Isaias 1

I. Erster Teil. Kap. 1-37 – Vorrede. (Kap. 1) A. Undank und Frevel des Volkes. (V. 9) B. Strafe: Verwerfung der Opfer. (Vers 20) C. Gottes Gerichte gereichen zur Auferstehung und zum Falle.

Gesicht Die Propheten schauten mit dem Auge des Geistes die Zukunft. (Cyr., Al.) Der Name Seher deutet die Sicherheit und Gewissheit der Weissagung an. - Isaias', des Sohnes des Amos, welches er über Juda Das auserwählte Volk bildet den von Gott gesetzten Mittelpunkt der Weltgeschichte. - und Jerusalem Jerusalem umfasst in der prophetischen Sprache das Volk Gottes des Alten und des Neuen Bundes. - geschaut, in den Tagen Ozias', Joathans, Achaz' und Ezechias', der Könige von Juda. Höret, ihr Himmel! und horche auf, Erde! Vergl. [5Mos 32,1]. Auf jene Handlung Moses weist der Prophet hin und klagt den zeugen, dass Moses dem Volke das Gesetz eingeschärft, und dessen unentwegten Wächtern und Rächern den Abfall vom Gesetze. (Basil.) Himmel und Erde waren Werkzeuge der göttlichen Großtaten bei der Befreiung aus Ägypten, sie wirkten bei der Verkündigung des Gesetzes mit [5Mos 4,36] und sind auch [Ps 49; Weish 16] Werkzeuge der göttlichen Strafgerichte. (Thom.) - denn der Herr redet. Söhne habe ich aufgezogen und erhöht, Der Ausdruck begreift alles in sich, was Gott für Israel getan seit dem Beginne seiner Geschichte. - sie aber haben mich verschmäht. Sind von mir abgefallen. - Es kennt der Ochs seinen Eigentümer und der Esel die Krippe seines Herrn, Israel aber kennt mich nicht und mein Volk ist ohne Verständnis. Sie stehen nicht Menschen, sondern selbst den stumpfsinnigsten Tieren nach. (Basil., Chrys.) - Wehe dem sündigen Volk, dem Volke mit Missetat belastet, dem Geschlechte von Bösewichtern, den lasterhaften Söhnen! sie haben den Herrn verlassen, den Heiligen Israels gelästert, sind nach rückwärts abgewendet. Wohin soll ich euch ferner noch schlagen, da ihr Sünde auf Sünde häuft? Ist noch Hoffnung auf Besserung möglich? (Basil.) - Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz siech. Die Züchtigung hat bereits die edelsten Teile getroffen, welche den übrigen Leben, Bewegung und Kraft vermitteln sollen, Königtum und Priestertum. (Cyr. Alex., Hier., Thom.) Das Bild der Wunden ist auf die Strafheimsuchungen durch Verwüstungen von Seiten der Feinde und ähnliche Unglücksfälle zu beziehen. (Bas., Chrys., Cyr.) - Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Heiles an ihm, Wunden und Quetschungen und schwellende Beulen, nicht verbunden, nicht mit Heilmitteln versorgt noch mit Öl gelindert. Euer Land ist verödet, eure Städte sind niedergebrannt, eure Fluren verzehren Fremde vor euern Augen und sie sind verödet wie durch feindliche Verheerung. Wie [3Mos 26,16.31.33; 5Mos 28,23] gedacht ist. - Und die Tochter Sion Das Land wird als Mutter, die Einwohner als deren Söhne und Töchter angesehen. Durch einen leichten Übergang wird dann der Ausdruck Tochter, Jungfrau, Herrin auf die Stadt selbst übertragen. - steht verlassen wie eine Hütte im Weinberg, wie eine Nachthütte im Gurkenfelde und wie eine Stadt, die verheert ist. Die beiden ersten Vergleiche schildern Jerusalem in Bezug auf seine Umgebung, das dritte Glied den Schaden in seinem Innern. Anders das Hebr. im letzten Gliede. - Hätte der Herr der Heerscharen uns nicht einen Samen übriggelassen, so wären wir wie Sodoma geworden und Gomorrha würden wir gleichen. Höret des Herrn Wort, ihr Fürsten von Sodoma! Vergl. [5Mos 32,32; Jer 23,14] u.a. - vernimm das Gesetz unsers Gottes, Volk von Gomorrha! Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? spricht der Herr. Ich bin satt; Brandopfer von Widdern und das Fett vom Mastvieh, das Blut von Rindern und Lämmern und Böcken begehre ich nicht. Die Aufzählung begreift die verschiedenen Opferarten und opferfähigen Tiere nebst dem Hauptritus beim Ganz-, Fried- und Schuldopfer. Der Prophet betont den Geist des Gesetzes und den Willen des Gesetzgebers, nach dem der äußere Gottesdienst ein Symbol des inneren sein soll. - Wenn ihr vor mein Angesicht kommt, Gebräuchliche Bezeichnung für den den männlichen Israeliten vorgeschriebenen Tempelbesuch an den drei hohen Festtagen. Der jetzige Tempelbesuch ist so geartet, dass ihn Gott nicht will. - wer forderte dies von euch, dass ihr in meinen Vorhöfen umhergehet? Sie nützen gleichsam die Vorhöfe nur ab. - Bringet nicht ferner unnütze Opfer mehr; Räucherwerk ist mir ein Greuel, Neumond, Sabbat und andere Feste ertrage ich nicht mehr, eure Versammlungen sind gottlos. Eure Neumonde und eure Festlichkeiten hasst meine Seele; sie sind mir lästig geworden, ich bin es müde, sie zu ertragen. Vergl. [1Sam 15,22]. - Und wenn ihr eure Hände