Hijob 1

Geschichtliche Einleitung des Buches. Die wahre Ursache der Heimsuchung Jobs, welche den Leser in Stand setzt über das, was die Disputierenden zur Erklärung derselben sagen, das rechte Urteil zu bilden. (Kap. 1,1 – Kap. 2,13) 1. Beschreibung der wahrhaften Frömmigkeit Jobs, der im Glücke Gott so treu dient, dass er verdient, von Gott vor den Engeln und dem Satan gelobt zu werden. (V. 9) 2. Satan behauptet, jene Frömmigkeit beruhe nur auf seinem Glücke, und empfängt die Erlaubnis, Jobs Tugend durch die Wegnahme seines gesamten Besitzes auf die Probe zu stellen. (V. 12) Doch weder der plötzliche Tod aller seiner Söhne noch der Verlust seines ganzen Vermögens vermag Job dazu zu bringen, Gott zu verlassen.

Es war Der Verfasser erzählt ein Ereignis, das außerhalb des Zusammenhangs der israelitischen Geschichte steht. Deshalb beginnt er nicht, wie die anderen geschichtlichen Bücher mit: Und. - ein Mann im Lande Hus, Welches Land mit dem Namen Hus bezeichnet wird, ist nicht mit voller Sicherheit festzustellen. In V. 3 wird Job den Orientalen zugezählt. Vergl. [1Mos 25,13-16]. Der Name Orientalen kommt besonders den Arabern zu. Damit stimmt auch die Beschreibung der Örtlichkeit: nicht weit von Hauran. Jobs Vaterland wird genannt, weil es ruhmreich ist, unter minder Vollkommenen gut geblieben zu sein. (hl. Gregor) Job ist also ein Araber, der außerhalb Palästinas dem wahren Gott dient. Da die Ereignisse in hoher Vorzeit liegen und Job, wie die Patriarchen vor der Gesetzgebung auf Sinai zu tun pflegten, Opfer darbrachte, lebte er wohl in vormosaischer Zeit. - mit Namen Job; derselbe war ohne Falsch und rechtschaffen und gottesfürchtig und das Böse meidend. Die lautere Frömmigkeit Jobs wird durch vier Prädikate gekennzeichnet, von denen das 3. dem 1., das 4. dem 2. entspricht: er war aufrichtig, fromm nach Gesinnung und Wandel. - Diesem wurden sieben Söhne und drei Töchter geboren. Wegen seiner Frömmigkeit war er auch in zeitlichen Gütern gesegnet, unter denen als Belohnung der Tugend im A. T. eine zahlreiche Nachkommenschaft die erste Stelle einnimmt. (Chrys., vergl. [3Mos 26,9, 5Mos 28,4.11, Ps 111,2, Ps 127,3, JSir 44,11]) Söhne galten als größere Gunst. Die Zahlen sind bedeutungsvoll: drei Signatur der Gottheit, vier Signatur der Schöpfung, sieben also Signatur der Verbindung und Wechselwirkung Gottes und der Geschöpfe. Eine andere zeitliche Segnung wird beigefügt: die den Menschen zumeist zur Nahrung und Kleidung dienenden Schafe, die zum Lasttragen bestimmten Kamele, die für den Ackerbau notwendigen Rinder, die als Bespannung dienenden Eselinnen. (Thom.) - Und sein Besitz bestand in siebentausend Schafen und dreitausend Kamelen, fünfhundert Joch Ochsen und fünfhundert Eselinnen; dazu hatte er ein sehr zahlreiches Gesinde und dieser Mann war groß unter allen Söhnen des Morgenlandes. Der Größte unter den Söhnen des Morgenlandes. (Chrys.) Oder: vornehm. (Sept.) Berühmt (Ephr., Chrys., Thom.) wegen seines Besitzes und seiner Seelengröße. Die gesamten Lebensumstände Jobs werden aufgezählt, weil das Mitgefühl umso größer ist, je größer der Verlust ist, der einen andern trifft. Verlor Job ferner so Großes mit Gelassenheit, so war seine Anhänglichkeit keine fehlerhafte. (Greg.) - Seine Söhne pflegten von Haus zu Haus, ein jeder an seinem Tage, In der Woche. - ein