Johannes 5

2. Christus offenbart seine Herrlichkeit und wird von den Pharisäern bekämpft und verworfen. (5 – 11) a. Der Unglaube der Juden von Jerusalem, welcher sich bereits bei dem ersten Paschafeste zu erkennen gegeben, zeigt sich am zweiten Osterfeste offen (5): Die Heilung des achtunddreißigjährigen Kranken. (V. 16) Der Heiland, Herr des Sabbats, weil dem Vater gleich. (V. 30) Von ihm zeugen Johannes (V. 35) sein Vater, (V. 38) Moses.

Hierauf Das zweite Jahr der öffentlichen Tätigkeit des Heilandes beginnt. Nach den Ereignissen dieses Kapitels begibt sich Jesus nach Galiläa zurück. - war ein Fest der Juden, Das hier erwähnte Fest ist vielleicht das Paschafest (Iren., Tert., Eus.), nach anderen das Purimfest, das am 14. und 15. Adar (im März) zum Andenken an die Vereitelung der Pläne Hamans gefeiert wurde. - und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Es ist aber in Jerusalem ein Schafteich, welcher auf hebräisch Bethsaida Haus der Gnade. Nach dem griechischen Texte ist ein am Schaftor gelegener Teich, dessen eigentlicher Name nicht angeführt wird, der Schauplatz des Wunders. - heißt, und fünf Hallen hat. In diesen lag eine große Menge von Kranken, Blinden, Lahmen, Schwachen, Dem allgemeinen Ausdruck „Kranke“ werden besondere Arten von Kranken hinzugefügt. - welche auf die Bewegung des Wassers warteten. Denn ein Engel des Herrn stieg zu Zeiten in den Teich hinab, und das Wasser kam in Bewegung. Wer nun zuerst nach der Bewegung des Wassers in den Teich hinabstieg, wurde gesund, mit welcher Krankheit er auch behaftet sein mochte. Es war aber ein Mann daselbst, welcher seit achtunddreißig Jahren krank war. Er war wohl gelähmt, doch lag er noch nicht 38 Jahre an dem Teiche. - Als Jesus diesen daliegen sah, Wie [Joh 4,1] von der äußeren Erfahrung. Jesus wusste von vornherein, was er tun wollte. - und wusste, dass er bereits lange Zeit leide, sprach er zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke glaubt vielleicht, Jesus wolle ihm hinabhelfen (Chrys., Cyr., Thom.), darum antwortet er nicht kurzweg bejahend. - Der Kranke antwortete ihm: Herr! Wie [Joh 4,11]. - ich habe keinen Menschen, der mich, wenn das Wasser in Wallung kommt, in den Teich brächte; denn während ich komme, steigt ein anderer vor mir hinab. Die Erzählung ist durchaus verschieden von [Mt 9,6, Mk 2,9.11]. Der Kranke, der bis dahin keinen Helfer gefunden, ist das Bild der Menschheit, die durch Jahrtausende des Erlösers harrt, unfähig sich selbst zu helfen. - Da sprach Jesus zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett, und wandle! Und sogleich ward der Mann gesund; und er nahm sein Bett, und wandelte. Es war aber Sabbat an jenem Tage. Dies wird wegen der nachfolgenden Ereignisse erwähnt. – Da sprachen die Juden zu dem, der geheilt worden war: Es ist Sabbat; es ist dir nicht erlaubt, dein Bett zu tragen! Das Sabbatgesetz ist [2Mos 20,8-11, 2Mos 31,13-17] aufgezeichnet. Die Rabbiner hatten die Beobachtung desselben mit 1279 Regeln umgeben. Die Juden fragen nicht nach der Heilung, sondern einzig nach der vermeintlichen Verletzung des Sabbats. – Er antwortete ihnen: Der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm dein Bett, und wandle! Der Geheilte beruft sich auf das Ansehen dessen, der ihn wunderbar geheilt, also nur von Gott sein konnte. Ein solcher musste das Recht haben, von einem Verbote der Rabbinen zu dispensieren. – Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, Verächtlich. - der zu dir gesagt hat: Nimm dein Bett, und wandle? Der Geheilte aber wusste nicht, wer es war; denn Jesus war der Volksmenge ausgewichen, die sich an dem