Hijob 28

Viel zwar vermögen die Menschen durch ihre natürliche Wissenschaft und Kunst (V. 11), doch zu der übernatürlichen Weisheit, welche über alle natürliche erhaben ist, vermögen sie nicht zu gelangen. (V. 28)

Des Silbers Adern Job führt jetzt aus, was er [Job 27,11] verheißen. - haben ihren Ursprung Man weiß, wo man diese Metalle finden und hervorholen kann. - und das Gold einen Ort, wo man es schmelzt. Das Eisen wird aus der Erde genommen und das Gestein wandelt sich, aufgelöst in der Hitze, zu Erz. Eine Zeit hat er der Finsternis gesetzt Der Mensch setzt der Finsternis ein Ziel. - und aller Dinge Grenze erforscht er, auch das im Dunkel verborgene Gestein Das im tiefsten Dunkel verborgene Gestein. - und des Todes Schatten. Ein Schacht trennt von dem wandernden Erdenvolke die, welche der Fuß des armseligen Menschen Der über ihn wandelt. Hebr.: vergessen von dem (droben schreitenden) Fuße, fern von den Menschen, hangen, schweben sie. - im Stich ließ, die wandeln, wo kein Weg ist. Die Erde, aus welcher Brot an seinem Orte wuchs, ward unterwühlt mit Feuer. Des Saphirs Lager sind ihre Steine Die Arbeit jener Durchwühlung der Erde ist nicht vergeblich, denn unter den Steinen, die man findet, ist der Saphir und Gold, womit die gehabte Mühe reichlich belohnt wird. - und ihre Schollen Gold, den Weg kennt kein Vogel und nicht erspäht ihn das Auge des Geiers. Verwunderung: Auf einem Wege, dahin selbst die schärfstblickenden Vögel noch nie gesehen. (Hebr.: Adler, Geier.) - Die Söhne der Kaufleute betreten ihn nicht Den nie des Stolzes Söhne (Hebr. wohl die großen Raubtiere) gewandelt. - und die Löwin durchstreift ihn nicht. Nach dem Felsgestein streckt er seine Hand aus, unterwühlt vom Grunde aus die Berge, Um zum Sitze der Edelsteine und des Goldes zu gelangen, durchbohrt der Mensch die härtesten Felsen, so dass er selbst die Berge umstürzen scheint. - durch Felsen bricht er Rinnen und alle Schätze erschaut sein Auge, Brechen die unterirdischen Wasser ein, so haut er Kanäle in die Felsen und führt jene heraus. Erst dann erlangt er den Preis seiner Mühen mit Freuden. - auch die Tiefe der Flüsse erforscht er Hebr.: dass sie nicht tränen (durchsickern), verstopft er die Wasseradern. - und bringt das Verborgene ans Licht. Schöner Übergang zum Folgenden. Scheint es auch, als ob nichts so tief und verborgen sei, dass der Mensch es nicht finden und in Besitz nehmen könnte, so ist er doch unvermögend, die Weisheit zu finden und sich anzueignen. - Aber die Weisheit, Gegensatz. Die Weisheit ist in der heiligen Schrift die Erkenntnis, welche alles Einzelne auf Gott als Urheber und Lenker zurückführt. Insbesondere ist sie eine von Gott seinen Freunden verliehene Erkenntnis, ein Anteil an seiner Weisheit, die alles recht zu beurteilen und zu gebrauchen lehrt. Die Einsicht ist derjenige Teil der Weisheit, durch den wir vor allem Trug bewahrt werden. Vergl. [Jes 11,3]. Die Form der Frage weist auf V. 1 zurück: Der Mensch kann sie durch seine eigene Kraft nicht finden. Dasselbe wird in den folgenden Versen auf verschiedene Weise gesagt. - wo ist sie zu finden? Und wo ist die Stätte der Einsicht? Der Mensch kennt ihren Wert nicht Nichts von dem, was der Mensch kennt, ist dem Werte entsprechend, um den sie etwa gekauft werden könnte, denn sie ist mehr von der Erde. - noch findet man sie im Lande derer, die gemächlich „Gemächlich“ setzt der hl. Hieronymus hinzu, um anzudeuten, dass sie nicht ohne Anstrengung erworben wird noch von den in Freuden Dahinlebenden. – Die Septuag. und die alte latein. Übersetzung haben besser: Es kennt der Mensch nicht ihren Weg, denn hier ist die Rede von dem Sitze der Weisheit, erst V. 15 von ihrem Kaufpreise. - dahinleben. Der