Gastmahl zu veranstalten, indem sie hinsandten und ihre drei Schwestern einluden, Diese wohnten bei der Mutter. Vergl. [Est 1,15] - mit ihnen zu essen und zu trinken. Wenn dann die Tage des Gastmahles der Reihe nach um waren, Am Morgen des achten Tages entsündigte Job seine Kinder durch Darbringung von Opfern. - sandte Job zu ihnen und heiligte sie Durch Waschungen und andere Gebräuche wie durch das Opfer. - und, sich am frühen Morgen erhebend, Die frühe Stunde deutet Jobs Eifer an. - brachte er für einen jeden Brandopfer Das vor dem Sündopfer, das Moses vorschrieb, allgemein üblich war. - dar, denn er sprach: Vielleicht haben meine Söhne gesündigt und Gott gelästert Eigentlich: gesegnet. Beim Abschied sprach man einen Segensgruß, vergl. [1Mos 47,10], deshalb auch: Gott den Abschied gegeben in ihren Herzen. Job erkannte auch in der Verfehlung des Herzens eine Beleidigung Gottes. - in ihren Herzen. Die Engel mit dem verwaltenden Begriffe heilige Engel, vergl. [Job 38,7; Ps 102,20, Dan 3,92]; doch heißen auch die gerechten Kinder Gottes so. - So tat Job alle Zeit. Eines Tages nun kamen die Söhne Gottes, Die ganze Schilderung lehnt sich an die Weise der Menschen an (Aug.), um so symbolisch Gottes Fürsorge für uns zu zeigen. (Thom.) - vor dem Herrn zu erscheinen; da war unter ihnen auch der Satan Der Satan: Ankläger, Widersacher, greift seit dem Sündenfalle in die Geschichte der Völker und der einzelnen unter Gottes Zulassung ein. Vergl. [Joh 12,31, 1Petr 5,18] Da aber auch dies dem Frommen zum Besten gereichen muss, dient Satan wider seinen Willen als Vermittler der göttlichen Ratschlüsse. Vergl. [Offenb 12,9]. Satan ist zugegen, insoweit Gott ihn sieht (Greg.) und weil er an den Orten, an welchen Gott seine Herrlichkeit übt und die guten Engel zugegen sind, wartet, dass ihm Erlaubnis gegeben werde zu versuchen. (Chrys.) Indem der Verfasser dem Leser gleich im Anfange den Beschluss Gottes betreffs Job eröffnet, setzt er ihn in den Stand, die Reden Jobs und seiner Freunde, denen dieser Beschluss unbekannt ist, nach ihrer größeren doch minderen Richtigkeit zu verstehen. - zugegen. Zu diesem sprach der Herr: Woher kommst du? Die Frage zeigt, dass Satan unter Gottes Hand steht in seinem auf Erde und Menschenwelt gerichteten Tun, zugleich aber lässt sie auf eine weitergehende Absicht Gottes schließen, wie das Folgende zeigt. Gottes Fragen ist in der Sache selbst seine göttliche Macht, die den Teufel nicht tun lässt, was er will (Aug.), sondern ihn empfinden lässt, dass Gott alles sieht. (Thom.) - Er antwortete und sprach: Ich habe die Erde durchstreift und sie durchwandert. Vergl. [1Petr 5,8, Eph 6]. Durch diesen Ausdruck will sich der Teufel gleichsam eine Gewalt über die Welt beilegen. - Da sprach der Herr zu ihm: Hast du wohl acht gehabt Hebr.: Dein Herz daran gesetzt, aufmerksam geprüft. Es ist wahre Tugend auf Erden, ein Schauspiel für mich und für die Engel. Das in V. 1 vom Verfasser Job gespendete Lob wird hier von Gott wiederholt. Die Frage ist wahrscheinlich ein Vorwurf: du bist neidisch. - auf meinen Diener Job, dass seinesgleichen nicht auf Erden ist, Vergleiche über Noe [1Mos 6,9, 1Mos 7,1]. - ein Mann aufrichtig, recht, gottesfürchtig und das Böse meidend? Der Satan antwortete ihm und sprach: Fürchtet wohl Job Gott umsonst? Hast du nicht ihn und sein Haus und alle