Orte befand. Der Herr ging fort, damit das Zeugnis des Geheilten weniger Verdacht erregte, denn wenn der Wohltäter nicht anwesend war, konnte der Geheilte freier sprechen (Chrys.). - Darnach fand ihn Jesus im Tempel, Wohl an demselben Tage. - und sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre! Eine schlimmere Krankheit und ewige Strafen. - Da ging jener Mann hin, und meldete den Juden, dass Jesus es sei, der ihn gesund gemacht habe. Das Ansehen des Heilandes steht ihm höher als das der Juden und er sucht es nachträglich geltend zu machen. - Darum Jetzt hatten sie erfahren, wer den Befehl gegeben, das Bett zu tragen. - verfolgten Von dem Augenblick an fortgesetzt, bis sie ihr Ziel erreichten. - die Juden Jesus, weil er dieses Besonders die Krankenheilung und der Befehl, das Bett zu tragen. - an einem Sabbate getan hatte. Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirket bis zur Stunde, und auch ich wirke. Gott wirkt fort und fort, indem er das Geschaffene erhält und regiert, und wirkt in seinen Veranstaltungen für das Heil der Menschen. So ruht Gott in seiner Tätigkeit und ist tätig in seiner Ruhe. Der Heiland gibt gleichzeitig zu erkennen, dass er als mit dem Vater gleichwesentlicher Gott an das für die Menschen gegebene Gesetz nicht gebunden sei. Dass er gleichwesentlich mit Gott, beweist der dadurch, dass ihm die gleiche Tätigkeit zukommt, denn die Tätigkeit entspricht der Natur jedes Wesens. - Deshalb also trachteten die Juden noch viel mehr, Ein neuer Grund, seinen Tod zu suchen: Gotteslästerung [3Mos 24,16] - ihn zu töten, Hier tritt ein Wendepunkt ein. Der verblendete Hass und der falsche Eifer führen schon jetzt zu dem Gedanken, den Herrn zu töten. - weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte, sich Gott gleichstellend. Im eigensten Sinne. Der Heiland hat sich Sohn Gottes genannt, weil er es war, also hat er nicht gelästert. Dies beweist Jesus jetzt und reinigt sich so von beiden ihm gemachten Vorwürfen. - Jesus antwortete daher, und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, der Sohn kann nichts aus sich tun, außer was er den Vater tun sieht; denn alles, was dieser tut, das tut auch der Sohn gleicher Weise. Jesus bestätigt den Juden (der heil. Johannes bezeichnet mit diesem Namen die Bewohner von Judäa, besonders die Mitglieder des hohen Rates und die Pharisäer) feierlich die Wahrheit seiner Aussage, und zwar in dem Sinne, in welchem sie dieselbe verstanden hatten, dass er dem Vater gleich wesentlich sei (V. 18). Der Herr lässt, soweit menschliche Worte das Geheimnis auszudrücken vermögen, sein gottmenschliches Selbstbewusstsein klarer hervortreten (V. 19 – 33). Seine Zuhörer, die Theologen Israels (V. 33 – 35), sollen und können sein Zeugnis verstehen. (V. 36) Ihnen waren die heil. Schriften anvertraut (V. 37 – 39), so dass nicht die Unmöglichkeit der Erkenntnis (V. 32 -36), sondern nur böser Wille (V. 40), erzeugt und genährt durch den Hochmut (V. 41 – 44), sie zum Glauben (V. 45 – 47) und zur Liebe Gottes (V. 42) unfähig macht. – Im vorliegenden Verse spricht der Heiland nicht von dem, was die menschliche Natur nicht aus sich vermag ([Joh 6,19] auf dem Wasser wandeln), noch von der menschlichen Natur, soweit sie mit der Gottheit verbunden ist (denn an der Schöpfung nahm jene nicht teil), sondern von der göttlichen Natur und der gleichen Tätigkeit mit dem Vater. Die Worte: Das tut der Sohn auf gleiche Weise, besagen drei Dinge: Der Sohn tut alles, was der Vater tut, ohne Ausnahme, nichts anderes (was – das), gleich vollkommen (gleicher Weise.) (Thom.) - Denn der Vater liebt den Sohn, Die Mitteilung