B. Zweiter Streit Baldads und Jobs. (18,1 – 19,29) a. Baldad ergeht sich, auf seiner irrtümlichen Meinung beharrend, von neuem über den Fall der Gottlosen. (Kap. 18): Da Eliphaz Job zugestanden zu haben schien, dass die Gottlosen nicht stets offenbar gestraft werden, sondern oft nur durch Gewissensbisse gepeinigt werden, zeiht Baldad beide der Torheit und Anmaßung. (V. 3) Dann wendet er sich an Job allein und erklärt, Gott werde seinetwegen nicht seine unwandelbaren Ratschlüsse ändern, sondern den Gottlosen sicher und offenbar dem Untergange preisgeben. (V. 7) Den vielfachen Sturz des Gottlosen beschreibend (V. 14), fügt er hinzu, dass derselbe mit dem Tode des Gottlosen nicht endet, sondern dessen ganze Familie nach sich zieht.
1Baldad, der Suhiter, antwortete und sprach:Da Eliphaz zugestanden, dass die Strafen der Gottlosen nicht stets ganz offenbar sind, sondern bisweilen nur in Gewissensbissen bestehen, nimmt Baldad die frühere Behauptung auf, dass die Gottlosen stets einen wahrnehmbaren Untergang finden. Durch die Wiederholung seines Satzes beschreibt er Jobs Lage und stellt dessen Geduld um so mehr auf die Probe, als jener Satz bereits widerlegt war. Was er in [Job 8] bereits gesagt, wiederholt er von neuem; nur dass er die Qualen des Gottlosen genauer und schreckenvoller beschreibt und jede Hoffnung für Job aufgibt. -2 Bis wie lange noch werdet ihr solche Worte ausstoßen?Die angeredeten Personen sind nicht die Freunde, sondern Job und die leidenden Gerechten, mit denen er sich [Job 17,8.9] zusammengeschlossen. Job soll zur wahren, zu jener Weisheit zurückkommen, die er verlassen. - Werdet zuerst einsichtig, und dann wollen wir reden!3 Warum werden wir gleich dem Vieh geachtet und sind vor euch verächtlich?Unrein, nach anderen töricht. Die Verweisung Jobs [Job 12,7] an die Tiere erscheint ihm als Gleichstellung mit denselben in Unwissenheit und Dummheit. -4 Der du dich in deinem Grimme aufreibst, soll deinethalben die Erde öde sein und die Felsen von ihrer Stelle gerückt werden?Nicht Gott tut dies [Job 16,9], sondern du selbst. Aber durch ein ungeberdiges Wesen wirst du keine Änderung der göttlichen Weltordnung herbeiführen und das Gesetz der vergeltenden göttlichen Gerechtigkeit kannst du so wenig umstoßen als die Bestimmung der Erde ändern, der Menschheit zum Wohnsitz zu dienen, oder einen Felsen von seiner Stelle rücken. -5 Wird nichtHebr.: Vielmehr. Es muss ein Gesetz der göttlichen Weltordnung sein und bleiben, dass den Bösen das Glück plötzlich verlässt. - das Licht des Gottlosen ausgelöscht und die Flamme seines Feuers nicht mehr leuchten?6 Das Licht wird in seinem Zelte der Dunkelheit weichen und die Leuchte über ihm wird erlöschen.Das Licht der Frevler ist das ihnen etwa zuteil werdende Glück; dieses verlässt sie plötzlich, wie ein Licht erlischt. Die Lampe galt im alten semitischen Orient als eines der wichtigsten Hausgeräte und wurde in den Wohnungen der Wohlhabenden wahrscheinlich die ganze Nacht hindurch brennend erhalten. Ein von einer großen Lampe erleuchtetes Zelt oder Wohnzimmer war daher ein Zeichen des Glückes und Wohlstandes und das Erlöschen der Lampe Bild plötzlich eintretenden Elendes. -7 Es werden die Schritte seiner Kraft eingeengtSchritte seiner Kraft, kräftiges Einherschreiten ist Zeichen des Glückes und des dadurch