Die Jünger werden durch die erste Offenbarung der Allmacht des Herrn im Glauben gefestigt. (V. 12) b. Mit unvollkommenem Glauben wird der Heiland in Jerusalem aufgenommen am ersten Paschafeste: Im Tempel.
1Am dritten TageSeit dem Aufbrechen nach Galiläa. - ward eine Hochzeit gehalten zu Kana in Galiläa;Kana: Rohrstadt, nach der Tradition jetzt Kesr Kenna, 10 Kilometer nordöstlich von Nazareth auf dem Wege nach Tiberias. Die Entfernung vom Tauforte der heil. Johannes am Jordan betrug etwa 24 Wegstunden, so dass Jesus leicht am Abend des dritten Tages in Kana eintreffen konnte. - und die Mutter Jesu war dabei.Die Würde Maria's als Mutter Jesu wird wegen der folgenden Bitte besonders hervorgehoben. Der heil. Joseph war wohl schon tot. Maria war wohl mit einem der Brautleute verwandt oder nahe bekannt. -2 Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen.Jesus wurde nach seiner Ankunft in Kana ebenfalls zu der Hochzeit eingeladen und seinetwegen auch die Jünger. Diese sind zunächst zur Jüngerschaft im weiteren Sinne berufen [Joh 1,35], auf welche dann [Mt 4,18-22] die Berufung zur Jüngerschaft im engeren Sinne folgt. Endlich werden die hierzu Auserwählten zu Aposteln gemacht. ([Mk 3,13ff, Lk 6,12], eine Auserwählung, die [Mt 10,1] und [Joh 6,71] bereits voraussetzen.) Scheinbar zufällig ist der Herr durch Gottes Ratschluss gegenwärtig. „So ließ sich der Heiland herab, die irdische Freude der Menschen zur Förderung ihres Heiles zu benutzen. Denn er, welcher das Ehebündnis in der Schöpfung eingesetzt hatte, kam, um es als Erlöser durch seine Gegenwart zu heiligen.“ (Euth.) -3 Und da der Wein ausging,Die Feier dauerte in der Regel mehrere Tage. - sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein!Die Worte der heil. Jungfrau sind eine bescheidene Bitte und zeigen ihre Bereitwilligkeit, sich ganz dem Willen des Sohnes zu fügen. Welche Liebe zum Nächsten, welche Klugheit, welches Vertrauen! Sie erwartet eine wunderbare Hilfe, denn die Erinnerung an die Verkündigung und die Ereignisse bei der Geburt des Herrn wichen nie aus ihrem Herzen. Vielleicht hatte sie auch Kunde von dem, was am Jordan geschehen war (Chrys., Thom.). Die Jünger, welche den Herrn umgeben, zeigen ihr jedenfalls, dass derselbe seine öffentliche Tätigkeit begonnen hat. -4 Jesus aber sprach zu ihr: Weib! was soll dies mir und dir?Jesus hat, allen zum Vorbilde, alles verlassen, um allein Gottes Werk zu tun. [Joh 5,36ff] Die Worte: Was soll dies mir und dir? Haben eigentlich den Sinn: In dieser Sache besteht zwischen uns keine Gemeinschaft. Vergl. [Mk 1,Anm.32] und [2Koe 16,10] Jesus spricht dieselben nicht als Sohn zur Mutter (denn in dieser Beziehung besteht eine Gemeinschaft) sondern gleichsam als Amtsperson, als der von Gott Gesandte. Als solcher konnte er allerdings von niemand eine Mahnung annehmen, seine Wundertätigkeit zu beginnen. In welchem Sinne Jesus das Eingehen auf ihren Wunsch ablehnt, (wenn die Worte des Heilandes so weit gehen), sagt der erklärende Zusatz: Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Die Stunde war nicht vom göttlichen Vater vorgezeichnet, von Christus aber waren die Umstände ausgewählt, in welchen er durch sein erstes Wunder seine Sendung und Lehre beglaubigen und seine Herrlichkeit offenbaren