der Natur findet zwar mit unendlicher Liebe statt, aber geht nicht aus derselben als Ursache hervor. (Thom.) Göttliche Natur, Liebe und Tätigkeit sind im Vater und im Sohn die gleichen. - und zeigt ihm alles, was er selbst tut; Wie Jesus das Verhältnis des Sohnes zum Vater durch das Wort „sehen“ ausdrückt, so jenes des Vaters zum Sohne durch „zeigen, sehen lassen“. Es sind aus den menschlichen Verhältnissen entlehnte Ausdrücke eines eigenartigen Verhältnisses, in welchem der Vater zu dem aus seiner Wesenheit gezeugten und ihm wesensgleichen Sohne steht. - und er wird ihm noch größere Werke Nicht wie der Lehrer dem Schüler zeigt der Vater, sondern wie Gott, d. i. er teilt ihm die Kenntnis aller seiner Werke mit, der Vater erzeugt den Sohn (Aug.). Man kann also auch fachgemäß das Zeigen mit dem Geben, Mitteilen erklären. Mit der göttlichen Wesenheit hat der Vater dem Sohne auch die Macht gegeben, die Werke die Vaters zu tun. - als diese zeigen, dass ihr staunen werdet. Welche, zeigt das Folgende bis V. 30: Die Auferweckung des Lazarus und anderer (Tert., Chrys., Cyr.), oder die allgemeine Auferstehung (Aug., Bed., Thom.) mit dem Gerichte oder beides, da einzelne Auferweckungen nur Vorzeichen und Unterpfänder der allgemeinen Auferstehung sind. Da das Zeigen ein ewiges ist, kann der Sinn nicht sein: Dem Sohne als göttlichen Erlöser wird etwas ihm bisher Unbekanntes gezeigt werden, sondern man muss entweder an die menschliche Natur des Herrn denken, oder, wenn man die Worte auf die göttliche Natur bezieht, sagen: den Menschen wird offenbar werden, welche Werke der Vater dem Sohne gezeigt hat (Aug., Thom.). - Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will. Eine doppelte Auslegung ist möglich, jede gut begründet. Es ist die Rede vom leiblichen Leben und Tode (Chrys., Cyr., Hil., Thom.). Hierfür spricht V. 26 und V. 28 und die Verbindung der Auferweckung mit dem Gerichte. Oder: Der Heiland spricht von dem übernatürlichen Leben der Gnade und Herrlichkeit und dem Tode der Sünde (Aug.). V. 24 heißt dieses übernatürliche Leben das ewige Leben, das jeder hat, der an Christus glaubt und wird V. 24 und 29 dem Gerichte entgegengestellt. V. 26 scheint mit [Joh 1,4], V. 24 mit [Joh 3,16-18] parallel. Dem Sohne ist gleiche Ehre zu erweisen wie dem Vater. - Denn der Begründung zu: macht lebendig. - Vater richtet niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohne übergeben, Der Heiland spricht wohl hier nicht von der Macht des Gerichthaltens an sich, sondern von der Befugnis der Ausübung der göttlichen Richtergewalt, die dem Sohne ausschließlich übertragen wurde, weil er Mensch ward, und als solcher die Menschen erlöst hat. Da er allen die Möglichkeit geboten hat, das Leben zu haben, steht es ihm zu, die Lebendigen und die Toten zu richten. - damit alle den Sohn ehren, ebenso Nicht weniger (Cyr., Al., Azh., Hil., Aug.). Wegen der Macht der Wiederbelebung und des Gerichthaltens, da diese Tätigkeit göttliche Macht bekundet. Wer den Sohn nicht ehrt, ist kein Diener Gottes. - wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehret, ehret auch den Vater nicht, welcher ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört, Zunächst verlangt der Herr das Hören. Aus seinen Worten und den begleitenden Wundern soll dann der Glaube folgen, vermöge des Schlusses: Wer so lehrt und so wirkt, ist von Gott gesendet. Nicht meinen Worten allein, aber dem glaubet, der mich gesandt hat. Der Unglaube ist eine Sünde gegen den Vater, der den Glauben mit dem ewigen Leben belohnt, jetzt in Hoffnung und Anrecht, einst im Besitze