genährten Übermutes. Das Beengtwerden solcher Schritte ist daher: in Unglück geraten. - und sein eigener Anschlag wird ihn zu Falle bringen,8 denn er hat seine Füße in das Netz verwickeltMit dem der Weg bedeckt ist. - und wandelt in dessen Schlingen.Hebr.: Auf Fallgeflechten wandelt er. -9 Es fasst seine Ferse der Fallstrick und DurstVielleicht seiner bösen Begierde. - entbrennt wider ihn.10 Verborgen ist auf der Erde die Fußfessel für ihn und die Falle für ihn auf dem Pfade.Die Wege sind die Handlungen und Gewohnheiten des Bösen. Steigerung des Vorigen: da sind dem Bösen Fallstricke gelegt, wo er es am wenigsten vermutet. -11 Rings ängstigen ihn Schrecknisse und umstricken seine Füße.Ja, noch mehr, das Unglück wartet nicht nur auf ihn, es verfolgen ihn selbst Schrecknisse des Verderbens und treiben ihn in ihre Schlingen. -12 Geschwächt werde durch Hunger seine Kraft und Abzehrung überfalle seine Rippen.Was V. 7-11 allgemein gesagt ist, wird hier spezieller beschrieben. -13 Des Todes ErstgeborenerDie furchtbarste Krankheit. Damit spielt Baldad zugleich auf Jobs Krankheit an und bezeichnet sie als eine solche, die nur gottlose Menschen treffe. - möge die Schönheit seiner Hand verschlingen und seine Arme fressen.14 Es werde aus seinem Zelte sein Vertrauen losgerissenEr werde unzeitig und gewaltsam dem Hause entrissen, auf das er sein Vertrauen setzte. - und das Verderben trete auf ihn wie ein König.Hebr.: Hingetrieben wird er zum König der Schrecken: zum Tode, dessen Gewalt schrecklich, alles bezwingend ist. -15 In seinem Zelte mögen, wenn er nicht mehr ist,Von ihm geht das Verderben auf alle über, was ihm nahe steht, Dinge, Familie, Nachkommen. - seine GenossenNachbaren. - wohnen, auf seine Wohnstätte werde Schwefel gestreut.Leere und Fluch. [5Mos 29,2, Ps 10,6] -16 Unten mögen seine Wurzeln verdorren, oben aber seine Ernte zertreten werden.Wenn die Wurzeln verdorren, ist kein neuer Keim zu erhoffen. Äste sind die Söhne, Wurzel und Stamm der Vater, die Ernte die erwachsene Nachkommenschaft. Anspielung auf Job. -17 Sein Gedächtnis möge verschwinden von der Erde und sein Name nicht gerühmt werden auf den Versammlungsplätzen.Ein anderer Fluch. Vergl. [5Mos 25,6]. Dies galt dem Orientalen als ein schweres Unglück. -18 ErGott oder: man. - wird ihn aus dem Lichte in die Finsternis verstoßen und ihn aus der Welt hinwegraffen.Sein Ruhm vergeht mit dem Tode und sein Name wird wie etwas Verabscheuungswertes aus der ganzen Welt verbannt. -19 Nicht wird ihm Nachwuchs bleiben noch Nachkommenschaft in seinem Volke oder irgend ein Überlebender in seinem Bereiche.Da die Eltern in den Söhnen fortleben, wird ihnen auch diese Fortdauer genommen. -20 Ob seines Gerichtstages werden die SpäterenRichtiger scheint das Hebräische so wiederzugeben, dass die Späteren und Früheren dem Orte, nicht der Zeit nach verstanden werden, also: die im Westen und die im Osten Wohnenden. - sich entsetzen und Schrecken wird die Früheren überfallen.21 Das fürwahr sind die Wohnungen der Gottlosen und das ist die Stätte desjenigen, der Gott nicht kennen will.Der sich nicht um Gott kümmern will. Damit wird Job gesagt, dass somit auch sein Unglück die Strafe für verübte Frevel sei und das oben beschriebene Schicksal des Frevlers auch ihm noch bevorstehe, soweit es ihn noch nicht getroffen.