Joel 4

B. Weitere Darlegung der göttlichen Segnungen. (Kap. 3) a. Bestrafung der Feinde Sions. (V. 8) b. Bestrafung der Feinde Gottes. (V. 16) c. Der Herr der Erlöser in Sion.

Denn sehet, in jenen Tagen und zu jener Zeit, Grund, warum auf dem Berge Sion und in Jerusalem das Heil sein wird. Was Gott [Joe 2,18] gesagt, soll auch in der Zukunft gelten, auch wenn das Volk durch neue Untreue Gottes Strafe auf sich zieht. - wenn ich die Gefangenschaft von Juda und Jerusalem wenden werde, Die Gefangenschaft wenden ist nicht notwendig nur auf die Fortführung zu beziehen, sondern bedeutet in einen früheren blühenden Zustand aus gegenwärtigem Elende zurückversetzen. Gewiss waren auch viele Israeliten gefangen und verkauft. (V. 3) Die Erlösung Jerusalems ist mit einem Gerichte über die Völker verbunden, in welchem Gott wegen des jenem angetanen Unrechts Rechenschaft fordert. - werde ich alle Völker versammeln und sie in das Tal Josaphat „Der Herr ist Richter,“ allegorisch. Dass Gott über die einzelnen Völker zu verschiedenen Zeiten und auf verschiedene Weise Gericht hält, geht schon daraus hervor, dass alle Völker nicht in einem einzigen Tale versammelt und gestraft werden können. Cyr. nennt eine solche Behauptung ein frivoles Weibermärchen der Juden und eine Lächerlichkeit. Zudem ist es ungewiss, ob ein solches Tal je bestanden hat, und die anderweitige Bezeichnung V. 14 zeigt, dass nicht der Name, sondern die durch denselben bezeichnete Sache in Frage kommt. Indes kann der Sieg, den König Josaphat einst im Tale des Segens davongetragen [2Chr 20,16-26], zu dieser Bezeichnung Gelegenheit gegeben haben. Israel ist von Theglathphalasar [2Koe 15,29; 1Chr 5,26] bereits zerstreut, deshalb sind die Worte nicht notwendig auf die Zeit nach der Zerstörung des Reiches Israel, auf die Zeit nach 722 zu beziehen. Schon Jehu musste den Assyriern Tribut zahlen und andere Besetzungen des Landes in den Kriegen mit Syrien werden [2Koe 10,32.33; 2Koe 13,3] erwähnt. - hinabführen und daselbst werde ich mit ihnen ins Gericht gehen wegen meines Volkes und meines Erbes Israel, dass sie dieselben unter die Völker zerstreut und dass sie mein Land geteilt haben. Die schlimmste Verteilung des Landes durch die Assyrier [2Koe 15,29]. In allen Kriegen wurden Juden als Kriegsgefangene verkauft. - Und über mein Volk haben sie das Los geworfen und die Knaben der Entehrung preisgegeben, die Mädchen aber für Wein verkauft, um zu zechen. Nach dem Hebr. wohl: Als Preis für das Buhlen (oder: für eine Buhlerin.) - Doch was habe ich mit euch, Tyrus und Sidon und ihr alle Landschaften der Philister? Wollt ihr etwa an mir Vergeltung üben? Wenn ihr euch an mir rächen wollt, Hebr.: Oder wollt ihr euch an mir rächen? - so werde ich geschwind und eilends die Vergeltung auf euer Haupt zurückfallen lassen. Sie haben keine Ursache, über das Volk Gottes herzufallen. Ihnen selbst ist kein Unrecht geschehen und nicht ungestraft werden sie den Schutzbefohlenen Gottes angreifen. - Denn ihr habt mein Silber und Gold genommen und meine herrlichsten und schönsten Kleinode in eure Götzentempel gebracht. Vergl. [2Chr 21,17] und [2Koe 14,13]. - Und die Söhne Judas und Jerusalems habt ihr den Griechen verkauft, um sie weit wegzuschaffen von ihrem Lande. Ähnliches wirft Amos den Philistern [Amos 1,6] und Tyriern [Amos 1,9] vor. Vergl. [Ps 82]. Aber Gott wacht über die Seinen, er macht die Anschläge der Feinde zunichte. - Sehet, ich werde machen, dass sie sich