selbst. - und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben, Die Grundlage zur Auferstehung zum ewigen Leben ist das auf den Glauben hin in der Rechtfertigung eingegossene neue Leben der heiligmachenden Gnade. - und kommt nicht in's Gericht, Im strengsten Sinne kommt nur der in's Gericht, der angeklagt wird und die Verdammnis zu befürchten hat. Vergl. [Joh 3,18]. - sondern ist vom Tode zum Leben übergegangen! Der Sohn spendet das Leben, wem er will; er will es aber nur denen geben, welche an ihm glauben. Wer glaubt, kommt in kein verdammendes Gericht, weil der Glaube das Recht gibt auf das ewige Leben. Wer glaubt, hat den Todeszustand schon überschritten, ist des Lebens teilhaftig. Dass ein bloßes Hören und Glauben zur Seligkeit genüge, folgt daraus nicht, sondern der in Werken tätige Glaube wird gefordert. Vergl. [Joh 8,51, 1Joh 3,14]. - Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es kommt die Stunde, und jetzt ist sie da, dass die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben! Die Toten sind die geistig Toten. [Mt 8,22, Offenb 3,1] (Aug., Ambros., Rup.) Von nun an wird die dem Tode der Sünde anheimgefallene Menschheit die erweckende Stimme des Sohnes Gottes, sein gnadenreiches Evangelium, hören, und die es gläubig annehmen, werden dadurch zum wahren Leben erweckt werden. - Denn wie der Vater das Leben in sich selber hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selber zu haben; Zum Wesen des Vaters und des Sohnes gehört es, Leben zu haben in sich selbst, und dies Leben aus sich selbst ist der Inhalt ihres Wesens. Es wird also V. 25 begründet. Deshalb kann der Sohn Gottes die Toten erwecken, weil er in sich die vom Vater mitgeteilte unerschöpfliche Lebensfülle hat. - und er hat ihm Macht gegeben, auch Gericht zu halten, Nach Gottes Ratschluss sollte die Erlösung durch den menschgewordenen Sohn Gottes stattfinden, also auch der Abschluss der Erlösung, das Gericht, bei welchem diejenigen, welche sich die Erlösung zu Nutze gemacht, von denen geschieden werden, welche sie verschmähten. - weil er der Menschensohn ist. Vergl. die vorhergehende Anmerkung. - Wundert euch nicht darüber; Über V. 27 (Aug.) oder V. 26, V. 27. Eine Weissagung für die Zukunft, für deren Erfüllung Christi Wunder die Bürgschaft gaben. ist jetzt da. - denn es kommt eine Stunde, Nicht wie V. 25: sie ist jetzt da. Der Heiland spricht von der allgemeinen Auferstehung. - in der alle, welche in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Alle leiblich Toten. - Und sie werden hervorgehen, Die Auferstandenen zerfallen in zwei Klassen. Das unterscheidende Merkmal sind die Werke. - die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes. Der verdammenden Gerichtes. (Aug.) In diesem Sinne kommen die Gerechten nicht in's Gericht. - Ich kann nichts aus mir selbst tun. Der Herr begegnet dem Einwurfe, wie er als Menschensohn richten könne: Als Gottes- und Menschensohn habe ich alles vom Vater. Im ersten Teile des Verses lehrt der Heiland, dass sein Wille notwendig mit dem des Vaters übereinstimmt (V. 19), im zweiten wendet er dies auf sein Gericht an, im dritten schließt er auf die Gerechtigkeit seines Gerichtes. - Wie ich höre, Als eingeborener Sohn, also kann ich mit ihm eines Wesens nicht anders richten als er. Ich suche nicht meinen Willen: d. h. mein göttlicher und mein menschlicher Willen ist in allem, also auch in Bezug auf das Richten in vollster Übereinstimmung mit dem Willen des Vaters. - richte ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Wenn ich von mir selbst Zeugnis gebe, so ist mein Zeugnis nicht wahr. Die Aussprüche über seine erhabene Würde führen den Heiland