und Samaria belagerte.
Eine Hungersnot in Samaria
Und es entstand eine große Hungersnot in Samaria; es wurde so lange belagert, bis der Kopf eines Esels um achtzig Silberlinge verkauft wurde Der Esel war ein unreines Tier, sein Fleisch also nicht gestattet. Der Kopf ist zudem das Ungenießbarste an dem Tiere. Wird ein Silbersekel (es sind wohl königliche) zu 1 ½ Mark gerechnet, so kostete der Eselskopf (oder liegt ein Schreibfehler vor und ist Chomer (Maß) zu lesen?) etwa 105 Mark. Eine Parallele bietet Plutarch: 60 Drachmen, während sonst ein ganzer Esel 20-30 Drachmen (13 – 19 ½ Mark) kostete. Nach Plinius kam bei der Belagerung von Casalinum durch Hannibal eine Maus auf 200 Denare. - und ein Viertel Kab Taubenmist Taubenmist: bildliche Bezeichnung für die ärmste Speise, vielleicht für die geringste Getreideart, die man wegen der weißen Farbe so benannte. Ein Kab = 1/6 Seah, etwa 2 Liter für gegen 6,5 Mark. - um fünf Silberlinge. Als nun der König von Israel einmal auf der Mauer dahinschritt, rief ihn eine Frau an und sprach: Rette mich, mein Herr und König! Er sprach: Rettet dich der Herr nicht, woher kann ich dich retten? Mit etwas von der Tenne oder von der Kelter? Es ist keines der wesentlichsten Nahrungsmittel mehr vorhanden. Doch die Frau antwortet: Nicht dies verlange ich von dir, sondern als Richter rufe ich dich an. - Sodann sprach der König zu ihr: Was willst du? Sie antwortete: Dieses Weib hier hat zu mir gesagt: Gib deinen Sohn her, dass wir ihn heute essen, und meinen Sohn wollen wir morgen essen. So kochten wir denn meinen Sohn und aßen ihn. Buchstäblich gingen die Flüche des Gesetzes [3Mos 26,29, 5Mos 28,53.57] in Erfüllung. - Am andern Tage sprach ich zu ihr: Gib deinen Sohn her, dass wir ihn essen! Sie aber hielt ihren Sohn verborgen. Als der König dies hörte, zerriss er seine Kleider und ging weiter auf der Mauer. Und alles Volk sah das härene Gewand, mit dem er auf bloßem Leibe angetan war. Der König sprach: Dies tue mir Gott an und so tue er weiter, wenn der Kopf des Eliseus, des Sohnes Saphats, heute auf ihm sitzen bleibt! Die Bußgesinnung des Königs, welche das Bußkleid andeutet, geht nicht tief, da er, mit diesem angetan, dem Propheten den Tod schwört. Der Schwur des Königs erinnert an den seiner Mutter Jezabel gegen Elias [1Koe 19,2]. Eliseus hatte wohl den Rat gegeben, die Stadt bis aufs äußerste zu verteidigen, und Hilfe von Gott zugesagt, wenn das Volk Buße täte. Das äußere Werk allein soll Gott versöhnen, und da desungeachtet die Hilfe nicht kommt, gerät der König in Wut gegen den Propheten, der sie nicht schafft. (Theodor) - Eliseus aber saß in seinem Hause und die Ältesten saßen bei ihm. Da sandte der König einen Mann voraus. Ehe aber dieser Bote noch ankam, sprach Eliseus zu den Ältesten: Wisset ihr auch, dass dieser Mörderssohn Nach Abstammung und Gesinnung war Joram ein wahrer Sohn Achabs und Jezabels [1Koe 21,19, 1Koe 18,4]. - hersendet, um mir den Kopf abzuschlagen? Gebet denn acht! wenn der Bote kommt, schließet die Türe zu und lasset ihn nicht hereinkommen; denn sehet, das Geräusch der Füße seines Herrn ist hinter ihm. Und dieser ändert seinen Befehl wohl. - Noch redete er mit ihnen, da erschien der Bote, der zu ihm kam. Und er Der König, der inzwischen gekommen ist. - sprach: Siehe, so großes Unglück ist von dem Herrn; was soll ich noch von dem Herrn erwarten? Wenn Gott es dahin hat kommen lassen, dass eine Mutter ihr Kind schlachtet und isst, was kann ich da noch von ihm erwarten und hoffen?

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