Josua 5

2. Die Israeliten schicken sich zum Kampfe mit den Chananäern und zur Besitzergreifung des Landes an. (Kap. 5) A. Die Chananäer lassen, von Schrecken und Entsetzen erfasst, den Israeliten Zeit, ihre Vorbereitungen zu beenden. (V. 1) B. Die Israeliten beschneiden auf Gottes Befehl alle männlichen Angehörigen (V. 9) und feiern zum ersten Male das Osterfest in dem verheißenen Lande. Das Manna hört auf zu fallen, zum Zeichen, dass die Wanderung zu Ende. (V. 12) C. Josue wird durch die Erscheinung eines Engels für sein Amt gestärkt.

Als nun alle Könige der Amorrhiter, welche jenseits des Jordans auf seiner Westseite wohnten, und alle Könige der Chananiter, welche die Ortschaften nahe am großen Meere innehatten, Die Völker sollen Gott fürchten. [Jos 4,24] Die genannten sieben Völker werden hier in zwei Gruppen zusammengefasst. Könige heißen die Oberhäupter der einzelnen Städte. - hörten, dass der Herr das Wasser des Jordans vor den Söhnen Israels hatte austrocknen lassen, bis sie hinübergezogen waren, wurde ihr Herz verzagt und sie ließen den Mut sinken; denn sie fürchteten sich vor dem Einzuge der Söhne Israels. Hebr.: Sie ließen den Mut sinken vor den Söhnen Israels. Immer von neuem wird darauf hingewiesen, dass alles der Israeliten wegen geschieht, damit Gottes Güte und besondere Vorsehung ihnen in desto hellerem Lichte erstrahle. - Zu dieser Zeit sprach der Herr zu Josue: Mache dir steinerne Messer Josue folgt dem Gebrauche der Vorzeit. Vergl. [2Mos 4,25]. - und beschneide die Söhne Israels zum zweiten Male. Das Bundesvolk soll als solches, versehen mit dem Abraham gegebenen Bundeszeichen [Roem 4,11], in das Land der Verheißung einziehen, als ein geheiligtes, dem Herrn geweihtes Volk. Zum zweiten Male: Wie das Volk früher schon einmal beschnitten war. Seit dem Auszuge aus Ägypten ist es die erste allgemeine Beschneidung an den bisher Unbeschnittenen. - Da tat er, was der Herr geboten hatte, und beschnitt die Söhne Israels am Hügel der Vorhäute. So nannte man den Hügel nachher, dieser Begebenheit wegen. - Dies aber ist die Ursache der zweiten Beschneidung: Das ganze Volk, das aus Ägypten auszog, soweit es männlichen Geschlechtes war, alle streitbaren Männer Alle Männer von zwanzig Jahren an. Das galt als das Alter der Waffenfähigkeit. Vergl. [4Mos 14,29]. Immerhin hatte die Strafe nur jenen gegolten, welche wirklich Empörer gewesen, da Josue, Kaleb und andere ausdrücklich als Überlebende bezeichnet werden. - waren in der Wüste auf den langen Umwegen des Zuges gestorben; diese waren alle beschnitten gewesen. Dagegen das Volk, Es werden hiermit die dem Bunde Abrahams Fernstehenden bezeichnet, denen ja die Beschneidung des Leibes nichts nützte. Die Väter waren von Gott verworfen, darum sollten deren Leiber in der Wüste fallen. Die Strafe vierzigjähriger Wanderung sollten ihre Söhne mittragen, und dies ist (außer der Nachlässigkeit während der Zeit des Abfalls) der Grund, weshalb die auf dem Wege Geborenen nicht beschnitten sind. Nach Ablauf der Strafzeit werden die Söhne von dem auf ihnen lastenden Banne befreit und nach Chanaan geführt. So ward dem jungen Geschlechte das Bewusstsein lebendig erhalten, dass es in den Gottesbund eintreten soll, nicht allein durch die Gegenwart der Wolke und der Feuersäule, das Manna und andere Zeichen der Gnade Gottes, sondern auch durch das Zeichen der Glaubensgerechtigkeit Abrahams. Ohne besonderen Befehl Gottes will Josue den wichtigen Akt nicht vornehmen, der Herr aber gab ihm Trost, als er Israel in das verheißene Land eingeführt hatte, weil er durch diesen Gnadenbeweis die Herzen des Volkes zur Vollziehung seiner Gebote geneigt machen wollte. - welches in der Wüste geboren ward, war die vierzig Jahre hindurch auf dem Wege durch die weite Wüste unbeschnitten geblieben, bis jene umkamen, welche der Stimme des Herrn nicht gehorcht hatten und denen er vordem zugeschworen, Hebr.: Denn Jahve hatte ihnen geschworen, dass er sie das Land, dessen Verleihung an uns Jahve ihren Vätern zugeschworen hatte, nicht sehen lassen werde. – Die Septuag, an welche die Vulgata sich anschließt, war wohl von einem Worte „schwören“ auf das andere abgeirrt. – Uns: Gegensatz der Herzensgesinnung zwischen diesen und jenen. - er werde sie das Land nicht sehen lassen, welches von Milch und Honig fließt. Milch war ein Hauptnahrungsmittel der alten Morgenländer; Honig lieferte das Land in Menge, besonders von wilden Bienen. [Rich 14,8, 1Sam 14,26, Mt 3,4] Auch bei Euripides und Theokrit werden