Hijob 16

b. Job antwortet hierauf weniger heftig. (16,1-17,16) Er beklagt sich, dass die Freunde, stets das gleiche wiederholend, ihm lästige Tröster seien. (V. 6) Von dem Tadel seiner Freunde geht er zur erneuten Beschreibung seiner Leiden über, die umso größer seien, als er in die Hände der Gottlosen dahingegeben und unerwartet und plötzlich der Wechsel des Schicksals eingetreten sei. (V. 17) So wünsche er denn von ganzem Herzen, man möchte sein Leiden nicht seiner Verschuldung zuschreiben, und ruft Gott als Zeugen seiner Unschuld an, seine Freunde zurückweisend, die ihn nur verhöhnen. (V. 22) Nur wenige Lebenstage seien ihm noch übrig.

Job antwortete und sprach: Jobs Schmerzen werden genauer beschrieben und so wird besser zum Ausdruck gebracht, wie heldenmütig er sie erträgt. Auch fasst der Dulder Hoffnung und spricht bereits offen und unbezweifelt aus, dass Gott seiner Unschuld Rächer werde. (Angedeutet [Job 14,13-17], hier V. 19-21.) - Solches habe ich oftmals gehört, lästige Tröster Er nennt sie ironisch so, weil sie sich als solche bezeichnet, der Erfolg ihres Trostes aber ist Belästigung, Vergrößerung des Leidens, statt Linderung. - seid ihr insgesamt. Werden die aufgeblasenen Worte Antwort auf [Job 15,2.3]. Hebr.: Was reizt dich denn, dass du alles erwiderst? - ein Ende nehmen? Oder ist dir etwas lästig, dass du so redest? Auch ich könnte ähnliches reden wie ihr; Leidende zu trösten, wie ihr, erfordert wenig Weisheit. Wären unsere Lagen gewechselt, auch ich könnte euch bitter tadeln und schwerer Sünden beschuldigen. - und o wäre doch Besser nach dem Hebr.: wenn ihr in meiner Lage wäret. Die Übersetzung der Vulgata ist ein zu heftiger Unglückswunsch gegen die Freunde. - eure Seele an der Stelle meiner Seele! so wollte auch ich euch mit Gerede trösten und mein Haupt über euch schütteln Gerade des Spottes und der Verachtung. [Jes 37,22, Ps 21,8] - und euch mit meinem Munde stärken und meine Lippen bewegen, als hätte ich Mitleid mit euch. Leere Worte vorbringend, von denen das Herz nichts weiß. Job deutet an, dass er so nicht tun würde. - Doch was soll ich tun? Wenn ich rede, setzt mein Schmerz nicht aus; schweige ich, so weicht er nicht von mir. Er lässt seinen Klagen freien Lauf. - Jetzt aber hat mich mein Schmerz ganz niedergedrückt, alle meine Glieder Besser wohl: Haus, Familie. - sind zu nichts geworden. Meine Runzeln geben Zeugnis wider mich Ein zweites erschwerendes Moment liegt darin, dass die Leiden (die aus der Krankheit entstandenen Runzeln) als Zeugen großer Verschuldung gegen ihn gelten; sie sind zwar lügenhafte Zeugen, aber sie gelten als wahre. - und der Lügenredner Eliphaz und die anderen Freunde. - steht auf und widerspricht mir ins Angesicht. Er Ja, Gott selbst ist sein Widersacher geworden, kennzeichnet ihn als Feind, den er auf jede Weise unterdrücken will. (Vergl. V. 12 und [Job 6,4.9, Job 7,14.19] u.a.) - hat seinen Ingrimm wider mich gesammelt und mir drohend, knirscht er gegen mich mit seinen Zähnen, als mein Feind hat er seinen Blick mit schrecklichen Augen auf mich gerichtet. Sie Weitere Steigerung seiner Schmerzen. Dem Zorn Gottes entspricht die Feindschaft der Menschen, die ihn höhnen und beschimpfen. - rissen wider mich ihre Mäuler auf und schlugen mich höhnend auf die Wange Sprichwörtlich für jede schwere Beschimpfung. [Ps 3,8, Mic 5,1] - und sättigten sich an meinen Peinen. Wie an einer Beute. Hebr.: Sie versammeln sich in Scharen um mich. - Gott hat mich dem Ungerechten übergeben, den Händen der Gottlosen mich überlassen. Dies kränkt ihn am meisten. - Ich, einst so reich, bin plötzlich zermalmt worden; er fasste mich bei dem