2. Samuel 15
Biblia Sacra (Allioli-Arndt)
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b. Empörung und Tod des zweiten Sohnes Davids. (15,1 – 18,33) 1.) Absalom bereitet, die Güte seines Vaters missbrauchend, einen Aufstand gegen David vor und empört sich. (V. 12) David muss Jerusalem verlassen und dem Jordan zu fliehen.
1 Hiernach Der König fürchtet, dass das „Schwert“ [2Sam 2,10] noch nicht ganz von ihm gewichen. Den boshaften Absalom kränkte die halbe Verzeihung, daher entstand in seinem Herzen zuerst Abneigung gegen den Vater, dann keimte der Plan, ihn der Herrschaft zu berauben. Wie Absalom sich vordem gegen Amnon schlau verstellt, so heuchelt er jetzt gegen den König kindliche Liebe. - schaffte sich Absalom Wagen und Reiter an, dazu fünfzig Männer, die vor ihm hergingen. Wohl der Pomp, mit welchem der König sich umgab. - 2 Und Absalom pflegte sich des Morgens aufzumachen und sich an den Eingang des Tores Der Pforte des Königspalastes. Was Absalom sagt, ist Erfindung, wie die Geschichte der Frau von Thekua zeigt. - zu stellen; und jeden Mann, der einen Rechtshandel hatte, wegen dessen er vor des Königs Gericht kommen wollte, rief er zu sich und sprach: Aus welcher Stadt bist du? Wenn dieser dann antwortete und sprach: Aus dem und dem Stamme Israels bin ich, dein Diener, 3 so entgegnete Absalom ihm: Deine Aussagen scheinen mir gut und gerecht, aber es ist niemand vom Könige bestellt, der dir Gehör gebe. Und Absalom sprach: 4 Wer möchte mich zum Richter über das Land setzen, dass alle zu mir kommen, die einen Rechtshandel haben, und ich richte, wie es recht ist? Am leichtesten konnte das Volk wohl zum Aufstande gebracht werden, wenn die Gerichte ungerecht waren. - 5 Aber auch wenn jemand ihm nahte, um ihn zu begrüßen, Durch Niederwerfen. Jetzt ist alles vorbereitet. An Vorwänden zum Aufstande fehlt es nicht, Joab, welcher die zweite Stelle nach David innehatte, war stolz und allgemein verhasst. Seine nicht gestraften Verbrechen hatten auch dem Könige die Herzen entfremdet, wie Davids Verhalten gegen Bethsabee und Urias sein Ansehen geschädigt hatte. Absalom gewann durch seine Leutseligkeit und seine schöne Gestalt wie durch seine voraussichtliche Thronfolge, von der auch ein Aufstand seinerseits ihn nicht ausschloss, viele Anhänger. Ob Sieger oder Besiegter, schien er nicht Lenker der Geschicke aller werden zu sollen? - so streckte er die Hand aus und umfing ihn und küsste ihn. 6 So tat er allen aus Israel, die zum Gerichte kamen, um vom Könige gehört zu werden, und so suchte er die Herzen der Männer Israels zu gewinnen. 7 Nach vierzig Jahren Lies mit Keri, Syr. und Joseph sowie alten latein. Handschr. 4 Jahre, denn Davids ganze Herrschaft dauerte nur 40 Jahre. Vier Jahre nach der Versöhnung. - aber sprach Absalom zu dem Könige David: Ich will hingehen und meine Gelübde erfüllen, welche ich dem Herrn in Hebron gemacht habe; Vor Erbauung des Tempels waren die Opfer nicht auf Jerusalem beschränkt. Hebron war damals die zweite Hauptstadt von Juda. Die Einwohner dieser Stadt waren wohl unzufrieden, dass der Hof nach Jerusalem übergesiedelt war. - 8 denn dein Diener hat, als er zu Gessur in Syrien war, gelobt und gesprochen: Wenn mich der Herr wieder nach Jerusalem zurückführt, so will ich dem Herrn ein Opfer bringen. 9 Da sprach der König David zu ihm: Gehe hin in Frieden! Und er machte sich auf und ging nach Hebron. 10 Absalom aber sandte in alle Stämme Israels Kundschafter und ließ sagen: Sobald ihr den Schall der Posaune hört, Der Trompetenschall bedeutete etwas Ungewöhnliches. Wenn man ihn von Hebron aus ertönen hörte, sollten auch die benachbarten Städte ihre Bewohner aufrufen, um im Falle eines Kampfes jeden Befehles gewärtig zu sein. Wenn dann die Männer bewaffnet zusammenkamen, sollten Absoloms Anhänger die Unschlüssigen mit fortreißen. Die ganze Sache ward sehr geheim betrieben. - so sprechet: Absalom ist König geworden in Hebron! 