Hijob 29

B. In einem Klageliede vergleicht Job sein früheres Glück mit seinem gegenwärtigen Elende und bezeugt, dass er das Unglück, von dem er jetzt heimgesucht wird, nicht durch seine Schuld sich zugezogen habe. (29,1 – 31,40) a. Sein früheres Glück (Kap. 29): Mit großem Schmerzgefühle geht Job sein früheres Leben durch, wie er sich durch Gottes Gnade jeder Art äußerer Güter erfreuen durfte (V. 10); wegen der Barmherzigkeit, mit der er allen Notleidenden half, sei er von allen gesegnet und gepriesen (v. 17) und gleichsam sicher der steten Dauer dieses Glückes, sei er überall wie ein König geehrt worden.

Und Job fuhr fort, Jobs Charakteristik wird vollendet. Er versucht nun seine früheren Klagen als berechtigt zu erweisen. Wie glücklich er einst gewesen (Kap. 29), in wie tiefem Elende er sich jetzt finde [Job 29], wie unschuldig und gerecht er zuvor gewesen und jeder Tugend nachgelebt habe. Seine neuen Klagen zeigen zugleich, dass die allgemeine Lösung noch nicht genügt, sondern dass sein Herz sich sehnt, zu erfahren, warum er gerade so viel Böses leiden muss. So bereitet der Verfasser eine neue, vollständigere Lösung vor. Die Kapitel 29-31, welche uns das Bild eines Frommen des Alten Testamentes geben, zeigen, dass keineswegs nur äußere Übungen die Frömmigkeit nach seinem Sinne ausmachen, sondern innere Reinheit und die Liebe Gottes erfordert wird. - seine Gleichnisrede wieder aufnehmend, Job hatte den Freunden also zunächst Zeit zur Antwort verstattet. Vergl. [Job 27,1]. - und sprach: Wer möchte mir geben, dass ich wie in den früheren Monden sei, wie in den Tagen, da Gott mich behütete, Er beginnt mit einem allgemeinen Wunsche. Die Zeit des Unglückes hat sich ihm so lang ausgedehnt, dass es ihm scheint, als läge jene Zeit weit hinter ihm, wo Gott sein Hüter und Hirt war. Er schreibt also Gott sein früheres Glück zu. - da seine Leuchte über meinem Haupte strahlte Über den Häuptern vornehmer Gäste wurden an der Tafel wie im Schlafgemache helle Lampen aufgehängt. Vergl. [Ps 90,1ff]. Das Licht ist die Gunst Gottes, die Finsternis Unglück und Schwierigkeiten, durch welche Job ohne anzustoßen hindurchging. - und ich bei seinem Lichte durch die Finsternis wandelte, so wie es in den Tagen meiner Jugend Hebr.: meines Herbstes. Das bürgerliche Jahr begann mit diesem, so dass die Übersetzung der Vulgata den Sinn richtig wiedergibt. - war, da Gott geheimnisvoll Traulich. - in meinem Zelte wohnte; Gott verkehrte mit mir wie mit einem Freunde. Seine Freundschaft zeigte sich in dem Segen der Familie (V. 5), den Gütern (V. 6), der Ehre (V. 7ff). - als der Allmächtige mit mir war und um mich her meine Kinder, als ich meine Füße Eigentlich nach dem Hebr.: wohin ich immer ging mit meinen Besitzungen, floss gleichsam alles von Butter. Sprichwort. Vergl. [5Mos 32,13.24]. - in Butter wusch und der Fels mir Ölbäche zuströmte, als ich zum Tore der Stadt ging und sie mir den Sitz in der Ratsversammlung bereiteten? Es sahen mich die Jünglinge und verbargen sich, die Greise erhoben sich und blieben stehen, Mit dem außerordentlichen Wohlstande Jobs war ein ebenso ungewöhnliches Ansehen bei seinen Mitmenschen verbunden. In den Zusammenkünften wichen die Jünglinge aus Scheu vor Verwarnungen zurück, standen die Greise, bis er sich gesetzt. So war Job wenigstens Stamm- und Stadtältester und Richter. Vergl. [Neh 8,4-7]. - die Vornehmen hielten im Reden inne und legten den Finger auf ihren Mund, Die Hand auf den Mund legen ist Zeichen der Verwunderung. Vergl. [Job 21,5]. Hatte Job gesprochen, so