von dem Orte, wohin ihr sie verkauft habt, Auch wenn sie fern sind, will Gott ihrer gedenken und für sie Sorge tragen. - erheben, und werde die Vergeltung auf euer Haupt zurückfallen lassen. Ich werde eure Söhne und eure Töchter durch die Söhne Judas verkaufen, diese werden sie an die Sabäer verkaufen, ein fernes Volk, Im Norden des heutigen Jemen. Die Philister wurden bereits von Azarias [2Chr 26,6] und Ezechias [2Koe 18,8] besiegt und viele mussten wohl das gewöhnliche Los der Gefangenen erdulden. Ob auch die Phönizier durch die Juden ihre Strafe erlitten, ist nicht zu sagen. Jedenfalls wurden sie von den Assyriern und Chaldäern besiegt. - denn der Herr hat es gesprochen. Lasset dies unter den Völkern ausrufen: Weit und breit, überall. - Führet einen heiligen Krieg, Die Aufforderung geht an alle, welche unter dem Banner Gottes kämpfen. - bietet die Helden auf, lasset alle Krieger heranrücken und zu Felde ziehen! Also auch im messianischen Zeitalter werden noch Kämpfe sein, obwohl es eine Friedenszeit ist. - Schmiedet eure Pflugscharen zu Schwertern um und eure Karste zu Lanzen, der Schwächling sage: Ich bin ein Held! Es wird ihm solche Hilfe zuteil werden, dass er dies zu sagen vermag. Warum, besagt V. 12, 13. - Eilet und kommet, alle ihr Völker ringsum, und sammelt euch, Ironische Aufmunterung an die Feinde. - dort wird der Herr deine Helden zu Boden strecken. Im Hebr. ist dies vielmehr ein Gebet zum Herrn: Dorthin lass, Jahve, deine Helden (deine Engel) niederfahren. Bei solcher Hilfe dar auch der Schwache sagen: Ich bin ein Held. Wie die bösen Geister die Feinde Gottes anstacheln, sein Reich zu bekämpfen, so stehen die Engel den Streitern Gottes bei. So stehen sich die beiden Heere gegenüber. - Die Völker sollen sich aufmachen und hinziehen in das Tal Josaphat, denn dort will ich über alle Völker ringsum zu Gericht sitzen. Leget die Sichel an, Mahnung an die Engel. Der Heiland führt das Gleichnis weiter aus [Mt 13,38-42]. Vergl. [Offenb 14,15-20]. - denn die Ernte ist reif; kommt und steiget herab, Hebr. besser: Kommet und stampfet, nämlich die Trauben. Das Gericht wird unter dem Bilde der Ernte, vergl. [Jes 17,5; Hos 6,11] und der Weinlese, vergl. [Jes 63,1], dargestellt. Das Böse soll wachsen und reifen. - denn die Kelter ist angefüllt, es strömen die Kufen über, denn ihre Bosheit ist übergroß geworden. Völker über Völker Oder: Getümmel über Getümmel. - im Tale der Entscheidung, denn nahe ist der Tag des Herrn im Tale der Entscheidung. Das Tal „der Herr richtet“ wird jetzt nach dem Erfolge symbolisch das Tal der Entscheidung genannt. - Sonne und Mond haben sich verfinstert und die Sterne haben ihren Glanz zurückgezogen. Und der Herr wird brüllen von Sion her Aus der Mitte seines Reiches wie von seinem eigentlichen Sitze wird der Herr seine Stimme aussenden, d.i. alle zum Gerichte sammeln, Ausspruch und Strafe verkünden. Vergl. [Joh 5,28]. - und seine Stimme erschallen lassen aus Jerusalem, so dass Himmel und Erde erbeben; der Herr aber ist die Hoffnung seines Volkes und der Hort der Söhne Israel. Wenn alles zittert, gewährt der Herr den Seinen sichere Hoffnung, die nicht zuschanden wird. Inmitten des Schreckens und des Zusammenbruches der ganzen Welt ist er ihnen Stärke. Vergl. [Lk 21,28]. - Da sollt ihr inne werden, Dies alles wird der Herr tun aus Erbarmen gegen sein Volk, damit es durch diese Offenbarung seiner Vorsehung erkenne, dass er Gott ist. - dass ich der Herr, euer