11 Es zogen auch zweihundert Männer Vielleicht Männer von Ansehen, damit diese David nicht halfen und Absalom mit dem Scheine umgaben, er werde auf Befehl des Königs zum Herrscher ausgerufen. Vielleicht auch dienten sie als Geiseln. - von Jerusalem mit Absalom, die dazu aufgefordert waren und in der Einfalt ihres Herzens mitgingen, ohne die Ursache im geringsten zu ahnen. 12 Auch ließ Absalom Achitophel, den Giloniter, Davids Berater, aus seiner Vaterstadt Gilo holen. Als er nun die Opfer darbrachte, bildete sich eine mächtige Verschwörung und das Volk lief zusammen und wurde immer zahlreicher um Absalom. Ob Absalom auch gesalbt ward? - 13 Da kam ein Bote zu David und sprach: Ganz Israel folgt Absalom von ganzem Herzen nach. Wieder das Schwert! - 14 David sprach zu seinen Dienern, welche bei ihm in Jerusalem waren: Auf, lasset uns fliehen! David flieht nicht aus blinder Furcht, denn noch ehe er über den Jordan setzt, trifft er alle Vorsichtsmaßregeln. Er war gewiss, die Stadt nicht halten zu können, da auch in ihr die Empörung ihr Haupt erhoben. - denn wir werden vor Absalom nicht entrinnen können; machet euch eilig auf den Weg, dass er nicht etwa komme und uns überfalle und Verderben über uns bringe und die Stadt mit der Schärfe des Schwertes schlage. 15 Die Diener des Königs sprachen zu ihm: Alles, was der Herr, unser König, immer gebietet, wollen wir, deine Diener, gern tun. 16 So zog der König und sein ganzes Haus zu Fuße aus und der König ließ zehn Nebenfrauen zurück, das Haus zu bewahren. Bei solcher Verwirrung waren sie nicht leicht an einen sicheren Ort zu bringen. - 17 So zog der König und ganz Israel zu Fuß hinaus und machte fern vom Hause Halt. Er hielt beim Hause der Ferne (Beth-Merchak), bei dem letzten Hause nach Jericho zu, diesseits des Cedrons und des Ölberges. (V. 23 – 30) Dort sah er, wer ihm anhing, und ordnete den Zug: Seine Hausgenossen um ihn, die auserwählten Truppen voran. Er fürchtete also mehr die Einwohner der Ortschaften, durch welche der Zug ging, als das nachfolgende Heer Absaloms. Nach [2Sam 17,1] sollten 12000 Mann hinreichen, David zu besiegen, also hatte er höchstens 6000 Streiter, eher weniger. So kam über David Unglück aus seinem Hause. [2Sam 12,11] - 18 Und alle seine Diener gingen mit ihm und die Scharen der Cerether und Phelether und alle Gethiter, tapfere Streiter, sechshundert Mann, welche ihm als Fußvolk von Geth gefolgt waren, gingen vor dem Könige her. 19 Da sprach der König zu Ethai, dem Gethiter: Warum ziehest du mit uns? Kehre um und halte dich zu dem Könige, denn du bist ein Fremdling und bist aus deiner Heimat ausgezogen. 20 Gestern bist du gekommen und solltest heute gezwungen werden, mit uns auszuziehen? Ich gehe hin, wohin ich soll. Kehre um und führe deine Brüder mit dir zurück, und der Herr wird dir Barmherzigkeit und Treue erweisen, weil du Liebe und Treue bewiesen hast. 21 Ethai antwortete dem Könige und sprach: So wahr der Herr lebt und so wahr mein Gebieter, der König, lebt! wo immer du, mein Herr und König, sein wirst, es sei im Tode oder im Leben, dort wird auch dein Diener sein. Vergl. [Rut 1,16]. - 22 Da sprach David zu Ethai: So komme und ziehe mit! Und Ethai, der Gethiter zog mit, samt allen Leuten, die bei ihm waren, und die übrige Schar. 23 Und Solche allgemeine Ausdrucksweisen sind im Hebr. sehr beliebt. - alle weinten mit lauter Stimme und alles Volk zog voran, auch der König ging über den Bach Cedron und die ganze Schar zog den Weg dahin, der zur Wüste führt. Leidensstationen: Cedron [2Sam 15,23], Abhang des Ölberges [2Sam 15,30], eine andere Stelle desselben [2Sam 16,1], Bahurim [2Sam 16,5], ein Ort, dessen Name nicht erhalten [2Sam 16,14]. Zu Davids tapferen Streitern kam noch ein erhabener Schutz, der Priester mit der Bundeslade. Welch Gegensatz zwischen Davids demütigem Glauben und Sauls abergläubischer Überstürzung. [1Sam 13,8, 1Sam 14,18.37.24] Vergl. [Jos 3,17]. - 24 Es kam aber auch Sadok, der Priester, und alle Leviten mit ihm, welche die Lade des