seine Habe ringsum mit einem Walle umgeben? Die Ankläger der Menschen sucht Jobs Frömmigkeit herabzusetzen: Sie besteht nur im letzten Grade von Frömmigkeit, in der Furcht, und auch diese entspringt lediglich aus Eigennutz. Findet der Teufel nichts Böses, so setzt er das Gute herab, so dass er selbst die Absicht verdächtigt. (Greg.) - Hast du nicht die Werke seiner Hände gesegnet und hat sein Besitztum nicht zugenommen im Lande? Die Aufzählung ist auch gegen Gott gerichtet, als ob derselbe nur Lohndiener hätte. - Aber strecke nur einmal deine Hand ein wenig aus und taste alles an, was er hat, ob er dich dann nicht ins Angesicht lästert? In solchen Umständen und Verhältnissen, will Satan sagen, kann Job nicht einmal eine wahre Tugend beweisen; wie es aber mit der angeblichen steht, wird die Probe zeigen. Ob nicht: Man kann diese Worte auch als Schwurpartikel fassen. Vergl. [1Koe 2,33] - Da sprach der Herr zu dem Satan: Siehe, alles, was er hat, ist in deiner Hand! nur gegen ihn strecke deine Hand nicht aus. Gott lässt dem Teufel innerhalb der bestimmten Grenzen freie Hand, damit dieser nicht nachher die Probe als zu leicht ausgebe. Zuerst wird der Held Gottes an seinen Gütern heimgesucht, damit er sich stufenweise bewähre. (Greg.) Ohne Gottes Zulassung kann Satan nicht schaden, und Gottes Absicht ist dabei, dass der Teufel besiegt werde. So gewährt Gott das Verlangen des Bösen, nicht damit sein Wille geschehe, sondern damit er verdammt werde, während Paulus, der vom Stachel des Fleisches frei zu werden wünscht, nicht nach seinem Willen, aber zu seinem Heile nicht erhört wird. (Aug.) - Da ging der Satan hinweg vom Angesichte des Herrn. Im Folgenden werden alle Ereignisse so geordnet, dass die Heftigkeit des Schmerzes nicht weniger als die Plötzlichkeit des Verlustes eine Versuchung zur Ungeduld bilden. Deshalb wird an erster Stelle ein Tag besonderer Art gewählt. - Als aber eines Tages seine Söhne und Töchter im Hause ihres erstgebornen Bruders aßen und Wein tranken, Nachdem Job für alle das Opfer dargebracht und er also der göttlichen Gunst sicher, am wenigsten ein Unglück erwartete. Nach dem Hebr. kommen die Nachrichten, eine über die andere: während immer noch ein Bote redet, kommt bereits ein anderer. Die Boten berichten ihre Botschaft ferner alle auf gleiche Weise. Diese Schläge sind endlich teils von Menschen, teils aber von Gott (V. 16, V. 119) und gehen stufenweise aufwärts. - kam ein Bote zu Job, welcher sprach: Die Ochsen pflügten und die Eselinnen weideten nahe bei ihnen, da machten die Sabäer Die Nachkommen Jektans, [1Mos 10,28, 1Chr 1,22] Araber im Norden zwischen dem persischen Meere und dem Euphrat bis nach Idumäa. Eine besondere Grausamkeit war es, dass sie die Knechte töteten. - einen Überfall, nahmen alles und erschlugen die Knechte mit dem Schwerte und ich allein bin entkommen, es dir zu verkünden. Während dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes Wer von Menschen Böses leidet, pflegt zu Gott zu fliehen. Doch während beim ersten und dritten Schlage Menschen als Mitursache erscheinen, so beim zweiten und vierten himmlische Kräfte. Das Feuer Gottes sind wohl wiederholte Blitze, vergl. [1Koe 18,38], nach einigen Erklärern der Samum. - fiel vom Himmel und ergriff die Schafe und die Knechte und verzehrte sie und ich bin allein entronnen, es