wollte. Doch die fortgesetzten Bitten, welche aus der Tiefe des gottergebenen Herzens der Mutter den Sohn bestürmten, errangen gleichsam den Sieg über die anfangs widerstrebenden Absichten des Erlösers (Chrys., Cyr.). Dreimal hebt der Evangelist die Würde Marias hervor: Die Mutter Jesu. Dieses Verhältnis schmälert oder verkennt das Wort des Heilandes: Weib, nicht, denn dieses hat den ehrenvollen Sinn: Herrin. Der Heiland wählt ihn also wohl, seine Mutter zu ehren, da man auch Königinnen so anredete. - Noch ist meine Stunde nicht gekommen.Die einst durch ihre freie Einwilligung der Welt den Erlöser geschenkt, von der im Ratschlusse Gottes die Hingabe ihres Sohnes zum Kreuzestode verlangt ward, die mit Recht neben ihrem Sohne als Mittlerin des Heiles gepriesen wird, sollte ihr eine Gewalt verweigert sein, wie sie die Schrift öfter dem gläubigen vertrauensvollen Beter über ausgesprochene göttliche Ratschlüsse einräumt? Auch das chananäische Weib ward einst erhört, obwohl der Heiland zuvor die abweisenden Worte gesprochen: „Ich bin nur gesendet zu den verlorenen Schafen Israels.“ Und die bei dem ersten neutestamentlichen Gnadenerweis, bei der Heiligung des Täufers, als Mittlerin frei mitgewirkt, sollte durch die drei Jahre der öffentlichen Tätigkeit des Heilandes nichts haben tun, nicht durch ihr mächtiges Gebet eine beschleunigte Eröffnung des messianischen Reiches haben vermitteln können? -5 Da sagte seine MutterDie einst durch ihre freie Einwilligung der Welt den Erlöser geschenkt, von der im Ratschlusse Gottes die Hingabe ihres Sohnes zum Kreuzestode verlangt ward, die mit Recht neben ihrem Sohne als Mittlerin des Heiles gepriesen wird, sollte ihr eine Gewalt verweigert sein, wie sie die Schrift öfter dem gläubigen vertrauensvollen Beter über ausgesprochene göttliche Ratschlüsse einräumt? Auch das chananäische Weib ward einst erhört, obwohl der Heiland zuvor die abweisenden Worte gesprochen: „Ich bin nur gesendet zu den verlorenen Schafen Israels.“ Und die bei dem ersten neutestamentlichen Gnadenerweis, bei der Heiligung des Täufers, als Mittlerin frei mitgewirkt, sollte durch die drei Jahre der öffentlichen Tätigkeit des Heilandes nichts haben tun, nicht durch ihr mächtiges Gebet eine beschleunigte Eröffnung des messianischen Reiches haben vermitteln können? - zu den Dienern: Was immer er euch sagt, das tuet!Maria bereitet die Diener auf etwas Außerordentliches vor. -6 Es standen aber dortDass die Krüge von Stein waren, ist zufällig. – sechs steinerne Wasserkrüge zu den bei den Juden üblichen Reinigungen,Die Reinigung bestand im Waschen der Hände und Gefäße vor und nach dem Essen. Die Unterscheidung von Weinkrügen zeigt die Unmöglichkeit einer Vermischung des Wassers mit Weinresten. – wovon ein jeder zwei bis drei Maß hielt.Eine Metrete, hebr. Bath, hatte 36 – 40 Liter, jeder Krug mithin etwa 80 oder 120 Liter. Dadurch tritt die Großartigkeit des Wunders noch mehr vor Augen. –Die Hochzeit zu Kana
Gustave Doré (1832-1883), La Grande Bible de Tours (Alfred Mame et fils, Tours, 1866)