blieb auch den Fürsten, denen die höchste Leitung der Angelegenheiten zusteht, nichts zu sagen übrig. - die Führer hielten ihre Stimme an und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen. Das Ohr, das mich hörte, pries mich selig und das Auge, das mich sah, gab mir Zeugnis; Wer nur von ihm hörte, pries ihn glückselig wegen seiner Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Vergl. dagegen Eliphaz Vorwürfe [Job 22,6ff]. - weil ich den Armen rettete, der laut rief, und die Waise, die keinen Helfer hatte. Der Segen des Gefährdeten kam auf mich und ich tröstete das Herz der Witwe. Gerechtigkeit war mein Kleid Die Gerechtigkeit erschien auf allen Seiten, wich nicht von ihm, hing ihm innigst an, war gleichsam das Kleid, an welchem man ihn erkannte. - und wie mit einem Mantel und einer Krone bekleidete ich mich mit meinem Rechte. Mit dem Recht, das zu verteidigen ich bemüht war. - Auge war ich dem Blinden und Fuß dem Lahmen. Den leiblich Blinden und Lahmen, und das beständig. - Vater war ich den Armen und den Rechtsstreit, den ich nicht kannte, erforschte ich auf das sorgfältigste. Ich half im Gerichte dem, der sein Recht nicht verfolgen konnte, und war nicht zufrieden mit oberflächlicher Prüfung. - Ich zerschmetterte die Kinnlade des Gottlosen und entriss seinen Zähnen den Raub. Er räumte auch die Hindernisse des Rechtes fort. Der Gottlose wird einem Raubtier verglichen. - Und ich sprach: In meinem Nestchen werde ich sterben So durfte ich denn gute Hoffnung und dauerndes Glück hegen, insbesondere dass ich in meinem lieben Vaterhause zu hohem Alter gelangen werde. - und wie die Palme Die Palme lebt lange, wächst, auch gefällt, wieder und ist wunderbar fruchtbar. Im Hebr.: Und wie Sand werden sich meine Tage mehren. Einige Erklärer übersetzen mit dem Talmud: wie der Vogel Phönix, - der nach der Sage hundert, ja tausend Jahre lebt. - meine Tage mehren. Meine Wurzel sprosst empor am Wasser und Tau wird über meiner Saat weilen. Anderes Bild des Glückes. - Meine Herrlichkeit wird immer neu werden und mein Bogen Der Bogen war bei den Alten eine Hauptwaffe im Kriege und somit ein Hauptwerkzeug zur Erwerbung von Ruhm: Mein Ruhm wird sie abnehmen. - in meiner Hand wird erstarken. Die mich hörten, harrten Mit Sehnsucht. - des Ausspruches und lauschten schweigend auf meinen Rat. Meinen Worten wagten sie nichts beizufügen und meine Rede träufelte auf sie herab. So erquickend wie sanfter Regen auf dürres Erdreich. In diesem Sinne wird das Wort auch von prophetischen Reden gern gebraucht. [5Mos 32,2, Amos 7,16, Ez 21,2] - Sie harrten meiner wie des Regens und taten ihren Mund auf Lechzten gleichsam. - wie bei dem Spätregen. Meine Rede galt ihnen so viel wie der Spät- oder Ernteregen. - Wenn ich sie etwa anlächelte, glaubten sie es nicht, und das Licht meines Angesichts fiel nicht auf die Erde. Hebr.: Ich lächelte ihnen zu, wenn sie verzagten, und das heitere Antlitz (meine Zuversicht) trübten sie mir nie. Vulgata (V. 24): Waren sie einmal so betrübt, dass sie nicht mehr hoffen zu dürfen glaubten, und ich tröstete sie mit freundlicher Miene, so war mein Zuspruch nie ohne Erfolg. - Wenn ich zu ihnen gehen wollte, so saß ich zuoberst; und thronte ich auch wie ein König, von der Menge umgeben, so war ich dennoch ein Tröster der Betrübten. Überhaupt war er der möglichst höchsten Auszeichnung teilhaftig und einem Könige gleich geachtet. Ich gab den Leidenden wahren Trost, nicht so wie die Freunde mich trösten.

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