dir zu melden. Während auch dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Die Chaldäer Ein raubsüchtiges Reitervolk, vergl. [Hab 1,6] kommt von Osten nach Norden, damit Jobs Eigentum von allen Seiten angegriffen werde. Während das Ackerfeld sich näher der Behausung Jobs befand, wurden die größeren Herden auf entfernteren Weideplätzen gehütet. Eine dreifache Abteilung: um desto mehr Schrecken zu verursachen, alles zu verwüsten, an der Flucht zu hindern. - bildeten drei Haufen, fielen über die Kamele her und nahmen sie, die Knechte aber erschlugen sie mit dem Schwerte und ich bin allein entronnen, es dir zu verkünden. Noch redete dieser, siehe, da trat ein anderer ein und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen eben und tranken Wein im Hause ihres erstgebornen Bruders, da stürmte plötzlich ein heftiger Wind Ein Wirbelwind von jenseits der nordarabischen Wüste. Den härtesten Schlag scheint Gott wieder selbst zu führen, ohne dessen Gestaltung die Elemente nicht zu schaden vermögen. (Greg.) - von der Wüste her heran und erschütterte die vier Ecken des Hauses, so dass es einstürzte und deine Kinder verschüttete, und sie starben; Die Reihenfolge der Unfälle hält die umgekehrte Ordnung inne als die V. 2, V. 3 gegebene Beschreibung der Glücksgüter Jobs. Dort ward vom Wichtigeren zum Geringeren, hier vom Geringeren zum Wichtigeren fortgeschritten. So wird durch Satans Bosheit eine immer höhere Steigerung der Bitterkeit hervorgerufen. - und ich allein bin entkommen, es dir zu verkünden. Da erhob sich Job, zerriss seine Kleider, schor sein Haupt, betete, sich zur Erde niederwerfend, Das ist keine Tugend, wenn man gefühllos bleibt. (Greg.) Job gibt das klare Bewusstsein der Größe seiner Trauer kund. Vergl. [1Mos 37,34] Er erhebt sich in heftiger Erregung, durchreißt sein Gewand, vergl. [2Sam 1,11], rauft und schneidet sich Bart und Haar, wie ein Trauernder und Entehrter. Vergl. [Mic 1,16]. Aber auch in der Tiefe seiner Betrübnis betet er die Macht und den Willen Gottes an; in seinem Glauben und seiner Ergebung ein Bild des Heilandes in Gethsemani. (Greg.) - an
Job erfährt von seinem Unglück
und sprach: Zwei Trostgründe, ein niedrigerer und ein höherer: Was ich verloren habe, war nicht verdientes und bleibendes Eigentum, sondern unverdientes und auf und bestimmte Zeit gewährtes Geschenk; was geschehen ist, ist Gottes Tat und Wille. - Nackt bin ich aus meiner Mutter Schoß hervorgegangen und nackt werde ich dahin zurückkehren; Der Beginn des Werdens und das Ende. Die Erde ist gleichsam der gemeinsame Mutterschoß, der alle Menschen aufnimmt, aller vergänglichen Errungenschaften entblößt. Vergl. [Ps 138,15]. - der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Wie es dem Herrn gefiel, so ist es geschehen! Der Name des Herrn sei gepriesen! Obgleich er weiß, dass Gott alles genommen, sagt er ihm dennoch standhaft Dank, den Teufel (V. 11) so gebührend strafend. (Chrys.) Der Satz: Wie es dem Herrn gefiel usw. fehlt im Hebr. - Bei alledem sündigte Job nicht mit seinen Lippen und redete nichts Törichtes wider Gott. Wie man unter eine Statue den Namen dessen setzt, den sie darstellt, so ist hier das Wort: „bei alledem sündigte Job nicht“ gewissermaßen die Inschrift der Darstellung der Seele Jobs. (Chrys.)

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