The Doré Bible Illustrations (Dover Publications, 1974) — Bilder bereitgestellt von Rev. Felix Just, S.J.7 Jesus sprach zu ihnen:Den Dienern. - Füllet die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben.Die Menge des Wassers und die Wahrheit des Wunders (man konnte nichts hinzugießen) werden hervorgehoben. -8 Und Jesus sprach zu ihnen: Schöpfet nun, und bringet es dem Speisemeister!Es gehörte zu dem Amte des Speisemeisters, den Wein zu kosten und ihn den Gästen vorzusetzen. So wurde ein unverdächtiger Zeuge für das Wunder gewonnen (Chrys., Theoph.). - Und sie brachten es ihm.9 Als aber der Speisemeister das WasserEr kostete eigentlich den Wein, der Wasser genannt wird, weil er es einen Augenblick zuvor noch gewesen ist. - kostete, welches zu Wein geworden war, und nicht wusste, woherDie Wasserkrüge standen also wohl nicht im Speisezimmer selbst. - es kam (die Diener aber, welche das Wasser geschöpft hatten, wussten es), rief der Speisemeister den Bräutigam10 und sprach zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein auf, und wenn sie genug getrunken haben, dann erst den geringeren; du aber hast den guten Wein zurückgehalten bis jetzt.11 Diesen Anfang seiner Wunder machte Jesus zu Kana in Galiläa; und er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.Ein Dreifaches wird von diesem Wunder ausgesagt: Es war das erste, es offenbarte die Wundermacht des Herrn und es bestärkte die Jünger im Glauben an ihn. Dieser Glaube hatte angefangen auf das Zeugnis Johannes des Täufers hin, war fortgeschritten, als die Jünger Jesus sahen und hörten, besonders als der Herr sich Nathanael gegenüber als Herzenskenner erwies, und dieser Glaube war jetzt zu einer gewissen Vollendung gediehen. -12 DarnachJohannes will zeigen, dass der Heiland sich von Anfang an in Judäa offenbarte, aber keinen oder geringen Glauben fand. - ging er hinabKapharnaum, das heutige Tell Hum, lag am See. Die Reise ist nicht die gleiche mit der [Mt 4,13] berichteten. - nach Kapharnaum, er, seine Mutter, seine BrüderÜber die Brüder Jesu siehe [Mt 12, Anm.59]. - und seine Jünger; daselbst blieben sie nur wenige Tage.Mutter und Brüder gehen wohl nach Nazareth. -13 Das Osterfest der Juden war nahe,Mit dem Osterfeste beginnt das erste Jahr des öffentlichen Lebens Jesu, über das der Apostel bis zum Ende des vierten Kapitels berichtet. - und Jesus ging hinauf nach Jerusalem.14 Und er fand im Tempel die Verkäufer von Ochsen, Schafen und Tauben, und die Wechsler da sitzend.15 Da machte er eine Geißel aus Stricken,Das Ansehen und die Macht seiner gottmenschlichen Erscheinung überwältigt alle. Die Geißel in seiner Hand ist daher nicht sowohl Werkzeug tatsächlicher Gewalt, als vielmehr Sinnbild des Schreckens. Ähnliche Sinnbilder bei den Propheten: Vergl. [1Koe 22,11, Jes 20,2ff]. Diese Tempelreinigung am Anfange der Lehrtätigkeit ist gänzlich von derjenigen verschieden, welche Christus am Ende derselben vornahm. [Mt 21,12ff] - und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und Ochsen, und stieß die Tische um, und verschüttete das Geld der Wechsler.16 Zu denen aber, welche Tauben verkauften, sprach er: Bringet dies weg von hier, und machet das Haus meines VatersWenn er Gottes Sohn ist, kann niemand etwas dagegen haben, wenn er für die Ehre des Hauses Gottes streitet. Vergl. [Sach 14,21]. - nicht zu einem Kaufhause!17 Da erinnerten sich seine Jünger, dass geschrieben steht: Der Eifer für dein Haus verzehret mich.Der Eifer für die Heiligkeit des Hauses Gottes und für