Joel 2

Die Diener der Strafe Gottes. (V. 11) d. Die Buße. (V. 17) II. Teil. (2,18 – 3,21) A. Verheißung großer Gnadengaben.

Stoßet in die Posaune auf Sion, erhebet Klagegeschrei auf meinem heiligen Berge, Wohl ist das Gericht nahe [Joe 1,15], indes kann es doch durch Buße Aufschub erfahren oder gänzlich aufgehoben werden. Vergl. [Jer 26,19] und [Joe 2,14.17]. Gott redet. Die Aufforderung ist an die Priester gerichtet. Vergl. [4Mos 10,1ff]. Die auf Moria in die Posaune stoßen sollen. - dass alle Bewohner des Landes erbeben! Denn es kommt der Tag des Herrn, ja, er ist nahe, Schon hat Gott mannigfache Strafen verhängt, andere werden folgen, so ein allgemeines Gericht herbeiführend. - ein Tag der Finsternis und des Dunkels, Durch die Finsternis strafte Gott in Ägypten die Widerspenstigen [2Mos 10,22], auf dem Berge Sinai war Finsternis, um Gottes Majestät zu verherrlichen. Wie ist das Licht Freude und Glück, so bedeutet Nacht und Finsternis Unglück und Heimsuchung. - ein Tag des Gewölkes und des Unwetters! Wie Morgenrot sich über die Berge ausbreitet, so kommt ein zahlreiches, starkes Volk, Wer ist dieses Rächervolk? Einige erkennen auch in ihm die Heuschrecken, indes ist mit Recht zu bezweifeln, ob hier allein an diese zu denken ist, da die Heuschreckenplage den kommenden Tag des Herrn anzeigen sollte. [Joe 1,15] Berücksichtigt man ferner V. 10, 11, 30, 31 sowie [Joe 3,15], so ist wohl nicht zu bezweifeln, dass der Prophet unter dem Bilde der gegenwärtig verwüstenden Heuschrecken andere Feindesscharen versteht, andere und härtere Gerichte Gottes. Die Beschreibung des Propheten entspricht den Drohungen Moses [5Mos 28,49ff]. Ob nun dies Gericht noch durch standhafte Bekehrung gänzlich oder wenigstens bedingungsweise, solange Israel treu bleibt, aufgehoben wird, ob es allmählich kommt und mehrere Geschlechter trifft, sagt der Prophet nicht. Er stellt nur die allgemeine Richtschnur für das Handeln Gottes auf, ohne ein bestimmtes Volk im Auge zu haben, das Gottes Ratschlüsse vollzieht. – Das Morgenrot ist Bild der Schnelligkeit und eine Anspielung auf den Schein, der im Sonnenglanze von den Heuschrecken widerstrahlt. - wie von Anbeginn keines war und nach ihm nicht sein wird bis in die fernsten Geschlechter. Vergl. [2Mos 10,14]. Ein Unglück übertraf immer das vorhergehende, das Gericht durch die Chaldäer dasjenige durch die Assyrier, das durch die Römer vollstreckt beide. - Vor ihm her ist verzehrendes Feuer und hinter ihm sengende Flamme, Die Rächer werden so beschrieben, dass sie wahrhaft Gottes Hand kundtun. [Ps 96,3; Ps 17,9] - wie ein Garten der Wonne ist das Land vor ihm her Eden wird eine Wüste. - und hinter ihm öde Wüste, und keiner vermag ihm zu entrinnen. Ihr Aussehen ist dem von Rossen gleich Hebr.: Wie Rosse, so rennen sie. Das Bild ist von den Heuschrecken hergenommen. - und wie Reiter rennen sie. Gleich rasselnden Kriegswagen hüpfen sie über die Gipfel der Berge, Vergl. [Offenb 9,9]. - wie prasselnde Feuerflammen, welche die Stoppeln verzehren, wie ein mächtiges, zum Kampfe gerüstetes Volk. Vor ihnen erbeben die Völker, alle Angesichter glühen wie ein Topf. Der Grund folgt V. 7. - Wie Helden laufen sie daher, wie Krieger ersteigen sie die Mauern, Das Laufen ermüdet sie nicht, kein Hindernis vermag sie aufzuhalten. - Mann für Mann