Jonas 3

II. Jonas in Ninive. (Kap. 3 und 4) 1. Die Predigt des Propheten in Ninive und deren Erfolg. (Kap. 3) a. Die Predigt des Propheten. (V. 4) b. Buße und Rettung der Niniviten.

Hierauf erging zum zweiten Male das Wort des Herrn an Jonas, also lautend: Jonas wartet mit Recht auf eine neue Weisung Gottes, da er fürchten musste, dass er sich durch seine Widersetzlichkeit der Würde eines Gesandten Gottes beraubt und dass Gott einen anderen an seiner Stelle senden werde. - Mache dich auf Gott hält dem Propheten sein Vergehen nicht weiter vor; die Strafe des ins Meer geworfen und verschlungen werdens genügt, damit der auf den befehlenden Gott nicht gehört, seine befreiende Hand erkannte. - und begib dich nach Ninive, der großen Stadt, Wörtlich hebr.: groß dem Herrn. Gott hielt das Heil dieser Stadt hoch, weil er so viele Menschen in ihr erschaffen. (Theod.) Der Zusatz weist darauf hin, dass der Herr und Lenker der ganzen Welt Ninive mit besonderer Vorsehung leitete, was schon daraus erhellt, dass er einen Propheten in diese Stadt entsandte. Das Assyrische Reich hatte in der Geschichte des Menschengeschlechtes und des auserwählten Volkes eine besondere Aufgabe, es sollte viele andere Völker bezwingen und strafen und auch an dem Reiche Israel und Juda der Vollstrecker des göttlichen Strafurteils sein. Ninive lag am Ostufer des Tigris, nach Diodorus Sikulus hatte es 480 Stadien im Umfang. Ninive wird hier nicht im strengen Sinne genommen. Die eigentliche Stadt lag da, wo heute Runundschik und Nabinunus bei Mossul sich befinden; wie [1Mos 10,12] andeutet, umfasst der Name die vier Städte Ninive, Rechaboth-Ir, Chale, Resen. Dieser Text: drei Tagereisen, ist von der Umfassung der Stadt, nicht von der geraden Durchschnittslinie zu verstehen. Salmanasar II., König von Assyrien (860 – 825), hatte zuerst im eigentlichen Ninive seinen Sitz nachher in Chale, das sein Vater an der Stelle, die das heutige Nimrud einnimmt, erbaut hatte. Wahrscheinlich war auch zu Jonas Zeit der Sitz des Königs zu Chale, d. i. im Südteile der großen Stadt. Da Jonas vom Süden kommend diesen zuerst betrat, drang die Kunde von seiner Botschaft alsbald in den königlichen Palast. - und verkünde daselbst die Botschaft, welche ich dir mitteile!
Jonas predigt den Niniviten
Da machte sich Jonas auf und ging nach Ninive dem Worte des Herrn gemäß; Ninive aber war eine große Stadt, drei Tagreisen im Umfange. Und Jonas begann in die Stadt zu gehen Wohl die einzelnen Ortschaften aufzusuchen. (Theod., Theoph.) - eine Tagreise weit und rief und sprach: Noch vierzig Tage, so wird Ninive zerstört. Da glaubten die Leute von Ninive an Gott und riefen ein Fasten aus und zogen Bußkleider Die Niniviten hatten wohl von der wunderbaren Macht gehört, mit welcher der Gott der Israeliten seinen Dienern hilfreich beistand. Ihr Gewissen bezeugte ihnen, dass sie den Untergang verdient, und auf die Stimme des Propheten erleuchtete Gott ihren Verstand und regte sie zum Glauben und zur Buße an, wie die ganze Erscheinung des Propheten sie überzeugte, dass er ein kluger, heiliger und glaubwürdiger Mann sei. – Bußgewand und Fasten sind die Waffen der Büßer, die Hilfe der Sünder. - an, groß und klein. Hoch und Niedrig. - Auch zu dem Könige in Ninive drang die Kunde, da erhob er sich von seinem Throne, warf sein Gewand Hebr.: Prachtmantel. - von sich, legte ein Bußkleid an und setzte sich in Asche. Und er ließ in Ninive ausrufen und sagen als des Königs und seiner Großen Befehl, also: Menschen und Tiere, Rinder und Schafe sollen nichts essen und sollen weder auf die Weide kommen noch Wasser trinken. vielmehr sollen Menschen und Tiere Wie die Tiere bei festlichen Anlässen geschmückt werden, im Trauerzuge gleichfalls Zeichen der Trauer tragen, so sollen sie auch an der Buße teilnehmen, was bei den Morgenländern nicht zu verwundern ist, da diese viel vertraulicher mit den Haustieren umgehen. Vergl. [2Sam 12,3]. Die allgemeine Trauer und Buße soll die Menschen mehr ergreifen und auf Gottes Herz versöhnend wirken. Für das letztere ist auch das Fasten der Kinder besonders geeignet. - sich in Bußkleider hüllen und sollen den Herrn mit aller Macht anrufen und ein jeder soll von seinem schlimmen Wandel umkehren und von der Verschuldung, die an seinen Händen klebt. Vielleicht Gott ist nicht verpflichtet, die Buße so anzunehmen, dass er außer der Schuld der Sünde auch die zeitliche Strafe erlässt. Vergleiche das Lob, das der Heiland dieser Buße spendet. [Mt 12,40] - wendet sich Gott uns zu und verzeiht und steht ab von seinem grimmigen Zorne, so dass wir nicht zugrunde gehen. Da sah Gott auf ihr Tun, dass sie sich bekehrten von ihrem bösen Wandel, und Gott erbarmte sich und wandte das Übel ab, das er ihnen angedroht hatte, und ließ es nicht hereinbrechen. Gott verharrt vielmehr bei seinem Vorsatze, sich zu erbarmen, den er von Anfang an gehegt, denn hätte er unbedingt strafen wollen, so hätte er nicht zuvor das androhen lassen, was er tun wollte. (Hier.) Gott freut sich, wenn er retten kann, darum droht er Unglück an, damit er es nicht verhängen muss. (Theod.) Das Tun, auf das Gott sieht, ist der Glaube (V. 5), die Abkehr von den Sünden zur Gerechtigkeit (V. 8), das Gebet, das Zeichen ihres Vertrauens auf Gott (V. 8), endlich die Bußwerke. (V. 5) Die Prophezeiung war keine absolute, obwohl sie der Form nach als solche erscheint, sondern, wie die Sache selbst anzeigt, eine bedingte. Gott handelt der Norm gemäß. Die er [Jer 18,7] selbst ausgesprochen und aufgestellt.

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