ausstreckt, werde ich mein Angesicht von euch abwenden; und wenn ihr noch so viel betet, werde ich euch doch nicht erhören, denn eure Hände sind voll Blutschuld. Waschet euch, reiniget euch, schaffet die Bosheit eurer Anschläge aus meinen Augen; lasset ab, verkehrt zu handeln! Die gehäuften Ausdrücke betonen die innere sittliche Läuterung und Reinigung. Hebr.: Reinigt euch, entfernt die Bosheit eurer Taten, bringet ins rechte Geleise die Gewalttätigen, führet der Witwe Sache. - Lernet Gutes tun, trachtet nach dem, was recht ist, kommet dem Unterdrückten zu Hilfe, verschaffet der Waise ihr Recht, verteidiget die Witwe! Das Gute wird nach der Seite der Gerechtigkeit hin vielfach näher bestimmt. - Alsdann kommet und rechtet mit mir! Auf Grund der entwickelten Gottesnorm bietet ihnen Gott gleichsam einen neuen Vertrag an. - spricht der Herr. Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie doch weiß werden wie Schnee; und wenn sie rot sind wie Purpur, sollen sie weiß werden wie Wolle. Die Vergleichung mit Scharlach und Purpur ist durch den Schluss von V. 15 veranlasst. Doch vergleiche auch [Offenb 17,4; Offenb 3,4.5; Offenb 7,14]. Die Rechtfertigung wird als eine Tilgung des alten Zustandes und zugleich als Neugestaltung und Umschaffung in einen neuen glänzenden Stand versinnbildet. - Wenn ihr willig seid Vergl. [5Mos 30,15.19]. - und auf mich hört, so werdet ihr die Güter des Landes genießen. Wenn ihr aber nicht wollt und mich zum Zorne reizt, so wird das Schwert euch vertilgen; denn der Mund des Herrn hat gesprochen. Wie ist zur Buhlerin geworden die treue Stadt, die voll des Rechtes war? Buhlen: fremden Göttern nachgehen. Das Volk Israel ist von Gott als Braut angenommen. Mit der Treue gegen Gott verfiel auch die Treue gegen die Menschen. - Gerechtigkeit wohnte in ihr, jetzt aber Mörder! Dein Silber ist zu Schlacken geworden, dein Wein ist mit Wasser vermischt. Der Adel der Geburt soll sich im Adel der Gesinnung betätigen, daher der Vergleich mit edlen Produkten und edlen Metallen. - Deine Fürsten sind treulos und Diebesgenossen; alle lieben Geschenke, haschen nach Vergeltungen; der Waise sprechen sie nicht Recht und die Sache der Witwe kommt nicht vor sie. Darum spricht der Herr, der Gott der Heerscharen, der Starke Israels: Die Häufung der Gottesnamen gibt der Rede Nachdruck und entfaltet die Strafmacht des Allgewaltigen, des verschmähten Bundesgottes. - Wehe, ich will mich getrösten an meinen Feinden Die hier gewählte Redeweise zeigt, wie sehr die göttliche Gerechtigkeit durch das Übermaß der Frevel zur strafrechtlichen Offenbarung gedrängt wird und stellt eine erschütternde Züchtigung in Aussicht. - und Rache nehmen an meinen Widersachern! Und ich werde meine Hand gegen dich wenden und deine Schlacken rein ausschmelzen und all dein Blei wegschaffen Das Strafgericht ist eine Läuterung und Scheidung. Bleiteile finden sich im Silbererze. - und ich werde dir wieder Richter geben, wie sie früher waren, Die Richter der Vorzeit, des Anbeginnes (hebr.) sind die großen Helden der Geschichte Israels Moses, Josue, Gedeon, Samuel, David, die das Volk im rechten Geiste leiteten. - und Ratgeber, wie vor alters; alsdann wird man dich die Stadt der Gerechtigkeit nennen, die getreue Stadt. Diese Verheißung ist ein für die fernere Entwicklung Israels geltendes Grundgesetz, das in schwächeren Umrissen durch Zorobabel, Esdras, Nehemias, die Machabäer, voll und ganz aber durch den Messias verwirklicht ward. - Sion wird durch Gericht erlöst und durch Gerechtigkeit wird es wiederhergestellt werden. Aus Gottes Strafgerichten ersprießt als Frucht die Gerechtigkeit, beides bedingt und vermittelt sich. - Aber die Frevler und Sünder wird er allzumal vertilgen und die, welche den Herrn verlassen haben, werden vernichtet werden. Denn sie werden zuschanden werden der Götzenbilder wegen, denen sie geopfert; und ihr werdet erröten über die Gärten, die ihr erwählt, Ihr, das Volk, das sich dereinst so feierlich Gott zum Herrn erwählt. [5Mos 7,6; Jos 24,15ff] - wenn ihr wie Eichen sein werdet, deren Blätter abfallen, und wie ein Garten ohne Wasser. Die Verödung der Kultusstätte findet ein Spiegelbild in der Vernichtung des blühenden Wohlstandes der Götzendiener. Vergl. auch [Jer 2,8]. - Und eure Kraft Der Inbegriff alles dessen, worauf ihre eure Hoffnung setzt, soll sich als nichtig erweisen und euer Tun selbst das unabwendbare Unglück aus sich erzeugen. - wird wie glimmende Wergasche sein und euer Tun wie ein Funke! Hebr.: Und es wird der Vermögende zum Werge und sein Werk zum Funken. beide werden zumal entbrennen und niemand wird sein, der lösche.

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