zieht seinen Weg, alle, ohne von ihrer Bahn abzuweichen. Keiner stößt den andern, ein jeder zieht seine eigene Straße; sogar auch durch Fenster stürzen sie und lassen sich nicht abbringen. Sie dringen in die Stadt ein, laufen auf den Mauern, erklimmen die Häuser, steigen durch die Fenster Dieben gleich ein. Auch dies ist nach dem Vorbilde der Heuschrecken beschrieben. In V. 8, 9 wird in unserer Vulgata zweimal das Eindringen durch die Fenster erwähnt. V. 8 muss nach dem Hebr. lauten: Sie stürzen durch die Schwerter. Wenn man sie auch mit Waffen angreift, werden sie dennoch nicht aufgehalten. - Vor ihnen her erzittert die Erde, erbeben die Himmel, Sonne und Mond verdunkeln sich und die Sterne verlieren ihren Glanz. Die Umstände, welche im Folgenden geschildert werden, sind diejenigen, welche dem Weltgerichte zukommen; diese also werden mit einem besonderen Gerichte hier verliehen, da ein jedes besondere Gericht eine Stufe und Vorbereitung zu jenem und selbst sein Abbild ist, da es in dasselbe übergeht. - Und der Herr lässt vor seinem Heere her seinen Donner erschallen, denn überaus groß ist sein Heerlager, gewaltig und sein Wort vollstreckend; Hebr.: Denn überaus groß ist seine Kriegsschar, denn gewaltig der Vollstrecker seines Befehls, denn groß ist usw. - denn groß ist der Tag des Herrn und überaus furchtbar, wer vermöchte ihn zu überstehen? Auch jetzt Hebr.: Auch jetzt noch. Obwohl ihr bereits die ersten Zeichen der Rache Gottes erfahrt, obwohl der Tag Gottes schon naht und die Verkündigung der Rache schon erfolgt ist, will Gott derselben dennoch Einhalt tun. Was ich gedroht, soll euch schrecken (Hier.), soll euch zur Buße bewegen. (Chrys.) - spricht der Herr: Kehret um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten und Weinen und Wehklagen! Durch freiwillige Bußübungen sollen sie Gott besänftigen und durch diese Strafe an sich selbst beweisen, dass sie ihre Verbrechen von ganzem Herzen verabscheuen. - Und zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider Seid nicht zufrieden mit äußeren Zeichen, sondern reißt euere Herzen von der Sünde los, zerreißet diese durch Schmerz und Zerknirschung. Damit sei eine volle Zuwendung es Herzens zu Gott verbunden. - und bekehret euch zu dem Herrn, euerm Gott; denn Der Prophet fügt wirksame Beweggründe bei: Er ist euer Gott, der für sein Volk Sorge trägt und der dessen höchstes Gut ist, und was frohe Hoffnung und Zuversicht wecken muss, er ist voller Gnade, Erbarmen, Langmut und Milde, um die Bestrafung zu verschieben und reichere Gnaden zu gewähren. Vergl. [2Mos 34,6]. - er ist gnädig und barmherzig, geduldig und voller Güte und lässt sich des Übels Der Heimsuchung. - gereuen. Der Prophet fordert Schmerz, verbunden mit der Hoffnung auf Vergebung um der Barmherzigkeit Gottes willen. Der Prophet bietet hier die Beschreibung wahrer Buße. - Wer weiß, Ich mahne euch zur Buße und, da ich weiß, dass Gott barmherzig ist [Ps 50,1.2], auch zum Vertrauen auf sein Erbarmen. Doch da ich die Tiefe des Reichtums und der Weisheit und Erkenntnis Gottes nicht zu durchdringen vermag, wünsche ich vielmehr als dass ich vorschnell behaupte (Hieron.), umso mehr als ihr sonst in eurer Buße nachlassen würdet. - er möchte wiederum verzeihen und Segen hinter sich zurücklassen, Wenn Gott richtet, steigt er gleichsam