auf die Zeugnisse für dieselbe, zumal solche wohl von den Zuhörern erwartet wurden. Vergl. [Joh 8,13]. Der Herr bestätigt also sein Selbstzeugnis: durch das Zeugnis Gottes (V. 32, V. 36 ff), und das Zeugnis des Täufers (V. 33 ff), durch das Zeugnis der heil. Schrift (V. 39). - Ein anderer Der Vater (Cyr., Aug.). Vergl. [Joh 8,14]. - ist, der von mir Zeugnis gibt, und ich weiß, dass das Zeugnis wahrhaftig ist, welches er von mir ablegt. Ihr habt zu Johannes gesandt, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben; Die Juden hatten bei dem Worte „Ein anderer“ wohl an den heil. Johannes gedacht. Der Heiland lässt es für die Juden gelten. - ich aber nehme von einem Menschen kein Zeugnis an, sondern ich sage dies, damit ihr das Heil erlanget. Jener war die brennende und Licht gebende Leuchte; ihr aber wolltet euch für eine Weile an seinem Lichte ergötzen. Das Zeugnis des heil. Johannes sollte ihnen zum Heile gereichen. Wenn ihr Gottes Zeugnis nicht fasst, glaubet wenigstens wegen jenes Zeugnisses. Johannes war eine Leuchte, die ihr Licht von Christus hatte, weil er von Gott erleuchtet war. Johannes brennend im Eifer für das Reich Gottes schimmerte in der Finsternis seiner Zeitgenossen, auf den Erlöser hinweisend. Sie freuten sich desselben, solange Johannes ihren irdischen Messiashoffnungen nicht entgegentrat. Als diese Freude durch seine strengen Forderungen getrübt ward, und ihre Messiashoffnungen nicht erfüllt wurden, wendeten sie sich von ihm ab. - Ich aber habe ein Zeugnis, welches größer ist, als das des Johannes. Denn die Werke, Das messianische Werk, zu dem auch die Wunder gehören. Die Macht und den Auftrag, diese zu tun, hat der Vater im Augenblicke der Menschwerdung verliehen. Damit sind sie auch ein Werk des Vaters und darum auch ein Zeugnis, das der Vater von Christus gibt, dass Christus der höchstbegnadete Gottgesandte, der Gründer des Messiasreiches, Gottes Sohn ist. - welche der Vater mir übertragen hat, dass ich sie vollbringe; eben die Werke, welche ich tue, geben Zeugnis von mir, dass der Vater mich gesandt hat. Und der mich gesandt hat, der Vater, hat Zeugnis gegeben von mir; Die Auslegung dieses Verses ist eine sehr verschiedene. Nach einer Ansicht spricht Christus hier noch von dem Zeugnisse, das in seinen Werken enthalten ist (Aug., Hil.), nach einer anderen von dem Zeugnisse des Johannes (Chrys.), nach einer dritten von den durch die Propheten gegebenen und in den Schriften des Alten Testamentes aufgezeichneten Zeugnissen (Cyr., Theoph., Euth., Bed.). Vielleicht ist aber an das Zeugnis des Vaters [Mt 3,17] zu denken. In den Schriften des Alten Testamentes ist ein Zeugnis des Vaters, weil die Propheten in seinem Auftrage die Person und Wirksamkeit des verheißenen Messias beschrieben. - weder habt ihr je seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen. Der Heiland antwortet auf einen möglichen Einwand der Juden: Wir wissen nichts von einem solchen Zeugnisse (Cyr., Chrys.). – Wie die Worte „hören und sehen“ sind „Stimme und Gestalt“ geistig zu fassen. Gott nahm in den Offenbarungen gleichsam eine Gestalt an, welche die Juden mit dem Geistesauge schauen konnten. - Und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch, weil ihr demjenigen nicht glaubet, welchen er gesandt hat. Der innere, bleibende Besitz, durch den das Wort Gottes seine belebende Kraft ausübt und Richtschnur des ganzen sittlich-religiösen Lebens wird, fehlt euch. Die alttestamentliche Gottesordnung und die Offenbarung des Alten Testamentes weisen auf Christus als auf ihr Ziel und Ende hin. Wie also derjenige, welcher den Inhalt der alttestamentlichen