Streitgespräch zwischen Baldad und Job. (8,1 – 10,22) a. Baldads Vorwürfe gegen Job. (V. 1-22) Baldad greift Job heftig an, weil er mit seinen letzten Worten Gott der Ungerechtigkeit geziehen habe (V. 3), und behauptet, seine Söhne seien mit Recht umgekommen, er indes könne, wenn er Gott demütig anflehe, noch Erhörung finden und werde Gaben von Gott erhalten, welche die früheren weit übertreffen. (V. 7) Den gleichen irrigen Satz, auf den seine ersten Worte sich stützten, versucht Baldad aus dem Ansehen der älteren Weisen zu begründen (V. 10), welche durch ihre Aussprüche zeigen, dass das Wohlergehen des Gottlosen keinen Bestand hat. (V. 19) Die gleiche Lehre mit eigenen Worten wiederholend, verheißt er Job ein glücklicheres Los, wenn derselbe in sich gehe.
1Da antwortete der Suhiter Baldad und sprach:Baldad irrt wie Eliphaz, indem er als einzige Ursache der Heimsuchungen Gottes die Strafe für Vergehen annimmt und deshalb in Jobs Worten einen Tadel gegen die göttliche Gerechtigkeit erblickt. Er beginnt ohne die schonende Einleitung des Eliphaz. -2 Wie lange wirst du solches reden und werden die Reden deines Mundes wie ein heftiger WindHeftig und leer. - sein?3 Beugt etwa Gott das Recht oder stößt der Allmächtige um, was recht ist?Du leugnest Gottes Gerechtigkeit: Falsche Schlussfolgerung aus [Job 7,12.17.20.21]. Es ist als ob man einem Unglücklichen sagte: Merkst du jetzt, dass Gott gerecht ist? – Ist dies ein Erweis wahrer Freundschaft und Liebe? -4 Wenn auch deine Kinder sich gegen ihn versündigt haben und er sie der Gewalt ihrer Missetat überlassen hat,Weil die Ungerechtigkeit naturnotwendig in das Verderben zieht. Eliphaz hatte den Tod der Kinder den Sünden des Vaters zugeschrieben. [Job 4,10.11, Job 5,4] Baldad last sie ihrer eigenen Schuld wegen umkommen. -5 wenn du indesDir indes steht noch ein Weg zum Heile offen. - dich frühMit allem Eifer, vergl. [Lk 21,38], hier also von ganzem Herzen zu Gott zurückkehren. Im zweiten Satzglied zeigt Baldad den ersten Schritt der Rückkehr, das Gebet. - zu Gott aufmachst und zu dem Allmächtigen flehst,6 wenn du lauter und recht wandelst, so wird er alsbald über dich wachen und der Wohnung deiner Gerechtigkeit Frieden verleihen;Diese Bekehrung muss sich auch im Leben erweisen. Nach Baldads Meinung ist Gottes Gerechtigkeit derart, dass der Tugend stets sofort Lohn, dem Laster Strafe folgt. Hebr.: Gewiss, er wird dann wachen über dich und die Wohnstätte deiner Gerechtigkeit (die rechte Ordnung zwischen dir und Gott wie dem Nächsten) zum alten Wohlstande zurückführen. – So klagt Baldad Job zugleich an, sein Haus sei eine Wohnstätte der Frevel, nicht der Frömmigkeit gewesen. -7 so wird, wenn auch dein Anfang klein gewesen, dein Nachmaliges überaus groß werden.Deine frühere Glückseligkeit soll im Vergleich zur nachfolgenden klein erscheinen. -8 Denn befrage nur das frühere Geschlecht und forsche fleißig im Andenken der Väter.Wie Eliphaz seine Lehre aus einem Gesichte bekräftigte, so stützt Baldad die seine aus der Übereinstimmung der Vorfahren und Weisen. In V. 8 – 10 zeigt er die Vortrefflichkeit dieser Quelle. Willst du uns nicht glauben, so glaube wenigstens ihnen. Je mehr die Vorfahren dem Ursprung des Menschengeschlechtes nahe kommen, als desto weiser gelten sie. Hebr.: Und richte dein Herz auf die Forschung ihrer Väter. – Jene Alten haben fleißig geforscht und vortreffliche Weisheit gefunden. -9 (Wir sind ja von gestern und wissen nichts, weil unsere Tage auf Erden wie ein Schatten sind.)Unsere bisherige Erfahrung ist ja nur kurz und unzuverlässig und auch die Zukunft eilt wie ein Schatten vorüber. Gegensatz zu den langlebigen Patriarchen. (Chrys.) -10 Sie werden dich lehren und zu dir reden