auf die Erde herab. Die Heimsuchung durch die Heuschrecken ist ein Gericht. Vielleicht gibt er der Erde die Früchte zurück, die ihr geraubt sind. - Speise- und Trankopfer für den Herrn, euern Gott? Erinnerung aus [Joe 1,9]. - Stoßet in die Posaune auf Sion, haltet ein heiliges Fasten, Damit alle Herzen Bußgesinnung annehmen und Gott durch öffentliche und feierliche Bitte zum Erbarmen bewegt werde, sagt er gemeinsames Fasten und öffentliche Gebete an. - berufet eine Zusammenkunft, versammelt das Volk, heiliget die Gemeinde, Alle sollen von levitischer Unreinheit frei sein. Vergl. [2Chr 30,17.18]. - vereiniget die Ältesten, Kein Alter suche Entschuldigung. - versammelt Kinder und Säuglinge, Allen Alters Menschen sollen in den Tempel kommen, damit aller Weinen und Flehen Gottes Herz leichter rühre, insbesondere aber der Jammer der Kinder. - der Bräutigam komme aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Brautgemache! Alle sollen an der Trauer teilnehmen, auch diejenigen, welche das Gesetz von öffentlichen Lasten ausnahm. - Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester, Die Mittler zwischen Gott und Menschen sollen in aller Namen beten und zum Ausdrucke bringen, was alle fühlen, zwischen dem Vorhof des Heiligtums und dem Brandopferaltar stehend, gegen das Heiligtum gewendet. - die Diener des Herrn, weinen Die Tränen unterstützen die Bitte. - und sprechen: Schone, Herr! schone deines Volkes Es handelt sich um deine Sache, schon dein Volk, dass du dir erwählt und durch so viele Wunder als das Deinige bezeugt hast. - und gib dein Erbe nicht der Beschimpfung preis, so dass die Völker über sie herrschen. Auf dich selbst fällt dieser Schimpf zurück. - Warum soll man unter den Völkern sagen: Wo ist ihr Gott? Dessen sie sich als ihres Helfers rühmten. - Da eiferte der Herr um sein Land und übte Schonung an seinem Volke. Allgemeine Norm des Handelns Gottes: Gott lässt sein Volk nicht untergehen, sondern, nachdem er Strafe vollzogen, zerstört er die Strafwerkzeuge, sein Volk aber überhäuft er mit zeitlichen und geistigen Gnaden, es so auf höhere, messianische Güter vorbereitend. Was V. 18-27 dargestellt wird, hat sich in der Geschichte des Volkes Gottes immer von neuem wiederholt. Der Herr eiferte – sie haben geklagt, dass es um seine Ehre gehe, er offenbart seine Liebe und entreißt das Land der Verwüstung. Sie haben gefleht: Übe Schonung, der Herr hat Schonung geübt, das Volk als das seine anerkannt. - Und der Herr begann und sprach zu seinem Volke: Sehet, ich will euch Korn und Wein und Öl in Fülle spenden und euch nicht mehr zum Schimpfe werden lassen unter den Völkern. Auch darin erhört er ihr Flehen. V. 17. Nicht mehr: So lange ihr in dieser Gesinnung beharrt. So nach [3Mos 26; 5Mos 28] u.a. - Den Feind von Mitternacht werde ich weit von euch wegtreiben und ihn in ein ödes und wüstes Land Die Heuschrecken kommen nach Gottes Anordnung in der Wüste um, damit der Gestank von ihren Leichen nicht Krankheiten hervorrufe. - verstoßen, seinen Vortrab in das Ostmeer Das Tote Meer. - und seinen Nachtrab in das äußerste Meer stürzen und es soll Gestank sich von ihm erheben und Modergeruch von ihm aufsteigen, weil er so groß getan. Mit der Entfernung der Heuschrecken ist der Sinn der Verheißungen noch nicht erschöpft. Denn da Joel die