Abgrund sagt: In mir ist sie nicht! Und das Meer spricht: Bei mir ist sie nicht! Man kann das beste Gold nicht für sie geben noch Silber darwägen, sie einzutauschen; In den höchsten Gründen der Erde oder des Meeres ist sie nicht zu finden und der Mensch hat nicht, was er für sie geben könnte; daraus folgt, wie hoch sie zu schätzen. - sie ist nicht zu vergleichen mit Indiens mannigfaltigem Farbenschmucke Indiens mannigfachen Edelsteinen. Hebr.: Sie lässt sich nicht aufwiegen mit Ophirgold, mit kostbarem Beryll und Saphir. - noch mit dem kostbaren Steine Sardonyx, oder mit dem Saphir. Nicht kommt ihr Gold gleich oder Glas Ein damals dem Golde gleich geschätzter Gegenstand. - noch wird sie eingetauscht für goldene Geräte; was hoch und erhaben, ist im Vergleich zu ihr nicht der Erwähnung wert, denn aus dem Verborgenen wird die Weisheit gezogen. Hebr.: Und der Besitz der Weisheit geht über Perlen. - Nicht kommt ihr der Topas gleich aus Äthiopien noch wird ihr der reinste Purpur Hebr.: das reinste Gold. - gleichgeschätzt. Woher kommt die Weisheit also? Und welches ist die Stätte der Einsicht? Nach so langer Aufzählung kehrt passend die frühere Frage V. 12 wieder, um anzudeuten, dass diese Weisheit dem Menschen nicht aus eigener Kraft zugänglich, sondern verborgen ist, selbst wenn jemand mit scharfem Blicke die hohen Himmelsräume durchforschte. (V. 21) Auf dieser Erde ist sie nicht und die Unterwelt sagt: Ihr Ruf ist zu mir gedrungen, d.i. es gibt keinen Ort, den der Ruhm der Weisheit nicht erreicht hätte. - Verborgen ist sie vor den Augen aller Lebenden, auch den Vögeln des Himmels verhüllt. Abgrund und Tod sprachen: Unsere Ohren haben ihren Ruf vernommen! Gott Emphatisch vorangestellt: Gott allein. Er hat ja alles nach seiner Weisheit geschaffen und leitete alles nach ihr. (V. 25) - kennt den Weg zu ihr und er weiß ihre Stätte, denn er überschaut die Grenzen der Welt und sieht alles, was unter dem Himmel ist; In seinen Gründen und Folgen. - er, der den Winden Gewicht Gott kennt und besitzt die Weisheit aber nicht nur, sie ist sogar sein Werk und seit der Schöpfung von ihm in der Welt ausgeprägt und in ihr und ihrer Regierung teilweise offenbart. Um dies hervorzuheben, nennt Job gerade solche Erscheinungen in der Natur als angeordnet nach den ewigen Gesetzen jener Weisheit, sie sonst keinem Gesetze unterworfen zu sein scheinen, wie das Maß und die stete Bewegung von Luft und Wasser durch die ganze Erdsphäre und das Eintreten von Regen und Gewittern. - gab und die Wasser nach dem Maße abwog. Die Grade des Windes. - Als er dem Regen das Gesetz gab und den Weg den tobenden Wettern wies, da sah er sie Schaute auf sie als auf das Vorbild. - und machte sie kund Erklärend und mitteilend. - und setzte sie ein und durchforschte sie. Unterstellt sie festen Gesetzen und durchdringt ihr tiefstes Wesen. - Und zu dem Menschen sprach er: Nachdem Job erklärt, dass nur Gott die wahre Weisheit besitzt, sagt er endlich, wie der Mensch an ihr Anteil erlangen kann. - Siehe, die Furcht des Herrn, Furcht des Herrn ist ähnlich wie [Job 1,1] Ehrfurcht vor Gott und Verehrung Gottes und dann entsprechende Beobachtung seines Willens. Gott verehren und sich vom Bösen fernhalten, das ist wahre Weisheit, die der Mensch bewahren muss, auch wenn er Gottes Leitung nicht versteht. Und doch haben die Freunde Gottes Weltregierung einzig mit menschlichem Maße messen wollen. Job schilt indes seine Freunde nicht, sondern belehrt sie. Doch ach, er selbst weicht von dem Pfade der Vollkommenheit ab, den er gewiesen, und wendet sich Klagen und allzu neugierigem Forschen zu, was ihm Gottes Tadel zuzieht. das ist Weisheit, und das Böse meiden, ist Einsicht.

Zitiert in 5