Bundes Gottes trugen, und sie setzten die Lade Gottes nieder und Abiathar ging hinauf, Der Ausdruck scheint etwas Tadelndes zu enthalten. Der Verfasser bereitet gern eine spätere Verwerfung vor, wie in der Geschichte Joabs. Abiathar ist als Nachkomme Helis bereits verworfen [1Sam 2,31; 1Sam 30,7] persönlich. Bisher indes ist nur ehrenvoll von ihm die Rede gewesen. [1Sam 22,23, 1Sam 30,7] - bis alles Volk, welches aus der Stadt ausgezogen, vorüber war. 25 Da sprach der König zu Sadok: Bringe die Lade Gottes wieder in die Stadt zurück! Wenn ich Gnade in den Augen des Herrn finde, so wird er mich zurückführen und mich sie und sein Zelt schauen lassen. David vertraut dem Herrn, darum will er nicht einmal Sadoks Begleitung mit dem Ephod. Die Bundeslade sendet er gleichfalls zurück, um den heiligen Opferdienst nicht zu unterbrechen. Überhaupt fasst David von Anfang an die Empörung als ein nach Nathans Ausspruch [2Sam 12,10-11] ihm auferlegtes Bußwerk auf. [Ps 50, Ps 54] und [Ps 3, Ps 63] Wie verschieden ist Davids Vertrauen und Entsagung von der Anmaßung des Volkes [1Sam 4,4] und von Sauls Verhalten, der die Herrschaft auch wider Gottes Willen zu behalten suchte. - 26 Spricht er aber zu mir: Du findest nicht mein Wohlgefallen, so bin ich bereit, er tue, was gut vor ihm ist! 27 Weiter sprach der König zu dem Priester Sadok: O Seher! kehre in Frieden in die Stadt zurück und dein Sohn Achimaas und Jonathas, der Sohn Abiathars, eure beiden Söhne, mögen mit euch sein. 28 Sehet, ich werde mich in der Ebene der Wüste Bei Jericho, diesseits des Jordans. Vergl. [2Sam 17,21]. - verborgen halten, bis Nachricht von euch kommt und mir Kunde wird. 29 Sadok und Abiathar brachten also die Lade Gottes nach Jerusalem zurück und blieben daselbst. 30 David aber stieg den Ölberg hinan, im Gehen weinend, mit entblößten Füßen einherschreitend, das Haupt verhüllt, und auch alles Volk, das bei ihm war, ging mit verhülltem Haupte Vergl. [Ez 24,17.22]. Der untere Teil des Gesichtes mit dem Barte wurde zum Zeichen der Trauer verhüllt. Das Gleiche war für die Aussätzigen vorgeschrieben [3Mos 13,45], vielleicht um den Atem fern zu halten, als ob dieser gleichsam bei einem Menschen, den Gott geschlagen, für unrein galt. - und weinend hinan. 31 Da ward David angezeigt, dass auch Achitophel bei den Verschworenen um Absalom sei, und David sprach: Es war David aber gemeldet worden und David hatte gesprochen. – Der Abfall Achitophels scheint dem Könige die sichere Vorbedeutung, dass nichts zu hoffen. - Mache zur Torheit, ich bitte, o Herr, den Rat Achitophels! 32 Als David nun auf den Gipfel des Berges kam, wo er den Herrn anbeten wollte, Oder: Wo die Menschen Gott anzubeten pflegten. Von dort konnte er noch einmal nach Sion, dem Standorte der Bundeslade, schauen. - siehe, da kam ihm Chusai, der Arachiter, mit zerrissenem Kleide und Staub auf seinem Haupte, entgegen. 33 David sprach zu ihm: Wenn du mit mir ziehest, so wirst du mir zur Last sein; 34 wenn du aber in die Stadt zurückkehrst und zu Absalom sprichst: Ich bin dein Diener, o König! so wie ich der Diener deines Vaters gewesen bin, so will ich auch dein Diener sein, so wirst du den Rat Achitophels zu nichte machen. 35 Du hast aber Sadok und Abiathar, die Priester, bei dir; alles, was du immer aus des Königs Hause erfährst, zeige den Priestern Sadok und Abiathar an. 36 Sie haben auch ihre beiden Söhne bei sich, Sadok seinen Sohn Achimaas und Abiathar seinen Sohn Jonathas; durch sie lasset mir alles kundtun, was ihr hören werdet. Ausführung [2Sam 17,15-21]. - 37 Als nun Chusai, der Freund Davids, in die Stadt kam, zog Absalom in Jerusalem ein. Wahrscheinlich an demselben Tage zog Absalom ein, so dass David gut daran getan, sich zurückzuziehen. Im Folgenden zeigt der Verfasser, wie schwach David ist, aber zugleich, wie der Fluch über Sauls Haus volle Erfüllung findet. Endlich bereitet er dadurch auf die Ereignisse des [2Sam 20] vor. Über Semei und Miphiboseth siehe [2Sam 19].