Offenbarung richtig erfasst hat, zum Glauben an Christus kommt, so ist der Unglaube Christus gegenüber ein Beweis, dass viele Offenbarungen nicht geistiges Eigentum des Menschen geworden sind. - Ihr forschet in der Schrift, weil ihr glaubet, in ihr das ewige Leben zu haben, Die Schriften zeigen den Weg zum ewigen Leben, aber nur denjenigen, welche durch das Durchforschen derselben zum Glauben an Christus kommen, der das Leben ist. Vergl. [Apg 10,43] und [2Tim 3,15]. - und sie ist es, welche von mir Zeugnis gibt: und ihr wollet Und – Ausdruck des Staunens und der Wehmut. Ihr waret im Besitze der heil. Schriften, aber entschiedet euch frei, mir nicht im Glauben anzuhängen. Diese Worte bilden eine Ergänzung zu [Joh 6,44ff]. Dort lehrt der Heiland, dass man nur durch die zuvorkommende Gnade zum Glauben kommen kann, hier betont der Herr, dass der Mensch mit der Gnade mitwirken muss. - nicht zu mir kommen, damit ihr das Leben habet. Nicht der Besitz der Schriften an sich, sondern der gläubige Anschluss an mich führt zum ewigen Leben. – Ich nehme nicht Ehre von Menschen an. Wenn ich Glauben an mich verlange und sage, dass in mir allein das Leben zu finden sei, geschieht es nicht, um Ehre bei den Menschen zu erlangen, sondern um euch zur Liebe Gottes zu führen. Denn diese gerade fehlt euch. - Aber ich kenne euch, dass ihr die Liebe Gottes nicht in euch habet. Dies zeigt euer Verhalten gegen den Gottgesandten. - Ich bin im Namen meines Vaters Meines Vaters: durch Werke meine Sendung beweisend und die Weissagungen an mir erfüllend. Es werden falsche Messiasse kommen und von euch aufgenommen werden. - gekommen, und ihr nehmet mich nicht an; wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr annehmen. Wie könnet ihr glauben, da ihr Ehre voneinander nehmet, und die Ehre, welche von dem alleinigen Gott ist, nicht suchet? Steigerung. V. 40: Ihr wollet nicht, hier: Ihr könnet nicht, denn ihr strebet nach der Ehre vor den Menschen, nicht aber vor Gott. Vor den Menschen war es wenig Ehre, an den demütigen Herrn zu glauben. Überdies verblendet die Ehrsucht. – Ein Ungläubiger, der glauben will, bete vor allem und unterwerfe sich. - Glaubet nicht, dass ich euer Ankläger werde bei dem Vater; es ist einer, der euch anklagt, Moses, auf den ihr eure Hoffnung setzet. Die Juden hatten gegen den Heiland wegen Sabbatverletzung das Ansehen des Gesetzes angerufen und somit Moses zum Ankläger des Heilandes machen wollen. Doch das Verhältnis ist umgekehrt. Der Heiland braucht nicht als Ankläger gegen die Juden vor dem Vater aufzutreten, denn es wird ein anderer für ihn anklagen, Moses, auf den die Juden ihre Hoffnung gesetzt, um durch sein Gesetz Heil zu finden. [2Kor 1,10]. Er wird gegen diejenigen auftreten, die auf seinem Stuhle sitzend Beruf und Amt hatten, das Gesetz zu lehren, und sie nicht mit einer einzelnen Übertretung, sondern des Unglaubens wider den gesamten Geist und Zweck des Gesetzes, das Vorbild und Weissagung des Erlösungswerkes in Jesus war (Cyr., Aug.) beschuldigen. - Denn wenn ihr Moses glaubtet, so würdet ihr wohl auch mir glauben; denn von mir hat er geschrieben. Dies ist auch ein Beweis für V. 45. - Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben? Wenn ihr nun jenen Schriften nicht glaubt, deren Verfasser über alle Maßen zu ehren und zu preisen euer Stolz ist, wie werdet ihr meinen Worten glauben, den ihr ebenso ungemessen zu verachten und zu lästern gewohnt seid? (Euth.) So erwartet denn der Heiland von den Lehrern der Juden nichts, als was sie bereits beschlossen (V. 16), seinen Tod.

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