Nacken, zerschmetterte mich und stellte mich zur Zielscheibe für sich auf. Ein anderer sein Leiden erschwerender Umstand: Hochstehend, ward er plötzlich dem Glücke entrissen, von Gott wie von einem Krieger unvermutet überfallen, zum Ziele seiner Geschosse gemacht, vergl. [Job 7,20], zerfleischt und durchbohrt, wenn auch nicht getötet. - Er umgab mich mit seinen Speeren, verwundete schonungslos meine Lenden Lenden: Hebr.: spaltet meine Nieren; im arabischen Sprichwort für: tödlich verwunden. Mit Änderung des Bildes vergleicht Job sich mit einer Mauer, die Riss auf Riss durch den Ansturm der Feinde erlitten hat. - und schüttete meine Eingeweide auf die Erde aus. Er schlug mir Wunde über Wunde und stürmte gegen mich an wie ein Riese. Ich nähte ein Trauerkleid um meine Haut Das Trauergewand wurde auf dem bloßen Leibe enganliegend getragen. - und bedeckte meinen Leib mit Asche. Hebr.: Und legte in den Staub mein Horn. Dies ist das Gegenteil vom Erheben des Hornes, was Zeichen der Macht und des Glückes ist. - Mein Angesicht ist angeschwollen vom Weinen und meine Augenlider sind verdunkelt. Hebr.: Auf meinen Wimpern lagert Todesschatten. - Das habe ich gelitten, obwohl keine Ungerechtigkeit in meiner Hand Im Gegensatze zu diesem Elende hebt er seine Unschuld hervor, die der Leser, der Ursache des Leidens kundig, je seinerseits auch kennt. - und mein Gebet zu Gott rein war. Durch die Versicherung, dass sein Gebet rein sei, weist Job die Beschuldigung zurück, dass er Frömmigkeit und Andacht aufhebe [Job 15,4], er übe sie vielmehr und habe sie immer geübt auf ungeheuchelte Weise. - O Erde! bedecke mein Blut nicht und mein Geschrei finde auf dir keine Stätte, sich zu verbergen! Dass er in seinem jetzigen Leiden bald unterliegen und sterben müsse, ist Job gewiss. Aber dann verschweige nicht, o Erde, was mir widerfahren, und decke das Blut, das ungerecht aus meinem Leibe vergossen, o Erde, mit der Krankheit meines Leibes belastet, und es wecke mein Rufen Gott zur Wiederherstellung meines Rechtes. Auch die Luft soll seine Klagen nicht hindern, sondern zum Himmel gelangen lassen, damit Gott, der gerechte Richter, die Unschuld Jobs kundtue. - Denn siehe, im Himmel ist mein Zeuge und der mich kennt, in der Höhe. Auf Erden wird Job geringgeschätzt, doch im Himmel hat er einen erhabenen Augen- und Ohrenzeugen. Ihm hängt er an, obwohl er weiß, dass eben Gott der Urheber seiner Leiden ist. Wie ganz anders geschieht alles als Satan erhofft! - Meine Freunde sind reich an spottenden Worten, zu Gott blickt mein Auge tränend empor. O möchte der Mensch mit Gott so ins Gericht treten können, wie ein Menschenkind ins Gericht tritt mit seinesgleichen! Wenn Gott schon jetzt sein Zeuge und Mitwisser ist, so könnte er auch jetzt schon ihm Hilfe gewähren, indem er, der ihn durch das Leiden in den Augen der Menschen als Sünder hingestellt, zu erkennen gibt, dass er kein solcher sei, sondern recht habe, wenn er seine Unschuld behaupte. So nach dem Hebr.: Zu Gott blickt mein Auge tränend empor, dass er entscheide für den Mann gegen Gott und für den Menschensohn gegenüber einem Freunde (oder: wie sein Freund). Der Gott, gegen den entschieden wird, ist der nur vorgestellte, unwirkliche, aus dem die Freunde einen gerechten machen wollten. – In der Vulg. ist derselbe Sinn wie [Job 9,32.33, Job 13,19-24]. - Denn siehe, die kurzen Jahre gehen vorüber und ich wandle den Pfad dahin, auf dem ich nicht zurückkommen werde. Gründe aus der Kürze und dem Elende des Lebens hergenommen, wie [Job 14,5.6]. Der erste Vers von [Job 17] zeigt noch mehr, wie nahe Job dem Tode ist.

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