diese Erzeugnisse als Bild eines reichen Landes gebraucht. - Ihre Söhne waren an die Stelle der Väter getreten und wurden von Josue beschnitten; denn wie sie geboren waren, so waren sie in der Vorhaut geblieben, und niemand hatte sie auf dem Wege beschnitten. Nachdem nun alle beschnitten waren, Vielleicht wurde die Beschneidung von den einzelnen Hausvätern vorgenommen, ähnlich wie einst von Abraham. [1Mos 17,23ff] - blieben sie an demselben Lagerorte, bis sie geheilt waren. Da sprach der Herr zu Josue: Heute habe ich die Schmach Ägyptens Die Meinung der Ägypter, Gott habe Israel in die Wüste geführt, um sie dort zu Grunde gehen zu lassen. [2Mos 32,12] - von euch hinweggenommen. Und jener Ort ward Galgala Abwälzung, Wegnahme. Der Name war dem Orte wohl schon eigen und erhielt nun eine bestimmte symbolische Bedeutung. - genannt, bis auf den gegenwärtigen Tag. Während nun die Söhne Israels in Galgala blieben, feierten sie am vierzehnten Tage, des Monats am Abend, Der Abend des 14. Gehörte bereits zum 15. Tage. - in den Ebenen Jerichos, das Phase, und am andern Tag aßen sie von den Früchten des Landes, ungesäuertes Brot, und Geröstetes Geröstete Getreideähren, eine noch jetzt bei den Arabern sehr beliebte Speise. - von demselben Jahre. Das Manna aber hörte auf, Hebr.: Am folgenden Tage aber hörte das Manna auf – also am sechzehnten. Das Manna ist nicht mehr notwendig, da den Israeliten nun im Lande, das von Milch und Honig fließt, eine andere Speise zu Gebote steht. Es hört auf, damit sie erkennen, dass nur Gottes Güte das wunderbare Brot vom Himmel gespendet hat. - nachdem sie von den Früchten des Landes gegessen hatten, und die Söhne Israels genossen hinfort diese Speise nicht mehr, sondern aßen von den Früchten desselben Jahres aus dem Lande Chanaan. Als aber Josue auf dem Gefilde der Stadt Jericho war, erhob er seine Augen Andeutung, dass etwas Unverhofftes sich zeigt. Vergl. [1Mos 18,2, 1Mos 33,1.5, Dan 10,5]. - und sah sich gegenüber einen Mann stehen, der ein gezücktes Schwert in seiner Hand Das gezückte Schwert weist auf Gottes Allmacht. Ein Schwert trug auch der Engel, der Balaam entgegentrat [4Mos 22,29], und der Cherub an der Pforte des Paradieses. [1Mos 3,24] - hielt. Wie Moses im Dornbusche Gott sah und damit sein Amt als Führer des Volkes begann, so soll Josue erkennen, dass nicht seine Kraft und Weisheit die schwere Aufgabe lösen soll, die ihm auferlegt ist. Josue soll mit Feinden kämpfen, deshalb erscheint der Engel bewaffnet; Moses sah das Volk in Gefahren, darum erschien ihm Gott in den Flammen des Dornbusches, den Gottes Gegenwart schützt. - Da ging er auf ihn zu und sprach: Gehörst du zu uns oder zu den Feinden? Nicht umsonst hat Gott ihn gemahnt [Jos 1,6.7.9], stark und mutig zu sein. - Er antwortete: Das nicht, vielmehr bin ich der Führer des Heeres des Herrn, Führer sind die Engel, welche wir Erzengel nennen. (Hier.) Die Juden nehmen an, dass es der Erzengel Michael war, der nach [Dan 10,21] der Schutzengel des Volkes Israel war. Andere Ausleger nehmen mit älteren jüdischen Exegeten an, dass es derselbe Engel ist, der, wie Gott [2Mos 23,20] verheißen, vor ihnen herzog, das ewige Wort. - und komme soeben. War er nicht schon zuvor bei dem Volke? Hatte Gott nicht verheißen, Josue beizustehen, wie einst Moses? Er weist auf die besondere Bedeutung seiner Erscheinung hin. Vergl. [Dan 10,11.14.20]. -
Ein Engel erscheint den Israeliten
Da fiel Josue auf sein Angesicht zur Erde, Wie Moses [2Mos 3,6] und [Dan 10,8]. Ehe Moses und Josue wissen, mit wem sie reden, treten sie kühn herzu; da sie erfahren, dass Gott zu ihnen redet, wagen sie nicht, das Auge zu erheben. - betete an und sprach: Was hat mein Herr seinem Knechte zu sagen? Er ist bereit, zu gehorchen. - Er sprach: Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen; Noch sagt der Engel nicht, wozu er gekommen ist. Josue soll zuerst die Schuhe ausziehen, damit sein Herz desto mehr von dem Bewusstsein der Gegenwart Gottes durchdrungen werde. Der Befehl erinnert ihn an [2Mos 3,5]. Die Schuhe sollen ausgezogen werden, weil an ihnen der Staub der von Gott mit dem Fluche belegten Erde haftet. Darum mussten auch die Priester Hände und Füße waschen, wenn sie das Heiligtum betraten [2Mos 30,19, 2Mos 40,29] und gingen in diesem wahrscheinlich barfuß. - denn der Ort, an dem du stehest, ist heilig. Weil Gott gegenwärtig ist, wie einst im brennenden Dornbusche. Da tat Josue, wie ihm geboten war.

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