und Sinnsprüche aus ihrem Herzen bringen.Im Hebr. fragend. -11 Kann denn die Binse grünen ohne Feuchtigkeit oder das Riedgras wachsen ohne Wasser?Was jene Weisen auf Jobs Lage Anwendbares erforscht haben, sagt ihm jetzt das Bild (V. 11-19) und zwar mit den Worten, die ihm als überlieferte Lehre jener Wiesen bekannt sind. Wie das Gedeihen der Sumpf- und Wasserpflanzen durch Feuchtigkeit bedingt ist, so das Glück der Menschen durch Gottesfurcht. Wie jene im dürren Lande zugrunde gehen, vermöge ihrer eigenen Natur, ohne dass man sie von außen her zerstört, so der Mensch, wenn er von Gott gelassen. Die Sünde tötet den Sünder. -12 Wenn es noch in Blüte steht und noch nicht von einer Hand gebrochen ist, verdorrt es vor allen Gräsern;13 so sind die Wege aller, die Gottes vergessen, und die Hoffnung des Heuchlers geht zugrunde.Wege: Schicksal, Ausgang. Das Wort Heuchler bezieht sich wohl auf Jobs Opfer. -14 Nicht frommt ihm seine törichte Hoffnung und einem Spinnengewebe ist sein Vertrauen gleich.Erst wenn er zu Fall gekommen ist, missfällt ihm seine Torheit, mit der er sich der Sünden ergab, und er merkt durch die Erfahrung, wie nichtig seine Hoffnung war. Spinnengewebe; hebr.: dem Spinnenhause gleich ist sein Vertrauen. -15 Er baut auf sein Haus und es hält nicht stand, er stützt esHebr.: er hält sich an ihm fest. – Wer könnte sich auf ein Spinnengewebe stützen? - und es will nicht aufrecht bleiben.16 Er scheint saftig, ehe die Sonne kommt, und wenn sie aufgegangen ist, breiten sich seine Zweige aus;Rückkehr zum Bild der Pflanze, doch ist nur an eine Schlingpflanze zu denken. Subjekt ist der Gottlose, indem Bild und Sache vermischt werden. Trotz der Sonnenglut gedeiht er in saftig frischem Grün stehend und sein Geranke zieht sich über seinen Garten hin. Der Sinn des jetzigen latein. Textes ist: Er ist ein Baum, der zu blühen scheint, aber der verdorrt, wenn die Sonne heraufkommt, weil er kein Erdreich hat. -17 über den Felsen hin verflechten sich seine Wurzeln und zwischen steinigem Grunde weilt er.Zwar streckt er seine Ausläufer weit aus, aber im Felsenboden vermögen sie nicht Wurzel zu fassen. -18 Aber reißt er ihn von seiner Stätte, so verleugnet diese ihn und spricht: Ich kenne dich nicht!Den Gottlosen. Vergl. [Job 7,10]. -19 Denn dies ist die FreudeDer Ausgang des Weges des Gottlosen wird ironisch Freude genannt. Andere sollen seine Güter erben. Ein bitterer Schluss. - seines Weges, dass aus der Erde wieder andere sprossen.20 Gott verwirft nicht den AufrichtigenJetzt kehrt Baldad zu seiner früheren Behauptung zurück und macht die Anwendung von den Aussprüchen der Weisen auf Job. So wenig Gott dem Schuldlosen seine Fürsorge und seinen Schutz entzieht und sie einem gleichen Schicksal anheimfallen wie Job, ebenso wenig reicht Gott den Frevlern die Hand sie zu beschützen und zu behüten; deshalb werden sie von Unglück und Verderben ereilt zur Strafe für ihre Sünden, während die Frommen frei bleiben von Heimsuchungen. Was hast du also nicht zu erwarten, kehrst du zu Gott zurück! - und reicht den Bösen nicht die Hand,21 bis dein Mund mit Lachen erfüllt wird und deine Lippen mit Jubel.22 Die dich hassen, werden mit Schande bedeckt werden und der Gottlosen Zelt wird verschwinden.V. 21 führt den ersten Teil des V. 20, V. 22 den zweiten Teil desselben aus. Die dich hassen: die Gottlosen. – Baldad hält also Job für einen mit Recht von Gott bestraften Sünder, dessen Kinder bereits die volle Strafe ihrer Gottlosigkeit erreicht hat. Jobs früheres Glück war die schnell vorübergehende Glückseligkeit des Gottlosen, die mit jähem Sturze endet. Dass Job noch Schmerzen erduldet, erklärt sich daraus, dass er noch in Sünden und Halsstarrigkeit verbleibt.