Gott, bin, der auf Sion, meinem heiligen Berge, wohnt, Dort wird er sich als Gott des Bundes offenbaren und da er selbst heilig ist, auch sein Reich in Heiligkeit blühen lassen. So ist es denn jetzt klar, warum in Sion allein Rettung [Joe 3,32] und warum Gott alle seine Feinde straft, dort hat er sich seinen Thron erwählt, dies ist das Erbe, das er sich erworben. Sion ist also als Sitz des Gottesreiches aufgefasst und ist ein umso geeigneteres Symbol desselben, weil dort das alte Gottesreich in der Tat seinen Mittelpunkt hatte. - und Jerusalem wird heilig sein und kein Fremder wird es mehr durchziehen. Alle, die Böses tun, bleiben fern, den Seinen aber teilt Gott seinen Geist mit. [Joe 2,28] - Zu jener Zeit werden die Berge Süßigkeit träufeln Hebr.: die Berge werden von Most triefen. Die Weinberge auf den Bergen werden eine solche Fülle von Most bieten, die in den Tälern weidenden Tiere so reichlich Milch geben, dass Berg und Tal nicht mehr Wasserquellen den Ursprung zu geben scheinen, sondern Strömen von Most und Milch. Das ganze Land aber wird von nicht versiegenden Flüssen bewässert werden und die Äcker überaus fruchtbar sein. Diese Darstellung ist ein Bild der geistigen Gnaden. Denn wie durch die Sünde auch über die Natur Heimsuchungen gekommen sind [1Mos 3,16], so fließt auf die geschaffenen Dinge aus der erneuten Heiligkeit des Menschen ein neuer Glanz zurück und die Natur gibt der Heiligkeit der Menschen gleichsam Zeugnis. Da Bild ist umso passender, also im Gesetze zwischen Frömmigkeit und Gottlosigkeit einerseits und dem Segen in der Natur andererseits ein gewisses Verhältnis des Lohnes und der Strafe besteht. - und die Hügel von Milch fließen und in allen Bächen Judas wird Wasser strömen, eine Quelle wird vom Hause des Herrn ausgehen Ein Quell in übertragenem Sinne, ein Quell des Segens. - und das Tal der Dornen Hebr. Akaziental: die Wüste. So wird ein Bild seltener Fruchtbarkeit geboten. - tränken. Ägypten wird zur Wüste werden und Idumäa zur wüsten Steppe, Erfüllung des V. 17 Ende Gesagten mit Anbequemung an die Zeitverhältnisse. Was er V. 4 an den Tyriern und Ägyptern beklagt, tadelt er jetzt auch an den Ägyptern und den Edomitern. Über die letzteren vergl. [Amos 1,11; Obadja 1,10]. Andere Weissagungen gegen Ägypten [Jes 19; Jer 46; Ez 30-32], gegen Edom [Jer 49,7; Ez 35]. Die Ägypter wurden durch Kambyses gestraft, indes ist ein Volk als Repräsentant für alle stolze Erhebung und alle Feinde Gottes gesetzt. (Cyr., Theod.) - weil sie Frevel gegen die Söhne Judas verübt und unschuldiges Blut in seinem Lande vergossen haben. Judäa aber wird immerdar bewohnt werden und Jerusalem von Geschlecht zu Geschlecht. So ward es David durch Nathan versprochen. [2Sam 7,14] Auch Osee weissagt, dass Gottes Bund nach der Strafe bestehen werde. [Hos 2,19] Ähnlich [Jes 9,7; Jes 11,1; Jes 54]. - Und ich werde ihr Blut sühnen, welches ich noch nicht gesühnt habe, Hebr.: Ich werde ihr Blut hochheilig halten, das ich noch nicht hochheilig gehalten. Gott wird die Bedrückung seines Volkes nicht ferner, wie im Alten Testamente, zulassen. Hieraus folgt die gewöhnliche Übersetzung: Und ich werde ihr Blut rächen, das ich noch nicht gerächt habe. Gott wird im Neuen Bunde sorgfältiger über die Seinen wachen und jedes Unrecht alsbald rächen. Oder die Worte beziehen sich auf V. 19. - und der Herr wird auf Sion wohnen. Seinen beständigen Wohnsitz aufschlagen.

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