allgemein gültige Weise Gottes zu verfahren vorstellt, warum nicht auch an dieser Stelle? In dem Vorbilde der Heuschrecken wird zum Ausdruck gebracht, wie Gott, der immer für sein Volk eifert, die Werkzeuge seiner Gerechtigkeit, so oft er solche gebraucht, fortwirft. Schon früher hat Gott öfter sein Volk durch Einfälle feindlicher Völker heimgesucht, so dass er auch jetzt dies tun werde, hat der Prophet [Joe 2,2] verkündet. Doch der Eifer Gottes und die Verheißungen des Herrn sind dem Propheten eine Bürgschaft, dass auch jetzt durch die Heimsuchung diese Erneuerung kommen wird. Dass die Feinde von Norden das Land bedrohten, ist aus der Zeitgeschichte bekannt. - Fürchte dich nicht, o Land! frohlocke und freue dich, Den Drohungen entgegengesetzte Verheißungen folgen. Stufenweise steigt der Prophet von den unbelebten Wesen zu den Tieren, von diesen zu den Menschen empor. - denn Herrliches vollbringt Im Hebr. ist derselbe Ausdruck wie V. 20 am Ende; ein schöner Gegensatz. - der Herr. Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes! Die Fruchtbarkeit der Bäume und Weinberge hat auch für Tiere, insbesondere die Haustiere, seinen Nutzen. - denn es grünen die schönen Triften, denn die Bäume tragen ihre Frucht, Feigenbaum und Weinstock geben ihren Ertrag. Auch ihr, Söhne Sions! frohlocket und freuet euch in dem Herrn, euerm Gott, Die Verheißungen schließen sich eng an V. 19 an; 19a ist in 22 aufgehoben, 19b wird so erklärt, dass das Volk zu wahrer Gerechtigkeit erzogen werden soll (V. 23) und Gott preisen und loben V. 26 und durch die Erfahrung erkennen V. 27, dass er in ihrer Mitte weilt. – Sie sollen sich freuen in religiöser Freude, in Gott, dem Urheber der Wohltaten. Zwei solche werden genannt: Eine, welche die Quelle der Sünden verstopft und das Volk zu einem seiner Auserwählung würdigen Leben führt (Ausführung V. 26b, 27), die andere, dass der Frömmigkeit die Verheißung reichsten Glückes wird. (V. 24, 25, 26a) - denn er gibt euch einen Lehrer der Gerechtigkeit Du, mein Volk, musst dich freuen, dass Gott dir das Gesetz gegeben und es beständig durch Propheten erklären lässt, so dass du den wahren Weg zur Gerechtigkeit gehst. Vergl. [4Mos 23,23]. Auch fromme Könige hat dir Gott gegeben, z.B. [2Koe 18ff; 2Chr 19ff]. Vergl. [Jes 30,20]. Der Lehrer ist nicht Christus, sondern die Propheten nach der Gefangenschaft. Einige verstehen die Weissagung von Christus. - und sendet euch Frühregen und Spätregen Nach der Aussaat und vor der neuen Ernte. - wie vom Anbeginn Wie früher. - hernieder. Es füllen sich die Tennen mit Getreide und die Keltern strömen über von Wein und Öl. Ich will euch Ersatz gewähren für die Jahre, Die Kap. 4 erwähnte Plage hat sich öfter wiederholt. - welche Heuschrecken, Käfer, Kornbrand und Raupe gefressen haben, mein großes Heer, So nennt Gott es, weil es eine so große Niederlage bereitet hat. - das ich wider euch entsandt habe. Dann werdet ihr vollauf zu essen haben und satt werden und sollt den Namen des Herrn, eures Gottes, loben, der Wunderbares an euch getan, und mein Volk soll nimmermehr zuschanden werden. Und ihr sollt inne werden, dass ich in Israels Mitte bin, bin ich doch der Herr, euer Gott, außer dem keiner ist, und auf ewig wird mein Volk nicht zuschanden werden.

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