die Ehre des Herrn. -18 Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm:Wie V. 17 die Wirkung der Handlung auf die Jünger, zeigt V. 18 die Aufnahme derselben seitens der jüdischen Lehrer. Die Lehrer wollen sagen: Dieses Kaufen und Verkaufen ist längst Gewohnheit und geschieht unter den Augen der Behörden. Wenn nun du, ein Privatmann, diesen Gebrauch abstellen heißest, musst du eine höhere Sendung haben; eine solche aber ist durch Wunder zu beweisen. - Welches Wunder zeigest du uns, da du dieses tust?19 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.Jesus entlehnt das Bild vom Tempel, in dem er soeben das Recht des Sohnes Gottes ausübt (Orig.). Das Bild ist rätselhaft, wie oft Bilder in den Reden des Herrn, wenn die Hörer noch nicht die Wahrheit klar und unverhüllt ertragen können (Chrys.), aber nicht umsonst geboten, da auch die Böswilligen nach der Erfüllung die Wahrheit erkennen konnten. Der Heiland sagt die Auferstehung öfter vorher. Vergl. [Mt 12,39], da ihr das Ärgernis des Kreuzes vorausgeht. Der Tempel ist das Bild des Leibes Christi. In prophetischer Rede stellt Christus Vorbild und Sache gleich, weil in ihm die Gottheit leibhaftig wohnt. Vergl. [Jes 7,14]. Das Wort: Brechet ab, enthält so wenig wie seine Wiederholung [Mt 23,32] eine Aufforderung im strengen Sinne, sondern ist prophetisch: Ihr möget ihn wohl seiner Zeit abbrechen, er wird doch wieder auferstehen (Cyr., Euth., Thom.). Die Juden sind gegen seine Worte unempfänglich und forschen nicht nach dem tieferen Sinne. -20 Da sprachen die Juden: In sechsundvierzig Jahren ist dieser Tempel gebaut worden, und du wirst ihn in drei Tagen aufrichten?Herodes der Gr. hatte im Jahre 17 v. Chr. den Bau begonnen. Jetzt ist also etwa das 30. Lebensjahr Christi, doch sind die Daten genauer schwer festzustellen. -21 Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.22 Als er nun von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und der Rede, welche Jesus gesprochen hatte.Sie überzeugten sich nach der Auferstehung von der Wahrheit dessen, was die Schrift von der Auferstehung voraussagt. [Ps 16,10, Jes 53]. -23 Als er nun zum Osterfeste zu Jerusalem war, glaubten viele an seinen Namen, da sie seine Wunder sahen, die er wirkte.Jesus bleibt in Judäa, bis die Gefährdung seiner Person und seines Werkes ihn zwingt, sich nach Galiläa zurückzuziehen. Die Einwohner von Judäa schauen nur auf die Wunder und werden in ihrer Anhänglichkeit wankend, wenn Schwierigkeiten entstehen. So wählt sich Jesus denn in Galiläa seine Jünger. -24 Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht,Jesus gab ihnen keine weiteren Offenbarungen über sich selbst und ließ sie nicht zu vertrauterem Umgange zu, da es vielfach nur die befriedigte krankhafte Wundersucht war, welche sie zu einigem Glauben brachte. - weil er sie alle kannte,25 und weil er nicht nötig hatte, dass ihm jemand Zeugnis gab von dem Menschen, denn er wusste selbst,Jesus wusste selbst besser als die Menschen, was sich in ihrem Herzen barg, wie die Vorhersagung der Verleugnung des heil. Petrus zeigt (Aug.). was im Menschen war.
Zitiert in 293
Dieses KapitelAd Catholici Sacerdotii(§41)Arcanum Divinae(§8)Fulgens Corona(§24)Lumen Gentium(§21·§58)Pastores Dabo Vobis(§70)Sacerdotalis Caelibatus(§20)